Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1834 (9.12.1960)
- Date
- 1960-12-09
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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-fH mt* ¡S3 § g« ,9 oi fl w i£> «g ü FRANQUEO P/.viADC Concesión 90S TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 Año XXI. BUENOS AIRES. VIERNES 9 DE DICIEMBRE DE I960 No. 1834 EL EJEMPLAR en toda la República 3, Buenos Aires PUEYRREDON 2190 19 «q. T. E. 83 . 2613 rag liefert Beweise In einer in Prag am 3. November abgehaltenen internationalen Pressekonferenzlegte der Tschechoslowakische Verband antifasehistisclier Kämpfer ein umfassendes Dokumentenmaterial vor das die kriminelle Vergangenheit Adolf Eichmanns beleuchtet. Professor Dr. Bystricky, Mitglied des Verbandes antifaschistischer Kämpfer informierte die anwesenden Journalisten über die wichtigen Dokumente, von denen einige bisher noch nicht veröffentlicht wurden und die ein überzeugendes - Beweismaterial für die Schuld des Kriegsverbrechers , Eichmann und anderer Führer des Nazi Regimes sind. Professor Dr. Bystricky, betonte eingangs, dass der Verband der antifaschistischen Kämpfer Material über die Tätigkeit Adolf Eichmanns sammelt und damit die internationale Oeffenthchkeit bekannt macht, um zur Erkenntnis der Wahrheit und dazu beizutragen, dass nie mehr solche Regime auftauchen könnten, die Verbrecher erzeugen, und sie an verantwortliche Posten stellen. Der Umstand, dass in die höchsten Staatsämter der Deutschen Bundesrepublik direkte Mitschuldige der Verbrechen Eichmanns eingesetzt werden, ist nicht anders zu erklären, als dadurch, dass wiederum verbrecht rische Absichten gegen die Menschheit verfolgt werden Die Tschechoslowakei hat bereits im Jahre 1945 Adolf Eichmann in das Verzeichnis der Kriegsverbrecher unter Na. A 28-26 eingetragen. Es wurde gegen ihn Strafanzeige wegen Ermordung tschechoslowakischer Staatsbürger erstattet. “Während der Okkupation sind ungefähr 300.000 tschechoslowakische Bürger ums Leben gekommen und rund die Hälfte davon hat Eichmann auf dem Gewissen. Es ist uns klar, dass diese Verbrechen nur eiu Teil einer grossen Zahl weiterer sind, die Eich- Flug nach Paris Jerusalem. — Staatsanwalt Gideon Hausner flog kürzlich nach Paris, um in der „Affäre Lavon”, die mit dem 1954 erfolgten Rücktritt des damaligen Sicherheitsministers Pinchas Lavon im Zusammenhang steht, Zeugen einzuvernehmen. Dies enthüllte jetzt Justizminister Pinchas Roson in der Knesset auf Fragen der Opposition über die Gründe, aus denen Staatsanwalt Ilausner diesen „höchst geheimen Flug” unternommen habe, da Gerüchte umliefen, Hausner sei des bevorstehenden Eiehmann-Prozesses wegen nach Par'-'' geflogen. fTA ■ mann und seine Kumpane an den Völkern der UdSSR, an Polen, Franzosen, Belgiern, Holländern und Angehörigen anderer Völker begangen haben. Professor Fystrieky zählte ausführlich die Verbrechen auf. die Eichmann auf dem Gebiet der Tschechoslowakei im Laufe des letzten Krieges begangen hat. und liihrte an dass Protokolle mehrerer dij rekter Zeugen zur Verfügung stehen. In die Tschechoslowakei 'kam Eichmann schon vor -dem Kriege mehrmals als Agent einer Erdölfirma. Schon damals befasste er sich mit nazistischer Propaganda und mit dem illegalen Transport von Personen und Sprengstoffen aus Deutschland nach Oesterreich über tschechoslowakisches Gebiet. Es ist wahrscheinlich, dass er verschiedene Spionageaufträge gegen die Tschechoslowakei erfüllte. Im Jahre 1939 wurde Eichmann als Leiter des nazistischen Zentralamtes für die Lösung der Judenfrage vorübergehend nach Prag zugeteiit, wo er die Zentrale für Judenauswanderung errriehtete. Auch nach seiner Versetzung nach Berlin blieb er unmittelbarer Vorgesetzter der Prager Zentrale. Von der Gesamtzahl von 118.310 tschechoslowakischen Juden verblieben am 3. Oktober 1943 noch 8531. Eichmann organisierte persönlich die ersten Transporte. Der erste Transport aus Ostrava nach Polen zählte 1000 tschechoslowakische Bürger, von denen 900 ermordet wurden. Prof. Dr. Bystricky führte an, dass Protokolle von Personen zur Verfügung stehen, welche die Transporte überlebten und die Eichmanns Wüten persönlich beobachten konnten. Der tschechoslowakische Arzt Dr, Taskier sagte z. B. darüber aus, wie Anfang des Jahres 1940 in Lublin auf Eichmanns persönliche Weisung 7 oder 8 jüngere Leute aufgegriffen wurden. Sie wurden nackt ausgezogen und bei 28 Grad Frost mit Wasser übergossen. Bei der Liquidierung des Ghetto in Lublin liess Eichmann im Krankenhaus alle Patienten, 30 Aerzte und 7C Krankenschwestern erschiessen. Eichmanns Werk war auch das Ghetto von Terezin. Prof. Dr. Bystricky zitierte das Protokoll vom 10. Oktober 1941 über die Beratung, an der der damalig« „Reichsprotektor“ Heydrich, Staatsminister Frank, Eichmann u. a. teilnnhmen. In der Beratung wurde beschlossen, die tschechoslowakische Bevölkerung aus Terezin auszusiedeln und dorthin Juden zu deportieren, die bis Ende des Jahres aus dem „deutschen Raum“ beseitigt werden müssen. In der Slowakei führte Eichmanns Weisungen sein Untergebener Dittmar Wisliceny aus. Von der sog. slowakischen Regierung forderte Eichmann einen „Siedlungsbeitrag“ für jede aus der Slowakei deportierte Person in Höhe von 300 und später 500 Mark. Aus dem offiziellen Bericht des nazistischen Gesandten Ludin in Bratislava vom 31. August 1942 geht hervor, dass im Jahre 1939 in der Slowakei 89.000 Juden lebten, von deden 15.300 bis zum 31. Dezember 1943 am Leben blieben. Die Ausrottung der jüdischen Bevölkerung war nur der Vorbote weiterer Verbrechen des Völkermordes, den die Nazisten für den Fall vorbereiteten, dass sie den Krieg gewinnen. Die Ausrottung der Juden in den böhmischen Ländern war Bestandteil des grossen Germanisierungs-Prcjekts. das bereits im Jahre 1939 geplant wurde. Eichmann ist auch Mittäter an der Ermordung der 93 tschechischen Kinder aus Li. dice und Lezaky. Prof. Dr. Bystricky führte Dokumente an, aus denen hervorgeht, dass auf Grund der Zustimmung Eichmanns die Kinder der Staatspolizei in Lodz übergeben wurden, wo Hermann Krumey Kommandant des Umsiedlungszentrums war. Krumey wurde auf Grund der Anklage des Verbandes antifaschistischer Kämpfer zweimal verhaftet und wieder freigelassen. Sein Fall wirft ein Licht auf die westdeutsche Justiz, die sehr rasch eingreift, wenn es sich um die gerichtliche Verfolgung von Antifaschisten und Arnimilitaristen handelt, sich jedoch mehr als wohlwollend zeigt, wenn es sich um notorische nazistische Verbrecher handelt, die sie nur dann verhaftet, wenn sie unter dem Druck der öffentlichen Meinung keinen anderen Ausweg sieht. Es ist bezeichnend, dass die neue Verhaftung erst im Zusammenhang mit Eichmann erfolgte. Prof. Dr. Bystricky verwies dann auf die Bestimmung des Potsdamer Vertrages über die Denazifizierung und betonte, dass heute in der Deutschen Bundesrepublik an bedeutenden Stellen Leute stehen, die Mittäter oder Teilnehmer an Eichmanns Verbrechen sind. Wir wissen, dass es in Westdeutschland genug demokratische und sehr qualifizierte Personen gibt. Sie geniessen unsere Achtung und Freundschaft. Dien ehrenw« rten und demokratischen Deutschen werden jedoch eingeschiichtert, verdrängt viele von ihnen eingekerkert. Eichmann und ähnliche Individuen verteidigen sich und werden sich offenbar mit der Ausrede verteidigen, dass sie angeblich nur ihre Pflicht erfüllten. Das Nürnberger Tribunal konstatierte, dass es „ein seit längster Zeit angenommener Grundsatz ist, dass das internationale Recht Verpflichtungen ' x’' M ■ Dieses Bild zeigt ägyptische Tanks, die während des siegreichen Sinai-Feldzuges erobert: wurden, der vor vier Jahren durchgeführt wurde und mit einem grossariigen Sieg der Verteidig-ungsarmee Israels über die Nasserschen Angriffsheere beendet worden ist.; und Verantwortung auch physischen Personen, ebenso wie den Staaten auferlegt." Wir hegen keinen Hass gegen das deutsche Volk, sondern gegen den deutschen Nazismus. Mit dem deutschen Volke wollen wir als gute Nachbarn in Freundschaft leben. Es ist nicht unsere Schuld, dass dieses Bestreben volles Gelingen nur in den Beziehungen zur Deutschen Demokratischen Republik findet. Was die Deutsche Bundesrepublik anbelangt, werfen uns einige westliche Politiker vor, dass wir angeblich die Vergangenheit nicht vergessen können. Wenn wir auf die Vergangenheit zurückkommen, so geschieht dies nicht aus Rachsucht, sondern deshalb, weil wir in ¡die Zukunft schauen. Die Beseitigung des nazistischen Geistes und seiner Repräsentanten aus dem öffentlichen Leben der Deutschen Bundesrepublik ist die Voraussetzung dafür, dass Europa aufhöre ein Schlachtfeld zu sein und die glückliche Heimat friedliebender Völker werde, führte Prof. Dr. Bystricky aus. Ueber die Verbindung des jetzigen Bundesstaatssekretärs Globke mit Eichmann gab Prof. Snejarek auf der Pressekonferenz Beweise. Globke arbeitete mit Eichmann während der ganzen Zeit seiner Tätigkeit im Reichsinnenministerium zusammen, wo er seit dem Jahre 1938 das Referat für Namensänderungen führte. Er ist Autor der grundlegen, genden Rechtsvos •hviftan für die Lösung der sog. Ji>- denfrage, nicht . -r; > Deutschland, sondern auch in allen okkupierten Ländern. Er nahm tätigen Anteil an der Okkupation Oesterreichs1 und erhielt dafür von Hitler eine Medaille. Die Uebertragung der hitlerischen Rechtsnormen auf das Gebiet der Tschechoslowakei vor dem zweiten Weltkrieg war gleichfalls ein Werk Globker. Während .der Okkupation bedeutete es 'die Deportation von 300.000 ¡tschechoslowakischen Bürgern in die Konzentrationslager, in denen die meisten ums Leben kamen. Der Aufstieg Globkes in die Stelle eines Staatssekretärs ist ein Beweis für die Entwicklung in der Deutschen Bundesrepublik seit dem Jahre 1949, Ungefähr 80 % der jetzigen Angestellten des Aussenministeriums der Bundesrepublik bilden ehemalige Angestellte des Ministeriums Ribbentrops vom Jahre 1935. Die ehemaligen nazistischen Diplomaten schlugen einander gegenseitig für diese Funktionen vor. Prof. Dr Bystricky führte dann einige Beispiele nazistischer Diplomaten an, die heute von der Regierung der Deutschen Bundesrepublik geschützt werden. Es ist dies z. B, Otto Bräutigam, dessen unmittelbare Beteiligung an der Ausrottung der Bevölkerung in den von Nazisten okkupierten Gebieten unumstösslich bewiesen wurde, oder- Ribbentrops Legationsrat Eberhard von Tatten, der jetzt in Essen lebt und Vorsitzendenstellvertreter der neonazistischen Deutschen Reichspartei ist. Auf eine Anfrage, wie der Verband antifaschistischer Kämpfer die Kompetenz der israelischen Gerichte im Falle Eichmanns beurteilt, sagte Prof. Dr. Bystriecky, dass die Auslieferung Eichmanns auch die Tscfc&hoslowakische Sozialistische Republik und eine Reihe Weiterer Länder fordern könnten. Es wäre jedoch nicht am Plafze, dass Eichmann z. B. in Argentinien gerichtet , werde, wo noch viele nazistische Kriegsverbrecher leben, oder in der Deutschen Bundesrepublik, wo sich die Nazisten einer Unterstützung seitens der Regierung erfreuen und wo an hohen Stellen im Justizapparat noch heute die Mitschuldigen Eichmanns sitzen. Dr. Kral vom Verband der antifaschistisches Kämpfer fühlte eine Reihe von Dokumenten an, die beweisen, dass die Nazisten nicht nur die Ermordung aller Juden, sondern auch grosser Teile der slawischen Nationen planten. Zu den geistigen Vätern all dieser Piäne gehört auch Dr. Globke und. einer ihrer aktivsten Vollstrecker war Adolf Eichmann Auf der Konferenz sprachen auch die Augenzeugen der Tätigkeit Eichmanns int Konzentrationslager in Lublin und im Teieziner Ghetto, Dr. Taskier und Josef Pacovsky. Auf Eichmanns Befehl kamen nach Terezir im August 1943 aus Bialystok 1200 Kinder, die zum Austausch gegen Kriegsgefangene bestimmt waren. Als der Austausch nicht verwirklicht wurde, wurden alle 1200 Kinder in den Gastod nach Oswiencim geschickt. Auf der Konferenz ergriff auch Dr. Otto Gruber, Redakteur der österreichischen Zeitschrift „Austria“ das Wort, der selbst Häftiing in Dachau war. Er forderte, dass die Entlarvung der nazistischen Verbrecher zu einer wirklichen internationalen Angelegenheit werde und die Untersuchung einheitlich würde. Die Teilnehmer der Pressekonferenz erhielten Fotokopien beweiskräftiger Dokumente. Italienisch- Israelische Bank Mailand. — Hier ist vor kurzem eine Italienisch-Israelische Bank eröffnet wor„t den, die den Handelsau»- ¡ tausch zwischen den beiden Ländern sowie italienische Investitionen in der israeli» : sehen Industrie fördern soll, i (ITA)?! Registro de la Propiedad Intelectual No. 656.635 Impreso au la Imprenta POLIGLOTA — Corrientes 3114; ¿.it