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Jüdische Wochenschau · 1961-01-24 · 1847 (24.1.1961) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
22 (1961)
Issue
1847 (24.1.1961)
Date
1961-01-24
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German, Spanish
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PUEYRREDON 2190 - 1? iiq. Lx Jknvcata JshcjeJita T. E. 8 3 - 2 6 1 3 Ano XXII. BUENOS AIRES, MARTES 24 DE ENERO DE 1961 No. 1847 Israel blickt nach Washington Mit der Uebernahme der Präsidentschaft der USA durch John F. Kennedy stellt sich für die Regierung in Jerusalem die Frage, wie die neuen Männer im State D partment die arabisch-israelischen Fragen handhaben werden. Man erwartet in Israel, dass Präsident Kennedy in Erfü-1 lung seiner während der Wahlkampagne gemachten Versprechen ernstlich versuchen dürfte, dem Kriegszustand zwischen den Araberstaaten und Israel ein Ende zu setzen. Es ist ferner anzunehmen, dass die USA die Dreiererklärung vom Jahre 1950 bestätigen und die bestehenden arabisch - israelischen Grenzen garantieren dürften. Auch hofft Israel, dass die USA unter Kennedys von BORIS SMOLAR Präsidentschaft neue An- . de des Fiskaljahres 1961-62 strengungen unternehmen; aufhören würde. Man weiss werden, um den Johnstonj noch nicht, ob diese Hilfe in Plan zu realisie.en und die Form von überschüssigen Wasser des Jordar-Flusses Landwirtschafts - Produkt auf regionaler 3asis nutzten fortgesetzet werden soll, bar zu machen. Desgleichen In letzter Zeit ist sie von erwartet die Israe' Regierung, dass Kennedy als Präsident der Vereinigten Staaten sich bemühen wird, die Freiheit der Durchfahrt für israelische Schiffe durch den Suezkanal durchzusetzen. Des weiteren rechnet Israel auf eine erhöhte technische Hilfe von Seiten der USA unter der Kennedy- Verwaltung. Erst kürzlich verlautete, dass die nordamerikanische technische! ncn. Daraufhin beklagten Hilfe für Israel mit dem Ensich Holland und Dänemark, den USA dazu benutzt worden, um Israels eigene Exportanstrengungen auf landwirtschaftlichem Gebiet einzudämmen. Dies stellte sich heraus, als Nordamerika Israel vor rund einem Monat zwang, seine Eierausfuhr nach Europa zu unterbrechen. Israel besitzt Hühner und Eier im Ueberfluss und versuchte mit Erfolg, für diese Produkte den europäischen Markt zu gewin ♦ : : WIE ICH ES SEHE Manches geht durcheinander vor. JEHUDA COTTHEIMER I. Der Oberreichsanwalt Zu den gefürchtetsten Bluthunden des Dritten Reiches gehörte der Prägident des Volksgerichtshofes, Dr. Roland Freisler. Er ist ein alter Nazi gewesen, der bereits unmittelbar nach der Machtergreifung zu Amt und Würde gelangte. Damals wurde Kerrl, ein mittlerer Justizbeamter, der selbst natürlich kein Volljurist war, zum preussischen Justizminister ernannt. Dieses 'Avancement erregte die Gemüter, auch der Nazijuristen, war es doch das erste Mal seit den Zeiten des alten Fritzen, dass ein Nichtjurist preussischer Justizminister wurde. Sein Staatssekretär war Freisler, dessen rüde Reden und rüpelhaftes Verhalten bekannt, besser gesagt, berüchtigt waren. Der Dritte in diesem Bunde war ein junger Mann, ein Anwalt namens Sting, der später irgendwo in Tbfirungen OberbürgermetsU« wurde, damals vielleicht T: Jahre alt, Ministerialrat oder -direkter im Justizministerium war. Der Volksmund komentierte auf seine Weise das erste preussische Justizministerium der Nazis in seiner Besetzung mit den Sting-Kerrl-Freisler... Dieser Freister hat den Tod von unzähligen Opfern I recht skeptisch beurteile, der nazistischen Blutjustiz J Die Zeiten ändern sich eben, auf dem Gewissen. Fabian und vyas gestern noch zur von Schlabrendorff erzählt Verehrung und Wertschätin seinem Buch „Offiziere zung Anlass bot, wird heugegen Hitler”, wie er vor te bereits überhört, den Volksgerichtshof ge- Lautz ist wegen seiner stellt, den höhnischen Verhören des Freisler ausgesetzt war, als ein Bombenangriff auf Berlin erfolgte, bei dem der Volksgerichtshof getroffen worden ist und Freisler, die Akten des Angeklagten von Schlabrendorff unterm Arm im Luftschutzkeller tödlich durch einen herabfallenden Balken getroffen wurde... Hier sei aber nicht von Freisler die Rede, sondern von dem Hauptankläger beim Volksgerichtshof, Ernst Lautz, über dessen unglückselige Rolle die Oeffentlichkeit und erst recht die Behörden hinreichend informiert sind. Dieser Herr Lautz, Blutankläger des nazistischen Gewaltregimes, hat unter vielen Anträgen von Todesurteilen auch im Verfahren gegen die Männer des 20. Juii 1944 mitgewirkt, jener Militärs, die in später Stunde die Beseitigung Hitlers und des Naziregimes versuchten. Inzwischen sind viele Jahre vergangen, und manche Beobachter in der Bundesrepublik meinen, dass man Helden des 20. Juli spräche, sondern deren Auftreten DER EICHMANN-PROZESS Jerusalem. — Staatsanwalt Guideon Hausner kündigte an, er werde die Anklageschrift gegen Eichmann in der die dem Nazimörder zur Last gelegten Verbrechen im einzelnen aufgeführt wer-den, noch in dieser Woche der Oeffentlichkeit zugänglich machen. Wie man annimmt, wird die Anklage zwölf verschiedene Punkte umfassen, von denen einige sich auf die gegen das jüdische Volk verübten Verbrechen und andere auf allgemeine Kriegsverbrechen beziehen. Der Verteidiger Eichmanns, Dr. Servatius traf am vergangenen Wochenende wieder in Israel ein. Er ersuchte um eine Unterredung mit dem Generalstaatsanwalt und erklärte, sein Klient beantrage keine Voruntersuchung. Sollte es hierbei bleiben so kann die Anklageschrift dem Angeklagten formell zugestellt werden. (ITA> nazistischen Vergangenheit und seiner Beteiligung an schweren Verbrechen, die ihm zur Last gelegt wurden, abgeurteilt worden. Jetzt wurde er. in einem Prozess, dessen Hintergrund die Affäre Grünspan bildet, als Zeuge vernommen. Der amtierende Richter sprach den Herrn Kriegsverbrecher mit „Herr Generalstaaisanwalt”, der Vertreter des Nebenklägers mit , .Herr Oberreichs anwal t” an. Offensichtlich waren die I-Ierren der Auffassung, dass die Amtsbezeichnung auch gegenüber einem verurteilten Kriegsverbrecher angebracht sei. Immerhin wunderte sich die Oeffentlicbkeit über das Verhalten der amtierenden Geriehtspersonen, und wir wundern uns auch.. II. Prozess um Grünspan Wie erinnerlich, wurde am 7. November 1938 der deutsche Legationsrat in Paris, Herr von Rath, — ein bis dahin vollkommen unbekannter Men’sch, der sich auch niemals irgendwie hervorgetan hatte, — in seinen Amtsräumen erschossen. Als Täter wurde ein junger rumänischer Jude, namens Rerschel Grünspan, ebenfalls vollkommen . unbekannt, festgestellt. Diese Mordtat bot der Hitler-Regierung den billigen Vorwand, zu ihrem tödlichen Schlag gegen das deutsche die auch Eierexporteure sind, bei den Vereinigten Staaten, so dass die USA einen Druck auf Israel ausübten, damit es die Ausfuhr von Eiern wenigstens für einige Monate einstellt. Schliesslich glaubt man in Jerusalem, dass Kennedy seinen Einfluss geltend machen dürfte, um das Problem der arabischen Flüchtlinge aus der Welt zu schaffen, indem er persönlich empfehlen wird, diese in der« arabischen Ländern anzusiedeln, in denen sie gegenwärtig leben. Diese Frage harrt noch immer der Lösung und steht alljährlich aufgrund eines Berichtes des Direktors des zuständigen UN-Büros (UNR- WA) zur Debatte. Nachdem der Direktor im vorigen Jahr durch seinen Vorschlag, den Grossteil der arabischen Flüchtlinge in ihren jetzigen Wohnländern neu anzusiedeln — wie zu erwarten stand — den Zorn der Araber auf sich gezogen hatte, enthielt der diesjährige Bericht die Empfehlung, weitgehend die Rückkehr der Flüchtlinge in ihre früheren Wohnstätten zu fördern. Israel vertritt auch heute noch den Standpunkt, dass diese Frage entweder durch die Neuansiedlung und Entschädigung der Flüchtlinge erst dann gelöst werden kann, wenn zwischen den Arabern und Israel Frieden geschlosen worden ist, während die Araber verlangen, dass die Flüchtlinge zurückkehren müssen, bevor an andere Schritte zu denken ist, und bisher ist es noch nicht gelungen, einen Ausgleich zwischen diesen beiden. Positionen herbeizuiünrc-n. SOBRt LA JUDERIA MAkHOüU Paris. — Unos .10.000 judíos lian abandonad« Marruecos ilegalmente desde que Marrtie alcanzó su independencia en 1956, dice el diario -e Monde”, en un estudio extenso de la política oficial marroquí hacia la población, judía. Dice el diario qua. hubo dos causas importantes para la emigración. 1. — El fracaso de <a política marroquí de integración y 2. — “la innegable atracción” que ejerce Israel sobre los judíos marroquíes. — j “Le Monde” pasa revista a la discriminación qua ‘ sufre la judería marroquí, individual, y colectivamen- '■ te, diciendo que las detenciones de judíos lian aumentado últimamente y aún las más inofensivas organizaciones judías son vistas con suspicacia por las autoridades marroquíes. Otro factor es la interruj¡>- ción de las comunicaciones postales con Israel. Debido a estas discriminaciones, los judíos abandonan Marruecos “ilegalmente” a unos 2.000 anuales. Añade el diario que el desmejoramiento de las condiciones para los judíos fué particularmente lamentable, puesto que Marruecos era posiblemente el único país árabe cuyos judíos podían vivir en armonía con los musulmanos. El rey Mohamed V es conocido por su actitud tolerante, de manera que el deterioro se debe ya sea a la política general marroquí o a la actitud de algunos funcionarios. HANNA MEIER DIE JUDENHEU YON MAROKKO Paris. — Rund 30.000 Juden haben Marokko illegal verlassen, seit das Land im Jahre 19j6 seine Unabhängigkeit erlangte, so schreibt die Zeitung ,Le Monde” in einem langen Artikel über die offizielle marokkanische Politik gegenüber der jüdischen Bevölkerung. Die Zeitung führt aus, es habe zwei wichtige Gründe für die Auswanderung gegeben, erstens das Fehlschlagen der marokkanischen Integrations-Politik und zweitens „die unleugbare Anziehung”, die Israel auf die marokkanischen Juden ausübt. „Le Monde” gibt einen Ueberblick über die Diskrimination, die die marokkanische Judenheit individuell und kollektiv, erleidet, und stellt fest, dass die Verhaftungen von Juden letztens zugenommen haben und selbst die harmlosesten jüdischen Organisationen von den marokkanischen Behörden mit Misstrauen angesehen werden. Einen anderen Faktor bildet die Unterbrechung der Postverbinuungen mit Israel. Wegen dieser Diskriminierungen verlassen ca. 2.000 Juden jährlich „illegal ’ Marokko Die Zeitung fügt hinzu, die Verschlechterung der Bedingungen für die Juden sei besonders beklagenswert, da Marokko möglicherweise das einzige arabische war, dessen Juden mit den Mohammedanern einträchtig Zusammenleben konnten. König Mohammed V. sei wegenseiner toleranten Einstellung bekannt, so dass die Verschlechterung entweder auf die allgemeine ma- ■ rokkanische Politik oder das Verhalten einiger Beamter zurückgeführt werden müsse. HANNA MEIER Regierung behauptete sofort, ohne sich auch nur die Mühe einer Begründung für ihre Behauptungen zu nehmen, dass diese Tat auf „Befehl des Weltjudentum?,” vorgenommen worden sei. Kein normaler Mensch hat jemals einer solch absurden Behauptung Glauben geschenkt. Jeder hat gewusst, dass der Fall Grünspan ein längst geplantes und gross angelegtes Pogrom decken sollte, dessen Durchführung vön der Leitung der Reiclisvcrlr.it ,ing der Juden in Deutschland erwartet W3r. inzwischen sollen auch die Pläne und Befehle für diese Aktien aufgefunden worden sein, aus denen sich ergibt, dass es sich hier um ein von langer Hand vorbereitetes Projekt der Vernichtung des deutschen Judentums gehandelt hat. Aber auch ohne diese offizielle Bestätigung kann kein Zweifel an diesem längst gehegten Vorhaben der Nazis bestehen. wisse Beziehungen zwischen dem Mörder und seinem Opfer bestanden. Die Juden in Deutschland selbst hatten andere Sorgen, als solchen Gerüchten naclizugelien. Nun hat sich der Journalist Graf Soltikow der Affäre angenommen und seinen Ehrgeiz daran gesetzt, die Wahrheit zu ergründen und Lieht, in diese dunkle Angelegenheit zu bringen. Er behauptete, dass von Rath unerlaubte Beziehungen zu Grünspan unterhalten hätte, und dass die Motive der Tat einen rein persönlichen Charakter haben. Hierdurch fühlte der Bruder von Raths die Familienehre verletzt und stellte Strafantrag. Er wurde als Nebenkläger zugelasscn. Ob das Gericht jedoch die Gründe klären kann, bleibt abzuwarten. Man betrachtet diese Angelegenheit mit einem grossen Misstrauen. Die 5. Grosse Strafkammer des Landgerichts München I unter Vorsitz von Landgerichtsdirektor .Speidel ist mit dieser mühsamen Aufgabe beschäftigt, •weil — wie gesagt — der Breuer des ermordeten Legatiensrats den 58 Jahre alten Schriftsteller Michael Graf Soltikcw wegen eines Vergehens der „Verunglimpfung dos Andenkens Verstorbener” cnklage.i licss. ln seiner Vernehmiuig und verbotene Beziehungen gepflogen. Soltikow, der, wie er angab, während des Krieges unter Canaris für die Abwehr gearbeitet hat, belief sich zur Untermauerung seiner Behauptungen auf die französischen Akten aus dem Prozess gegen Grünspan, die im Krieg' beim deutschen Einmarsch in Frankreich beschlagnahmt woi’den seien. In diese Akten habe er Einsicht erhalten. Freilich habe Grünspan zuerst auch darin behauptet, er habe von Rath ersenossen, um die Welt auf die schändlich.; Behandlung der Juden in Deutschland hinzuweisen Er habe diese Darlegung aber später widerrufen und als Motiv die. genannten Beziehungen angegeben. In langer. Ausführungen erklärte Graf Soltixow dem Gericht, welche Ueberlegungen und Feststellungen ihn zu der Ueberzeugung gebracht haben, dass das politische Motiv unw'ahr sei und das andere Motiv der Wahrheit entrpreche. Er (Schluss auf Seite 2) I Judentum auszuholen, die Mordtat jüdischen Gotteshäuser auzuzünden, die jüdischen Geschäfte plündern zu lassen und alle jüdischen Männer, soweit man ihrer habhaft werden konnte, in KZ einzusprerren. Diese nazistische Aktion ist unter dem Namen „Kristallnacht,” in trauriger Erinnerung. Die nationalsozialistische Schon unmittelbar nach! vor Gericht stellte sich j unkelte mau, f Graf Soltikow auf den j dass die Angelegenheit n'cht i Standpunkt, „die ganze Welt j den politischen Charakter I sei während des Dritten j habe, den ihm die Nazis j Reiches an der Nase hcrumunu angeblich auch der Tagtiührt"' worden, als man ter Grünspan gegeben ha-1 der Ermordung von Raths ben, der die Aufm mksamj politisch« .VP tive zueruridc keit der Welt auf die Lei- I gelegt, habe, ln Wirklichkei'! den der deutschen Juden i hätten sich Täter und Opdurch seine Schüsse auf! fer, v, je er in einer Serie von Rath habe lenzen woi-; im „Wochenend” berichtet len. Angeblich hätten gc-! hat, sehen länger gekannt LOESUNG DER KRISE Jerusalem. — Dez Rücktritt Ben Gurions ist vermieden worden. Der Ministerpräsident nahm die schriftliche: Beschuldigung zurück. In dem betreffenden Schreiben, das er an Justizminister Pinchas Rusc-r, richtete, erklärte or. er werde den Entscheid der ministeriellen Kommission in der AtTürc Lavor, „als letztes Wort“ annehnum. vITA)

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