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Jüdische Wochenschau · 1960-12-16 · 1836 (16.12.1960) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1836 (16.12.1960)
Date
1960-12-16
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German, Spanish
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PUEYRREDOíf 2190 — 1? ixq. Ja Jemxvui 3ssuie¿iía T. E. 8 3-2613 Año XXI. BUENOS AIRES, VIERNES 16 DE DICIEMBRE DE 1960 No, 1836 Ausschreitungen in ter Paris. — Juden und Mohammedaner fochten in def Kashba von Algier schwere Kämpfe aus, wie hier„cingelaufene Nachrichten besagen, «he trotz der strengen Zensur für das gesamte alge. rische Gebiet dürchphangen. Nicht bestätigte Berichte ■wollen wissen, dass mohammedanische Demonstranten mit den Juden zusammen-, stressen und am folgenden Tag mehrere jüdische Wohnungen und Geschäfte gejp) lindert wurden, f Ein Anführer der Rebellen setzte die Beschuldigung in Umlauf, dass die Juden von den . Balkons und aus den Fenstern ihrer Häuser auf die Demonstranten geschossen hätten. Diese Anklage wird von den jüdischen Führern als „völlig grundlos” bezeichnet. Infolge der allgemein herrschenden gespannten Lage haben die Mohammedaner schon früher Uebei fälle auf die Juden verübt. Viele Juden sind unter Zurücklassung all ihrer Habe aus ihren Wohnungen geflüchtet, um ins Zentrum der Stadi zu gelangen, wo sie den Schütz der französischen Sich erheitstr uppen angerufen haben. In Constantine haben die Rebellen in der Synagoge eine Bombe zur Explosion gebracht, wobei mehrere Personen verwundet wurden. Die Zensur verbot jedoch die Verbreitung dieser Nachricht und gestattete vor allem nicht die Bekanntgabe der Zahl und Identität der Opfer. In Oran haben die Aufständischen einen jüdischen Friedhof geschändet, [Grabsteine umgewoifen und die Mauern mit antisemitischen Inschriften beschmiert. SCHAENDUNG DER SYNAGOGE Paris. — Wie aus sicheren Quellen verlautet, wurde während der zweitägigen Ui), ruhen die Synagoge in Algier profaniert, ausgeraubt und von den Rebellen als Hauptquartier benutzt, bis die französischen Truppen die Ordnung wiederherstellten. Trotzdem ist die Lage der in der Kashba lebenden Juden gespannt und ernst. Die- Rebellen haben jetzt ihr Hauptquartier in das der Synagoge gegenübeiliegende Café Zerrouk verlegt, doch auf dem Pertal der Synagoge weht noch ihre weissgrüne Fahne. Die Rebellen 1 WIE ICH ES SEHE Sensationen warten auf uns von JEHUDA GOTTHEIMER Der. Eichmann - Prozess wirft, .seine Schatten voraus. Im Blätterwald hört man ein . Raunen und. Rauschen. Gewiss ist dies ein „unerhört . änief essantes Thema”, eine , „Story”, wie sie sich nicht allein den Sensationsjournalisten höchst selten bietet. Steht doch mit Eichmann ein Regime, vielleicht ein ganzes Volk oder gar ein Zeitalter vor den Schranken des Gerichts, das ■ über eine ungeheure Schuld zu' befinden haben wird, die sicherlich nicht nur ein einzelner hoher SS-Funktionär, aber auch er, auf sich, geladen hat. Selbstvei-ständl ich bleiben die alten und die neuen Nazis nicht inaktiv. Niemand dürfte damit gerechnet haben. Für sie alle stehen hohe Interessen auf dem Spiel, die sie verteidigen werden. Keiner weiss, was Eichmann aussogen wird. Vielleicht wird di« Affäre Eichmann viel grössere Kreise ziehen, als die meisten auch nur ah- Aegyptische Drohung London. — Der ägyptische Staatsrat, der eine Einrichtung ist, die mit dem Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten zu vergleichen ist, hat verfügt, dass jeder Untertan der VAR, der „mit dem Zionismus sympathisiert”, seiner Staatsangehörigkeit verlustig gehen kann. Dieser Beschluss bedeutet, so glaubt man, das? öffentliche oder private Sympathie mit Israel als ein Vergehen betrachtet v/erden dürfte, das mit dem Verlust der Staatsangehörigkeit geahndet wird. (ITA) nen. Und Eichmasn bat mächtige^ einflussreicne uh«l erfahrene Freunde, die über die notwendigen Mittel verjfügen, um. eine umfnngrei- ‘che Entlastungs-Kampagne verbunden mit Einschiiebterungsversuchen in die Wege zu leiten. Man muss mit zahlreichen Sensationen und Uebei raschungen rechnen, die sich bereits anbahnen. Vor kurzem brachte die bonaerenser Abendzeitung „La Razón”, bekanntlich das Blatt mit der höchsten Auflage in spanischer Sprache ¡auf der Welt, wieder einmal einen ihrer üblichen Sensationsartikel, der allein schon durch seine Präsentation die Aufmerksamkeit auf sich lenken musste. Ein holländischer Journalist, ehemaliger SS-Mann, bekannter Nazi- Publizist, Mitarbeiter des früher in Buenos Aires vom Dürer Verlag herausgegebenen „Der Weg”, hat — wie bekannt — in der Zeitschrift Life Aufsehen erregende Berichte veröffentlicht und gilt als der Verfasser der „Memoiren” Eichmanns. Die „La Razón” liess sich diese Gele, genheit nicht entgehen dass dieser Journalist in Buenos Aires lebt und brachte ein umfangreiches Interview. Den Lesern wurde diese „Sensation” dadurch schmackhaft gemacht, dass dieser Journalist auf einem Foto gemeinsam mit dem Chef der anti. peronistischen Revolution, General Lonardi, gezeigt wurde, vielleicht um ihm Gewicht zu geben, vielleicht aber auch, um von der Vergangenheit dieses Journalisten ein wenig abzulenken. Der Artikel enthält weder Sensationen noch Neuigkeiten. Er hat die für einen Freund Eichmanns sicherlich verständliche Tendenz, den verhafteten Judenmörder „reinzuwaschen”. Im wesentlichen werden mit sehr viejen Worten zwei Punkte herausgegriffen: die von jüdischer Seite behauptete Ziffer der sechs Millionen Juden, die durch den Nazifaschismus ermordet worden seien, ist zu hoch gegriffen, und Eichmann sei nicht oder nicht allein schuldig, denn er sei nur ein SS- Offizier wie Tausende andere gewesen. In diesem Zusammenhang soll nicht über diese beiden Punkte debattiert werden, denn die Frage der Zahl der ermordeten Juden wird seit Jahren von den Nazis als zu hoch angegeben bezeichnet, ohne dass sie allerdings in der Lage gewesen wären, die dokumentarischen Beweise dafür, zu erbringen, welche Zahl nun eigentlich richtig sei. In dem Razón-Interview wird übrigens hinzugefiigt, dass die Verbrechen nicht kleiner werden, wenn die Zahl wirklich geringer sein sollte. Die Behauptung, Eichmann sei nur ein SS-Offjzier wie alle anderen gewesen, stellt nach unserer Auffassung eine globale Belastung der SS.Offiziere dar, wie sie selbst von jüdischer Seile noch niemals erhoben worden ist. Mit der Wahrheit dürfte diese Version nichts zu tun haben, denn unstreitig hatte Eichmann das Ressort der Judenvernichtung. Schon hierdurch ist seine Stellung von Anfang an charakterisiert. Im übrigen wird der bevorstehende Prozess den Umfang der Schuld unter Beweis stellen, die Eichmann auf sich geladen hat. Inhaltlich ist der Razón- Artikel wenig ergiebig. Dagegen deutet er auf die bestehenden Bestrebungen hin, durch sensationell vorbereitete und gebrachte Zeitungsartikel Stimmung zu machen, um eine für Eichmarm — und seine Hintermänner! — günstige Atmosphäre zu schaffen. Dabei braucht man sich im Laufe der Entwick. Mord und Entführung m Rabat Algier. _ Die jüdische Bevölketung von Rabat bc " findet sich.in grosser Aufregung. Zwei junge. Juden wurden ermoidet und zwei jüdische Mädchen entführt, ohne dass es bisher gelungen wäre, ihren Verbleib zu ermitteln. Die vier jungen Leute wurden nachts überfallen, als sie auf dem Nachhauseweg waren. Die Leichen der"] beiden Opfer v/uiden später aufgefunden. Das Verbrechen hat die unter den marokkanischen Juden schon herrschende Nervosität noch gesteigert. Der MorJ und die Entführung ereigneten sich kurz nachdem bekannt geworden war, dass verschiedene jüdische junge Mädchen aus ihrem Elternhaus gelockt und gezwungen woiden waren, zum Islam iiberzutreten und sich mit Mohammedanern zu verheiraten. — (ITA) habe« die Torarolle und die heilige Schrift zerrissen und die Schnitzel auf die Strasse gestreut. Juden wurden geschlagen, und mar. hegt den Verdacht, dass einige getötet wurden, da che Zensur eine Nachricht passieren liess, in der es heisst, „man wisse nicht, wie viele Juden verwundet worden sind und ob es Tote gegeben habe.” Einige Rebellen erklärten den pariser Journalisten, ihr Schlachtruf ..Algier den Mohammedanern” bedeute, dass „weder Italiener, Spanier, noch Juden oder andere Aus- ‘ lärvder” geduldet werden würden. Andere Rebellen versicherten dagegen, die Parole wende sieh nicht gegen die Juden. Die Judenkönnen nur unter den grössten Schwierigkeiten in der Nacht flüchten, doch einigen ist dies gelungen. Die meisten blieben jedoch zurück, weil sie die ca. tausend dort lebenden Mohammedaner, die Jahre hindurch ihre Nachbarn waren, an der Flucht binderten. Dann wurde das Viertel von acht französischen Regimentern umzingelt und abgeriegelt, tim eine Ausbreitung der Unruhen zu verhindern. Einige Juden wurden von französischen Fallschirmtruppen befreit. Es wird darauf verwiesen, dass die antijüdischen Ausschreitungen nicht als Teil der allgemeinen gegen die Europäer gerichteten Bewegung angesehen werden können, sondern ausgesprochen antisemitisch waren. Die Hissung der Rebellenfahne atif der Kuppel der Synagoge wirkte besonders aufreizend auf die französischen Truppen. Ein französischer Hubschrauber zerschoss die Fahne, worauf sie abgenommen u«d an ihrer Stelle eine neue, unbeschädigte Fahne gehisst wurde.- CELEBRACION DE JANUCA Nueva York. — Más de 40.000 neoyorkinos celebrarán Janucá arioliendo a dos festivales pro-Israel, organizados por los Bonos Israelíes, el 19 de diciembre y el 2 de enero en el Madison Square Garden. El gobernador Nelson Rockefeiler será el principal orador en el primer evento. Podrán asistir a loe festivales los der lentores de bonos israelíes. Más r.e 350 actos serán «librados este mes para concluir exitoramente la compaña de bonos israelíes de I960, anunció Joseph Schwerts, vicepresidente de la organización. El más importante de los actos contará con le presencia del expresidente Harry Trumen, en Chicago, y más de 4.060 personas asistirán a la cena «un. su honor. HERBERT WINTER USA-Juden feiern Chanukka New York. — Ueber 46:060 Newyorker feiein Chanukka durch die Teil »ahme an 2 Veranstaltungen für Israel, die von der israelischen Bonds-Aktion örgani- - siert weiden. Die eine findet am 19. Dezember lind die andere am 2. Januar im Madison Square Garderi statt. Gouverneur Nelson Rockerdler wird der Hauptredner bei dem ersten Ereignis sein. Den Festlichkeiten können di« Besitzer von Israel-Bonds beiwohnen. Ueber 350 Veranstaltungen werden in diesem Monat abgehalten, um die Kampagne für'die israelischen Staatsbonds des Jahres 1960 erfolgreich abz'usehliessen. Dies verkündete Joseph Sehwart2, der Vizepiä- . sident der Organisation. Die bedeutendste Veranstaltung in Chicago wird mit der Anwesenheit des ehemaligen Präsidenten "Harry Tr um an zählen, und über 4.000 Personen werden an " dem zu seinen Ehren veranstalteten Ban'kött teilnth- " men. HERBERT' W1ÑTEB? lung nicht zu wundem, wenn plötzlich eine Kurs, und Stimmungsänderung eintreten sollte, falls Eichmann „auspackt”. Dann werden ihn die anderen, die frei herumlaufen, entsprechend ver. dächtigen, alle Verantwortung auf ihn abwälzen und ihn fallen lassen. Aber das haben wir abzuwarten. Es ist nicht sinnvoll, in dieser Hinsicht Prognosen zu stellen. Jetzt erschienen vor wenigen Tagen in der deutschen Presse Veröffentlichungen, die nur am Rande mit der Eichmann-Affäre zusammenmenhängen, aber durchaus auch im Zuge der grossen Kampagne zur Entlastung Belasteter gehören und in den Eichmann-Komplex deut. lieh hineinspielen. Wir müssen dabei der Berichterstattung folgen, die von einer deutschen Oppositionszeitung veröffentlicht worden ist, da es unmöglich war, durch Einsicht in Dokumente sich ein direktes Urteil zu bilden. Im einzelnen handelt es sich um die folgenden Vorgänge, die mit dem besonders tragischen Schicksal der griechischen Juden in Zusammenhang stehen. Wir hatten etwa vor Jahresfrist über den Prozess gegen den ehemaligen. Kriegsvei waltungsrat Max Merten berichtet, welcher durch ein militärisches Sondergerieht in Athen zu 25 Jahren Zuchthaus verurteilt worden ist. Kurz darauf erklärte die griechische Regierung, dass hiermit das Kapitel Besatzungszeit für Griechenland abgeschlossen sei. Der griechische Justizmi. nister hattein langen Ausführungen diesen, gewiss überraschenden Beschluss seiner Regierung erläutert und die bevorstehende Entlassung des soeben erst verurteilten Merten verkündet. (Gegen die Stellungnahme der griechischen Regierung schrieben wir an dieser Stelle in dem Artikel „Wachsein oder schlummern?”, J.W. v. 24. 11. 59) — In dem Bericht, auf den wir uns im folgenden beziehen, heisst es, dass sich die griechische Regierung mit der bekannten Erklärung an die Oeffentlichkeit wandte und mitteilte, dass sie in Zukunft keine Kriegsverbrecher mehr verfolgen werde. Doch wenn nicht alle Anzeichen täuschen, wird entgegen dieser damals überraschenden Regierungserklärung das Kapitel der Kriegsverbrecher in Griechenland erst jetzt aktuell werden. In Athen, aber auch in Bonn soll eine, gewisse Unruhe herrschen. Und das würde nicht zu Unrecht der Fall sein... In Griechenland wie in der Bundesrepublik, so heisst es in dem zitierten Bericht, sitzen in führenden Positionen Männer, die bei den Juden. Verfolgungen in Griechenland mehr oder weniger aktiv ihre Hand im Spiele hätr ten. Ins Rollen kam der Stein durch Max Mer fei.. Für die Oeffentlichkeit völlig überraschend' wurde der zu 25 Jahren Zuchthaus VeruiteiL te schon nach wenigen Wochen freigelassen. Ob er diese bemerkenswerte Grosszügigkeit deutschen oder griechischen Regierungsstellen verdankt, ist noch ungewiss, Gewiss ist nur, dass sich der ehemalige Kriegsverwaltungsrat auf eine noble Art undankbar zeigte. Er verzog sich nicht schweigend und beschämt in seine Berliner Rechtsanwaltspraxis, sondern packte aus. Ob seinen Anklagen, die er nach seiner Rückkehr aus Griechenland vorttug, mehr der Wunsch nach Rechtfer- (Schluss auf Seite 2) Pilger verlassen Israel Jerusalem. — Die israelische Regierung gab den Gesuchen von über 5.000 christlichen israelischen Einwohnern statt und erlaubte ihnen, die trans jordanische Grenze zu überschreiten, um in Belen Weihnachten zu feiern. Am 23. Dezember werden 2.500 Katholiken und Protestanten nach Belen reisen, 2.000 Orthodoxe brechen am 6. Januar und 500 Mitglieder der armenischen Kirche am 19. Januar nach Belen auf. (ITA)

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