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Jüdische Wochenschau · 1961-02-07 · 1851 (7.2.1961) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
22 (1961)
Issue
1851 (7.2.1961)
Date
1961-02-07
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German, Spanish
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FRANQUEO PAGADO ,!• Conctcióa 908 t O U s V » c (J u < Ü . Coacecióa 1629 TARIFA REDUCIDA ïMfcai Año XXII. BUENOS AIRES. MARTES 7 DE FEBRERO DE 1961 No. 1851 EL EJEMPLAR •n lod« 1« Ropùblicï Bueno* Air** pueyrredon ai90 1» T. E. 83 . 2613 4, Isq. Werueber die anderen lachen Kaum merklich hebt sieh aus dem Wasser des Persischen Golfes die salzverkrustete Flachküste der Ostprovinz Saudi-Arabiens. Behutsam wird der grosse Tanker an den Pier von Ras Tanura geschleppt. Zwei Herren der Oelgesellschaft Aramco (Arabian American Oil Company) nehmen den Reisenden in Empfang und schleusen ihn mit wortreichen Erklärungen durch den sauditischen Zoll. Und dann beginnt ohne eine Minute Zeitverlust das grosse Besichtigungs- und Erklärungsprogramm: ..Wir könnten selbst ohne neue Investitionen viel mehr j Oel fördern, wenn man es uns nur abkaufen würde“, ■ klagt unser Begleiter. Da- , bei profitiert die Aramco i Das ist Saudi-Arabien, das Reich König Sauds, ibn Abdul Tziz al Saud, sechsunddreissigmal so gross wie die Schweiz und zu rund. 98 Prozent Wüste. Niemand weiss, wieviel Sauditen es gibt. Man einigte sich auf fünf bis sieben Millionen und meint, ein Viertel davon seien Nomaden. Man weiss nicht, wieviel Dutzend Kinder der König hat, wieviel Geld er jährlich ausg:bt und wozu er es verwendet. Der König ist oberster Heerführer und als oberster Richter Herr über Leber, und Tod. Ihm gehören das L.and, das Oel und bisher rund zehn Milliarden SFr. Oeleinnahmen, die gegenwärtig im Umfang von 1,2 Milliarden jährlich in des Königs Kassen fliessen. Ein wirklich solider Reichgegenwärtig von dem Rück-' tunii würde man auf den gang der Produktion im \ el-sten Blick meinen. Doch benachbarten Scheichtum : ¿jg Sauditen sind dessen Kuweit. I nicht so sicher. Ihr Oel ist ,.Wir werden unser i Pro-! aus produktions- und ver- . - .... duktion in den nächsten waltungstechnischen Grün-; Port Said zu Präsident Nas- Jahren auf der jetzigen 1 den eines der kostenmässig , ser. Höhe halten können. ' Aber f ..teuersten“ Oele im Mittwir glauben nicht, dass wir; •eren Osten. Man befürchlich noch Rials im Wert von sechzig Dollar. Der König fürchtete von seinen jüngeren Brüdern ermordet zu werden und traut« sich nicht mehr aus seinen Privaträumen. Auf den Strassen verhöhnte man ihn wegen seines angeblich misslungenen Versuchs. Präsident Nasser für 25 Millionen Sfr ermorden zu lassen Unwillig gab der König in dieser Lage seinen Einfluss an Emir Feisal ab, begehrte noch einmal auf und .zog sich dann endlich von den Staatsgesehüfäen zurück. Seither hat Feisal mit Hilfe ausländischer Experten , die Währung saniert. Die dazu notwendigen Massnahmen haben das Land in eine vorübergehende Wirtschaftskrise gestürzt, deren Auswirkung Geldknappheit i und Anzeichen von städtischer Arbeitslosigkeit sind. Feisal zwang den König zu | einem ..Bussgang“ nach; TOr NATO TO A FORMER HlTtER COMMANDE* % HEUS INÔéR sie wesentlich über das Ni- \eau von 1959 steigern können. Deshalb haben wir begonnen, unsere Unkosten durch ein neues Sparprogramm einzuschränken.“ Trotz dieser für Otdeute ungewohnt vorsichtigen Worte scheint die Aramco zir"prosperieren, wie uns ein Blick auf Dhahran lehrt, die reizende Veiwaltungsstadt der Aramco im amerikanischen Bungalowstil. Dann trägt uns ein von eij tet, dass Saudi-Arabien eines der ersten Opfer einer . preisschleudernden“ Konkurrenz der Russen und des durch den Transport begünstigten nordafrikamischcn Oels werden könnte. So hat das Gefühl, dass die Bäume leider nicht weiter in den Himmel wachsen werden, zu den ersten ernsthaften Reformen im sauditischen Staat geführt. Im März 1958 musste der König praktisch die gesamte Gewalt an seinen ältesten nem Araber elegant gesteu- . erter Wagen weiter nach j Bruder abgeben, den Krön Hofuf, einer relativ unberührt alt3rabischen Stadt, deren niedrige, krumme Lehmhäuser im Schatten der verstaubten Palmen noch im Schlaf ewig gleichartiger Jahre dämmern. Musikalisch knarren die hölzernen Schöpfwerke zum Schrei der die Sisyphus-Arbeit leistenden Eselchen. Misstrauische Blicke treffen den seltenen Ausländer und scheu huschen die schwarz vermummten Frauen aus seiner Nähe. I prinzen, Aussen-, Innen-! und Finanzminister Emir I Feisal. Des Königs Ver- [ schwendungssucht und seine ungeschickte Aussenpolitik hatten das Land an den Rand des Bankrotts und der politischen Aechtung durch die Nachbarn gebracht. Die '■•auditische Währung, der Rial, hatte die Hälfte seines Wertes eingebüsst. Sil» bermünzen wurden zentnerweise ins Ausland verschoben. In der Staatskasse befanden sieh angeb- Zeugen im Eichmann-Prozess Jerusalem. — Ausser der Mutter der Fallschirmspringerin Hanna Szenes und Joel Hansi Brandt, die ir der bekannten Sache ,.Lastwagen für Blut” verhandelten. enthält die Zeugenliste der Anklage 39 Namen. in der Hauptsache von ehemaligen Führern jüdischer Gemeinden in den von den Nazis besetzten Terrhorien. Hierunter befinden sich Philip Frudigcr, Expräsident der orthodoxen Jüdischen Gemeinde von Budapest, Dr. Arie Breslauer, Vizepräsident der Jüdischen Gemeinde Prag, einer der Organisatoren der F.ucht der ungarischen Juden. 1 Ferner sind a’s Zeugen benannt: Dr. Martin Fömi der Bürgermeister des Ghetto in der Tschechoslowakei, der in Auschwitz und Buchenwald interniert gewesen ist. Dr. Paul Meteoz, der letzte Präsident der tschechischen Zionistischen Föderation vor dem Krieg; Berdich Steiner, der oekannte tschechische Führfer, der in Sachsenhauser, war; der tschechische Maler Jehuda Bakin, einst Häftling in Theresienstadt; Dr. Hugo Kratzki, der zugegen war, als E ciimann perscnlicn den Befehl zur Deportation von 1.00(< Juden aus der tschechischen Stadt Morawska Olrawa gab; Dr. Benno Cohn, der letzte Präsident a>-.r deutschen Zionistischen Föderation, der auch meerrnals mit Eichmann zusammentraf; Walter Linaensrrauss, der Eichmann begegnete, als dieser Leiter cb*- Auswanderungs-Abteilung war, sowie Mosche Agaznz ISr Eichmann sah, als er in Wien sein Handwerk ausübte. (ITA) | Der König, über diese Entmachtung und das selbstherrliche Auftreten Feisals . verstimmt, sammelte durch I groszügige Spenden Anhän- : ger. Eigentlich ein geschwo- * rener Pressefeind, ermutig- te Saud zur Abwechslung! einige Journalisten, die j Schaffung einer Art parlaj mentarischer Ständedemoj kratie zu fordern. Hinter I diesem Senachzug sieht man die Hand von Abdul Aziz Mohmar, einem neuen Berater des Königs, der eine sauditische Art von Monarchie-Sozialismus propagiert. Feisal wurde auf die Weise von der Linken“ unter Druck gesetzt. Gleichzeitig forderten Prinzen, Stammesscheichs und Ulemas (Korandeuter), dass Feisal gegen die „sozialistischen” Ideen scharf Stellung nehme. Feisal entzog sich dieser Kabale durch e'men Kuraufenthalt zur Pflege seines Darmleidens in der Schweiz. Manche Beobachter erblicken in der stellvertretenden Uebernahme der Staaosgeschäfte durch den König einen erzwungenen Rücktritt Feisals. Doch erst im Herbst, wenn aus klimatischen Gründen die Regierui-gscätigkeit wieder an Umfang zunimmt, wird sich zeigen, ob es dem König gelungen ist, Emir Feisal auch nur teilweise zu entmachten. Saudi Arabien braucht mehr fähige und saubere Männer wie Emir Feisal, I statt Monarchen vom Schlage König Sauds. Die gebil-! detere und anspruchsvollere i junge Generation wünscht | mehr echte Freiheit, sozialen und wirtschaftlichen i Fortschritt. Während im I Vordergrund König Saud nach Vätersitte die Beduinenscheichs mit opulenten „Ja, it s good to see the German breed becoming popular again” 'Heu singer wird J or sitzender des IS ATO-Mililaerausschusses „Ja es tut gut zu sehen, wie die alte deutsche Zucht wieder volkstümlich wird.“ (Der Dackel praesentiert in der englischen Karikatur seit jeher Deutschland. Franklin im „Daily Mirrcr”) sind ein unentbehrlicher Träger des sich rasch entwickelnden sauditischen Schulwesens. Aegyptische Ingenieure und Architekten demonstrieren als gesuchte Spezialisten einen vielbewunderten arabischen Weg ins zwanzigste Jahrhundert. Und dennoch wagt Kairo nicht, seinen Einfluss auf König Saud wirken zu lassen. Trotz acht Jahre panarabischer Politik sind die Aegypter in den Augen der meisten Sauditer immer noch bestenfalls zweitklassige Araber und lässige Mohammedaner, denen man die Obhut der Heiligen Stätten des Islam nicht anvertrauen sollte. Noch wirkungsvoller werden die panarabischen Bestrebungen auch hier durch die Anwesenheit des Oels blockiert. Wie in allen Ödländern entlang der westlichen Golfküste weigert man sich auch in Saudi Arabien, den neuen Reichtum mit Aegyptens hungrigen Millionen zu teilen. Und Nasser anderez'- j seits müsste den Zorn seiner Landsleute fürchten. W'ollte er die Araber nur politisch einigen, ohne die unj gleiche Verteilung des Oel-; reichtums zu korrigieren. So sind es die besonderen ( religiösen und wirtschaftli- | eliez1 Umstände, die der Dy-! nastie Ali Saud ihre Unabhängigkeit erhalten helfen. ' Doch der Glaube an die si- Der Grossrabbiner i Trotz des Koranvei’bots berechnen sie Zinsen für ihre Dai'lehen unter dem Tarnj von Moskau wort „Behandlungsspesen’', t Sie umgehen das strenge Alkoholverbot, indem sie ein Malznährgetränk importieren, das sich mit Hilfe von Hefe in Bier verwandeln lässt. Auf diese Weise werden heute schon Voz-- schi’iften umgangen, die man vielleicht morgen als unangenehme Behinderung ganz absti'eifen wiz-d. chei’e Zukunft des Oels ist Gastmählern hofiert, plärrt i im Schwinden urj* ine echim Hintergrund die mächtij te polnische und* wirtschaftge Stimme Kairos aus den Radios derer, die auf eine bessei-e, modernere Zukunft hoffen. Radio Kairos aggressive politische Kommentare gehen leichter ins Ohr als Radio Mekkas betont religiöses Pi’ogramm. Tausende von ägyptischen Lehrern liehe Entwicklung muss an seine Stelle t 'ten. Die reichen und selbstbewussten KauLezite in Riad, Dschidda und Damman drängen an che Macht und sind entschlossen, die staire Feudal-Theokratie der Schriftgelehrten und Beduinenscheichs zu brechen. Diese allmähliche Modei-- msierung Saudi Arabiens mag weitez-hin gleichmässig fortschreiten, wenn die Oeleinnahmen wie bisher den Aufschwung tragen. Auch nur ein Sinken der Oelgewdnr.e würde binnen wenigen Jahren die Wirtschaft und Sozialstruktur dieses ohne Petroleuzn sprichwörtlich armen Landes zusammenbrechen lassen. Die von der Regierung als „eigenznächtig’ beklagten Lohnerhöhungen der Oelgesellschaft haben zu einer Massen - Abwandez-ung aus J der Landwirtschaft geführt. I Die grossen Viehherden i schrumpfen, und viele der einst so pz-ächtigen Dattelhaine verdorren. Struppig und staubig stehen die Palmen im spärlichen Nass der verschlammten Wassergräben. während sich der unablässig wandernde Sand durch die zerfallenden Blätterzäune auf den jahrhundertealten Oasenbod^n legt. . Ein Anblick, der den | Reisenden nachdenklicher! stimmt als all der naiv-kit-; schige Luxus in den Palü- : sten der Fürsten und | Scheichs. London. — Grossrabbinei Jehuda Leib Levine, der auch als Dekan der Jeschiwa fungierte, welche von einer kleinen Anzahl von Theologie . Studenten der moskauer Synagoge besucht wird, ist als Leiter der Jeschiwa abgesetzt worden. Dies besagt ein Kabel aus Moskau, das hier eintraf. Wie es dazün heisst, sei dieser Wechsel eine Routine- Massnahme, die anscheinend irgendwie die Jüdische Gemeinde von Moskau verändert. In dem Kabel wird klargestelt, dass Rabbi Levine weiter Grossrabbiner bleibt. (ITA) Freilassung Zinds verfuegt Rom. — Ludwig Zind, der aus Deutschland floh, um sich einer Freiheitsstrafe wegen antisemitischer Aeusserungen aus dem Jahre 1958 zu entziehen, ist auf Verfügung eines napolitanischen Gerichts treigelassen worden. Der Richter brachte zum Ausdruck, dass Zind „nur t*:re persönliche Meinung ausgesprochen habe.” Bei dem Prozess legte die Deutsche Botschaft in Rom dem Gericht Beweise /or, dass Zind sich ferner des Besitzes eines falschen Passes und anlerer Vergehen schuldig gemacht hat. (ITA) Registro de la Propiedad Intelectual No 656.635 Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 831

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