Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1837 (20.12.1960)
- Date
- 1960-12-20
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
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PUEYRREDON 2190 — 1? ízq. /k £k*t'L&M¿L Dk'*L&j£¿¿¿G. Año XXX. BUENOS AIRES, MARTES, 20 DE DICIEMBRE DE I960 T. E. «3-2613 No. 1837 Die „Washington Post“ meldet, dass Israel im geheimen einen Atommeiler erstellt hat, der es ihm ermöglicht, innerhalb von ungefähr fünf Jahren Atomwaffen herzustellen. Die Zeitung behauptet, dies sei der Grund gewesen, warum die Geheimsitzung der Atomkommission vom 9. Dezember abgehalten wurde. Das Blatt schreibt, die .„Nachricht über den Bau des Atommeilers wurde von den USA-Behörden mit Ueberraschung zur Kenntnis genommen. Man weiss nicht, ob Israel beabsichtigt. Kernwaffen zu erzeugen, aber es verfüge über die Mittel hierzu. Die Zeitspanne von fünf Jahren könne irrig sein wie es mehrfach die Schätzungen der von den Sowjets (erreichten Fortschritte gewesen sind.“ i Wie „Washington Post“ be- ) chtet, wurden die Mitglieder der Atomkommission aus dem ganzen Lande nach Washington berufen, um einen kurzen vertraulichen Bericht über die Entdeckung der Israelis anzuhören, Der Bericht wurde von Beamten des State Departement und dem Zentralbüro des Geheimdienstes erstattet, i KENNEDY WURDE BENACHRICHTIGT „Selbstverständlich“, berichtet die Zeitung, „wiude dem gewählten Präsidenten, ¡John F, Kennedy, diese I Nachricht vom Chef des Geheimdienstes Allen W. Duiles, übejmittelt. „ Washington Post“ bezieht sich auf eine vor einigen Tagen vom londoner „Daily Express“ veröffentlichte Meldung, in der es heisst, dass Sachverständige der nordnordamerikanischen und englischen Geheimdienstes der Ansicht seien, dass Israel eine Atombombe zu Versuchszwecken herstellt. Die Zeitung fügt hinzu, ein Sprecher der israelischen Botschaft in London habe die Nachricht dementiert. Die Zeitung schreibt, „Israel und die ihm feindlich gesinnten arabischen Nachbarländer hätten seit Jahren versucht. unter grössten Schwierigkeiten das Rüstungsgleichgewicht aufrecht zu erhalten, Die VAR erhielt grosse Mengen sowjetischer Düsenflugzeuge und andere Waffen, während Israel von Frankreich die modernsten Kampfflugzeuge gekauft hat Die Herstellung irgendeiner Art von Kernwaffen durch eine der beiden Parteien müsste das vorhandene Gleichgewicht ernstlich stören und würde der heutigen relativen Ruhe, die in den alten Streitigkeiten zwischen Arabern und Israelis eingekehrt ist, radikal, ein Ende bereiten. Evakuierung aus Algier >■ WIE ICH ES SEHE Im Angesicht des Galgens von JEHUDA GOTTHEIMER Der Herr über Leben und Tod der Juden in Polen, der eigentliche Liquidator des polnischen Judentums über, ihaupt, Dr, Hans Frank, selbst «in Jurist, legte erst im Gefängnis ein Schuldbekenntnis ab. In seinen, in der Zelle geschriebenen Erinnerungen, die 1953 unter dem Titel „Im Angesicht des Galgens” erschienen sind, schreibt er u. a. wörtlich: „Mir bleibt, als Mitkämpfer des Führers nur eins: Nun, da er in entsetzlichstem Schuldbewusstsein sein Testament geschrieben hatte, beging er Selbstmord und floh vor der irdischen Gerechtigkeit. So trat ich in Nürnberg an seiner Statt vor die Richter und sagte, dass ich die Schuld bekenne. Hier gab es kein Feilschen ums Recht, um Zuständigkeit, um Legitimation des Gerichts. Hier gab es nur die demütige Bekennung einer Schuld am Mord von einigen Millionen unschuldiger Menschen, die aufgrund eines grässlichen Kollektivurteils getötet worden sind. Ich handelte vor allem auch deshalb so, weil man nicht die Handlanger Hitlers bestrafen, seine Mitf ¡ihrer aber sich entschuldigen lassen kann. Und gerade wegen dieses gigantischen Massenver brechens an den Juden, zu denen die Reihe furchtbarster anderer Untaten noch dazu kommt, die auf Befehl des Führers oder mit seiner Duldung während dieses Krieges an anderen Völkern geschehen sind, muss die Menschheit um ihrer selbst willen die abschreckendste Bestrafung betreiben.'’ — Frank, der wenigstens seine Schuld gestand, seinem Schicksal nicht auswich und Rechenschaft ablegte, sagte noch manche andere, interessierende Einzelheiten, die von keinen Sensationsschriftstellern mehr aus der Welt fortdiskutiert werden können. Er stand für seine Schuld ein und forderte die anderen auf, die mit ihm schuldig geworden waren, ein Gleiches zu tun. Aber fast alle versagten, die einst die Entscheidung über den Tod „von einigen Millionen unschuldiger Menschen” gehabt, und gefällt haben. Jetzt, wo sich der Prozess Jerusalem. — Die erste Weltkonferenz des Jüdischen Nationalfonds seit Staatsgründung wurde in Anwesenheit von 58 Delegierten aus 27 Ländern ausser den 26 israelischen Delegierten eröffnet. Die Knesset hatte im vergangenen August eine Entwilklungsbehörde für die Verwaltung der staatlichen und KKL.Ländereien unter der Aufsicht des Nationalfonds geschaffen. Die sich aus dieser Uebereinkunft ergebenden Folgerungen werden als wichtigstes Thema auf dieser Konferenz zur Sprache gelangen. Ferner steht ein Zweijahresplan zur Diskussion, für dessen Verwirklichung der ICKL über 28 Millionen Dollar verfügt. Der ICKL besitzt rund 3 Millionen Dunam Land und weitere 16 Millionen Dunam Staatsböden werden heute von ihm verwaltet. Staatspräsident Ben Zwi, Dr. Nachum Goldmann und Finanzminister Levi Eshkol gehören zu den Rednern auf dieser Konferenz, die im Gebäude der Hebräischen Universität stattfindet. (ITA) gegen einen der entscheidenden Mitarbeiter Hitlers am Massenmord nähert, werden von seinen „Freunden” und Mitschuldigen — man möchte sagen: selbstverständlich, — verzweifelte Anstrengungen gemacht, um Eichmann j«u entlasten. Jetzt will man der Welt einreden, dass dieser Massenmörder kein Un. ¡geheuer gewesen sei, dass er 1 „nur“ auf Befehl gehandelt, im übrigen aber selbst niemanden eigenhändig getötet habe. Diese und andere Ent- [schuldigungen bereiten ,sich’!vor. Inzwischen läuft die Pressekampagne in allen Kontinenten weiter... Wie nicht anders zu. erwarten, zieht die Afläre Eichmann weite Kreise. Von einigen sensationellen „Entb Übungen'’ haben wir bereits Kenntnis genommen, iVon den Artikeln in der argentinischen Zeitung „La Razön" und der deutschen Zeitung „Hamburger Echo”. Da spielen die ehemaligen Nazis und ihre Helfershelfer in Griechenland eine Rolle, die heute in höchsten Positionen sitzen, und wenn man nach Bonn schaut, wira man zu seiner Ueberraschung konstatieren, dass dort auch einige Ehemalige etabliert sind. Es wurde schon gefragt, was man zur griechischen Affäre in Bonn erklären werde (über die griechische Affäre haben wir am letzten Freitag an dieser Stelle berichtet), zumal recht konkrete Beschuldigungen erhoben worden sind, die den Staatssekretär Globke stark belasten. Der damalige Kriegsverwaltungsrat in Griechenland und jetzige Rechtsanwalt in Berlin, Max Merten, hat behauptet, er hätte seinerzeit vorgeschlagen, die griechischen Juden nicht nach Auschwitz zu deportieren. In einem Gespräch mit Eichmann, der übei all erschien, wo durch die deutschen Invasionen neue jüdische Ge-! Paris. — Die Mehrzahl der in der Kashba von 1 Algier lebenden.Juden ist evakuiert, und vorübergej bend durch das Consistol-! re Israélite in Notunter- | klinfte gebracht worden,, j wie jetzt hier verlautete. Man glaubt, dass keine Juden bei den Unruhen, die während des Aufenthalts von. General de Gaulle ausbrachen, ibi Leben verloren haben. Das Consistoire wandte sich an die französischen Behörden mit dem Ersuchen, die wenigen, noch in der Kashba verbliebenen Juden zu evakuieren. (ITA) G ein schäften in nazistische ände fielen, habe man sich darauf geeinigt, die Juden nach Palästina abzusebieben, Laut\,Hamburger'Echo” berichtete Merten über das Gespräch mit Eichmann folgendes: „Eichmann fragte mich, wieviele Juden ich nach Palästina abschieben möchte. Ich entgegnete: Na, rund 10.000. Eichmann habe darauf erwidert, schieben Sie 20.000 ab, Hauptsache, wir sind sie los!” Merten berichtet weitei: „Dann habe der offenbar doch nicht allmächtige Eichmann Rückendeckung beim Judenreferenten Dr. Hans Globke gesucht. So habe sich Eichmann am Telefon in meiner Gegenwart, erklärte Merten, dafür stark ¡gemacht, dass 20.000 griechische Juden nach Palästina ¡abgeschoben werden, was bedeutete, dass sie am Leben bleiben würden. Umsonst!” In einem Brief an das ¡Hamburger Echo hat Staats- : Sekretär Globke inzwischen die Darstellung Mertens dementiert. Aber das Hamburger Echo ist darauf nicht eingegangen; es liess sich nicht von den Worten Globkes überzeugen. „Jeder, der zu lesen verstehet, wird mer. ken, dass er — von formellen Unterschieden abgesehen —, ungewollt unsere Behauptungen bestätigt.” Im „Spiegel” von Ende No. vember war eine Notiz zu le sen, der Staatssekretär Glob. ke habe Gerüchte dementiert, wonach er mit dem Kölnei* Rechtsanwalt und Verteidiger Eichmanns Dr, Tcl Aviv. — Ai cumplirse cinco años de la fundación de Kiriai Gal, su población cut-nia con cerca, de once mil almas que componen vaas 2.500 familias procedenies de todas las dispersiones. Kiriaí Caí tiene mas de 2 200 niños en ©dad escolar , que se educan en cinco escuelas primarias. Alrededor de 140 jovenes reciben instrucción general y profesional en el marco del centro juvenil. Funcionan en Kiriai Gal quince jardines de infantes. Unos 1 450 sostenedores de familia tienen ocupación permanente en Kiiiai Gat: 900 en la industria, 300 en la artesanía. 350 en el comercio, 350 en 3a administración y servicios públicos y 150 en 3a agricultura etc. El rápido desarrollo de Kiriai Gat en el campo económico y el becho de que la ciudad está a punto ¿e solucionar el problema de la ocupación, suscitan la necesidad de aumentar el número de habitantes y ampliar y consolidar la ciudad. SCHLOMO S. TANGER Tel Aviv. — Nach iünf Jahren seit seiner Gründung zählt Kiriat Gat mit nahezu 11.000 Stelen, die rund 2.500 Familien aus allen Ländern der ZeitLtuung bilden. Kiriat Gat bat über 2.200 Kinder in scnulpflichtigem Alter die in fünf Gr undsc-hulen erzogen werden. Ungefähr 140 Jugendliche erhallen allgemeinen und beruflichen Unterricht im Rahmen des Jugendzentrums. In Kiriat Gat gibt es iünf Kindergärten. Rund 1.450 Familienväter haben ständige Beschäftigung in Kiriat Gat: 900 in der Industrie, 100 im Handwerk, 150 im Handel, 150 rn der Verwaltung .und of-. fcntJichen Diensten und 150 in der Landwirtschaft. Die rapide Entwicklung von Kiiiat Gat auf ökonomischem Gebiet und die Tatsache, dass die Stadt in Kürze das Problem der Arbeitsbeschaffung gelöst haben dürfte, machen es zu einer Notwendigkeit, die Zahl der Bewohner zu erhöhen und die Stadt zu erweitern und zu konsolidieren. SCHLOMO S; TANGER Servatius in Verbindung stehen würde und Gespräche über Geld geführt hätte. Globke habe diesen Sachverhalt bestritten, meint „Der Spiegel” und kenne nach seinen Angaben den Dr. Servatius auch nicht... Immerhin häufen sich die Behauptungen, der Staatssekretär Adenauers, Dr. Hans Globke, habe irgendetwas mit Eichmann zu tun gehabt und stehe auch jetzt in einem noch nicht definierten Kontakt mit dem sieh vorbereitenden Prozess. Wir können es getrost dahingestellt sein lassen, ob dies der Fall ist oder nicht. Möglicherweise wird man hierüber in nächster Zeit mehr erfahren, sodass man sich niebl aufs Rätselraten einzulassen braucht. Merten hat den früheren Oberregierungsrat schwer verdächtigt. Man könnte aus dieser Darstellung sogar ent. nehmen, dass Eichmann nicht unbedingt auf Verschickung einiger tausend griechischer Juden nach Auschwitz bestanden hat. Aber hierauf kann es im Zu. sammenhang mit dem EichmannJProzess gaenicht ankommen. Selbst wenn Globke schärfer gewesen sein sollte, was bisher niemals behauptet worden ist, dann ändert diese Haltung Eichmanns in diesem Fall der griechischen Juden nichts an seiner Gesamtschuld, Im übrigen wäre die Behauptung Mertens noch zu überprüfen, der offensichtlich einen Privätkrieg gegen Globke und andere aiisträgt, in dessen Verlauf er sicherlich .wie seine Gegenspieler uns ebenfalls noch manche interlesante Einzelheiten beuchten wird ... Dr. Hans Globke. seit Jahren Adenauers „rechte Hand”, ist stets wegen seiner nazistischen Vergangenheit angegriffen worden. Er war Oberregierungsrat und hat zusammen mit Dr. Wilhelm. Stuckart, dem Fix-Staatssekretär im Reichs- und Preussischen Innenministerium, im Jahre 1936 die Nürnberger Gesetze kommentiert. Natürlich ist das ein hässlicher Schönheitsfehler in Globkes Vergangenheit, Kommentator der i astistischen Gesetze (!), das ist schon mehr als eine Geschmacklosigkeit. In der Bonner Republik ist er — sicherlich zu seiner eigenen Verwunderung — sogar zum Staatssekretär aufgestiegen, Nicht nur Adenauer, sondern auch Juden tolerieren ihn, die heute glauben, ein Wort mitreden zu dürfen..„ Der Kommentar von Stukknrt-Globke über die Nürnberger Gesetze, die bekanntlich später eine leicht be. wegliche Handhabe für die Eliminierung und Liqiüclie- (Schluss auf Seite 2) Juden in der USA-Reglernng Washington. — Der gewählte Präsident der USA, John F. Kennedy, ernannte den in Chikago geborenen Anwalt, Arthur J. Goldberg, zum Arbeitsminister. Somit sind* zwei nordamerikanische Juden zum ersten > Mal in der Geschichte des Landes in das Kabinett be-; rufen worden. Kennedy hatte schon vorher den Gouverneur von Connecticut, Abraham Ribikoff, zum Mi- ' nister für Gesundheit, Erziehung und Volkswohlfahrt ' ernannt. Der neue Arbeitsminister stand an leitender . Stelle in der CIO, der Gewerkschaft für Industriearbei-! ter und bekleidet das gleiche Amt in der Gewerkschaft | der Metallarbeiter der USA. [ Goldberg ist 48 Jahre alt und hat sich besonders mit der Arbeitsgesetzgebung beschäftigt. Er ist Mitglied der Sinai.Synagoge von Washington und wurde kürzlich in den Ausschuss zur Förderung der Histadrut 1 gewählt. Seine Verbundenheit mit Israel ist bekannt. (ITA)