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Jüdische Wochenschau · 1960-12-27 · 1839 (27.12.1960) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1839 (27.12.1960)
Date
1960-12-27
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German, Spanish
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»- ►» H CD n H » H U' la IV < ü FRANOiJEO P/.ûADO Concesión 908 TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 Ano XXI. BUENOS AIRES, MARTES 27 DE DICIEMBRE DE 1960 No. 1839 EL EJEMPLAR» en toda la República^ -• Buenos Aires PUEYRREDON 2190 1? izq. T. E. 83 - 2613 Vom 14. bis 29. November wmüe vor dem Schwingerieht m Munster (.Westfalen) der Prozess gegen den ehemalig en SS - Lagerarzt von Auschwitz, Johann Paul Kremer durehgeliihrt Das Sn ternaticnale Auschwitz-Comité war bei diesem Verfahren durch Hermann Langbein als Beobachter vei treten. i Zu Beginn des Verfahrens jjab der Vorsitzende bekannt, dass der Kultusmini- Mer des Landes Nordrhein- ,■Westfalen Kremer den Pro- Jessoientitel entzogen hat. Das Auschwitz-Comité hatte deswegen interveniert und •winde unmittelbar vor Prozessbeginn vorn Kultusminister benachrichtigt, dass Kremer nicht mehr berechtigt sei, sich Professor zu nennen. Die Humboldt-Universität in Berlin, an welcher Kremer zum Doktor phil. promoviert hat, hat ebenfalls die Aberkennung des Doktorgiades ausgesprochen. Kremer wurde wegen Teilnahme an den Selektionen ßowohl der in Auschwitz ankommenden Transporte als auch wegen Selektionen bei den sogenannten Arztvormeldungen im Häftlingskrankenhaus schuldig befunden und zu zehn Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust verurteilt. Die Zuchthausstrafe wurde als veibiisst erklärt, da Kremer wegen derselben Verbrechen bereits in Polen zum Tod verurteilt und später begnadigt worden war. Das Auschwitz-Comité hat den Prozess angestrengt, weil es nicht tragbar erschien, dass sich Kremer Hach seiner Rückkehr in Sjidiiinster Anfang 1958 als JJÄärtyrer feiern liess. Nun ist er auch offiziell als das gekennzeichnet, was er ist: begnadigtet Schwerverbrecher. ) Der Prozess erhielt durch Aussagen Ueberlebender von Auschwitz eine besondere ¡Note. Sowohl der Vorsitzende als auch der Staatsanwalt ¿tnd der Verteidiger dank. Jen dem Internationalen 'Auschwitz - Comité für die Unterstützung, die dem Verfahren durch diese Zeugen kegeben wurde, und anerkannten die Sachlichkeit dieser Aussagen. Besonderen Eindruck machte es. dass auch Prof. Sehn j»us 'takau, der seinerzeit ©1s polnischer Richter die Untersuchung gegen die •jKauytverbrecher der SS in Auschwitz — also auch gegen Kremer — geführt hatte, ejîver Zeugenladung nachgegtommen war. Das Gericht ¡bestätigte, dass der Ausch- [witz-Prozess in Krakau seinerzeit völlig korrekt durchjgeführt worden war. Ausser ehemaligen Häftlingen waren auch SS-Angehörige von Auschwitz als ¡Zeugen geladen. Es musste ¡befremden, dass sich der éhenmlige Stabscharführer z-rrezi Detlef Nebbe aus Husum vor Gericht daiauf berufen konnte, dass er seine ,,soldatischen Flüchten als Mann der Waffen-SS in Auschwitz gut gekannt hatte, ohne dass er wegen dieser Bemerkung auch nur gerügt wurde. Der ehemalige Standortarz-t und SS _ Hauptsturmführer. Dr. Kurt Uhlenbrock. konnte sich als Zeuge angeblich an nichts mehr erinnern. Uhlenbrock war erst eine Woche vorher in Hamburg verhaftet worden. Er war dort bis zum Jahre 1949 als Poli- 'zeiarzt tätig und wurde ¡dann aus gesundheitlichen ¡Gründen pensionieit. i TOD AUS GIFTSPRITZEN | Ganz besondere Spannung! herrschte irn Gerichtssaal, als der Sanitätsdienstgrad! Josef Klehr aus der Haft als | Zeuge vorgeführt wurde. Klehr hatte unzählige Häftlinge in Auschwitz durch IGiftspritzen getötet und war später auch bei den Vergasungen als Leiter der ..Desinfektoren" tätig. Im Tagejbuch von Kremer wird er ¡mehrmals erwähnt. Kremer ¡und Klehr wollen sich nun ¡nicht mehr kennen. Aber itrolzdem wehrte sich Klehr * 'energisch gegen die Behauptung, dass er selbständig und auf eigene Faust gemordet hätte. Dieser Prozess hat gezeigt, ¡dass es für ein Gericht praktisch kaum möglich ist, sich ein Bild über die ungeheuerlichen Verbrechen von Auschwitz zu machen, wenn es nur die Aufgabe hat, eine einzelne Episode zu behandeln. Es muss daher begriisst werden, dass alle weiteren Verfahren gegen SS-Verbrecher von Auschwitz zusammengefasst und ein grosser Auschwitz-Prozess in Frankfurt am Main vorbereitet wird. In einem solchen Verfahren ist dann die Mögdichkeit gegeben, den ganzen ^Umfang der in Auschwitz ,durch die SS begangenen Verbrechen zu untersuchen, j Der Fall Kremer hat wiederum bewiesen, dass sich auch heute noch Menschen, die als Aerzte in den Konten trationslagern gemordet ¡und damit ihre ärztliche Pflicht in nicht zu überbietender WEise »verletzt haben und deren Verbrechen seit ¡Jahren gerichtsbekanni sind, Doktoren der Medizin nennen dürfen. Das Internationale Auschwitz-Comité hat ■die Deutsche Bundesärzte- ¡kammer darauf hingewiesen ¡und angefragt, ob sie bereit sei, entsprechende Schritte •zu unternehmen. In den „Aerztlichen Mitteilungen” .hat die Bundesärztekammer diesen Standpunkt unterstützt, aber eine direkte Antwort ist bis heute noch nicht erfolgt. Arabisches Büro in Bonn Ein Araber darf niemals auf seinen Lorbeeren ausruhen, soweit die Juden und Israel in Frage kommen. Das scheint gewissermasesn das elfte Gebot der führenden arabischen Klüngel zu sein, und es besteht kein Zweifel daran, dass es in allen Teilen der Welt befolgt wird. In Deutschland glaubten die Araber, fruchtbaren Boden fiir ihre Propaganda-Tätigkeit zu finden, aber ihre Erwartungen wurden enttäuscht. Dr. Fakhoussa, der massgebliche arabische Spezialist fiir Juden-Fragen in Deutschland, musste im Ver. ¡trauen dies sogar zugeben, ¡wobei er auch kein Hehl daraus machte, wieviel Verständnis er für die gegenwärtig schwierige Lage der ¡früheren Radau-Antisemiten hat. Aber der Tag wird kom. ‘men — und Dr. Fakhoussa weiss, dass man sich darauf vorzubereiten hat, indem man das Gift langsam aber sicher verbreitet. Dr. Fakhoussa selbst ist nicht erst heute oder gestern zu seinen Ansichten bekehrt worden, ist er doch ein alter Freund des Mufti. Und, wie nicht anders zu erwarten, heiratete er eine Deutsche, die seine Ansichten teilt. Sie träumt von der Vergangenheit und den herrlichen Zeiten der Naziherrschaft und von einer Zukunft, in der man wieder auf Juden Jagd machten könnte. Dr. Fakhoussa ist der Leiter des Bü. ros der Arabischen Liga in Bonn. Seine Frau assistiert ihm dabei, ebenso sein Neffe und einige deutschspreehende Araber aus der VAR. Sie beschäftigen keine Deutschen ausser zwei Sekretärinnen. Vielleicht aus Sicherheitsgründen, vielleicht aber auch auf den Rat deutscher Kontaktstellen im Bonner Auswärtigen Ami. j Dr. Fakhoussa rühmt sich dieser Verbindungen, und ¡wer könnte daran zweifeln, dass er eine Anzahl geheimer Gesinnungsgenossen unter den Deutschen gefunden hat! Früher hatte er sein Büro in der Botschaft der VAR, dann aber machte er sich selbständig, vielleicht weil es diplomatischer ist, seine Propaganda nicht mit der Arbeit der Botschaft zu identifizieren. Vielleicht erfolgte auch dies auf einen geheimen deutschen Wink. Denn sonst hätten die Deutschen intervenieren müssen, weil das, was Fakhoussa treibt, nicht mit den diplomatischen Gepflogenheiten in Uebereinstknmung zu bringen ist. Dr. Fakhoussa ist der Herausgeber der „Arabische Korrespondenz”, die als Organ der Delegation der Arabischen Liga bezeichnet wird. Sie enthält Informationen über die arabischen Staaten, und z. B. in ihrer letzten Ausgabe eine Erklärung der marokkanischen Botschaft in Bonn über die Frage Mauritaniens ¡und über den Beschluss der ¡letzten Liga-Konferenz in (Stoura über die Eröffnung eines Büros bei den UN. Ein Artikel von Herrn Fak. houssa selbst berichtet melancholisch über die freundschaftlichen Beziehungen Persiens zu Israel, in dem gesagt wird „die Araber und die Perser sind Brüder”. Dann aber befasts sich dieser Artikel mit der antiarabischen Propaganda, die angeblich in Deutschland geführt wird. Er bezieht sich auf einen Artikel der Süddeutschen Zeitung, der aus •einer „Wochenschrift einer Gruppe deutscher Staatsbür. ger, die der Judenheit angehören” übernommen wurde. Dort heisst es: „Die Bundes- ¡republik scheint ein fruchtbarer Boden für oie Propaganda der Arabischen Liga zu sein. Das Büro der Liga in Bonn entwickelt starke IAktivität, welche die Geduld der deutschen Regierung auf die Probe stellt. Araber, die in der Bundesrepublik let en. brauchen ihre Gefühle gegenüber Israel nicht zu verbergen.” Dazu bemerkt Dr. Fakhoussa: „Wenn die deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens provozieren oder bedrohen, so haben die Araber kein Recht, dazu irgendetwas zu sagen, da die leutsch-jüdischen Beziehun. gen eine spezielle Frage bilden und die Araber wissen, 'dass bereits vor Tausenden ¡von Jahren das Nilvolk we- ¡gen seiner Schwierigkeiten ¡mit den Juden gelitten hat. |W7enn aber die deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens die Araber provozieren oder angreifen, so haben die Araber nicht nur das Recht, diese Provokation und Bedrohung zurückzuweisen, sondern auch zu fragen: mit welchem Recht glauben diese deutschen Staatsbürger, dass sie imstande seien, die Araber in Deutschland anzugreifen. Die Araber fragen sich manchmal, ob die deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens wirklich deutsche Staatsbürger oder aber Fremde sind, welche-an den guten Beziehungen zwischen den arabischen Staaten und der Bundesrepublik nicht interessiert sind.” Dr. Fakhoussa leistet seine ausgedehnte Arbeit nicht allein. Er übergibt sie z. T. an deutsche Freunde, die offenbar seine Meinungen teilen. Da gibt es z. B. eine gewisse Ursula Bayrieh aus Frankfurt, die an der Spitze der Deutsch-Arabischen Gesellschaft dieser Stadt steht und von Zeit zu Zeit die arabischen Länder besucht, tvo Israels neuer Atomreaktor Tel Aviv. — Eingeweihte Kieise äusserten über die Geheimhaltung des Baus eines israelischen Atomreaktors, Israel müsse als Grenzland immer darauf vorbereitet sein, dass die Lage seiner Wasser- und Stromversorgung zur Kenntnis möglicher Feinde gelangen könnet Diese Gewährsleute gaben ferner zu bedenken, dass Israel Teile fiir den zweiten Reaktor rn Uebersee von Firmen kaufen musste, die den arabischen Druck zu fürchten hatten, wes. halb nichts über den zweiten Reaktor verlautbart wurde, dessen Konstruktion vor 10 Monaten in Angriff genommen worden ist. Israels Vorhaben wurde nicht geheim ge. halten, behaupteten diese Beamten, nur habe kerne Regierung bis zum 9. Dezember hiervon etwas gewusst, und erst an diesem Datum habe Herter den israelischen Botschafter Harman hierüber befragt In dem abgegebenen Kommentar wird betont, dass Israel als souveräner Staat nicht notwendigerweise dem Ausland Rechenschaft schuldet. Es wird ferner darauf verwiesen, dass auch andere Länder ähnliche Kernreaktoren erstellen. So baut Indien einen mächtigen Atommeiler. dessen Kosten sich auf 14 Millionen Dollar belaufen, während der israelische kleiner ist und weniger kostet. Die Erzeugung von Atomenergie ist. wie unterstrichen, wird, nur in Reaktoren von einer bestimmten Kapazität möglich, und der zweite israelische Reaktor, der kleiner ist, werde nur für landwirtschaftliche und’ industrielle Zwecke dienen. Zusammen mit dem Forschungs-Instrtut in Beer Schewa solle er dazu benutzt werden, um die Entwicklung der trockenen Zonen im Negew zu fördern. Washington. — Das State Department erklärte, der Text der Erklärung Ben Gurions über die Erzeugung von Kernenergie sei zur Kenntnis der Beamten gelangt und werde von ihnen geprüft. Ueber die offizielle Haltung zu dieser Klarstellung verlautete kein offizielder Kommen» tar, doch äusserten die nordamerikanischen Beamten zu den Journalisten, es herrsche eine gewisse Unruhe über das mögliche Echo in der arabischen Welt. Aus diesem Grunde könnten die USA möglicherweise darauf bestehen, dass die Anlage in Zukunft von befreundeten Ländern im spiziert werden solle. Wie es heisst, erfordert die Lage keine öffentljeher, Erklärungen, die die Versicherung Israels, der Reaktor sei nur für friedliche Zwecke bestimmt, in Zweifel ziehen, könnten. (ITA) Antisemitismus in Italien Florenz-. — Das politische Büro der hiesigen Polizei hat offiziell zugegeben, dass der Verfasser eines antisemitischen Artikels, der von der Agentur „Orbis” verbreitet wurde, sich der „Aufreizung zum Rassenhass” schuldig gemacht hat. Das Büro bestätigte dies auf die Beschwerde, die die jüdischen Gemeinden Italiens gegen einen Artikel von Luigi Mosciano über den Rest der überlebenden Gemeinde in Westdeutschland erhob. — (ITA) Jüdischer Protest in Westberlin Berlin. — Die Jüdisch« Gemeinde protestierte gegen die ..falsche Darstellung” ei nes Juden in einem Televisionsspiel, das aus Stuttgart über den nationalen Fernfunk gesendet wurde. Ea wurde eine Szene beanstandet, in der ein Trödler, offensichtlich jüdisch - polnischen Ursprungs, alte Kleider verkauft. (ITA) sie auch Fotos aufnimmt, die sie dann ihren deutschen Zuhörern zeigt. Immer benutzt sie ihre Vorträge zu Anklagen gegen Israel, das sie für alles Unrecht in der Welt verantwortlich macht. Dr. Fakhoussas Tätigkeit nimmt einen immer weite- ¡ren Umfang an. Er wohnt in einer grossen Villa, in der sich früher die libanesische ¡Botschaft befand. Sein Büro ist auch für Ostdeutschland verantwortlich. Da zwischen den arabischen Staaten und Ostdeutschland keine diplomatischen Beziehungen bestehen, weil man befürchtet, durch Schaffung solcher Beziehungen die wirtschaftliche Hilfe Westdeutschlands einzubüssen, so muss Dr. Fakhoussa in Bonn arbeiten und die Ostzone von dort aus zu erreichen suchen. Der neue Botschafter Argentiniens Jerusalem. — Rogelio Rafael Tristany überreichte dem Staatspräsidenten Ben Zwi seine Beglaubigungs _ Schreiben, womit die Wiederaufnahme der argentinischisraelischen Beziehungen vollendet ist. Der Zeremonie wohnten Aussenminister Golda Meir und hohe israelische Beamte bei. Ben Zwi und Dr. Tristany tauschten Glückwünsche aus und gaben der Hoffnung auf engere Bande zwischen beiden Ländern Ausdruck. Eine Militärkapelle spielte die argentinische und .israelische Nationalhymne. —- (ITA) Registro de la Propiedad Intelectual No. 856.638 Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Corrientes 3IfS I VL"; 1 t í

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