Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 22 (1961)
- Issue
- 1846 (20.1.1960)
- Date
- 1960-01-20
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
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PUEYKRCDON 2ISO - I? Ú? JfoJfemoHaD&vaeltta I I I II I I I I I ■! Año XXII. BUENOS AIRES. VIERNES 20 DE ENERO DE 1961 Ni>. 1846 Israel klagt Marokko an Jerusalem. — Wie; ange-. kündigt, hielt Israels Au- | ssenminister Gold; Meir in | di r Knesset eine Rede. in! der sie über die Schift'stragödie sprach, der 43 marokkanische Juden zum Opfer fielen, welche versucht hatten, auf einem Segelboot nach Israel zu gelangen. Frau Meir machte die Regierung Marokkos für den Tod dieser Juden verantwortlich. Golda Meir appelierte an die Völker der Welt und forderte sie auf, sich dem Kampf gegen die „Tyrannei” anzuschliessen, unter der 250.000 Juden in Marokko schmachten, die wie sie sich ausdrückte, unter einem Regime leben, welches sie der Diskriminierung unterwirft und ständiger Bedrohung aussetzt. Mit tief bewegenden Wor- Jerusalem. — Kadisch Luz. der Präsident der, Knesset, eröffnete die Parlamentssitzung mit einem, I Trauergebet im Gedenken an die 43 marokkanischem I jüdischen Männer, Frauen und Kinder, die in der' J vergangenen Woche ertranken, als ihr Schiff, mit dem j i sie nach Israel zu gelangen versuchten, vor der ma-,; rokkanischen Küste unterging. Luz sagte: „Die Rei-|; hen derer, die den Kampf mit dem Schicksal aufnahi j men, um Erez Israel zu erreichen, sind um 43 Opfer1! verstärkt worden.” Die Abgeordneten erhoben sich j und beobachteten eine Minute Stillschweigen. I Golda Meir wird in der Knesset über die marokj kanische Einwanderung und ihr Verbot sprechen. Dies ist die erste Reaktion der Regierung Israels nach der Katastrophe, der 43 Juden aus Marokko anheimfielen. (ITA> ten verwies Frau Meir auf die Pflicht der Regierung und des Volkes von Israel, ihren Glaubensbriidern in Marokko jede nur mögliche Hilfe angedeihen zu lassen. Sic sprach von der Beschränkung dei Bewegungsfreiheit, dem Auswanderungsverbot aus Marokko urd der Unterbrechung der Postverbindungen mit Israel. Sie bezeichnete die Katastrophe auf dem Meer als WIE ICH ES SEHE Ein Schiff ist untergegangen vor JEHUDA GOTTHEIMER Ein Schiff mit jüdischen Flüchtlingen ist an der marokkanischen Küste untergegangen. Wann?: Jetzt... Erst der Tod der 43 Juden, die mit einem offensichtlich seeuntüchtigen Schiff von Marokko nach Israel zu gelangen versuchten, hat die Aufmerksamkeit — auch der jüdischen Welt — auf die Tatsache gelenkt, dass es i zerrissenen Epoche. Wie lassen, auch über die Schattenseiten unseres Daseins zu berichten. Wieder einmal müssen wir als verantwortliche Menschen die Fragen aufwerfen: welche Gestalt hat eigentlich die Zeit, m der wir leben- und welche Art Menschen sind das Produkt oder die Gestalter dieser von Widersprüchen eine heimliche Alijah (Ein Wanderung nach Israel ' aus Marokko gibt. Damit ist gleichzeitig ein Appell an unser Gewissen und an unseren Verstand gerichtet worden, nicht von irgendeinem der bedeutenden Männer unseres Volkes, nicht von einer Organisation oder Institution oder einer religiösen Autorität. Dieser Ruf kommt von jenen unbekannten, unglücklichen 43 marokkanischen Juden, die in den Wellen untergingen. Wer dachte schon an ein Flüchtlings - Problem? Wer wusste davon zu erzählen? Und wer interessiert sich schon für derartige Fragen, über die manchmal in den Zeitungen informiert wird, auch nicht hr alten Zeitungen, aber doch in vielen, sicht der Jude dieses Zeitalters aus, der zwischen den Höhen und den Niederung< n unserer Geschichte hin und hergezerrt wird? Diese Fragen stehen mit dem Schiffsunglück an der marokkanischen Küste in eqiem unmittelbaren Zusammenhang, auch wenn der einzelne vielleicht diese Verbindung zwischen einem fernen Ereignis und sich selbst nicht sieht, nicht seit« wil oder leugnet. Haben vir doch gelernt, — durch eigenes Erleben gelernt! —, dass es keine splendid isolstion mehr gibt, nicht für ein Volk, aber auch nicht für den einzelnen Juden. Alle Begebenheiten sind miteinander so eng verwoben, dass jedes Ereignis seine Schatten- oder Lichtseiten die es sich angelegen sein ausstrahlt und uns berüh- Protest marokkanischer luden Tel Aviv. — Die nordafrikanischen Einwanderer in Israel wandten sich an den UN-Generalsekretär Hammarskjöld mit dem Ersuchen, bei Jen Behörden Marokkos zu intervenieren, um die Grundrechte der marokkanischen Juden’ zu gewährleisten. In einem an den Generalsekretär gerichteten Kabel fordert die Organisation der Juden nordafrikanischen Ursprungs die UN auf, ihren Einfluss geltend zu machen, damit Marokko die UN-Charter respektiert, die es unterzeichnet hat. Der Verband gibt seiner Trauer über den Tod der 47 marokkanischen Juden Ausdruck, die nach Israel zu gelangen versuchten, um sich mit ihren Familien zu vereinigen, von denen sie gewaltsam getrennt werden. „Die blosse Tatsache", heisst es, „dass die marokkanischen Juden zu diesem Mittel griffen und ihr Leben aufs Spiel setzten, beweist, dass sie nicht mehr unter dem im Marokko herrschenden Regime leben können. Wir protestieren gegen die Beschränkung der Bewegungsfreiheit der marokkanischen Juden, gegen die Unterbrechung der Postverbindungen mit Israel und gegen die gegen die Juden Marokkos durchgeführten Diskriminierungen." (ITA) r< n muss. Aber das ist eine ■alte historische Wahrheit, die aus jedem Blatt der jüdischen Geschichte spricht: Die Prügel, die ein Jude erhält, schmerzen alle Juden in der Welt. — Aber sie schmerzen sie nicht nur, weil es eine allgemeine jüdische Solidarität gibt, — v/as die objektive Seite dieses Tatbestandes widerspiegelt, — sie schmerzen sic auch, weil der gegen einen Juden ausgeübte Druck seine Wellenwirkung auf jeden anderen J«len ausübt (subjektiver Effekt). — Es ist eine erfreuliche Wahrheit, dass nach der schrecklichen Katastrophe der nazistischen Judenverfolgungen und des zweiten Krieges, dass nach den Kämpfen um das jüdische Palästina und der Beendigung der stalinistischen Aera die Flutwelle des Antisemitismus zurückgegangen ist. Natürlich traten hier und dort — mitunter recht ernste — Zwischenfälle kleineren oder grösseren Ausmasses auf, wie z. B. die weltumfassende nazistischfaschistische Schmier aktion, aber eine Bedrohung bestand weder für den einzelnen noch für ein Kollektiv. Wir leben also in einer etwas ruhigeren Zeit, jedenfalls was die Angriffe der Antisemiten anlangt. Es ist aber eine bekannte Erscheinung, dass Ruhe jnieht allen Menschen zuträglich ist. Juden vertragen meist Ruhe schlecht; sie werden schlechte Juden, sie vergessen und wollen „leben”, sie wollen all die Freuden gemessen, auf die sie so lange Zeit geiwungenermassen heben Verzlieln leisten müssen. Und den Juden geht es nicht viel anders als jenen Gefangenen, denen man die Freiheit schenkt, die aber nicht übermässig viel damit anzufangen wissen. Dies ist ein bitterer Selbstvorwurf. Aber hier liegt eine Wahrheit, die zu erkennen dann wertvoll sein wird, wenn wir gewillt sind, unsere Konsequenzen zu ziehen. Die Freiheit nutzen, das ist ein neues Unglück in der Reihe der Tragödien der Juden, die den Weg nach ihrem Heimatland suchen. Sie betonte schliesslich, dass die Opfer dazu gezwungen wurden, heimliche Pfade zu beschreiten. Frau Meir klagte Marokko an, seinen formellen Verpflichtungen im Rahmen der UN zuwider zu handeln, 'indem es die Zivilrechte seir.er Bürger verletze und die Juden ihrer allgemeinen Menschenrechte beraube. Die Erklärung von Aussenminister Golda Meir stellte eine Antwort auf den Antrag dar, der in der Generaldebatte über die Situation der Juden in Marokko gestellt wurde. Abschliessend bat sie jedoch die Knessetb-Abgeordne.ten, von einer ausgedehnten Diskussion der Lage Abstand zu nehmen, um die Dinge nicht . noch mehr zu verwirren. Sie schlug dagegen vor, die Frage der Kommission für Sicherheit und auswärtige Beziehungen zu unterbreij ten. Dieser Vorschlag wur-; de angenommen. Der rabbinische Rat proklamierte einen Trauertag, an dem gefastet und Totengebete für die marokkanischen Juden gesprochen werden sollen. (ITA) La Comunidad de Jamaica Nueva York. — La Comunidad Israelita de Jamaica (Antillas Británicas) hace poco se afilió formalmente al Congreso Judío Mundial, y con ello llegó a 64 el número de comunidades e instituciones representativas afiliadas. El Congreso representa, después de esta adhesión, a todas las principales colectivida- ¡ des hebreas del continente americano. Aunque la comunidad jamaiquina cuenta sola-! mente 1.400 almas, es una de las más antiguas del continente. Fue establecida hace inás de tres siglos.! Hace algunos meses celebró el 75? anivarsario de la construcción de su actual sinagoga, denominada [ “Congregation of Israelites of Jamaica”. Simultá- I neamente celebró el 25’ aniversario del ministerio läum ihres Rabbiners. Henry Phillips Silverman. In sinagoga funciona también una escuela para 80 alumnos. i La afiliación de la judeidad de Jamaica al Con- ' greso Judío Mundial fué la consecuencia de la visita j del director del departamento de asuntos internacio- I nales del Congreso, Dr. Maurice L. Perlzweig, el cual ¡ habló a los dirigentes de la localidad sobre el orga- ¡ nisnio representativo y sus actividades, i HERBERT FRANKENSTEIN Juden auf der Insel Jamaika New York. — Die jüdische Gemeinde von Jamaika (Britische Antillen) schloss sich vor kurzem formell dem Jüdischen Weltkongress an, und hiermit erhöhte sich die Zahl der repräsentativen angeschlossenen Gemeinden und Institutionen auf 64. Der Kongress vertritt nach diesem Anschluss sämtliche wichtigen jüdischen Gemeinden des amerikanischen Kontinents. Obwohl die Gemeinde von Jamaika nur 1.400 Seelen zählt, so ist sie doch eine der ältesten des Kontinents. Sie wurde vor über drei Jahrhunderten gegründet. Vor einigen Monaten feierte sie das 75. Jubiläum der Errichtung ihrer heutigen Synagoge. Gleichzeitig beging sie das 25jährige Amtsjubiläum ihres Rabbiners, Henry Phillips Silverman. In der Synagoge funktioniert auch eine Schule mi: 80 Schülern. Ler Anschluss der Judenheit von Jamaika an den Jüdischen Weltkongress war die Folge des Besuches des Direktors der Abteilung für internationale Angelegenheiten des Kongresses, Dr. Maurice L. Perlzweig, der zu den dortigen Gemeindeführern über den repräsentativen Organismus und seine Tätigkeit sprach. HERBERT FRANKENSTEIN die Parole, die sich die Juden als Volk in der Zerstreuung hätten setzen sollen, sich aber bis heute nicht gesetzt haben. — Die Juden Israels bilden ein St&atsvolk, das seinen eigenen Gesetzen gehorcht. — Da hier bereits die Juden der Diaspora und Israels gegenübergestellt worden sind, wird der Unterschied ¡¡wischen diesen beiden essentiellen Teilen unseres Volkes gerade in der Frage der Nutzung gegebener Chancen evident, überzeugend, beeindruckend. Die Juden Israels haben die gewaltige historische Chance verstanden, die ihnen gegeben ist; sie haben den Aufbau ihres Landes mit Energie, Systematik und überragender Intelligenz begonnen, der kaum Parallelen in der menschlichen Geschichte hat. Die Juden in Israel haben — mit einem Wort gesagt —, die Zeit genutzt. Was haben demgegenüber die Juden in der Galut aufzuweisen? Gewiss kann man sieb darauf berufen, dass durch alle Judenheiten erhebliche Mittel aufgebracht worden sind. Aber auch das ist bereits recht unterschiedlich, und bei jedem Vergleich undbei jeder ernsteren Prüfung würden die argentinischen Juden sehr schlecht abschneiden. Sie pflegen nationale Leistungsbereitschaft durch einen verbalen Enthusiasmus zu ersetzen, sie pliegen den Lunapark zu füllen, wenn ein israelischer Minister zu ihnen kommt, aber sie geben wenig Geld, obwohl sie genug haben. Sie warten, wie einst die deutschen Juden gewartet haben, und nicht nur die deutschen, auch alle anderen ost- und westeuropäischen Judenheiten, bis ein Hitler kam und alles stahl. Nachher haben alle gejammert, was hätte man alles mit einem Bruchteil des Betrages machen und wie viele Menj sehen heute und grauer Vorsehen retten können, wenn! zeit erstaunt, wenn nicht man gewusst und verstau-' erschrocken sein. Es ist oen haben würde . j kein besonderes Merkmal Die Menschheit hat bisher j unserer Zeit, dass die Menwenig aus ihrem geschieht-1 sehen „nichts zugelernt” halichen Erleben gelernt. Jeben, und mit dem Verde Generation muss ihre ei genen Erfahrungen machen. Das Kind scheut erst das Feuer, wenn es sieh selbst verbrannt hat. Die Mahnungen der Eltern werden — seit Jahrtausenden — in den Wind geschlagen, weil der Mensch dem lernt und Konsequenzen zu ziehen bereit ist, was er selbst erfährt. Deswegen gibt es keinen wirklichen menschlichen Fortschritt, wenn man von den äusseren Lebensbedingungen absieht. Der menschliche Charakter ist nicht anders, ist nicht besser geworden, als er immer war. Dieselben Leidenschaften beleben und erschüttern unsere Existenzen, wie dies vor Jahrtausenden der Fall wja*. Der interessierte und aufmerksame Beobachter wird über die Aehnlichkeiten des Lebensrhythmus und der das Leben bewegenden wie gestaltenden Kräfte zwisebwinden der Kriegsgeneration werden auch, um es einmal in einem Doppelsinn auszusprechen, die menschlichen Voraussetzungen fiir neue Konflikte geschaffen. Das grosse Vergessen ist die gefährlichste Krankheit im Leben eines Volkes. Das haben schon in alter Zeit die Führer des Volkes erkannt. indem sie ihre warnende Stimme erhoben: man solle nicht vergessen. Warum hat man das Volk aufgefordert, immer zu gedenken. was Amalek getan hat; weil damit die Erkenntnis verbunden ist. dass nur derjenige leben und sich schützen kann, der sich der Gefahren bewusst ist, die ihn umgeben, und der sich dessen erinnert, was ihm geschah. Durch Erinnerung an Vergangenes soll die Bereitschaft geweckt werden, aus dem Erleben Konse- (Schluss auf Seite 2) Zivilklage gegen Eichmann Tel Aviv. — Eine Schadenersatzklage wurde vor dem Bezirksgericht Haifa gegen den ehemaligen Obersturmbannführer Adolf Eichmann erhoben, die möglicherweise die legale Grundlage für Ansprüche an Westdeutschland auf Milliarden Dollar bilden könnte. Der Anwalt Schmuei Tamir reichte die Klage in Veilretung von Josef Mandel ein, der aus Ungarn stammt und heute schweizer Bürger ist. Mandel weilt in Israel und klagt auf Rückerstattung von 1.500 IL für seinen Eltei'n in Ungarn gestohlenen Besitz. Die Klageschrift ersucht gleichzeitig um eine offizielle Erklärung des Gerichts, dass das gesamte Vermögen der ungarischen Juden, welches von den Nas.is requiriert wurde, sich heute in der Deutschen Bundesrepublik befindet. Im Fall der Abgabe einer solchen Erklärung könnte diese die legale Basis für die ausgedehnte Geltendmachung von Ansprüchen gegen Westdeutschland bilden. Mandel war einer der Juden, die mit Eichmann wegen der Rettung der ungarischen Juden verhandelte. Er gibt an, dass er Eiclimann den Betrag von 250.000 schweizei Franken ausgehöniige habe, dieser jedoch nichts tat und die Summe vjruntreute, zu der Mandel selbst einen nicht unbeträchtlichen Teil seines eigenen Geldes beige.itcucrt hatte. (ITA)