Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 22 (1961)
- Issue
- 1844 (13.1.1961)
- Date
- 1961-01-13
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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FRANÛJEO P Av* ADC Concesión 908 EL EJEMPLAR en inde la Repúblimi Buenos Airee PUEYRREDON 2190 1» i«q. T. E. 83 . 2613 TARIFA REDUCIDA Concesión 1823 Año XXII. BUENOS AIRES, VIERNES 13 DE ENERO DE 1961 No. 1844 mann - Prozess und Ostlaender r ums über etwas wundern, wus gar nicht verwunderlich ist. c’ie zum Ostblock gehörenden europäischen Staaten weigern sich be- Ei ist ein wahres Wunder, | reichlich, vorhandene ficudig-bereiten dass sich die Beamten des Dr.kurr.ei.tenmuterial unverisraelischen Aussenministei faucht bekannt würde, müssten in einem erweiterten Eichmann-Prozess alle osteuropäischen Völker a rf c’ie Anklagebank gehören. Weiss man wirklich noch herrlich. ihre geheimen Do-j ¡mn,er nicht, dass die Deutkumente zur Verfügung zu schen allein, bei all ihrer stelien. aus denen die voli wahrhaft ..genialen" Mordtechnik, nicht imstande gele Wahrheit über die euro- : paische Judenvernichtung ans Licht kannte. Es wur-1 den Vermutungen laut, 1 diese Weigerung wäre dari aut zurückzuführen, dass! die Ankiagebehörden nicht , dafür zu haben wären, ne- | her. E’chmann das gesamte Nazi-Regime unter Anklage i zu stellen, wodurch Wert-1 dcutschland schwer bela- ■ stet werden sollte. Juri-j stiseh geschultem Denken : fä.lt es schwer, anzunehmen. dass die Anklageschrift in einer Strafsache dazu noch lange vor Abschluss der Untersuchung, Gegenstand von Unterhandlungen mit fremden Regierungen sein könnte; ebenso dass die Bereitstellung von Belastungsmaterial an derartige Bedingungen geknüpft worden sei. Dabei ist die Lösung des Rätsels so einfach, dass man sich nur da. ioer wundern kann, dass gerade das israelische Aussenministerium sie nicht kennt: Wenn aas in den Archiven der kommunistischen Regierun- Arabischer Kongress Casablanca. — Nasser rächte sich für seine Niederlage. die ihm durch den Präsidenten von Ghana beigebracht wurd , und setzte hon, Belgien, Schweden, eitle Resolution durch, in j ln Osteuropa dagegen, der Israel als ein Instruinsbesondere dort, wo es jüver.en waren, einen solch ungeheuren Massenmord während eines Krieges gegen all' Grossmächte der Erde, so vollständig und reibungslos durchzuführen, wenn sie nicht die freiwil- 1 ge. ja sogar freudig geleistete Mithilfe aller jener östlichen Völker gefunden hätten? Es soll nicht verschwie- | gen werden, dass auch j westeuropäische Völker unter deutscher Besetzung diesen Menschlichkeits-Test | nicht glänzend bestanden ha- I ben. Vom stammesver- I wandten Oesterreich kann! man nur sagen, dass es im j anti - jüdischen Wettbewerb! mit den Brüdern vom Reich | diese nicht selten übertrof- I fen hat. Von dort kamen ja! auch die Hitlers, Eicht manns, Seiss-Inquarts etc.! Schwere Enttäuschungen gab es auch in anderen westlichen „Kulturstaaten”. Als rühmliche Ausnahmen in diesem verrohten und veri* ü.teten „Abendland” verdienen nur sehr wenige Völker hervorgehoben zu werden, bei denen, dem harten Drucke der deutschen Besatzungsbehörden und der einheimischen Faschisten zum Trotz, höchste Menschlichkeit triumphiert hat, z. B. Dänemark, Holland, Itarr.ent des Imperialismus und Kolonialismus im Nahen Osten und in Afrika bezeichnet wird Mit dieser Resolution sollte die Haltung der Präsidenten Nkrur.iah von Ghana und Modi- Uo Keita von Mali gerügt werden, die sich beide für Israel ausgesprochen hatten. Ausser Nasser setzte 1 nicht selten schwer war, dische Massensiedlungen gab, in Polen, Weissrussland. Rumänien, Ungarn, in der Ukraine und Lettland hat es einen derartigen Wettbewerb in der Judenvernichtung seitens des grössten Teil der einheimischen Bevölkerung mit den Deutschen gegeben, dass es sich nur Mohammed V. von M. rokko dafür ein, das arabische Palästina zu verteidigen. zwischen dem deutschen Lehrmeister und Anstifter einerseits und dem einheimischen ¡Komplizen und Wieder eine Fluechtlingstrogoedie Washington. — 43 marokkanische Juden sind im Meer ertrunken, als ihr kleines Schiff 160 km südöstlich von Gibraltar kenterte, auf dem sie nach Israel zu gelangen versuchten. Diese Mitteilung wurde von der amerikanischen Flotte gemacht. Es soll ein kleines Segelboot unter der Flagge von Honduras gewesen sem. Offensichtlich handelte es sich bei dieser Fahrt der marokkanischen Juden um eine heimliche Aktion. Vom Hafen Algericas aus wurde gemeldet, dass die Leichname von 10 Juden . bereits aufgefischt worden sind. Nach einer weiteren Meldung soll ein spanischer Fischdampfer den Kapitän und zwei Mitglieder der Besatzung, deren Nationalität nicht feslgesteilt worden ist, an Bord genommen haben. Wie spanische Seeleute mitteilten, konnten sie weitere Ueberlebende nicht finden. Auch die britische Flottenbasis in Gibraltar meldete den Tod von 43 Juden, die an der Küste von Spanisch-Marrokko auf dem Wege nach Israel ertrunken sind. Ein britisches Schiff und ein Flugzeug der britischen Luftwaffe wurden zum Platz des Unglücks entsandt. Angeblich ist durch die Engländer eine Frau lebend aus dem Wasser gefischt worden. (ITA) Exekutanten zu unterscheiden. Bei ihrem raschen Vormarsch ins Innere' Russlands hatten es die Deutschen meist gar nicht nötig, ihre eigenen Mord-Kommandos zurückzulassen; die v on ihnen eingesetzten lokalen „Behörden” führten ihre Vernichtungsaufträge ebenso so gründlich und vollständig aus. Es handelte sich dabei nicht nur um die bekannten faschistischantisemitischen Gruppen in Polen, die rumänischen Legionäre und Aitonescianer, die weissrussischen und lettischen Vlasowniks, die ukrainischen Petliuristen und Benderovci, die ungarischen Pfeilkreuzler etc., sondern um eine Massenerscheinung, der sich kaum einige wenige Menschen entzogen haben. Selbst dort, wo 25 Jahre kommunistischer Erziehung und Aufklärung vorangegangen waren, hatte sich an der antisemitischen „Atmosphäre“ aus der guten Zarenzeit nichts geändert; der Stalin-Hitler-Pakt hatte noch Wesentliches beigetragen. Kinder und Jugendliche, die bereits unter dem kommunistischen Regime geboren wurden und niemals ein anderes gekannt hatten, riefen auf der Strasse unglücklichen Deportierten „Juda!” als Schimpfwort nach und misshandelten jüdische Kinder. Und die .Befreiung’ selbst, diese „hohnsprechende, schändliche Täuschung”, wie sie der Sozialist Berr.ard Goldstein in seinem Buche „Die Sterne sind Zeugen” qualifiziert! Das Verhalten der nach Westen vormarschierenden Roten Armee und der sie begleitenden politischen Kommissare den letzten Resten der vernichteten jüdischen Gemeinschaften, ja sogar kämpfenden jüdischen Partisanen gegenüber: es ist kein unwichtiges Kapitel in I c’er europäischen Judentrai gödie! j Bekannte jüdische Führer, I wie Henrik Erlich, Viktor j Alter, und viele andere j wurden als „Naziagenten” | hingerichtet. Ein Terror setzte ein, der auch die jüj dischen Kommunisten zur | Verzweiflung brachte. Es | haben Schandtaten stattgefunden, die man öffentlich kaum beschreiben kann. Hingegen wurden die Faschisten von gestern in hohe Aemter eingesetzt. Offenen Kollaboranten, die sich des Mordes nicht nur an Juden, sondern auch an nichtjüdisehen Kommunisten schuldig gemacht hatten, wurde wohl der Prozess gemacht; aber die Sanktionen waren recht schwach, da man mit c.eri vielen Millionen Verhafteter nichts anzufangen wusste. So schickte man die Wehrfähigen an die Front, | wo sie nach drei Monaten | straffrei wurden, und die | anderen in das Dongebiet zur Arbeit. Das letzte Kapitel in Bernard Goldsterns oben erwähntem Buch, welche die grauenerregende Judentragödie nach der „Befreiung” enthüllt, und die zahlreischen in Israel diesbeziiglich erschienenen Aufsätze können doch nicht völlig unbekannt geblieben sein. Insbesondere sei auf zwei ausführliche Memoranden, vom 5. und 7. November 1951, aufmerksam gemacht, in denen auf diese Tatsachen und die Solidarität und gemeinsame Verantwortung der Deutschen mit diesen osteuropäischen Staaten hingewiesen wurde. Der Empfang und die Zusage, diese Tatsachen zu verwerten, sind unter Akten-Nr. 181 (unterschrieben am 22. Novem- | oer 1951 von Dr. Schinar)! ersichtlich. Viele Faktoren haben di< I zu beigetragen, dass man diese hochwichtigen Tatsaj chen irgendwie geheim zu j halten bemüht war; die Ur-! sachen sind überall verschieden. In Oesterreich z. B. gefällt man sich in der von den Siegermächten aus weltpolitischen Gründen (um den „Anschluss” zu verhüten) geschaffenen | Fiktion, dass man von der Nazi-Besetzung „befreit” wurde. Eichmanns einheimische Komplizen in diesem seinem ersten Aktivität szentrum sollen daher unbekannt bleiben; umso mehr, als man sich auch gleichzeitig den Wiedergutinachungspflichten Judeu gegenüber entziehen kann. In Westdeutschland leben noch immei Hunderttausende faschistisch - antisemitischer Ostemigranten, die in Frankfurt am Main, München etc. ungezählte Organisationen, Zeitungen und Zeitschriften haben und ungestört ihre Rassenhetze gegen das Weltjudentum betreiben. In der Dezember-Nummer 1959 der in München englisch erscheinenden Zeitschrift ABN wurde der dort verstorbene Stefan Bendera, eiuer der fürchterlichsten Bandenführer (.Benderovci”) und Judenmörder im Dienste der Nazis als „Welt - Freiheitsheld” gefeiert. Man schützt alle diese Bandenmitglieder in Westdeutschland, w'eil sie sich zur Camouflage auch ar.tikommunistischer Parolen bedienen, während ihre hauptsächliche Aktivität in antisemitischer Propaganda und Hetze besteht. In Israel selbst hat man oft die Tatsachen verfälscht, weil man geglaubt hat, dass die Wahrheit der Durchsetzung individueller Wiedergutmachungs - Ansprüche schaden könnte, obwohl nach den elementarsten straf- und zivilrechtlichen Grundsätzen die passive Korrealität des deutschen Anstifters und der osteuropäischen Komplizen und Exekutanten einwandfrei feststand. Man hat vieles verspätet, weil man auf manchen Territorien von deutschen Exekutanten gesprochen hat, wo in Wirklichkeit einheimische Komplizen deutsche Befehle äusgeführt haben. Ob nur aus diesem oder aus anderen! innen- oder aussenpolilischen, Gründen: Tatsache ist, dass dieser hochwichtige Teil der jüdischen Historiographie besonders I Dr. N. Goldmann wiedergewaehlt Jerusalem. — Der 25. Zionistenkongress ist Mittwochmorgen abgeschlossen worden. Die endgültige Zusammensetzung der Exekutive, über die eine Verständigung bisher noch nicht erzielt worden ist, wird durch das Aktionscomite im Monat Mai vorgenommen werden, das die höchste Autorität zwischen den Kongressen bildet. In gemeinsamer Uebereinstimmung wurden lediglich drei Veränderungen vorgenommen. Der frühere Ministerpräsident Moshe Sharett wird in Zukunft den Platz einnehmen, den bisher Jaacow Tsur innehatte, während Tsur zum Präsidenten des Aktionseomites gewählt worden ist. Der frühere Bürgermeister von Tel Aviv, Chaim Levanon, tritt an die Stelle von Meir Grossmann, der sich zuriiekzieht, und Aaron Cisling nimmt den Platz von Braginski ein (beide MA. AM). Einstimmig wurde Dr. Naehum Goldmann wieder zum Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation gewählt. Nur die Delegierten der Cherut enthielten sich der Stimme. in Israel gänzlich vernachlässigt wurde. Was aber die kommunistischen Staaten Osteuropas j betrifft, ist die Mitschuld | weiter Kreise der einheimi-! schen Bevölkerung und Behörden — während der Nazi-Besetzung und auch nacher — derart gewaltig, dass man selbst mit einer „gleichgeschaiteten” Geschichtsfälschung die Wahrheit nicht aus der Welt schaffen könnte. Ein Einblick in ihre diesbezüglichen Dokumentensammlungen wäre für sie eine moralische Katastrophe. Die von einem Sprecher des israelischen Aussenministeriums geäusserte Hoffnung, dass man in den Ostblockstaaten das Material über Eichmann in den Archiven vielleicht noch zusamenstelle, um es später den israelischen Justizbehörden zu übergeben, ist eine Selbsttäuschung. Die Ausnahme Tscheschoslowakei bestätigt nur die Regel. Das Volk Masaryks hat den endemischen Antisemitismus der Ostvölker nicht gekannt und war bemüht, auch dem Druck des nazistischen Gauleiters Widerstand entgegenzusetzen. Selbst unter dem entgegengesetzten Totalitarismus hat es seinen liberalen Charakter nicht gänzlich verloren. Im allgemeinen aber wird msn im allerbesten Falle ertweder gefälschte Akten bekommen oder nur einen ganz geringen Teil der Wahrheit erfahren. Das jüdische Volk aber will endlich die voilé und ganze Wahrheit erfahren; nicht r.ur, um sie den kommenden Generationen zu übermitteln, sondern auch damit die gesamte Menschheit aus dieser vollen Wahrheit ihre Verantwortung dem jüdischen Volk gegenüber in ihrer ungeheuren Grösse erlasse. Alle diese Dinge können in einem Zeitungsartikel kaum angedeutet werden. Auch die Untersuchungsinstanzen in einem Einzelverfahren können wenig Licht in dieses künstlich dunkel gehaltene Gebiet bringen. Es ist Sache der wissenschaftlichen Institutionen und des Jad Waschern, das nötige Material hoibeizuschaffen, zu sammeln, zu sichten und zu verarbeiten. Handel mit Ostdeutschland Regierungs-Delegationen Ostdeutschlands und der VAR haben vereinbart, das Volumen des gegenseitigen Warenverkehrs für 1961 auf 380 Millionen Mark festzusetzen. Gegenüber 1960 stellt das eine Steigerung um 40 Prozent dar. Verbesserung einer Erfindung Haifa. — Meschulam Ringer verbesserte die in Israel zur Zeit in Gebrauch befindlichen Sonnenheizmaschinen. Der von ihm konstruierte Apparat ist um 20 Prozent ergiebiger als bisherige und erreicht eine Wasserwärme von 85 Grad. (AWZ) NOCH EiE LEX EICHMANN Jerusalem. — Das israelische Justizministerium arbeitet einen neuen Gesetzentwurf aus, um zu gestatten, dass ein Mitglied des Obersten Gerichtes Israels den Gerichtshof präsidiert, der den Prozess Eichmann durchführen und Eichmann verurteilen wird. Nach dem herrschenden israelischen Gesetz bestimmt der Präsident des zuständigen Distriktes drei Distriktsrichter, die den Vorsitz führen können, falls ein Verbrechen zur Aburteilung steht, für das besonders schwere Strafen angedroht sind. Der Präsident des Distriktes hat das Recht, sich selbst unter diesen drei Richtern zu benennen. Der Distriktspräsident von Jerusalem ist der Richter Menachem Halevy. der den Vorsitz im Kastner-Prozess und im Prozess von Kfar el Kassem geführt hat. Ohne das neue Gesetz wird das nicht möglich sein, denn für den Vorsitz eines Prozesses von dieser Bedeutung muss ein Mitglied des Obersten Gerichts den Vorsitz führen. (ITA) Registro de la Propiedad Intelectual No. 656 635 Impreso eu la Imprenta POLIGLOTA — Corrientes 3114