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Jüdische Wochenschau · 1961-02-21 · 1854 (21.2.1961) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
22 (1961)
Issue
1854 (21.2.1961)
Date
1961-02-21
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German, Spanish
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PUEYRREDON 2190 — 1? iaq. JfoJfemxïH&JsàcjelUcL Año XXII. BUENOS AIRES, MARTES 21 DE FEBRERO DE 1961 No. 1834 Panik unter den ' ' Marokkos Paris — Nach hier eingelaufenen Meldungen befindet sich die gesamte jüdische Bevölkerung von Marokko in einem Zustand der Panik, nachdem in verschiedenen marokkanischen Städten Juden verhaftet worden sind. Der aus Rabat stammende Bericht spricht davon, dass die Angst unter den Juden in den südlichen Städten des Landes am grössten ist, so besonders in Fez, Meknes und Sefrou. Die Zahl der in letzter Zeit verhafteten Juden beläuft sich auf 300. Allein innerhalb von 48 Stunden wurden in Sefrou 30 Juden festgenommen, die angeklagt werden, an der Verteilung von anonymen Flugblättern beteiligt zu sein, in denen die jüdischen Einwohner aufgefordert werden, Marokko zu verlassen. Folterungen sollen an der Tagesordnung sein, vor allem in der Hauptpolizei von Meknes. wo Methoden angewandt werden, die den von den Nazis verübten Greueln kaum nachstehen. Der Rat jüdischer Ge. meinden von Marokko bejrief eine Sondersitzung, um ' über die steigende musel- | manisch-jüdische Spannung ' zu beraten und veröffentlichte ein Memorandum, ia dem er die „Fortdauer der antijüdischen Pressekam-! pagne” anprangert, „die sich diffamie-ender Aus-! drücke und Erklärungen be.! dient”. Das Communiqué er- . hebt gleichzeitig Protest gej gen die „Forderungen unverantwortlicher Elemente wer diese auch sein und welche Gründen sie auch immer haben mögen.” Der 1 Rat unterstreicht seine Loyalität für König Moham-; med V., dessen liberale Ge- 1 sinnung er hervorhebt. Das ‘ Communiqué wendet sich | gegen die anonymen Flug. zettel und vertritt den! Standpunkt, dass diese mög- I licherweise das Werk von Provokateuren sind, die Un-! frieden zwischen den beiden Teilen der Bevölkerung j säen wollen. ' Roger Seydoux. der französische Botschafter in Ra- : bat, protestierte beim marokkanischen Aussenmini- ] sterium gegen die Verhaf- | tung von zwei jungen französischen Juden, André Nidj dam und Maurice Ruymy. : Der Diplomat führte an, es sei gegen die beiden seit 1 ihrer Festnahme keine Anklage erhoben worden, und 1 sie seien schon eine längere Zeit in Haft als dies das I marokkanische Gesetz er- ■ laubt. Er gab gleichzeitig ' der Besorgnis seiner Regie. i rung über die " Anwendung! der Auswanderungs-Gesetze ¡Ausdruck, wie diese den Ju-!den gegenüber gehandhabt wird, was. wie der Botschaf-! ter feststellte, den von den UN vertretenen Grundsätzen I widerspricht.! Admiral Kahane, der Präsident der Alliance Israélite ¡Universelle, ist in Marokko eingetroffen, um die Pro-; bleme zu studieren, denen 1 sich diese Organisation durch die Nationalisierung 1 einiger ihrer Schulen gegenübersieht. KALTE AUFNAHME! Casablanca. — Das vom Rat jüdischer Gemeinden Marokkos veröffentlichte : Communiqué, das einen Protest gegen die Behandlung der Juden in den letz- ' ten Wochen enthält, hat bei ¡den marokkanischen Juden ¡eine kalte Aufnahme gefun- ¡den, weil es nach ihrer Ansicht die brutalen Methoden [ bei den Verhaftungen und 'die von den Juden erlittenen Folterungen nicht hervorhebt. Das Communiqué wird als ein neues Zeichen der! Schwache des Rates be- | trachtet, der Furcht hegt, im Namen der marokkani- I sehen Judenheit aufzutre- | ten. Die Juden hatten eine ■Erklärung erwartet, die die von den Behörden nach Na- I zivorbild angewandten Folgerungen angeprangert hätte. (ITA) GRAN CENTRO DE DIAMANTES Jerusalem. — S* acaba de inaugurar oficialmente en ésta un gran .■Miro de diamantes, que dará trabajo a cerca de 1.900 obreros i empleados. El nuevo edificij tiene también instalaciones para la bclsa de diamantes, una sucursal de. banco, que otorgará préstamos a la industria, una sucursal de correo y una ofb'ma de aduana, que permitirá?» recepi'-cdirecto de los diamantes en bruto desde el exterior. ■-eeún dc^laracia-oes de* 1 señor Arie Greenfeld, secretario de la Coi nolición Fccrímica de Jerusa’.ern, el centro tendrá más facilidades para la industria del diamante reunidas bajo el mismo techo, de lo que puede hallarse en cualquier pa:s del exterior. Tsrael se ha rouverUdn en un importante factor en el comercio internacional de diamantes y se proyerta levantar centros similares en otras ciudades del país. SCHY.OMO S. TANGER Ein Diamanfenzenírum eroeffnel i Jerusalem. — Hier wurde kürzlich offiziell ein gro- I sses Diamantenzentrum eröffnet, das fast 1.000 Arbei-! tern und Angestellten Arbeit geben wird. Das neue Gebäude besitzt auch Installationen für eine Diamantenbörse, eine Bankfiliale, welche Anleihen an die Industrie erteilen wird, eine Postfiliale und ein Zollbüro, das den direkten Empfang der Diamanten aus dem Ausland gestatten w'ird. Wie Herr Arie Grcenfeld, der Sekretär der Wirtschafts-Korporation. von Jerusalem erklärte, wúrd das Zentrum mehr Erleichterungen für die Diamanteniudustrie unter einem Dach bieten, als man sie in irgendeinem Land des Auslandes findet. Israel ist zu einem wichtigen Faktor im internationalen Diamantenhandel geworden, und man plant, ähnliche Zentren in anderen Städten des Landes zu errichten. > ‘‘SCHI.OVIO S. TANGER WIE ICH ES SEHE ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ . von JEHUDA G0TTHE1MER i DAS ANTISEMITISCHE PANORAMA Trotz aller Bemühungen der höchsten Instanzen der Vereinten Nationen muss man ein Anwachsen der antisemitischen Propaganda in allen christlichen Ländern beobachten. Dies ist umso bemerkenswerter, als die Politik des Papstes Johannes XXIII. in vieler Hinsicht mit alten antijüdischen Vorurteilen aufzuräumen bemüht ist. Schliesslich dürfte es ein von der jüdischen Diaspora viel, zu wenig beachtetes Ereignis von einer weltweiten Bedeutung sein, dass manche Stellen aus dem christlichen Gebet gestrichen wurden, die einen schweren Angriff gegen die Juden darstellten und in die Herzen der Gläubigen, vor allem der kommenden Generationen seit Jahrhunnderten Hass und Abscheu gegen die Juden gesenkt haben. Sicherlich ist diese Massnahme des Papstes nicht von allen Priestern berücksichtigt worden, die , noch in eil em an'ioui^rten I Geist der Verächtln.hma- \ chung der Juden aufgew'aehsen sind und die sich noch nicht umstellen konn- | ten oder wollten. | Im Dienste eres Friedens! und im Kampf gegen den j Antisemitismus und Kommunismus hielt es der | Papst für angemessen, fi-; ne Annäherung der Religio- | nen zu befürworten und ali te, hemmende Schranken ' einzureissen. Ob diese Po. j litik nicht zu spät kommt, ob sie die erhofften Ergebnisse zu zeitigen vermag, ob sie geeignet ist, die eiserne Front der Ungläubigen und oes geistigen Materials zu brechen, kann niemand Voraussagen. Im. merhin werden gerade die Juden es begrüssen, dass ] die mächtige Katholische , Kirche ihre Haltung in ei-! ner Frage ändert, die durch I viele und finstere Jahrhun- 1 derte Unglück über unser i Volk gebracht hat, wrenn sie Eichmann handelte auf Befehl j London. — Dr. Robert Servatius, der Verteidiger ■ des Judenmörders Adolf Eichmann, erklärte in Haifa,! die Verteidigung des Angeklagten werde sich darauf stützen, dass dieser auf Befehl genandelt habe. Dr.! Servatius äusserte zu dem Berichterstatter der „Sun-! day Times”, Eichmann habe ihm gesagt: ..Ich weiss nicht, w'as man mit mir machen w'ird, und es ist mir! auch gleichgültig. Ich habe nur die Befehle meiner! Vorgesetzten ausgeführt, wie das ein Soldat tut. Ich habe als SS-Offizier den Schwur abgelegt, und später ■ habe ich noch einmal geschworen, und ich musste den Befehlen gehorchen.” Dr. Servatius versicherte, er sei „überzeugt”, dass das Urteil über Eichman;i, der für die Ausrottung von sechs Millionen euopäischer Juden verantwortlich ist, gerecht sein werde, weil „die Regierung Israels ein gerechtes Urteil zu fällen bemüht sein wird, denn jeder Schein von Ungerechtigkeit würde sofort von den Antisemiten in aller Welt ausgebeutet werden.” (ITA) auch nicht bewirken konnte,! den Glauben und die Le- | benskraft unseres Volkes zu zerstören. Wir wollen jej doch das Positive in der ] neuen kirchlichen Politik sehen und unserer Hoffnung Ausdruck geben, dass mit ¡dem Verschwinden antijüdischer Theorien in Gebet j und Praxis des kirchlichen Lebens eine Entspannung eintritt, die nur dem allge-! meinen Frieden auf Erden nützlich sein kann. | Jedoch können wir auch I nicht übersehen, dass noch immer mittelalterliche An-! schuldigungen und Verleumdungen der Juden im Rahmen der Kirche mög- I lieh sind, mit denen aufgei räumt werden sollte. Leider spielt in dieser Hinsicht die I österreichische Republik ei.! ne reichlich unglückliche I Rolle, die trotz ihrer demo. i kratischen Beteuerungen ein erzantisemitisches Land geblieben ist. Es wäre ganz nützlich, wenn sich andere Instanzen als jüdische und andere Kreise als die usrigen mit diesem Phänomen beschäftigen würden, um hier Wandel zu schaffen. Nicht nur dass die Kriegsverbrecher in Oesterreich ein neues Paradies gefunden haben, der Staat als solcher macht mit dem Bruch antisemitischer und nazistischer Traditionen nicht ernst. Warum, so fragt man sich, hat Oesterreich bis heute kein annehmbares Entschädigungsgesetz erlassen, obwohl es nicht zweifelhaft sein kann, dass die Schuld Oesterreichs nicht geringer als die der Deutschen ist. Unwillkürlich wird man an die Nassersche Methode erinnert, aus dem Unglück anderer noch Profite zu ziehen. Jetzt verlangen die Oester- (NEUE VERHAFTUNGEN Paris. — König Mohammed V. empfing eine jüdi- I sehe Delegation, der er ver_ ■, sicherte, er sei um das Wohl ¡der 200.000 Juden in seinem Land „bemüht”. Die Delegation, die dem König Ausdrücke der „Loyalität” der ¡Juden übermittelte, tiber- 1 reichte ihm eine Liste mit j Beschwerden und ersuchte! den Monarchen, seinen Ein- ’ fluss geltend zu machen, l um der „wachsenden Uneinigkeit zwischen Juden und i Mohammedanern” Einhalt 1 zu gebieten. S Kurz vor dieser Audienz wurden 15 junge Juden verhaftet und 48 Stunden im i Gefängnis von Casablanca festgehalten. JTA) ■ reicher von den Bundesdeutschen Geld, um ihre : Wiedergutmachung zu leisten! Aber dass der österreichische Staat in einem | Augenblick, als dies ihm opportun erschien, grosszügig gegenüber der westdeut, sehen Republik auf die Rechte seiner Untertanen | verzichtet hat, das ist heute bereits vergessen.! Vielleicht findet ein jüdisches Gremium demnächst , einmal den Mut, Oester. 1 reich öffentlich — z. B. vor den UN — wegen seiner | Haltung anzuklagen. Zeit wäre es inzwischen, nachdem alle Versprechungen bisher nicht eingehalten wurden, nachdem zahlrei.! che nazistische Organisationen unter allen möglichen | Tarnungen oder ganz offiziell ihr unheilvolles Werk I in Oesterreich fortsetzen ¡können, und nachdem Nazi- Verbrecher frei und u.ibe- 1 heiligt ihr Unwesen in österreichischen Landen trei-; ben können. Obwohl uns I diese Streitfrage wenig in-! teressiert, Tatsache ist, I dass die österreichischen Kreise ihren nationalisti-; sehen Chauvinismus über die Tirolfrage „auf Touren” zu bringen versuchen. Be-! dauerlich hierbei bleibt nur , die notwendige Feststellung, i dass die Welt hierzu schweigt, obwohl jeder I weiss, dass Nationalchauvinismus und Antisemitismus, I die beide heute wieder einj mal in Oesterreich blühen, ¡Wegbereiter des Unglücks | sind, das man heute noch nicht sieht, das aber den. j noch eines Tages wieder hereinbrechen wird. Vergeblich versuchen die | österreichischen Juden ge! gen diese Haltung der Be- | hörden in Wien Sturm zu! laufen. Vielleicht sind ihre; Methoden nicht richtig und ' ihre Proteste zu schwach, da sie noch immer grosse , österreichische Patrioten sind Und sich gern auch im; öffentlich-politischen Leben hervortun. Aber ihr Willen, mit den Misständen aufzuräumen und die Behörden . zu einem Einschreiten zu | veranlassen, ist gross und i ehrlich. Das konnte man ¡erst kürzlich auf einer /er. . Sammlung in Wien feststel. |len, in der von jüdischer Seite auf den Ernst der La. , ge hingewiesen worden ist.! Für viele mag es eine Neuigkeit gewesen sein, dass „in Oesterreich Mörder, die tausendfache Schuld auf sich geladen haben, faktisch frei herumlaufen und .unter uns’ leben”... Besonders bezeichnend ist auch das Beispiel des Liquidators der Wilnaer Juden, eines gewissen Franz Murer, der heute in Oesterreich als vollkommen unbescholten gilt und sogar Präsident der Landwirtschaftskammer in Liezen ist (!). I Zahlreiche Massenmörder, 'die tausende jüdische Lej ben in Drohobycz, Kolomea. i Stryj und Stanislaw auf Idem Gewissen haben, er-! freuen sich heute in Oester. I reich der ruhigsten Freiheit. Aber die österreichischen Instanzen kümmern sich hierum nicht; sie stellen sich unwissend und lassen sich erst aus anderen ■ Quellen informieren. Nur wenn die deutschen Behörden Beweismaterial schik. ken und die Inhaftnahme von Kriegsverbrechern erlangen, nur dann greifen die österreichischen Stellen ein. Bei solcher Haltung und Einstellung darf man sich nicht wundern, wenn auch keine Anstalten gemacht werden, durch ein der Sachlage gerecht werdendes Entschädigungsgesetz an den Opfern der Verfolgungen wenigstens materiell wiedergutzumachen, was ihnen von Oesterreich und von Oesterreichern angetan worden ist. | Noch immer versucht man in Oesterreich an der Illu- , sion festzuhalten, dass dieses Land „unschuldig” sei. Ein Verbrecler, der be-; kennt, zeigt wenigstens den Mut, seine Schuld einzugei stehen. Die österreichische öffentliche Meinung dage. , gen versucht weiterhin der Welt einzureden, dass Oe. , sterreich zum Nazismus gej zwungen worden sei. Es gibt ¡kein anderes von den Nazis j besetztes Land, das diesen : Augenblick mit solcher In-; brunst herbeigesehnt hat! wie Oesterreich. Es gibt i auch kein anderes Land, in ¡dem di Juden so schändi lieh behandelt worden sind,! wie dies in Oesterreich der j Fall gewesen ist. Was die; Wiener an den Juden ver-! sündigten, welche niedrige Gesinnung dabei dort her. I vortrat, konnte niemals »n j 1 (Schluss auf Seite 2) Nehru empfing Gideon Rafael New Delhi. — Ir, politischen Kreisen wird einer halbstündigen, privaten Unterhaltung, die zwischen dem Ministerpräsidenten Jawaharlal Nehru und dem Vizedirektor des israelischen Aussenministeriums, Gideon Rafael, stattgefunden hat, grosse Bedeutung beigelegt. Rafael ist zu einer Sitzung der Weltorganisation für Gesundheit nach New Delhi gereist und war der einzige Delegierte, dem der indische Premierminister bis zu diesem Augenblick eine Privataudienz gewährte. Die Zusammenkunft wird insofern als wichtig betrachtet, als die Arabische Liga beabsichtigt, hier ein Büro zu eröffnen. Wie die londoner „Times” berichtet, hat der israelische Diplomat zu dem ndischen Aussenminister seine Besorgnis geäussert und wahrscheinlich die „notwendigen Sicherheiten” erhalten. Rafael erklärte, er habe mit dem Ministerpräsidenten internationale Fragen besprochen, die für bei de Länder von Interesse sind. Ausserdem ist Rafael von Frau Lashmi Menon empfangen w'orden, die indischer Vizeminister des Aussenministeriums ist. — (ITA) 5

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