Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 22 (1961)
- Issue
- 1848 (27.1.1961)
- Date
- 1961-01-27
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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'-‘C CB PUEYRREDON 2190 — 1? izq. /a JkntoKa^hxÀ^JMa T. E. 8 3 - 2 6 1 3 Año XXII. ¡BUENOS AIRES, VIERNES 27 DE ENERO DE 1961 No. 1818 Proteste aus aller Welt Jerusalem. — Frau Gofda Meir empfing eine Delegation nordafrikanischer Einwanderer. Sie erklärte Ihren Besuchern, die israelische R3gierung verharre unerschütterlich auf ihrem Standpunkt, dass die freie Einwanderung von Juden in Israel beibehalten werden müsse. Die Audienz fand nach der Gedenkfeier im Parlament für die 43 marokkanischen Juden statt, die auf ihrer Flucht nach Israel im Meer Schiffbruch erlitten. ■ Unter den Delegierten befanden sich marokkanische Siedler, Rabbiner im traditionellen orientalischen Ornat. Minister und Knessetmitglieder. Die Sprecher erhoben Protest gegen die in Marokko geübte Verfolgung der Juden und forderten, dass die ETN einschreiten müssten, um Marokko zu zwingen, die Bestimmungen der UN-Charter und die Menschenrechte zu respektieren. New York. — Das American Jewish Committee beschuldigte die Polizei von Casablanca und anderer marokkanischer Städte des brutalen Vorgehens gegen die Juden. Dies sei auf die Agitation ägyptischer Propagandisten zurückzuführen, die während des kürziichen Besuches von Nasser am Werke waren und auch heute noch den Hetzfeldzug fortfiihren. so heisst es. Frederick F. Freeman, der Präsident der Exekutive des Comités, forderte die Regierung von Rabat auf. der Verletzung der Menschenrechte ein Ende zu bereiten. Er kündigte an, wenn diese Ausschreitungen I andauern sollten, so würden die UN eine Untersuchung über den Antisemitismus und andere Formen von Diskrimination einWten müssen. Er stel te fest, dass diese Gewaltakte von der Polizei begangen ’urden, das Publikur jedoch niemals an ihnen beteiligt war. Die Vorfälle hätten ein Ausmass erreicht, dass sie an die Zeiten Hitlers erinnern würden. So sind 20 Studenten der Newe Schalom-Jeschiwa in Casablanca ohne Grund verhaftet worden und als ihr Rabbiner, Rabbi Wrechschner, den Versuch unternahm, zugunsten seiner Schüler zu intervenieren, nahm ihn die Polizei ebenfalls fest. Auf dem Polizeirevier wurden vage Beschuldigungen geäussert. so z. B. dass die jungen Leute schwarze Kappen tragen und eine israelij sehe Fahne bei sich trugen. Rom. — Sergio Piperno, der Präsident der Vereinig- I ten Jüdischen Gemeinde j Italiens forderte zur Abhal- I tung von Gcdenkgotlesdiensten für die marokkani- , sehen Opfer in allen Synagogen auf. Die mailänder 1 Zeitung „C’orriere Deila Sera” berichtet über die Schiffskatastrophe ieinem Leitartikel auf der ersten Seite und wendet sich an die UN mit dem Ersuchen, Marokko aufzufurdern. die 1 UN-Charter und die grundlegenden Prinzipiell der D?- klaration der M, nschenrechte zu befolgen. (ITA) í BEM nUBlCN! vmu&mmT Ä'mhiedsgruss Eisemhewers Jerusalem. — Expräsident Eisenhowcr zollte l dem nationalen Charakter Israels seinen Tribut und; nannte ihn ..das Wesen seiner Kraft und Grösse”, | wobei er versprach, sein Interesse weiterhin den l Problemen des jüdischen Staates zuzuwenden. ■ In einem Abschiedsschreiben an Minislerpräsi- ' dent Ben Gurion, das der Öffentlichkeit zur Kenntnis gebracht wurde, heisst es: ,,Vor Niederlegung meines Amtes, sende ich Ihnen meinen persönlichen Abschiedsgrus-s . Während der Jahre, in denen ich meinem Land als Präsident gedient habe, ist unsere : Zusammenarbeit für die gemeinsame Sache des Weltfriedens in Gerechtigkeit eine so enge gewesen, dass ich mich ihrer stets mit tiefer Befriedigung erinnern werde. Durch unser gemeinsames Streben bin ich zu einem besseren Verständnis des Volkscharakters von Israel gelangt, der das Wesen seiner Stärke und Grösse bildet. Ich werde stets dem Lauf der is-! raelisehen Fragen mein reges und wohlwollendes In- I teresse widmen.” (ITA) I WIE ICH ES SEHE *♦«♦♦♦♦♦♦«-»♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦ ♦♦ ** tM I Es genügten die zwjelf Jahre jj . von JEHUDA GOTTHEMER Es genügten die zwölf Jahre, die mit dem 30. Januar 1933 über die Menschheit mit der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten liereinbrachen. An ihrem Ende standen rauchende Trümmer, unter denen Millionen begraben lagen. Dass diese grausige Epoche bis heute nicht überwunden werden konnte, beweist der Zustand, in dem dein sich das internationale Leben befindet, beweisen die Menschen, die sich von den Schlacken einer solchen Vergangenheit, ob Täter oder Opfer, noch nicht zu befreien vermochten, beweisen die Beziehungen der Völker untereinander und das gesamte gesellschaftliche Bild, das sich in den Nachkriegsjahren immer klarer herausbildet. Dank des grossartigen Sieges der alliierten Armeen konnte der totale Zusammenbruch des auf 1.000 Jahre verkündeten Reiches herbeigeführt werden. Aber die Voraussetzungen, unter denen die Niederlage der Nazis ermöglicht worden ist, schufen eine Fülle von Lebensbedingungen, die zu unglücklichen politischen, geistigen und wirtschaftlichen Konstellationen hinüberleiteten. Der gewaltige Machtzuwachs der Kommunisten ist eine der tragischen Folgen, die sich eindeutig aus der nazistischen Gewaltpolitik ergeben. Niemals wären die Russen bis an die Elbe vorgedrungen, wenn nicht die Nazis ihnen den Weg geebnet hätten. Manche Kritiker meinen, von einer Schuld an diesem kommunistischen Machtzuwachs seien auch die westlichen Alliierten nicht ganz freizusprechen. Man benutzt in diesem Zusammenhang gern die Gelegenheit, einen der grössten Männer unseres Jahrhunderts, den Servatius gibt Erklaerungeu Jerusalem. — Dr. Robert Servatius, der Verteidiger Adolf Eichmanns, erklärte, wenn der ehemalige SS-Obersturmbannführer zum Tode verurteilt werden sollte, werde sofort gegen dieses Urteil Berufung eisgelegt werden. Er gab der Hoffnung Ausdruck, dass der Prozess nicht länger als zwei Monate dauern würde. Er erwarte, so äusserte er ferner, dass nur ein Teil der 5.000 Seiten umfassenden Geständnisse, die Eichmann bei den Polizeiverhören abgelegt hat, vor Gericht verlesen würden, um das Verfahren abzukürzen; Des weiteren teilte er mit. die Familie Eichmann habe für die in der Zeitschrift „Life” verj üffentlichten Memoiren rund 5.000 Dollar erhalten! und von dieser Summe 4.000 Dollar als Teil seines Anwaltshonorars gezahlt. Servatius gab diese Erklärung vor seiner Rückreise nach Westdeutschland ab. Er bemerkte, er müsse abreisen, weil man ihm noch nicht die Kopie der Anklageschrift ausgehändigt habe. Er bedauerte, hiervöp nicht früher in Kenntnis gesetzt worden /u sein, denn dann hatte er seine Reise nach Israel aufgeschoben. Er 'beklagte sich ferner, dass die israelischen Behörden ihm keine private Zusammenkunft mit Eichmann gestartet hätten, weil sie niemandem direkten Kontakt mit dem Angeklagten erhuiben wollten. Daher habe er seine Gespräche mit Eichmann durch eine besondere Apparatur von einem Z'mmer zum andern führen müssen, i ITA) -1 —‘ 1-:- nordamerikanischen Präsidenten Roosevelt, anzugreifen, der sich habe vor. Stalin übertölpeln lassen. Dieser Hinweis wird jedoch den historischen Gegebenheiten nicht gerecht und trägt den Stempel einer zweckgebundenen, posthumen Polemik, deren Ziel die Ablenkung von eigener Verantwortung sein dürfte. Niemals hätten die Amerikaner oder ihre Verbündeten ihre Einwilligung dazu gegeben, dass die Russen mit ihren Divisionen an die Elbe marschieren, wenn nicht die gemeinsame Waffenbrüderschaft in äusserster Anstrengung erforderlich gewesen wäre, um den vom nazistischen Ungeist infizierten preussischen Militarismus zu überwinden. Damals hat die ganze freie Welt für den Sieg der russischen Waffen gebetet, nicht weil sie besondere Sympathien für die Sowjets gehabt hätte, wohl aber weil die Russen in einem ungeheuren Blutopfer u i * in einer gewaltigen nationalen Anstrengung damals diejenigen gewesen und geworden sind, die den Todesstoss der Nazis abfingen, der gegen die ganz.. Welt gerichtet war. Da wir in einer Zeit begrifflicher Verwirrung leben, die nicht zuletzt von den Nazis mit der Zerstörung aller gültigen sittlichen Vorstellunger eingeleitet worden ist, müssen wir unterstreichen, dass der Kommunismus als politisches Instrument zur Beherrschung der Massen und zur Welteroberung von uns als Juden aufs schärfste abgelehnt weiden muss, schon deshalb, weil seine Grundvorstellungen im Widerspruch zur Willens- und Meinungsfreiheit stehen, die tief in unserem Gedankengut verankert sind. Das aber kann uns nicht daran hindern, historische Fakten zu, erkennen und bei aller Gegnerschaft dasjenige SEIMF: FERIEN Jerusalem. — Ben Gurion hat seine ursprünglich auf sechs j Wochen bemessenen Fe-; rlcii, die jetzt ablaufen ] würden, ausgedehnt. Wie | es heisst, wird er nicht! vor Ende Februar in sein j Amt zurückkehreii. Es j wurde riiitgeleiit, dass der Ministerpräsident seine Ferien verlängert i habe, weil er in der Zwi-1 schenzeit verscliiene Anj gelegen heilen seiner Res-1 sorts in Jerusalem und Tel Aviv zu regeln gehabt hätte. (ITA) TURISTAS VISITAN ISRAEL Tel Aviv. — 39.340 turistas llegaron a Israel durante los primeros cuatro meses de I960, comparados cmi 27.429 del mismo período d?l afio anterior. Estas cifras indican el constante aumento del turismo, que también se refleja en las cifras de 1959, cuando el número de turistas fue de 91.820, en un 22 por ciento más que en 1958. El ingreso del turismo también aumentó de 12 millones de dólares en 1958 a 15,8 millones de dólares en JS59. Cabe destarar que el turismo e«- una de las princinaies fuentes de ¡acceso de divisas para Israel, siendo precedido solamente por la exportación de frutas cítikas. SCHEOMO S. TANGER Touristen besuchen Israel Te! Aviv — 39.840 Touristen kamen in der: ersten vier Monaten des Jahres I960 in Israel an, verglichen mit 27,429 in der gleichen Periode des Vorjahres. Diese Zahlen beweisen den ständigen Anstieg des Tourismus, der sich auch in den Ziffern für 1959 wüicrspiegelt, als die Zahl der Touristen 91.820, d.h. 22 Prozent mehr als im Jahre 1958 betrug. Die Eingänge aus dem Fremdenverkehr haben sich von 12 Millionen Dollar im Jahre 1958 auf 15,8 Millionen Dollar im Jahre 1959 erhöht. Es mu«s darauf verwiesen werden, dass der Tourismus eine der wichtigsten Quellen des Devisenzuflusses für Israel ist, der nur von der Ausfuhr von Zitrusfrüch'en iibertroffen wird. SCHLOMO S. TANGER t Mass von Gerechtigkeit aufzubringen, das ebenfalls zu einem besonderen Merkmal unseres Denkens und Wesens gehört. Die heute oftmals praktizierte Simplifizierung geschichtlich gewordener Phänomene unseres Lebens führt zu einer. primitiven Schwarzmalerei, die nur Scharfmacherei bedeutet, jedoch keinen Beitrag zur Lösung der aktuellen Fragen darstellt; Vor einigen Wochen kam es zu einem Aufsehen erregenden Zwischenfall, der aber keine weiteren Konsequenzen gehabt hat, für die Erkenntnis unserer heutigen Situation und ihre Beurteilung jedoch von grossem Interesse sein dürfte. In der Bonner Beethovenhalie wurde eine „Afrika- Woche” eröffnet. Das allein dürfte nicht sonderlich bemerkenswert sein, denn alle Staaten übe’Meten sich bei der Umwerbung der jungen afrikanischen Völker, die angeblich Anlehnung suchen. In solchen Augenblicken präsentieren sich meist alle anderen Länder als hilfsbereite Geister, die natürlich auch die Absicht verfolgen, neue Einflussgej biete für ihre geistigen und j wirtschaftlichen Produkte i zu erschlossen.! Bei dieser Gelegenheit erklärte der Bundeswirtschaftsminister Prof. Erhard: ,,Es gibt keinen grösseren Kolonialismus als den Imperialismus sowjetischer Prägung”. Dieser Formulierung kann man ohne weiteres zustimmen, wenn man unterstellt, dass sie sich auf den Augenblick bezieht, von dem allein Ehrhard gesprochen hat. In diesem Moment erhob sich wutentbrannt der sowjetische Botschafter Smirnow, der an der Veranstaltung teilnahm, und rief in den Saal: „Was hat Deutschland bei uns gemacht? Hier wird so viel von Freiheit gesprochen, während Deutschland auch über ri;e Völker Afrikas in der Veri gangenheit nur Elend und Not gebracht hat. In diesem Saal sitzt Herr Heusinger (unter Hitler einer der höchsten Offiziere in Russland, heute der Organisator der neuen Bundeswehr, Anm. des Verf.), und dann wird von Freiheit geredet, Deutschland hat bei uns 20 Millionen umgebracht.” Die weiteren Worte, zum Teil in! russischer Sprache, gingen im Tumult unter. Hat der Botschafter Bmirnow etwas Falsches gesagt? Vielleicht war das nur nicht die Gelegenheit und die diplomatische Form der Stellungnahme, aber inhaltlich wird man wohl kaum zu anderer Beurteilung gelangen. Die von den Nazis umgebrachten 20 Millionen, die belastete Vergangenheit Hesse eine grössere Bescheidenheit ratsam erscheinen, trotzdem wir annehmen wollen, dass sich viele Dinge grundlegend geändert haben. Trotzdem müssen alle demokratischen Kräfte auf der Wacht sein, damit nicht erneut die Bastion j der Freiheit dem Ansturm finsterer Gewalten anheim- I fällt. I Der Sturz der Weimarer Republik kam auch nicht über Nacht. Hitler war in diesem Sinne kein Usurpator, denn er wurde zum Reichskanzler ernannt, weil er der Führer der stärksten Partei war. Er wäre niemals Reichskanzler geworden, wenn die Weimarer» Republik Männer gehabt hätte, die fähig und gewillt gewesen wären, für diese Republik zu kämpfen. Der alte preussische Demokrat Franz Ziegler (gest. 1876) hat einmal seinen politischen Freunden zugerufen, sie sollten sich mit dem Selbstvertrauen der Junker wappnen: Wenn der König von Preussen einem seiner adligen Gardeoffizieren den Befehl gäbe, er solle das Opern-Orchester dirigieren, er würde es tun, auch wenn er niemals zuvor einen Taktstack in der Hand gehabt hätte. In der Weimarer Zeit gab es keinen König von Preussen mehr, wohl aber einen ehemals Königlich Preussischen Generalfeldmarschal, der einem Junker, dem Herrn von,Papen, den Befehl gab, zwar nicht ein Orchester, wohl aber die Republik zu dirigieren. Und er tat es auf seine Art, indem er die demokratischen Kräfte weiter unterhöhlte und damit der hitleristischen Gewaltherrschaft den Weg ebnete. (Schluss auf Seite 2) Moegliche Auslieferung Wien. — Beamte des österreichischen Justizministeriums gaben die Möglichkeit zu, dass der kürzlich verhaftete, seinerzeitige SS-Sturmbannfiihrer Franz Nowak trotz! des Nichtvorhandenseins eines Auslieferungs-Vertrages zwischen Israel j und Oesterreich nach Israel geschickt werden könnte, um im bevorstehenden Prozess gegen seinen ehemaligen Vor, gesetzten Eichmann ais Zeugen auszusagen. Sollte dies beschlossen werden, so würde Nowak zeitgerecht transportiert werden. UTA) fcr*.-sST.:ic, -