Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 22 (1961)
- Issue
- 1841 (3.1.1961)
- Date
- 1961-01-03
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
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PUEYRREDON 'J 2190 — 19 issq. Ja J&tfíelitc, T. E, H 3 - 2 ti 1 3 A no XXIL BUENOS AIRES MARTES 3 DE ENERO DE 196Ï ..-—— t — Mo. 3941 Ben Gurion dert a Jerusalem. — Ministerpi äsictent Ben Guiion appe liierte in seiner Rede vor dem 2h. Zionistenkongress an die Juden der USA, 100.000 Jugendliebe zum Studium nach Israel zu. schicken. Er verwies da;:auf. dass die nordanisi ikonisthe zionistische Bewegung 700 000 eingetragene Mitglieder zahlt, und verlangte, dass ..jeder Sohn von Eitein, die Zionisten sind, für ein Jahr nach Israel geschickt werden soll, um dort zu studieren.” „Ist es unmöglich für die nojuamerikanische Judenheit mit ihren 250.000 jüdischen Studenten, ihren 700.000 Schekelbesitzern. 100.000 Studenten zum. Studium hierher zu schicken und auf diese "Weise persönliche Bande zu knüpfen, die eine Bereicherung für die USA-Judenheit daistellen und Isiaels Kraft litäiken würden?”, fragte Ben Guiion. Er erklärte, die USA.Juden müssten die grösste Alija stellen, denn lsiael biauche Ein wandeier mit .geistigen Vorzügen”. Er forderte, dass ..die Zionisten, die aus Gründen ihres Alters oder wirtschaftlicher Behinderung nicht selbst nach Israel einwandern können, ihre Kinder schicken.” Dies gelte nicht nur für die Juden in Nordamerika. yson. riern auch für die lateinamerikanischen. südafrikanischen und westeuropäischen Juden. Ueber den Rückgang ries Jiddischen und die Gefahren der Assimilation äusserte Ben Gurion. diejenigen, die an der Zukunft des Judentums interessiert seien, müssten mit ..offenen Augen und Mut” die Gefahren, die den Juden in der Diaspora drohen, erkennen. Er warnte davor, dass „in gewissen rnohammedarksehen und totali- , zahl ▼•£ Juden, angesichts tären Ländern das Juden-j der Armut und. Unsicherheit tum erstickt wird, ln den! des Lande*; zur E.inwandefreien und fortschrittlichen rung in Palästina zu bewe- Ländern stehen die Juden vor der Gefahr eines langsamen, unmerklichen Abgleitens in die Assimilation, und dieser Kongress müsse dies festellen und hierauf aufmerksam machen.” Ben Gurion hob hervor, dass in den ersten Jahren nach Staatsgriindung die Bevölkerung sich verdoppelt habe, wählend die USA 20 Jahre brauchten, um dies zu erreichen. Der Ministerpräsident sprach über die Einwanderung in Israel, die. wie er ausfiibrte. das Grund. Problem bilde. „Die Gründe für di« früheren Immigrationen. d. h. Not. politische und wirtschaftliche Verfolgung. Diskriminierung. Erniedrigung. waren unzureichend, um eine genügend grosse An. WIE ICH ES SEHE Der Kongress in Jerusalem Wenn ich heute das von JEHUDA GOTTHEIMER Als Herzl zum ersten Zio. snistenkongress aufrief, hatte ■er damit allein schon den entscheidenden Schritt zur •Umgestaltung jüdischen Schicksals unternommen. Sein Wort hatte die Besten des Volkes gerufen, er hatte der alten Sehnsucht der Juden neue Form verliehen. Am 3. September 1897 machte Herzl, bereits nach Wien zurückgekebrt, eine berühmt gewordene Eintragung in sein Tagebuch, die in den letzten Jahren eine neue Bedeutung erhalten hat; er schrieb: „Fasse ich den Baseler Kongress in ein Wort zusammen — das ich mich hüten Werde, öffentlich auszusprechen — so ist es dies; in Ba- •el habe ich den Judenstaat gegründet.” Dass Herzl aber auch der jungen Zionisten-Bewegung durch den Erfolg des Baseler Kongresses Leben und Lebensaufgabe gegeben hatte, betonte er nicht sonderlich. Dies war für ihn selbstverständlich. Er sprach nur von dem, was die anderen doch nicht verstanden. laut sagte”, schreibt Herzl in seiner Tagebuch-Notiz weiter, „würde mir ein universelles Gelächter antworten”. Denn keiner glaubte, dass mit diesem Kongress der „Judenstaat gegründet” sei. Und dann folgt 'Vier kristallklare Satz: „Vielleicht in fünf Jahren, jedenfalls aber in fünfzig wird es jeder einsehen”. In der Tat, fünfzig Jahre später, im November 1947 beschlossen die Vereinten Nationen, dass ein jüdischer Staat geschaffen werden solle. Die Gründung der Zionibeinahe zweitausendjährigen Galut zurückkehrt, vom Anbeginn dieses Unternehmens an stehen die zionistische Bewegung und der Staat in einem unlösbaren Zusammenhang. Ob man die Zionistische Organisation als Mutter oder Vater Israels bezeichnen will, oder wie man sonst dieses Verhältnis charakterisiert, mag nicht von Wichtigkeit sein. Die Tatsache dieser Bindung jedoch wird bereits in der Geburtsstunde der Bewegung evident, als die Idee durch Herzls Genialität in die Wirklichkeit der grossen „Die frühe Ideologie de*. Zionismus basiert auf Oer europäischen Haltung zum Juden” fuhr Ben Gurion fort. „Die Juden aus Osteuropa und den Balkanländern; sowie die zionistische Mindeiheit Westeuropas betrachteten sich nicht als Teil des Volkes, in dem sie lebten, sondern als einen Fremdköiper, als „Exilier, te”. deren Zukunft in Israel lag. Diese Ideologie war in den USA nicht gern gesehen. denn die Lage ist dort eine andere, und kein nordamerikanischer Jude, ob Zionist oder nicht, fühlt sich als Fremder in diesem Land. Doch die USA.Juden müssen ihre Rolle in dem schweren Problem der Alija ausfiiilen, vor das sich unsere Generation gestellt sieht, denn in unserer Generation wird sich das Schicksal des Staates und des Judentums entscheiden.”’ Der Redner forderte die Juden auf. sich durch die Alija und die jüdische Erziehung mit Israel zu identifizieren, die die zwei Grund- .bedingungen für die Einheit und den Fortbestand des jüdischen Volkes sind. Er wandte sich gegen das „blinde Vertrauen, dass wir jede Situation meistern könnten” und gegen die Auffassung, dass ..keinerlei Gefahr fiir Alio XXCI. - Wo 1841 — 3 Tel Aviv, pövmiso pata l'¬ on Lentecí J aclo, st Dr, Ger.üatcl Bteçjnm (jta Judío Mumdial. Esle h. ‘ una reunión del comité I Ion anszuniitzen, rieten fiöh-; 1 renanlagen das ganze Gebiet! | intensiv bewässern Neuen dem Kibbuz. dos-cn junge Mitglieder Sohras sind — das älteste Kind der Siedlung iste noch iiubt vier Jahre a!* ,, — ~--- “f*"* para iomar patte en el 25* cc.ngieso siomsla mund.ial. El Dr, Riegner dijo en ronferer.cia de ptensa oue veia signes de un postätle sHcjamienio en ia achtud pjirial sovieiica baeia ios judios sovielicos. Eaix« «sc-s signos, dijo esta tl permiso de consiiuir »na nur va «ünogega en Leningradc. Ja anunciada dispc-sicicn del cjofoiernc tusc de pubhear Jiteraiura en idish y t) pedidc> Recht recienltmenle pos los escrilcies juchos tu ia URSS de pubJicar un msmisl en iöish. Taler beeboe, accid el Dr. Biegner. ban aieniodo a. los dirigenles judior a esperar que acomteimi« nios mär. positives ahn putden ariticipaise er )a Union Sc-viefica jespeetc de Ia culiuia y rehgien juche. SCHLOMO S. 7ANGER Neue Synagoge in Leningrad Tel Aviv. — Die sowjetische Regierung hat. die Eilaubriis zum Bau einer neuen Synagoge in Leningrad erteilt, wie von Dr. Gerhard Riegner, riem europäischen Direktor des Jüdischen Weltkongresses, milgeteilt wurde. Dieser ist irn Lande eingttiotfen um einer Sitzung des Oi ganisationseomite beizuwohnen und am 25. Zionistischen Kc.ngrtss teilzunehmen. Dr. Riegner äusserte in einer PresseXcnieienz, er sähe Anzeichen einer möglichen Lockerung in der offiziellen seiwjetisehen Haltung zu den sowjetischen. Juden. Unter diesen Anzeichen, so bemerkte er, befindet sich die Erlaubnis zum Bau einer neuen Synagoge in Leningrad, die angeklindigte Bereitecbalt oer russischen Regierung, Bücher in Jiddisch zu veröffentlichen und das kürzlich von jüdischen Schijftsteilem in der Sowjetunion gemachte Ersuchen, eiu Handbuch in Jiddisch hei auszugeben. Diese Tatsachen ,so setzt« Dr Riegner hinzu, haben die jüdischen Führer zu der Hoffnung e>muligt, dass noch positivere Ereignisse in der Sowjetunion mit Bezug auf die jüdische Kultur und Religion erwartet werden können. SCHLOMO S TANGER das Ueberieben Isiaels vorhanden sei”. — „Wir können unsere Nachbarn nicht zwingen”, betonte er, „mit uns Frieden zu schliessen, und wir müssen uns davon Rechenschaft abltgen, dass die Araber nicht untätig verhar. ren.” „Hunderte von sowjetischen Instruktoren”, fügte er hinzu, „sind damit beschäftigt. die ägyptischen Streitkräfte besser auszubilden, und unaufhörlich fHessen Aegypten, sowjetische Waffen zu.” Er loideite, dass ..Pioniere, Kapitalisiert, Wissenschaftler, Schriftsteller, Lehrer und Einwanderer der Mittelklasse nach Israel kämen. Männer und Frauen, die von der geistigen Niy wendigkeit. überzeugt seien, den Willen zur Hingabe an das Ideal und die Sorge um dre Zukunft des jüdischen Staates und des jüdischen Volkes stärken zu müssen.” (ITA) stischen Organisation in ihiWeltpolitik transponiert wird, rer durch Herzl gegebenen, modernen Form als politische Bewegung" und die Schaffung des Judenstaates, wie Herzl sie verstanden hat. vollzogen sich in einer historischen Tat: im ersten Zionistenkongress. Vom Anbeginn des gewaltigen Unternehmens, aus der amorphen jüdischen Masse eines über alle Länder verstreuten Volkes wieder eine festgefügte ^Nation zu schaffen, die in ihr Land nach einer Die Kehrseite der Medaille Jerusalem. — „Die Aufgaben des Zionismus bewegen sich um Israel und die jüdische, nichtisraelische Welt, und es wäre ein schwerer Irrtum, den jüdischen Staat zu stärken, jedoch den Rest der jüdischen Welt zu vernachlässigen”, führte Rose Halperin auf dem 25. Zionistischen Weltkongress aus. Sie wies darauf hin, dass die jüdische Zerstreuung eine Tatsache sei, die für die nächsten 300 Jahre oder mehr fortbestehen ’werde. Sie würde ihres jüdischen Inhalts beraubt werden, würde man nicht sofort dazu schreiten, die Bande zwischen dem jüdischen Staat und dem jüdischen Volk zu festigen. Frau Halperin forderte die sofortge Einberufung einer internationalen Konferenz über jüdische Kultur und die Verbreitung der hebräischen Sprache in der nichtisraelisehen jüdischen Welt, die sie die „Kehr- Seite der Medaille” nannte. Sie setzte sich ferner für eine verstärkte Einwanderung in Israel ein. (ITA) Als dann der jüdische Staat geschaffen war und Israel als ein realer Faktor in das Völkerleben eintrat, musste die Frage aufgeworfen werden, in welchem Verhältnis Zionistische Bewegung und Staat Israel in Zukunft leben sollen. Denn es war klar, dass ausserordentlich wichtige Funktionen, die mehr als 50 Jahre hindurch von der Zionistischen Bewegung im Namen des ganzen jüdischen Volkes ausgeübt worden sind, nunmehr von der israelischen Regierung für den Staat Israel zu erfüllen waren. Denn der Staat Israel war an das Territorium gebunden, er konnte und musste die einzige Autorität für seine Bürger sein und nur er konnte für dieses Land sprechen. Die gesamte aussenpolitische Aufgabe, die bis zur Staatsgründung von der Zionistischen Bewegung erfüllt worden war, ging auf die Regierung Israels über. Manche meinten, die Zionistische Bewegung habe mit der Schaffung Israels ihre Mission, von Erfolg gekrönt, abgeschlossen. Manche formulierten diese Auffassung einfach, sie glaubten, die Zionistische Organisation sei überflüssig geworden. Diese Meinung wurde nicht nur von ihren Gegnern in den eigenen Reihen vertreten, sondern auch von ernsten Menschen. Es sollte sich aber nicht nur in der Praxis herausstellen, dass die Zionistische Organisation noch längst nicht ihre Sendung im jüdischen Volk beendet hat. Zwar konnte sie von sich aus sagen, was nur wenige Bewegungen erklären dürfen: sie hat ihr Hauptziel erreicht. Der jüdische Staat war eine Wirklichkeit geworden. Ein neues Geschlecht von Makkabäern war aufgestanden. Das alte jüdische Volk hatte neue Gestalt angenommen. Dass neue Generationen herangewachsen waren, die ihr Judesein nicht mehr als Last, sondern als eine Selbstverständlichkeit mit Stolz und Würde hinnahmen, war auch das Werk Herzls. Er wollte den Juden wieder das Gefühl eines natürlichen Selbstrespektes geben. Das ist ihm bereits auf dem ersten Kongress gelungen. Man hat viel über die Anordnung Herzls gelächelt, dass jeder Kongressteilnehmer zur Eröffnungssitzung mit Frack und weisser Halsbinde erscheinen musste. Er wollte dieser Versammlung eine ernste Feierlichkeit verleihen, um auch äusserlich der Bedeutung dieser Stunde gerecht zu werden. Herzl erzählt, dass Nordau diese An- Ordnung nicht beachtete und durchaus nicht umkehren wollte, um Frack und weisse Binde anzulegen. „Ich zog ihn beiseite, bat ihn, es;mir zuliebe zu tun. Ich sag- |te ihm: heute ist das Präsi- |dium des Zionistenkongres- Ises noch gar nichts, wir | müssen alles erst etablieiren. Die Leute sollen sich daran gewöhnen, in diesem Kongress das Höchste und Feierlichste zu sehen.” — Nordau verstand das und kam im Frack wieder... Diesen Respekt vor uns selbst, dieses Vertrauen zu uns selbst, diesen Glauben an uns sowie die aus solcher Grundhaltung erwachsende Sicherheit haben uns die Zionistische Idee und Bewegung geschenkt oder anerzogen. Der Jude — und merkwürdigerweise gerade der assimilierte Jude in der Blüte der Emanzipation — hatte dieses Gefühl der Sicherheit verloren; er fühlte sich jüdisch-unbequem, seilner Umgebung irgendwie unterlegen, weil er Jude war. ^is dieser komplizierten jüdisch _ seelischen Situation sind manche Erscheinungen zu erkJäien, die uns heute merkwürdig, wenn nicht komisch anmuten. Die Zionistische Organisation war mehrere Jahrzehnte hindurch der „jüdische Staat unterwegs”. Letztlich war diese These eine Fiktion, eine unwirkliche Idee. Und doch war sie eine politische wirkende Kraft. Hier zeigt sich die Stärke, die Grösse, die Erhabenheit der reinen Ideef'die nur von den Unwissenden mit einem „universellen Gelächter” aufgenommen wird. In der politischen Welt nahm man den Zionismus viel ernster, verstand man sofort sein« Bedeutung und weitete man seine Möglichkeiten viel schneller als bei uns Juden. Die grossen jüdischen Köpfe, von Ausnahmen abgesehen, betrachteten den Zio. nismus zunächst mit Spott, dann mit Feindseligkeit. Man denke nur an die betrübliche Erscheinung rier ..Protestrabbiner”, die sich gegen die Abhaltung des 2. Kongresses in München wehrten. (Deswegen wurde Basel zur historischen Stätte vieler Zionistenkongresse). — Die Engländer begriffen sofort die neue Wirklichkeit des jüdischen Lebens; sie boten der Zionistischen Organisation ein Territorium in Afrika an (Uganda). Der Vorschlag wurde schliesslich abgelehnt, nachdem es zu heftigsten Auseinandrsetzungen in der ZO gekommen (Schluss auf Seite 2) Israel zahlt die Honorare Jerusalem. Das israelische Kabinett beschloss, dem Ersuchen des kölner Anwalts Dr Robert Servatius stattzugeben und die auf 20.0u« Dollar be. zitierten Kc.sten für die Verteidigung Adolf Eichmanns zu zahlen. Es wur. de darauf verwiesen, das keine andere Quelle vorhanden sei, aus der Kosten und Honorare gedeckt werden könnten. (ITA) J