Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 22 (1961)
- Issue
- 1856 (28.2.1961)
- Date
- 1961-02-28
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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PUEYFiREDON 2190 — 1? i*q- T. E. 8 3 - 2 6 1 3 Año XXII. BUENOS AIRES, MARIES 28 DE FEBRERO DE I!)6I No. 1856 Eichmanns ungeheuerliche Verbrechen Köln. — Dr. Robert Servatius, der Verteidiger des Kriegs - Verbrechers Adolf Eichmann, teilte mit, dass die Gerichtsverhandlung gegen den Angeklagten am 10. April in Jerusalem beginnen wird. Diese Erklärung gab Servatius den Journalisten bei seiner Rückkehr von seiner vierten Reise nach Israel ab, wo er sich mit den Vorbereitungen für die Verteidigung des millionenfachen Judenmörders beschäftigte. Der Prozessbeginn war ursprünglich für den 15. März angesetzt worden, doch Servatius hatte von Anfang an seine Absicht geäussert, eine Vertagung zu beantragen. Dr. Servatius berichtete, es seien ihm keine Schwierigkeiten bereitet worden, mit Eichmann zu sprechen. Er fügte hinzu, die israelischen Behörden hätten ihm bei der Vorbereitung der Verteidigung keine Hindernisse in den Weg gelegt. Ferner bemerkte Servatius, er habe nichts davon gehört. dass Horst Eichmann, der Sohn des Angeklagten, zu Besuch in Westdeutschland weilen solle. Verwandte des jungen Eichmann hatten erzählt, dieser habe einige Tage zu einem ,,Familienbesuch'’ bei ihnen geweilt. VERBRECHEN GEGEN MENSCHLICHKEIT ’ Jerusalem. — Die offizielle Anklage gegen den ehemaligen Obersturmbann, fiihrer Adolf Eichmann, die von Generalstaatsanwalt Gi. 1 deon Hausner dem jerusalemer Bezirksgericht zugelei- I tet wurde, ist unter der Aktennummer 40 '61 registriert! worden. Diese Nummer gibt; an. dass dies der 40. Kriminalfall im laufenden Ka i lenderjahr ist. I Die Anklageschrift, die zum ersten Mal am 1. Februar bekannt gegeben wurde. enthält insgesamt 15 1 Anklagepunkte, von denen vier sich auf Verbrechen gei gen Juden, acht auf Verbre- ‘ chen gegen die Menschlichkeit und drei auf die aktive Mitgliedschaft in Organisationen beziehen, die vom Internationalen Gerichtshof von Nürnberg als verbrecherisch verurteilt wurden. Der Fall Eichmann bein- : haltet ein Delikt, das von! der modernen juristischen Terminologie als Völkermord gekennzeichnet wird und durch die Massenvernichtung von Menschen aus Gründen der Rasse, der politischen Ueberzeugung und des religiösen Glaubens cha. 1 rakterisiert ist. ZUSAMMENSETZUNG DES TRIBUNALS Jerusalem. — Der nach, ste Schritt im Eichmann- I Prozess ist die Ernennung von drei Richtern des Tribunals, das das Urteil über den Kriegsverbrecher fällen soll und von einem Mitglied des Obersten Gerichtshofes WIE ICH ES SEHE i Zum Gestaltwanuel unserer Zeit; ton JEHUDA GOTTHEIMER t Dass wir in einer Zeit leben, in der die Grundlagen unserer Existenz einem entscheidenden Wandel unter, worfen sind, dürfte heute nicht mehr bestritten werden. Ob hierdurch auch die inneren Lebenbeziehungen der Menschen eine Neuorientierung erfahren werden, muss allerdings dahingestellt bleiben. Denn die neue Ordnung unseres gesellschaftlichen Lebens erfasst zunächst nur die äusseren Bedingungen, unter denen sich dieses Leben vollzieht. Die unsichtbaren Triebkräfte, die das menschliche Leben heute wie gestern bestimmen, werden trotz des technischen Fortschrittes und der wissenschaftlichen Erkenntnisse auch für die nächste Zukunft die gleichen bleiben, die bereits seit Jahrtausenden das nationale wie internationale Leben der Völker beherrscht haben | Die Lenkung und Bewer- ' tung dieser Kräfte hat in! zahlreichen philosophischen ' Systemen, in den Religionen aller Völker und in der j Vorstellungswelt der Denker und Kritiker des historischen wie sozialen Prozesses, dem die Menschheit unterworfen ist, ihren deuti liehen Niederschlag gefunden. Soweit sich diese Be. : strebungen auf die Läute- ' rung des Menschen, seines . sittlichen Bewusstseins und ' seines sozialen Lebenswandels beziehen, blieb ihnen i der entscheidende Enderfolg bisher versagt. Ein grosser , Teil dieser religiös-ethi. 1 sehen Auffassungen sind zwar in die Bewusstseins- Sphäre der Menscheit eingedrungen, vermochten jei doch nicht die menschlii chen Leidenschaften zu zäh.! men, deren triebhaftes Aufeinanderprallen die Ursache aller Konflikte innerhalb der 1 Gesellschaft war und blieb. Neue Drohungen gegen Israel London. — Präsident Gamal Abdel Nasser wiederholte seine Drohung, Israel zu vernichten, um den arabischen Flüchtlingen,die Rückkehr in ihre früheren Heimstätten zu ermöglichen, wie aus Damaskus verlautete. Nasser erklärte anlässlich seines Besuches in der syrischen Hauptstadt, wo der Jahrestag der Vereinigung Syriens mit Aegypten gefeiert wurde in einer Ansprache: „Der Tag der Abrechnung rückt näher. Die VAR wird den ersten Nagel in Israels Sarg schlagen und die Zionisten zermalmen, bevor sie noch die Möglichkeit haben werden, die Araber zu besiegen.” Beer Sehewa. — General Zwi Tur. der Generalstabschef der Israel-Armee wies in einer öffentlichen Rede darauf hin. dass die VAR riesige Summen verausgabt, um „ihre Militärmacht für einen totalen Krieg gegen Israel zu stärken.” Er fügte hinzu, obzwar die Staatsmänner der VAR Schwierigkeiten bei der Verwirklichung dieser Bemühungen hätten, so bestehe doch nicht der geringste Zweifel, dass sie Fortschritte in der Erreichung ihres Zieles machen. „Israel”, so führte er I aus. „ist der VAR zwar um einen Schritt voraus, I doch es wird hart arbeiten müssen, um diesen ,quali-* 1 tatjven’ Vorsprung 'beizubehalten.” (ITA) Dass jedoch auch auf die. j sem Gebiet gewisse Fcrt- , schritte beobachtet werden dürfen, bietet der Menschheit die grosse Chance, aus! dem Stadium des Rechtes des Stärkeren eines Tages doch zum gleichen Recht für : alle zu gelangen. | Politiker, Soziologen, Hij storiker und andere Analy. , tiker des Zeitgeschehens meinen, wir stünden am Beginn des atomaren Zeit- | alters, das der Menschheit zahlreiche neue Perspektiven eröffnet. Mit den grossen technischen und wis- ' senschaftlichen Möglichkeiten, die sich heute darbie. I ten, wollen wir uns hier! nicht auseinandersetzen. I Die Erforschung des unendj liehen Raumes, die Reise | zum Mond und zu anderen i Gestirnen, die fortschreiten, j de Beherrschung der Naturj gewalten, das sind nur einige der grossen Perspektiven, die sich für diese neue Aera darbieten. Es wird erzählt, dass ein grosser Rabbi eines Nachts einen seiner Kollege» bei der Beobachtung des Weltalls antraf. Er fragte ihn, warum er sich mit der Durchforschung ferner Gestirne beschäftige, wo doch noch auf unserer Erde eine ungeheure erzieherische Ar. beit zu leisten sei, um den Menschen zu läutern und im Sinne des jüdischen sittlichen Weltbildes auszurichten. In dieser eigenartigen Begegnung zwischen zwei Grundvorstellungen, die sich nicht unbedingt ausschliessen müssen, neigt das Judentum stets zu - erdgebundenen Aufgaben der Besserung des menschlichen Lebens, der Erhöhung der sitt. liehen Kräfte und der Ver* mehrung des kulturellen Niveaus, wenn auch der Flug der Gedanken zu den Sternen eine lobenswerte, dennoch sekundäre Funktion ist, der man sich hingebenmag, wenn die primären präsidiert und zwei Bezirksrichtern gebildet wird. | Wie verlautet, hat sich Eichmann geweigert, die; Notifizierung von der Einleitung zweier Privatklagen auf Entschädigung zu unter schreiben. Diese Klagen; wurden von Frau Haw Fi. kasch aus dem Kibbuz liad Hanna und Herbert Walter- | stein aus Haifa angestrengt, ' die beide je 1.501 IL für die ihnen unter dem Naziregime entstandenen Schäden fordern. Die israelische Gesetzgebung gibt dem Beklagten 30 Tage Frist zur Beantwortung der Klage, j und wenn er hiervon keinen Gebrauch macht, so bleibt I das Verfahren anhängig. I DIE HONORARE DES VERTEIDIGERS l 1 Jerusalem. — Eichmanns Verteidiger, Dr. Robert 'Servatius, äusserte vor sei-! ner Abreise aus Israel, er wolle versuchen, von der deutschen Bundesregierung die Finanzierung der Verteidigung zu erreichen. Er verwies darauf, dass Präzedenzfälle für die Zahlung in Verfahren existieren, in denen es sich um ausserhalb Deutschlands angeklagte Nazis handelte. Servatius bemerkte, falls Deutschland die verlangte Hilfe leisten würde, so werde er die 20.000 Dollar zurückerstat. (Schluss auf Seite 8) Eine Botschaft Kennedys Washington. — Prä-ident Kennedy sandte den folgenden Gruss an die Verrammlung des Jüdischen Na. tir nalfonds. die hier sl MEnde!: „Ich freue mich, Ihnen anlässlich des Jahrestages des Jüdischen NatiuroIToncs meinen Gruss entbieten zu können. Die.-er Fonds! -det eine der konstruktivsten Errungersi h'it'en -es Zionismus für menschliche Wohlfahrt und soziale Entwicklung. Sie haben es vielen Amerikanern er;” - J, :cht, sich einem dauerhaften und wichtigen gemein Nn aliehen Werk ti-i die Freiheit anzuschliessen. tch hülfe, dass Ihre Sitzungen in Washington erfolgreich sein und neue Möglichkeiten und Programme für die Zukunft er s'-hliessen mögen, gez. rahn F. Kennedy)”. — (ITA) La Flota Mercante Israelí Tel Aviv. — La flota mereanie de Israel que consta de 53 barcos, incluyendo alffuuos arrendados, transporta ahora más de la mitad del comercio marítimo del país. Aparte del comercio de Israel, barcos de este país transportan unas 100.ÜCÖ toneladas anuales en el comercio internacional. En los próximos des años la flota mercante recibirá 15 barcos modernos, que se construyen ahora en diversos países. Part» de ellos continuarán sirviendo al comercio exterior israelí, pero en su mayoría deoerán encontrar ocupación en el comercio marítimo internacional. SCHLOMO S. TANGER Die Handelsflotte Israels Tel Aviv. — Die Handelsflotte Israels, die aus 53 Schiffen besteht, zu denen einige gecharterte Schiffe gehören, und die eine Gesamtlast von 461.238 Tonnen besitzt, transportiert gegenwärtig über die Hälfte des S-cehandels des Landes. Ausser Israels Handel transportieren die Schiffe dieses Landes rund 100 000 Tonnen jährlich im internationalen Handel. In den nächsten zwei Jahren wird die Handelsflotte 15 moderne Schiffe ci halten, die heute in verschiedenen Ländern gebaut werden. Einige von ihnen werden weiter dem israelischen Aussenhandel dienen, aber in ihrer Mehrzahl sollen sie im internationalen Seehandel eingesetzt werden. SCHLOMO S. TANGER I rätdichen Aufgaben ihre Er. i ”"ng gefunden haben. , c :eser Einstellung liegt auch c..<? Sorge um die Festigung der menschlichen Gesellschaft eingeschlossen. Denn diese Gesellschaft bildet das Fundament, auf dem der menschliche Geist allein sich erheben kann. Seele und Körper formen eine Einheit. Nur in einem gesunden Körper vermag sich eine gesunde Seele zu entfalten, wie die Gesundheit der Seele immer die Voraussetzung für die Gesundheit des Körpers bleibt. Wird die Seele, wird der Körper, wird das Leben zerstört, dann ist kein Raum mehr fiir irgendeine, noch so edle, erhabene, grossartige Idee oder Tätigkeit vorhanden. Das Paradies oder den Frieden auf Erden zu schaffen, wird so lange der Wunschtraum religiöser In. brunst oder eine Forderung der Menschheitsapostel bleiben, bis es nicht gelingt, diejenigen Voraussetzungen zu schaffen, die es der Menscheit ermöglichen werden, ihre Träume und Illusionen in die Wirklichkeit des Lebens umzusetzen. Wir würden also nur dann tatsächlich am Beginn einer neuen Aera der Menschheitsgeschichte stehen, wenn die Voraussetzungen des gesellschaftlichen Lebens andere sein werden, als sie dies bis heute gewesen sind. Sonst wird sich nur die Technik des Lebens, nicht aber sein Inhalt ändern. » Immerhin gibt es Erkenntnisse, die bedingen, dass ' verschiedene Ausdrucksiormo» der bisheri. gen Gesolscliaftsordnung abgewandelt werden müssen. Hierfür gibt es mannigfache Ursachen. Zu diesen Formen, die einer dringen, den Aenderüng bedürfen, gehören z. B. die internationalen Beziehungen, d. h. die Stellungnahme der Völker zueinander. Bisher konnten wir — wenn wir die Dinge etwas, keinesfalls allzu stark vereinfachen wollen — den folgenden Kreislauf beobachten: Friedliches Zusammenleben — Auftreten von Differenzen — Verhandlungen — Drohungen Abbruch der Beziehungen und Krieg, der immer die ultima ratio, des Rätsels letzte Lösung gewesen ist. Wenn man darüber hinaus die Mo. tive der Kriege untersuchen wollte, könnte man auch zu einer weitgehenden Simplifizierung der Sachverhalte gelangen und zu allgemeinem Erstaunen feststellen, dass nur recht wenige, voneinander abweichende Motive die Ursachen aller Kriege in den letzten paar tausend Jahren gewesen sind. Vor allem würde man feststellen, dass sieh hinsichtlich dieser Motive keine Wandlung oder auch nur Variation ergeben hat. In dieser Richtung tritt die Menscheit seit Jahrtausenden auf der gleichen Stelle. Schon seit etwa einem halben Jahrhundert setzte sieh immer stärker die Erkenntnis durch, dass der Fortschritt der Wissenschaft und Technik zugleich zu einer immer vollkommener werdenden Zerstörung des menschlichen Lebens, der Kulturen und Zivilisation führt. Seit wir aber um die Wirkung der Atonvbom- 1 ben wissen, rite auf japanische Städte niederfielen, ist; der Vernichtungsefickt der modernen Waffen noch um ein Vielfaches gesteigert; worden. Heule zweifelt nie-! mand mehr daran, dass! Völkerkrieg mit Völkervernichtung identisch sein; wird. Wenn die Völker weilerleben wollen, müssen sie den Krieg als Mittel der Auseinandersetzung ihrer internationalen Konflikte aus ihrem Repertoire sfrei. chen. Mit klaren Worten be- deutet dies nichts anderes,! als dass der Krieg als eine | Ausdrucksform des gesell- \ schaftlichen und des inter- | nationalen Lebens - leidet. Was das bc ' nn wahrscheinlich noch nicht I vollkommen übersehen wer. I den. Denn ohne Zweifel j würde dies den Verzicht auf eines der üblichsten Mittel; bei der Auseinandersetzung i zwischen den nationalen und , internationalen Interessen bedeuten. Da Krieg als Methode oder Form der „Klärung” divergierender Interessen seit Jahrtausenden Bestandteil der menschlichen Existenz, des nationalen wie des internationalen Lebens ist, dürfte der Fortfall dieser Methode im Angesicht der alles vernichtenden Zerstörungskraft der heutigen Waffen einen der stärksten (Schluss auf Seite 2) Mapai und Regierungskrise Jerusalem. — Die Mapai, die sich"-noch nicht von der durch die Affäre Lavor, verursachte Kxisc erholt hat, sieht sich jetzt vor einer neuen Schwie-] rigkeit. Ben Qürion hat verlangt, dass ihm im Falle j \on Neuwahlen bei der Aufstellung der Mapai-Kan. didaten das Vetorecht zustehen soll, um sich zu versichern, dass La von nicht in die Liste der Kandidaten eingeschlosen wird. A\s Ben Gürion diese Ankündigung im Sekretariat der Partei machte, glaubten die Anwesenden, darunter einige seiner treuesten Anhänger, nicht recht gehört zu haben. Als die zentrale Gruppe der Fraktion sich der Forderung Ben Gurions, Lavon auszuschliessen unterwarf, erwartete man, dass, hiermit die Affäre abgeschlossen sei und die Mapai sich geeint der Wählerschaft stellen können werde. Ben Gurions neues Verlangen könnte zu einer Krise innerhalb der Partei führen, worauf in eiitgeweihten Kreisen warnend verwiesen wird. UTA)