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Jüdische Wochenschau · 1961-01-10 · 1843 (10.1.1961) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
22 (1961)
Issue
1843 (10.1.1961)
Date
1961-01-10
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German, Spanish
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PUEYRREDON 1? iaq. ¡0' T. E. 8 3 - 2 6 1 3 Año XXII. BUENOS AIRE'S, MARTES 10 DE ENERO DE 1961 No. 1643 , Das Appellationsgericht des Staates New York verwarf das Urteil, zu dem zwei Bezirksgerichte über ciie von der Oelgesellschaft ARAMCO durehgeführte Diskriminierung gegen jüdische USA-Bürger gelangt waren. Die ARAMCO hatte es abgelehnt, einem Julien wegen seiner Religion eine Stellung in ihrem Betrieb in Saudi Arabien zu geben. Der Amerikanische Jüdische Kongress hatte dagegen protestiert und behauptet, dass die “ARAM¬ CO sich als Instrument und Agent Saudi Arabiens in den USA betätigt.” Der Anwalt der Oelgeseh,schaft hatte angeführt, dass die ARAMCO die Bewerber nach ihrer Religion befragt, weil dies in Uebereinstimung mit einem Gesetz steht, welches in Saudi Arabien in Kraft ist, wo sie ihre Geschäfte tätigt. Er machte ferner geltend, .dass die nordamerikanisohen Imeressen im Nahen Osten erfordern, dass die ARAMCO von dem Gesetz gegen Diskriminierung ausgenommen würde. Hiergegen wandte der Anwalt des Amerikanischen Jüdischen Kongresses ein, die ARAMCO bediene sieh der Frage nach der Religion zu dem Zweck, um den Juden den Weg nicht nur in Saudi Arabien zu versperren, sondern sie auch aus ihren Büros in New York, auszuschliessen, wo die Firma über 800 Angesichte beschäftigt. Das ApeJIationsgerieht entschied, dass es unzulässig sei, Personen, die sich um einen Posten bewerben, nach ihrer Religion zu fragen. WEN SCHAED1GT DER BOYKOTT? Beirut. — Das libanesische Kabinett wurde davon in Kenntnis gesetzt, dass der arabische Boykott gegen Israel der arabischen Wirtschaft weit ernstere Schäden als der israelischen Oekonomie zufügt. Diesen Belicht, verlas Pierre Gemayel, der libanesische Minister für Wirt- WIE ICH ES SEHE .••••••"'j t , \ | Der Orden wem Heuen Tempel j von JEHUDA GOTTHEIMER Das Wien des ausgehenden 19. Jahrhunderts war zu einer Hochburg des Antisemitismus geworden. Bereits das 1871 erschienene Buch des Piager Theologie-Professors Dr. Rohling (uomen est omen) „Der Talmudjude”, hatte eine erhebliche antijüdische Stimmung hervorgerufen, obwohl viele namhafte christliche Gelehrte und Theologen sich gegen diese Schriften gewandt hatten, die sie als Machwerk und Fälschung bezeichnelen. In den neunziger Jahren drangen bei Parlamentswahlen bereits 13 Antisemiten' durch, und der niederösterreichische Landtag hatte sogar eine antisemitische Mehr heit. In Wien selbst war es der Advokat Dr. Karl Lueger, der mit Hilfe eines antisemitischen Programms «eine Partei zum Wahlsieg Sührte und schliesslich zum Bürgermeister von Wien gewählt wurde, nachdem der fCaiser bereits zweimal seine Bestätigung zu dieser Erkennung verweigert hatte. In den Chroniken der damaligen Zeit sind all die grös- «eren und kleineren Antisemiten verzeichnet, die auf dem Umwege des Judenhasses Macht, Einfluss, Ansehen und Geld zu erreichen suchten. Die Flutwelle der antisemitischen Literatur ist kaum übersehbar, vieles der Ver_ gessenheit anheimgefallen, manches niemals beachtet worden. Und doch sollte diese Art „Literatur“ für das Schicksal der Juden und sogar für alle Völker der Erde von einer verhängnisvollen Bedeutung weiden. Denn hier sind die (eisten) Quellen zu suchen, aus denen der spätere „Führer“ seine Kenntnisse vom Judenftass schöpfte, als er als Kunstmaler in Wiener Asylen oder Hinterhauswohnungen vegetierte. Ueber ihn schrieb ein deutscher Verlag, der eine neue Hitler-Biographie herausbrachte, vor wenigen Wochen: „Adolf Hitler hat unser aller 'Leben durch Verbrechen von unerhörtem Äusmass, die im Namen unseres Volkes von ihm befohlen wurden, und durch die Zerstörung der deutschen Einheit entscheiden beeinflusst.Fünfzehn Jahre nach seinem Tod ist sein Name durchaus nicht tot, seine Taten und Untaten haben Probleme erzeugt, deren Lösung in einer friedlos gewordenen Welt bisher nicht gelungen ist. „Hitler war kein grosser Mann im Sinne unserer von sittlichen Masstäben bestimmten Geschichtschreibung. Er war ein Demagoge und Gewaltmensch von weltgeschichtlichem Ausmass. Darum ist die Frage, wer dieser Mann gewesen ist, woher er kam, wie er an j die Spitze des deutschen Reiches und Volkes gelangen konnte in erster Linie eine Frage an die deutschen Historiker und an die Deutschen selbst.“ j Es mag sein, dass, diese Frage, wer eigentlich Hitler war, zunächst an die Deutschen gerichtet ist. Es ist auch beachtlich, dass ein deutscher Verlag die Herausgabe der Hitler-Biographie mit so klaren Worten eines vernichtenden Urteils einleitet, mit Worten, die leider! nur allzu wahr sind, dass nämlich Hitler durch seine Verbrechen unser aller Leben entscheidend beeinflusst habe... Aber diese Frage ist nicht nur an das deutsche Volk gerichtet. Gewiss haben sich auch viele von uns mit der Frage beschäftigt, mit dem Warum und Woher dieser hitieristisehen Epoche, die zu einer tiefen Wandlung nicht nur unseres Lebens, sondern der Entwicklung aller Völker geführt hat, zum Chaos, zum Vernichtungskrieg, zum grausigen Massenmord, zur Zweiteilung der Nationen in sich feindlich gegenüberstehende Welten, zur steten Unruhe und permanenten Unsicherheit. Wir werden diese Frage, die unbestreitbar vor jedem steht, ein wenig anders formulieren, da uns weniger das Woher als das Warum interessiert: wie war das alles nur möglich, dieser Aufruhr und dieser Untergang, diese Verwirrung und dieser Zusammenbruch aller Werte und alter Ideale. Wie war es nur möglich, dass die Welt des zwanzigsten Jahrhunderts nicht die innere, geistige wie /moralische, seelische und materielle Widerstandskraft besass, um diesen Ansturm der geballten Macht des Bösen abzuwehren. Das ist die Frage, die viele von uns seit Jahren beschäftigt, und über die wir alle nachdenken sollten. Es gibt ein« umfangreiche Literatur über Hitler und I Enttäuschungen für Nasser Casablanca. — Wie man aus sicheren Quellen erfahren hat, führte die Diskussion über die Probleme Palästina und Mauretanien zu heftigen Auseinandersetzungen auf der afrikanischen Konferenz, die Jetzt in Casablanca abgehalten wird. Diese Schwierig- . keiten traten insbesondere bei der Schluss-Resolution 3 auf. I Nasser versuchte hei seiner Intervention in der Israel-Frage das „Palästina-Problem“ als eine spezifische Sorge Afrikas darzustellen und verlangte, dass es als ein afrikanisches Problem betrachtet werde. Er forderte die Teilnehmer an der Konferenz auf, sie mögen ihre diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen mit Israel einer Revision unterziehen. Diese Stellungnahme provozierte eine lebhafte Diskussion, deren hauptsächlicher Teilnehmer der Präsident von Ghana Dr, Nkrumah gewesen ist. Tier Präsident von Ghana erklärte, dass sein Land die engsten Beziehun- gen mit Israel unterhalte und aufrechterhalten werden, Insbsondere auf dem Gebiet der technischen Hilfe. Er forderte gegen Nasser die anderen Teilj Rehmer an der Afrikanischen Konferenz auf, die gleij ^cb« Haltung einzunehmeu. (ITA) ■ ■ - ■ schaftsfragen der ar^egte. der Libanon solle die Initiative ergreifen und sich mit der Aufforderung an die Arabische Liga wenden, sie möge die Möglichkeit erwägen, diese Massnahme erneut einer Prüfung zu unterziehen. Der Vm schlag des Ministers wurde durch den kürzlichen Zwischenfall verursacht, der dadurch entstand, dass das norwegische Schiff „Mars”, welches auf die Schwarze Liste gesetzt worden ist, in Beirut nicht ausladen durfte sondern nach Alexandrien weiierfahren musste. Der Minister forderte, man müsse Massnahmen et greifen. um die Interessen der libanesischen Wirtschaft zu schützen. EINE INTERESSANTE ENTHUELLUNG Jerusalem. — Der Beigeordnete Verteidigungs-Minister Israels Shirnon Peres enthüllte, dass er bei einem Studium der wachsenden militärischen Macht Nassers die Feststellung gemacht babe, dass Nasser heute mehr Tanks besitzt als Marschall Montgomery zu seiner Verfügung batte, als er die Schlacht von El Alamein schlug. GTA) .4 rtthi&cherr | Terrwht verurletlli Algier. — Da* Militärgericht verurteilte Amar Slimane zum Tode und Ahmound Allal zu lebenslänglichem Gefängnis, weil sie im vergangenen Okiober in Blida in ein Café, dessen Besitzer | Jude ist, eine Bombe geworfen hatten. (ITA) den Nationalsozialismus; man darf sagen, da** diese Literatur bereits heule schwer zu übersehen ist. Das neue Werk, dessen Autor der bekannte deutsche Historiker und Journalist Walter Görlitz ist, zeichnet sich durch Klarheit aus; es verzichtet auf viele Einzelheiten und Weitschweifende Betrachtungen, entwirft dafür ein lebendiges Bild vom Werden und Wirken, vom Wollen und Untergang einer diabolischen, zerstörenden Kraft, deren Entstehen in einem bisher nicht geklärten Dunkel liegt, wie ihr Verschwinden von Geheimnissen umgeben ist. Görlitz ist übrigens auch der Verfasser einer breit angelegten Hitler - Biographie (gemeinsam mit Herbert A, Quint), die neben der umfassenden Arbeit des Oxforter Historikers Alan Bullockv „Hitler, eine Studie über Tyrannei*- die Grundlage der modernen Forschung bildet. Schon Alan Bullock hatte darauf hingewiesen, dass Hitlers Antisemitismus keineswegs etwas Neues darstellte. Alles, was er jemals über die Juden gesagt oder geschrieben hat, ist nur als der Niederschlag aus den antisemitischen Zeitschriften und Broschüren zu betrachten, die er vor 1914 in Wien Tel Aviv. — Miembros «1*1 kibuiz de Ein HnsMosha luvieron' a un' visitante distinguido que llegó desde el aire. Un helicóptero de la fuerza aérea israelí bajó del cielo derecho en el medio de la colonia, qu* incluye a muchos sudamt'ricanos. Del helicóptero bajó el canceller uruguayo Martínez Montero, el secretario de gobernación y el embajador cU dicho país en Israel. Vinieron a saludar a sus conocioneles colonizados en esta colonia que domina la franja de Gaza. El canciller no pudo dominar sus impresiones por lo visto em le caso-cuna, en la pequeña escuchita, en varios domicilios y las maquinarias agrícolas y anotó en el libro de los huéspedes: "Deseo expresar mi honda impresión al reuniime con mis compatriotas y observar su adaptación social y económica a Ja vida de klbuíz. con Je cual ayudan al adelanto de Israel, también estoy impresionado por el interesante sistema cooperativista y la moderna técnica de cultivar la tierra y firmo con hondo aprecio, Martínez Montero, SCHIOMO S. TANGER Eindrücke in einem Kibbuz Tel Aviv. — Mitglieder des Kibbuz Ein Hashlosha begriissten einen hohen Gast, der aus der Luit heiabstieg. Ein Hubschrauber der israelischen Luftwaffe landete vom Himmel diiekt im Zentrum der Kolonie, in der vieie Lateinamerikaner leben. Dem Hubschrauber entstieg der uruguayische Altssenminister Martínez Monteio, der Staatsminister und der Botschafter dieses Landes in Israel. Sie kamen, um ihre Landsleute zu begi iissen, die sich in dieser Kolonie, die den Gazastreifen beherrscht, angesiedelt haben. Der Aussenminister konnte seine Eindrücke nach Besichtigung der Kleinkinderbewabransialt, der kleinen Schule, verschiedener Wohnungen und der landwirtschaftlichen Maschinen nicht mehr beherrschen und trug folgendes in das Gästebuch ein: „Ich möchte meinem tiefen Eindruck bei dem Zusammentreffen mitmeinen Landsleuten Ausdruck verleihen und nachdem ich gesehen habe, wie sie sich in sozialer und ökonomischer Hinsicht in das Kibbuzleben eingeordnet haben. wodurch sie dem Fortschritt Israels helfen Ich bin auch von dem interessanten kooperativen System und der modernen Technik der Bodenbebauung beeindruckt und zeichne mit hoher Wertschätzung Martínez Montero.” SCHL.OMO S. TANGER gelesen hat. Sicherlich ist I Hitler nur selten mit Juden zusammengekommen. Er selbst-schrieb in seinem Buch „Mein Kampf“, sich nicht erinnern zu können, das Wort Jude im Elternhaus gehört zu haben (Ausgabe 1933, S. 54). Er fühlte sieh anfangs gar durch die antisemitischen Blätter abgestossen, aber als er einmal zufällig in Wien einem Juden im Kaftan auf der Strasse begegnete, da wurde er Antisemit. Diese Schilderung stammt von ihm selbst, Das machte ihn zum Antisemiten, und diese anonyme Begegnung, so muss man schliessen, war der Ausgangspunkt für „seinen Kampf gegen das W.ellJudentum“, der mit der Ermordung von Millionen unschuldiger Menschen endete... Durchdenkt man diese Episode, erscheint alles wie ein Spuk, wie ein faules Ammenmärchen, wie ein schlechter Hintertreppenroman. Dennoch liegt hier die Wahrheit, in ihrer ganzen Primitivität und furchtbaren Brutalität. Neue Forschungen besrtr affigen sich mit dem Versuch, diese obskuren Quellen zu ergründen, die Hitlers antisemitische Einstellung und seinen abgrundtiefen, hemmungslosen Hass gegen die Juden erzeugt und gespeist haben. Nach eigener Mitteilung handelte es sich, hierbei um Broschüren verschiedenster Art, die er sich „um wenige Heller“ kaufte; Welche Broschüren es waren, ist nicht bekannt. Es liegen aber Vermutungen vor dass sich unter diesen billigen Kampfschriften auch Hefte einer Zeitschrift befunden haben, die den absonderlichen Titel „Ostara, Briefbücherei der Blonden Mannesrechtler-* getragen haben. Der Herausgeber dieser Briefbiicher war ein Oesterreieher namens Adolf- Joseph Lanz, ein ehemaliger Mönch der Zisterzienser, der sich dann aus eigener Machtvollkommenheit Georg oder Jörg Lanz v. Liebenfels nannte. Eia wohlhabender Gönner hatte diesem Lanz eine Burg* Werfenstein, geschenkt» Dort nun hatte Lanz einen Orden vom „Neuen Tempel“ gegründet, dessen Wahrzeichen die Hakenkreuzfahne — rotes Hakenkreuz auf goldenem Grund — gewesen ist... Auch die Lehren des Lanz, die er in seinen Ostara-Heften verbreitete, weisen viele Aehnliehkeif mit den späteren nazistischen Doktrinen auf. Lanz sprach von der weltweiten Sendung und dem immerwährenden (Schluss auf Seite 2) Antisemitismus in Russland Paris. — Der linksgerichtete Verband französischer Studenten hat einen Beschluss angenommen, in dem der Besorgnis über die Diskriminierung gegen die Juden in Russland Ausdruck gegeben wird. Diese Resolution wurde am Vorabend des Besuche* abgefasst, den zwei bekannte Franzosen, André Blumel und Daniel Meyer, der Sowjetunion abstatten werden. Meyer hatten den Russen vor seiuem Besuch im März erklärt, er wünsche Sicherheiten, dass er das sehen könne,; was er wolle, und seine eigenen Dolmetscher beschäftigen dürfe. j Inzwischen setzt die sowjetische Presse ihre uit-i , jüdische und antiisraelische Kampagne fort. In der I letzten Nummer der satirischen Zeitschrift „Kroko-; dil”, die jetzt hier ein traf, erschienen zwei Seiten mit Karikaturen von Juden und antisemitischen Texten. »ITA) i

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