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Jüdische Wochenschau · 1960-12-27 · 1839 (27.12.1960) · p. Seite 2

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1839 (27.12.1960)
Date
1960-12-27
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German, Spanish
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2 — Martes. 27 de Diciembre de 1960 JODISCHE WOCHENSCHAU ASb XXI. — Wo. It}Sí Prozesse am laufenden Band tächiuss von Scjic 1) nes der grossen Schreckenslager >r. der Nazizeit. das oei Oranienburg ir der Berliner Gegend gelegen, alle Arien von unschuldigen Häftlingen aufnahm. Dort sasser. oekannte Gegner des NS.Regiines, angesehene Politiker, Aogeordnete. Sch.-.itsteller: dort waren die Bibelforscher und Angehörige anderer christlicher Sekten, Juden, ..lästige Ausländer", in späterer Zeit Kriegsgefangene von besonderer Bedeutung, politische Kommissare, Homosexuelle, Rassenschänder und Gewohnheitsverbrecher, die man nach verbiisster Strafe ins KZ brachte. Viele haben schon vergessen, was ein Konzentrationslager -gewesen ist, manche haben es niemals gewusst, die meisten interessieren sich heute nicht dafür. Diese Haltung wird wieder einmal traurigen Tribut verlangen, denn noch niemals in der Geschichte hat ein einzelner oder ein Volk ungestraft und ungesühnt vergessen, was ihm geschehen, ist. In dem Werk des Prof. Dr. Eugen Kogon „Der SS-Staat'’ besitzen wir einen dokumentäre sehen Bericht über Organisation und Technik, Aufgabe und Bedeutung der Konzentrationslager im nationalsozialistischen Staat. Sachsenhausen war ebenso wie Buchenwald oder Dachau ein wesentlicher Bestandteil des Dritten Reiches, nicht nur weil die Grausamkeiten, die man in solchen Schreckenslagern verübte, für das Regime typisch waren, sondern weil diese Lager den bis ins einzelne durchdachten Plänen der Machthaber entsprachen und weil ihnen Funktionen übertragen waren, die für die Erreichung der Ziele mitunter - von entscheidendem Ausschlag gewesen sind. Als das Gericht im Sachsenhausen-Prozess die Ersohiessung von 27 Häftlingen und die Ermordung von über 100 Opfern behandelte, iDr. FREY A b e s a d o PUEYÄREDOM UM 1* mgnachm. 16—19 Uhr J. Liebling ( fourmiere — Î SPERRHOELZER j OUlZ VELEZ s»4 al 46 } T. E- 43-2346/0340 y 3631 i da wussten sich die Zeugen *an nichts mehr zu erinnern. .Schliesslich belasten sich die ■Kumpanen von einst gegenseitig. Niemand kann Zweifel daran haben, sie sind alle schwer schuldig, diejenigen, die bereits sitzen, diejenigen, die heute vor inren Richtern stehen, und diejenigen, die noch immer in allzu grosser Zahl frei herumlauien. Da trat z. B. ein gewisser Erdmann auf, einige Jahre politischer Leiter in Sachsenhausen. Er weiss natürlich nichts. Er will nur Schrei- -ber gewesen sein und die Zugänge und Abgänge notiert haben. Der Vorsitzende fragt diesen wie andere Zeugen nach einer Liste, auf die man mehr als 100 Unglückliche zum Erschiessen gesetzt hatte, die dann auch erschossen wurden. Keiner weiss mehr von der Liste. Aber der Schreiber weiss nichts. Erdmar.n hat keine Liste gesehen... Der Richter fragt einen Angeklagten, der seinen früheren Kollegen Erdmann schwer belastet. Der Richter zeigt eine Mitteilung, die erhalten gehlieben ist: „Auf Befehl des Reichsführers wegen Meuterei erschosen.’’ Der Vorsitzende fragt den Erdmann, ob er die Unterschrift kenne? Erdmann setzt sich die Brille auf und sagte: „Ja. Es ist meine Unterschrift“. Aus dem Zeugen ist längst ein Angeklagter geworden, wenn er sicherlich noch heute frei herumlänft. Das Publikum jedenfalls, das in grosser Zahl solchen Prozessen zu folgen pflegt, wurde unruhig, als es erfuhr, dass dieser Zeuge Eidmann heute. . . als Kriminalhauptmeister in Westdeutschland Dienst tut. Man kann sich also langsam eine Vorstellung davon machen, aus welchen Gründen z. B. Friedhofschändungen niemals gesühnt werden können, weil man die Täter nicht finden kann... Spielende Kinder... KZ-Schinder als Kriminalhauptmeister der Republik... In diesem Prozess wurden zwei besondere KZ-Hyänen als Zeugen vernommen, Sorge und Schubert, die bereits j abgeurteilt worden sind. I Einer von ihnen wurde gej fragt, ob er etwas über die; Beteiligung des Angeklagten Hempel an der Erschiessung von „schätzungsweise 10.000 i russischen Kriegsgefangenen“ wüsste. Das bejahte der Zeuge, dennoch bezeichnete er seinen früheren „Kameraden“ als einen „ruhigen Menschen“. Man steht vor einem Rätsel. An diesen Tiermenschen sind Jahrtausende menschlicher Kultur und Zivilisation spurlos voriibergegangen. Dev Vorsitzende fragte den Zeugen Sorge wer die Genickschüsse gegeben habe. Die Antwort lautete: Sämtliche Blockführer. Darauf der Vorsitzende: War Hempel Blockführer Die Frage wurde vom Zeugen bejaht. Aber die meisten Angeklagten leugnen; sie bestreiten ihre Täterschaft, sie fühlen sich nicht schuldig, weil sie auf -Befehl handelten, auf einen Befehl hin. den sie sich meist selbst gegeben haben, weil sie sich im Rahmen dieses schändlichen Regimes hierzu ermächtigt und befugt fühlten. Elende Gestalten sind es. Man fragt sich erregt, wie es nur möglich gewesen ist, dass vor diesen Kreaturen einmal die Welt zitterte..., eine Schande. auch für die Welt. IV. Zu schrecklichen Juden- Massakern war es nach dem deutschen Ueberfall auf die baltischen Staaten gekom- Imen, wobei sich das „Ein- . satzkommando Tilsit“ be- |sonders grausam hervortat. ‘Einige der Schuldigen sind (bereits rechtskräftig verur. | teilt (15 Jahre Zuchthaus wegen Beihilfe am Mord in 3907 Fällen u. ä.), andere i legten Revision ein, unter ihnen der frühere Leutnant der Schutzpolizei in Memel Werner Schmidt - Hammer. Dieser saubere Herr verteidigte sich damit, er sei bei der Exekution von 500 Menschen der Meinung gewesen, jes hätte sich ausnahmslos um i Heckenschützen gehandelt, die man offensichtlich nach jder Auffassung dieses Ex. Offiziers ohne weiteres erschiessen darf. Dass die Ermordeten Juden aller Altersstufen gewesen sind, darunter auch Kinder und Greise, das will dieser „Offizier“ übersehen haben. Diese Liige ist wenig interessant, Dieses Gesindel schwindelt so viel, dass man sich nur angeekelt abwenden kann. Bemerkenswert ist nicht die törichte Behauptung, sondern die schamlose Dreistigkeit, wie der ehemalige Offizier seinen „Irrtum“ begründete: er USA Nazis frei gesprochen Washington. —-- George Lincoln Rockwell und vier seiner Anhänger wurden vom hics:gen Staatgericht freigesproülien. Der fünfte Angeklagte, Roger C Foss. wurde für schuldig befunden und vor die Wahl gestellt, 25 Dollar Strafe zu zahlen oder zehn Tage Gefängnis abzusitzen, nachdem Polizisten und Zivilpersonen als Zeugen aussagten, dass er beleidigende antisemitische Aeusserungen gemacht hat. (ITA) habe sich als ein .gefühlsbetonter Mensch1 in einer Art ( Selbstschutzmassnahme get wissermassen „abgekapSilt“ und sich nur auf die Erfüllung seiner Aufgaben konzentriert. Dies sei auch der : Grund, warum er von den | erschütternden Szenen, die jsich bei den Erschiessungen > |abgespielt haben. nichts ■ mehr in Erinnerung behielt j als den unbestimmten Eindruck eines grauenhaften Geschehens das nicht zu beschreiben sei... Aber der gefühlsbetonte Offizier vermochte jüdische Kinder und Greise nicht von Heckenschützen zu unterscheiden.. Und erschossen hat er sie alle. Die unerhörte Herausforderung und kaltbültige Unverschämtheit, die in solcher Verteidigung liegt, dürfte kaum mehr überboten werden können. ' J Diese und ähnliche Prozesjse gewinnen heute besondere Bedeutung, weil sie schon : mit dem bevorstehenden i Eichmann-Prozess in Veribindung gebracht werden! dürften. Die Verhaftung Eichmanns hat eine erstaunliche Ketten-Reaktion ausgelöst. Plötzlich wurden nunmehr auch in Westdeutschland eine ganze Reihe lange gesuchter Kriegsverbrecher verhaftet, deren Aburteilung zu erwarten Ist. Einige der noch lebenden Nazibonzen und einstigen SS-Grössen belasten sich gegenseitig. Man erwartet alt gemein, dass jetzt erst richtig ..ausgepackt“ werde. Natürlich sind die Versuche sehr stark, die Untersuchungen zu stören, die von den verschiedenen Gerichtsbehörden in Israel wie in der Bundesrepublik eingeleitet worden sind. Damit hat man rechnen müssen. Sensationelle Berichte sollen die Aufmerksamkeit auf Nebengebiete lenken. Es fehlt auch nicht an Bemühungen, Mit leid für einen Massenmörder zu wecken. Alle Nuarcer eines grossen Kampfes ums Recht — mit allen Anstrengungen der Gegner eines auf Freiheit und Gerechtigkeit aufgebauten demokratischen Lebens — können -schon jetzt beobachtet werden. Es ist gut, jeden Augenblick die Phasen der Entwicklung zu verfolgen; denn interessante Dinge bereiten sich vor. deren Zeugen wir alle sein werden. la Semana Israelita B.semanario -— aparece los Martas y Viernes Editado por Estrellas Editorial Ltda Verantwortlich: Dr. H. Swarsensky Pueyrredón 2190, 1? izq. T. E. 83-2613 Argentinien: $ '80,— pro Quartal Abon„-Preise: ii REAL PEN Füllhalter REPARATUREN Spezialgeschäft! CORRIENTES 569 T E. 49-5850 Optica R£X 9IFL OPTIKER Sarmiento 82$ T. E. 35 - 735éj Jacobo M. Lapidus dipl. Mohel! TUCUMAN 2396, ** J T, E.í 46-2124 56TOMBA 22*9 - 68-6314 RAYOS X PARA DENTOSE TEL Er. VORANMELDUNG Dr. B. Sehwàrcz Suezkanal wird tiefer London. — Die Suezkanal- Behörde hat mitgeteilt, dass der Kanal von Ende Dezember an von Schiffen bis zu einem Tiefgang von 11,28 •Metern befahren werden kann. Bisher waren nur Schiffe mit einem Tiefgang bis zu rund 10.6 Meter zugelassen. {AWZ> Anne Frank- Gesellschaft Düsseldorf. — In Bergen Belsen sind bisher private Spenden in Höhe von 85.000 DM für die im Frühjahr gegründete Anne-Frank.Gesellschaft eingegangen. Mit dem Geld soll ein ständiger Jugendaustausch zwischen Israel und der Bundesrepublik finanziert werden. HEMDEN Für die Herren und ihre Söhne! Aus Deutschland^ Nordamerika und j England Ml MO TRUX j Das weltberühmte -Sport- 1 hemd, nicht zu bü- geln..6 9*1 - DACRON Sporthemd, weiss, nicht zu bügeln.: t 650— DACRON langer'Arm, nicht zu bügeln .. 6 875 — ENGLISCH BATIST federleicht .... $ -4SI.— In feiertäglicher Geschenkpackung Im* Xmd Ihr Wüachaauaalelter Miipú 494 I. Maipú 992 TE. 317645 TE. 31-0357 VARICES - ULCERAS. 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