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Jüdische Wochenschau · 1961-01-24 · 1847 (24.1.1961) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
22 (1961)
Issue
1847 (24.1.1961)
Date
1961-01-24
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German, Spanish
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FRANQUEO P/.UADC Concesión 90S TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 ISRAELITA Año XXII. BUENOS AIRES, MARTES 24 DE ENERO DE 1961 No. 1847 EL EJEMPLAR en toda la República 4, Buenos Aires PUEYRREDON 2190 1» iaq. T. E. 83 - 2613 Die grosse Wandlung in Israels Schiffahrt Viele Jahre lang ging die ■wirtschaftliche Tendenz in Israel dahin, die landwirt schaftlichen und industriellen Produkte zu entwickeln. Erst in den letzten Jahren kernen die Lenker der Wirtschaft zur Erkenntnis, dass die kleine Landesfläche mit ihren beschränkten Wasserquellen und ihrem ebenfalls beschränkten inneren Markt auch der Entwicklung der Landwirtschaft und der Industrie Grenzen setzt. Demgegenüber kann ein kleines Land mit Erfolg die Konkurrenz mit grossen Staaten auf dem Gebiet der Dienstleistungen aufnehmen. Hier kommt es auf Anpassung an verschiedenartige Bedingungen und andersgearteten Geschmack an, und hier kann ein kleines Land leichter seinen Weg finden als grosse Staaten, die von den anderen Anpassung an ihre eigenen Bedingungen fordern. Die Schweiz errang grosse Erfolge in der Touristik, Norwegen konnte die Schifffahrt ausbauen, und Israel kann auf beiden Gebieten Fortschritte machen, und wir können dadurch zu weiterer Stabilisierung unserer Gesamtwirtschaft beitragen. In den letzten Jahren sind wir Zeugen einer schnellen Entwicklung der Touristik und der Schiffahrt. Dabei ergab sich, dass auch für diese Dienste Ausgaben zu decken sind, wenn auch nicht Produktionskosten, so doch die Ausgaben für die Leistung der Dienste. Wenn ein Dienstzweig erfolgreich arbeiten soll, so muss er seine Kosten decken können, ebenso wie eine Fabrik ihre Produktionskosten durch Verkauf ihrer Erzeugnisse hereinholen muss. FAIRE PREISE — fü ll DIENSTE Renn die Israelischen Exporteure und Importeure -- keinen fairen Preis für die Lien.1 Leistungen der Schifffahrt zahlen wellen, so können sie unter Umständen erreichen, dass sie billigere Frachtraten zu zahlen haben, sic müssen jedoch das Risiko eingchen, dass sie keinen guten Dienst geliefert bekommen. Sie brauchen ftinen Dienst, der sich durch Stetigkeit, Schnelligkeit und durch gute Schiff? auszeichnet. Ferner werden für Ausfuhr von Früchten und landwirtschaftlichen Erzeugnissen besondere Kühlschiffe benötigt. Möglicherweise k3nn ein aller. Trampschiff, das Exporteure ausfindig machen die Ware zu billigeren Preisen befördern als em Schiff einer ständigen Linie Am Ende wird der Exporteur jedoch keine geregelte Aoxtuhr entwickeln können. und seine Ware wird nicht in gutem Zustand arfccranue«, j/snn er keiner sündigen und gut funktionierenden Dienst in Anspruch nehmen wird Die Cchiihl'nici; arbeiten rusnmmen um. ihren Kunden regelmässig funktionierende Die-ste und Einheits- , -¡preñe oictou zu können. In marchen Fällen versuchten Exporteure „Ausymseitervon Dr. A\ WYDRA, Generaldirektor von ZIM Schiffe“ zu benutzen, und es gab schwere Klagen, wenn dann die Ware nicht rechtzeitig oder nicht in gutem Zustand ankam. Die Exportfirmen in Japan haben die Bedeutung der guten Dienste w'ohl j verstanden. Dort begann i eine alteingeführte Schiff- I fahrts-Gesellschaft die Kon- I kurrenz aufzunehir.en und bot Rabatte bis zu 30 Pro- ’ zent an. Die Verbände der japanischen Exporteure wandten sich an die betreffende Schiffahrtsgesellschaft und baten sie, sich entweder ihrem Verband anzuschliessen oder den gleichen Preis wie dieser zu nehmen Die Exporteure sahen nämlich keinen Vorteil darin, dass die Reederei die Arbeit des Dachverbances stört, dessen Gesellschaften einen rücksichtigten dies bei der Kalkulation der Import- Frachten.War nun eine kleine Menge von Waren zu exportieren, so konnte dies zu einem billigen Preise geschehen, da die Rückfahrtskosten des Schiffes ohnehin durch den Importpreis gedeckt w'aren. In den letzten Jahren stieg die Ausfuhr aus Israel sehr an, aber auch der Export aus den Nachbarstaaten wuchs. Dieser Umstand führte zur Senkung der Frachtraten für Importe, jedoch ziehen die Schiffseigentümer die Einkünfte in Rechnung, die sie aus den Export-Ladungen erhalten können. Die Subsidierung der Ausfuhr aus den Preisen für die Import- Frachten kann nicht fort MEHR EXPORT, MEHR IMPORT Im Jahre 1954 betrug der israelische Export 602.000 Tonnen, im letzten Jahre erreichte er 1.091.000 Tonnen. Gewiss ist auch die Einfuhr im gleichen Zeitraum gestiegen und zwar von 1.416.000 Tomen auf 1 883.000 Tonnen. Das sind nur 33 Prozent Erhöhung, aber in absoluten Ziffern sind es 467.000 Tonnen gegenüber einer Steigerung der Ausfuhr um 489.000 Tonnen. Aufgrund der absoluten Ziffern scheint das mengenmässige Anwachsen fast gleich zu sein, wenn auch ein grosser Unterschied in der prozentuellen Zunahme der Ausfuhr und der Einfuhr besteht. Die Zahlen geben keinen Aufschluss dargesetzt werden. Nun sind; über, warum die Zunahme ständigen und guten Dienst. sje SOgar so weit gekomdes Exportes das Gleichgesichern können SUBSIDIEN FUER DEN EXPORT In der Vergangenheit erhielten die israelischen Exporteure gewisse Susidien men, dass in bestimmten Monaten der Export grösser als der Import ist. Wir nähern uns einem Zustande, dass wir leere Schiffe aus Europa oder anderen Gebieten nach Israel komaus den Preisen für den \ men lassen müssen, damit Transport der Einfuhr-Waren. Der Import war sehr gross, während die Ausfuhr — mit Ausnahme des Zitrus-Exportes — minimal war. Die Schiffseigentümer wussten, dass ihre Schiffe fast leer nach Europa oder den USA zurückfahren würden, und sie besie israelische Exportwaren abtransportieren. Dies wird eine Steigerung der Frachtkosten bewirken, da dann nicht nur die Kosten für die Fahrt mit den Exportwaren zu decken sind, sondern auch die Fahrt des leeren oder zum Teil beladenen Schiffes nach Israel. wicht im Frachttransport zu Schiff stört, noch dazu wo der Import immer noch 1.830.000 Tonnen gegenüber 1.091.000 Tonnen Ausfuhr beträgt, Nur eine genauere Analyse kann die sich ergebenden Schwierigkeiten erklären. Von dem Import waren allein 808.000 Tonnen Getreide die aus den USA und Kanada kamen. Diese über 75 Prozent israelischer Einfuhr-Waren wurden noch dazu auf besonderen Schiffen transportiert. Gegenüber dieser grossen Einfuhr betrug der israelische Export nach den USA und Kanada nur 77.000 Tonnen. Auch wenn man die Getreide-Schiffe abzieht, die wegen ihrer besonderen Bauart im allgemeinen leer zurückfahren müssen, haben die Israelis immer noch Schiffsraum zur Verfügung, um die Exporte nach Nordamerika zu verstärken und die zu ihnen kommenden Schiffe zu füllen. Wenn wir die Ziffern über Nordamerika vom Gesamtbild abtrennen, haben wir auch kein ungünstiges Bild vor uns, sondern gelangen fast zu einem Ausgleich von Import und Export. STOERENDE ERSCHEINUNGEN Doch eine weitere Aufgliederung ist notwendig, um die Situation begreifen zu können. Zwei Erscheinungen erweisen sich als störend. Ein Teil des israelischen Exports ist auf die Saison zusammengedrängt, und es gibt keine Abstimmung von Import- und Export-Ländern aufeinander. Von den 1.091.000 Tonnen Export waren 400.000 Tonnen Ausfuhr von Zitrusfrüchten, die sich auf die Monate Januar bis April konzentrieren. Nimmt man an, dass der übrige Export sich einigermassen gleich über das ganze Jahr verteilt, so sind monatlich rund 60.000 Tonnen Ware zu verschiffen, bar in den Monaten bis April sind es 160.000 Tonnen pro Monat, denn die Ausfuhr von Pottasche. von Phosphoten, Zement und Sperrplatten gehl auch in dieser Zeit weiter. Die wachsende Zitrusausfuhr, auf eine kurze Saison zusammengedrängt, stellt schon heute ein schweres Problem für die Schiffahrt dar, da die Schiffe, die Zitrusfrüchte nach Europa transportieren müssen leer ins Land zurückkehren. Dieses Problem wird sich mit dem Anwachsen der Zitrus-Ausfuhren noch verschärfen. und die Frachtkosten werden ansteigen. Der Zitrus-Export wird in erheblichem Masse die Preise für die Fahrt der leer zurückkehrenden Schiffe mit tragen müssen. Ein weiteres Beispiel zur Klärung des ganzen Komplexes: Die Gesei’schaft ZIM eröffnete eine Linie nach den Ländern Südostasiens und nach dem Fernen Osten. Israel importiert kaum etwas aus diesen Ländern. Unsere Importeure kaufen sogar Waren wie Gummi und Tee, die an sich aus diesen Gebieten kommen, in Europa r und die Waren werden aus europäischen Lägern nach Israel gebracht, Man wird rentablen Export nach Südostasien und den Fernen Osten entwickeln können, wenn nicht auch der Import von dort vergrössert wird. Nur dann kann Israel die Schiffe von Elath, die nach dem Fernen Osten abfahren, auch voll zurückbringen. Gelangt das nicht, so wird der Export mit den Kosten für die Rückfahrt ins Land belastet werden müssen. Noch ein Eichmann-Komplize verhaftet Wieder wurde einer der Komplizen Eichmanns gefasst, der unbehelligt lebte, ohne die gerechte Strafe für die vielfachen Mordtaten erhalten zu haben, die er verdient. Jetzt wird es immer deutlicher, wie wenig von den Behörden getan worden ist, um die Schande des Nazismus zu beseitigen und diejenigen zur Verantwortung zu ziehen, die durch ihr verbrecherisches Treiben zum Tod von vielen Millionen Menschen, unter ihnen sechs Millionen Juden, beigetragen haben. Es bedurfte erst der Verhaftung des Eichmann, um eine Kettenreaktion auszulösen, die dazu geführt hat, dass eine stattliche Zahl von nazistischen Kriegsverbrechern endlich festgesetzt wurde. Der Frankfurter Staatsanwalt Wolf, der für sein energisches Vorgehen gegen die ehemaligen Nazis bekannt ist, hat aufgrund richterlicher Haftbefehle die Suche gegen drei Eichmann-Komplizen aufgenommen und für geeignete Fingerzeige eine Prämie von 10.000 DM ausgesetzt. Die Aktion hatte einen überraschend schnellen Erfolg. Der erste der drei Gesuchten wurde bereits gefasst: Franz Novak, ehemaliger SS- Hauptsturmführer. wurde in Wien verhaftet, wo er unter seinem vollen Namen arbeitete. Novak lebte bis zum 1. Oktober 1957 unter falschem Namen in Oesterreich. Am 2. Oktober 1957 meldete er sich, nunmehr seiner Sache schon vollkommen sicher, unter seinem \ollen und richtigen Namen an. Niemandem fiel iigendetwas auf, zumal die Nazis in Oesterreich schon längst wieder in Kurs stehen, antisemitische Zeitschriften erscheinen dürfen und antijüdische Manifestationen keine Seltenheit bilden. Neo- und kryptonazistische Vereinigungen gibt es in Oestereich genug, das sich nunmehr als ein Paradies für Kriegsverbrecher erwiesen hat. Novak konnte Jahre hindurch unangefochten leben, obwohl seine Vergangenheit nicht unbekannt gewesen sein dürfte. Man darf sich schon darauf verlassen, dass Novak vorsichtig operiert hat; niemals würde er so leichtfertig gewesen sein, sich plötzlich unter seinem richtigen Namen an^.imelden, wenn er nicht vorher die Gewissheit gehabt haben würde, dass dies völig ungefährlich ist. Wer aber noch Zweifel daran hegt, mit welcher Offenheit Nazis heute bereits wieder in Oesterreich auftreten dürfen, und Nazis mit blutbefleckter Vergangenheit!, der wird sich überzeugen lassen, wenn er erfährt, dass Novak unter seinem richtigen Namen und mit seinen richtigen Personalien die österreichische Staatsangehörigkeit zurückerhalten hat. Diese österreichische Staatsangehörigkeit hatte er verloren, als er seinerzeit der SS beitrat. Bei dieser Sachlage kann wohl kein Zweifel bestehen, dass die Beamten, die mit seiner Wiedereinbürgerung beschäftigt waren, die Vergangenheit des Novak kannten und genau wussten, dass sie es mit einem lange gesuchten Kriegsverbrecher zu tun haben würden. Novak wurde „verpfiffen", wie es in der Sprache dieser Leute heisst, denn für Geld haben die Nazis manches gemacht... und tun es noch heute. Die österreichische Presse regt sich — sicherlich mit Recht — heftig darüber auf, dass Ncvak so lange Zeit unangefochten in Oesterreich leben und sich der Freiheit erfreuen durfte, sodass erst durch die ausgesetzte Prämie seine Verhaftung durchgeführt werden konnte. Nehmen wir an, dass die Empörung über diese Vorkommnisse echt ist. Einige Gegenfragen dürften aber durchaus angebracht sein: Aus welchem Grund schweigt sich die österreichische Presse über viele andere Zustände aus, durch die das nazistische Erbe erhalten bleibt? Oder waren die Oesterreicher im Gegensatz zu den .Reichsdeutschen’ keine Nazis? Oder ist es nicht wahr, dass die Mehrheit des österreichischen Volkes den deutschen Truppen zujubelte, als Hitler den Befehl zur „Invasion” Oesterreichs im gegenseitigen und vorherigen Einverständnis gegeben hatte? Und warum schweigt die österreichische Presse, obwohl die Regierung in Wien sich immer noch hartnäckig weigert, die Wiedergutmachung der den Opfern des Nazismus, auf Deutsch: den Juden, angerichteten materiellen Schäden zu ersetzen, ein Vorgang, der mit dem schönen Wort „Wiedergutmachung” bezeichnet zu werden pflegt, obwohl die Wirklichkeit weit hinter einer Wiedergutmachung zurückbleibt. Jetzt wird bekannt, dass seit Jahren eine Akte „Eichmann und andere” bei der Staatsanwaltschaft in Wien liegt (seit 1947), in der auch Novak figuriert. Die Behörden also wussten Bescheid, wer Novak ist, und mau darf wohl auch annehmen, dass sie es gewusst haben, als sie ihn wiedereinbürgerten. Wir wollen abwrarten, ob die Verhaftung Novaks zu weiteren Konsequezen führt, z. B. zu einem Verfahren gegen diejenigen, die ihn schützten, die ihn deckten, die ihn einbürgerten. Jedenfalls hat der Fall Novak gezeigt, dass man noch mit weiteren unerfreulichen Ueberraschungen rechnen darf. Registro de la Propiedad Intelectual No. 656.635 Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 831 Mit Hilfe der modernen Flotte, über die Israel jetzt verfügt, richtet ZIM dauernd neue Linien nach neuen Zielen ein. In den letzten Monaten eröffnete ZIM ausser den bestehenden Linien zwei neue wichtige Linien nach dem Fernen Osten und pach Zentral- und West-Amerika. Aber Israel muss darauf aufmerksam machen, dass es diese Linien — und erst recht die neuen Linien — nur aufrecht erhalten kann, wenn der Handel die Schiffe füllt. Die Schiffahrt und der Handel hängen voneinander ab, und sie müssen miteinander rechnen. Zwischen dem Transport von Importwaren und der Ausfuhr besteht ein enger Zusammenhang. Wenn der Exporteur den Vorzug eines regelmässigen und billigen Transports geniessen will, so darf er nicht vergessen, dass er die Schiffe in beiden Richtungen füllen muss und dass die Uebergabe von Import-Frachten an Aussenseiter später seine Export-Fähigkeit schwer beeinträchtigen muss. „Der Handel folgt der Flagge“, so heisst es, und dies gilt für den Handel in beiden Richtungen, für Import und Export. Mit vereinten Bemühungen werden wir hoffentlich auf Grund der bestehenden gegenseitigen Abhängigkeit zu einer fairen Zusammenarbeit gelangen und gemeinsam zur Entwicklung des Seehandels und der Wirtschaft Israels beitragen. J

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