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Jüdische Wochenschau · 1960-12-06 · 1833 (6.12.1960) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1833 (6.12.1960)
Date
1960-12-06
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German, Spanish
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FRANQUEO PAiïADO Concesivo 90S EL EJEMPLAR ea toda la República TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 Buenos Aires PUEYRREDON 2190 19 i*q. T. E. 83 . 2613 Ano XXI. BUENOS AIRES MARTES 6 DE DICIEMBRE DE I960 No. 1833 New York. — Adolf Eichwann, der angeklagt ist, an der Vernichtung von sechs Millionen Juden die Schuld zu tragen, erklärte, wie es in einem Artikel der Zeitschrift "Life" heisst —, dass er keine Reue empfinde. Der Verfasser des Artikels berichtet, Eichmann habe ihm wörtlich versichert: „Ich muss sagen, dass ich nichls bedauere, was ich getan ba- ■be. Ich werde mich nicht er. niedrigen, noch Reue bekunden. Ich muss-offen gestehen, •dass, wenn wir 10 Millionen Joelen getötet hätten, wie -dies in den auf Himmlers Befehl 1933 vorbereiteten Statistiken vorgesehen war so würde ich hierzu sagen: „Nun wohl, wir haben einen Feind erschlagen’.“ - Der Artikel, in dem diese Erklärung figuriert, ist der zweite und letzte der Memoiren Eicbmanns, die dieser nach Aussagen von „Life“ einem deutschen oder holländischen Journalisten in Buenos Aires diktierte, bevor er am- 12. Mai von israelischen Agenten festgenommen wurde. DER TODESMARSCH Eiehrnann erzählte auch, dass „dem Feind eine Lektion erteilt werden sollte", weshalb er persönlich den Befehl zu dem fürchterlichen . „Todesmarsch“ gab, an dem tausende Juden teilnahmen. Der Marsch, der gegen Ende des Weltkrieges vor sich ging, begann in Budapest und endete an der deutschen Grenze. Eichmann setzte auseinander, dass die alliierten Bombenangriffe aus der Luft die Eisenbahnlinie zwischen Budapest und Wien zerstört hatten und keine Züge verkehrten, die die Juden in das Todeslager Auschwitz hätten bringen können. Er füste hinzu, er habe diesen Marsch, der 10 Tage dauerte, oeionlen, weil dies einer Antwort an die Alliierten gleichkam, dass es nichts nütze, die Eisenbahnen zu bombardieren, da doch nur ihre Verbündeten, die Juden, die Konsequenzen tragen müssten“. 20.000 — EINE UNBEDEUTENDE ZAHL Die Zahl von Juden, die er zwang, diesen Marsch anzutreten, sei nicht gross gewesen, so äusserte Eichmann. „Sie war so unbedeuten, dass ich vergessen habe, wieviel es waren. Jedenfalls sind es weniger als 20000 gewesen.“ Er fügte hinzu, er habe nach Möglichkeit dafür gesorgt, dass der Marsch „hygienisch und sicher“ gewesen sei. ..ich selbst" sagte er, „bin an1 Ende der Kolonne mit ei.'.em Auto hinterhergefahren, und ich habe nur zwei Tote, zwei alte Leute, gesehen.“ Eiehrnann berichtete auch über o: >i Versuch, den er int Auftrag Himmlers unternommen hatte, um eine Million if. .fische IV esctuDte* bm gegen "00 Lastautos ffif* Anhang"! n auszutauschen. Himmler habe diese Wagen verlangt, um dem Angriff der Russen an der Ostfront die Stirn zu bieten. LASTAUTOS GEGEN MENSCHEN Damals wandte sich Eichmann an die Führer der jüdischen Weltorganisation mit der Aufforderung, das Geld für die Bezahlung der Lastautos aufzubringen. und versprach ihnen: „Wenn die Lastwagen mit den Anhängern hier sein werden, dann wird die T-odesfabrik in Auschwitz stillgelegt wer-!den." In diesem Zusammenhang enthüllte er, dass Joel Brand, der mit dem Angebot der Nazis nach Palästina entsandte ungarische Jude, den Engländern in die Hände fiel und der Tauschhandel nicht zustande kam. An anderer Stelle des Artikels berichtet Eichmann, dass er durch Vermittlung des leitenden Zionisten Rudolf Kästner „tausenden Juden“ die Flucht in neutrale Länder und nach Palästina ermöglicht habe. Eichmann erklärte dem Verfasser des Artikels ferner, Kästner habe „zugesagt, dass die Juden sich nicht der Deportation widersetzen und die Ordnung in den Lagern aufrecht erhalten würden, wenn man dafür einige hundert Juden entkommen lassen würde.“ — „Das war ein gutes Geschäft“, setzte er hinzu. „Life" berichtet, Kästner sei in Israel unter der Anklage, mit den Nazis koiiaboriert zu haben, vor Gericht gestellt, doch vor der Urteilsfällung, die ein Freispruch war, von einem Fanatiker in Tel Aviv ermordet worden. Brand dagegen lebe in Israel. ENTHUELLUNGEN — EICH MANN: „ICH WUERDE FROH INS GRAB SPRINGEN". Eiehrnann erzählte seinem Interviewer feiner, er ha.be in den letzten Tagen des Dritten Reiches seinen Leuten mitteilen -wollen, dass er keine Reue empfinde. Daher versammelte er seine engsten Mitarbeiter und sagte ihnen: „Ich würde mit Freuden ins Grab springen, v/enn ich wüsste, dass fünf Millionen Juden, diese Feinde des Reiches, wie Vieh abgeschlaehtet worden sind.“ Eichmann stellte fest, er habe sich einzig und allein damit befasst, Millionen von Juden „in den Opfertod" zu schicken und zu diesem Zweck Züge requiriert, doch mit der „Endlösung“ der Judenfrage“ habe er nichts zu tun gehabt. REIST FRAU FACHMANN NACH ISRAEL? Jerusalem. — Justizminister Pinchas Rosen bezeichnete eine im londoner „Daily Sketch" erschienene Nachricht als unrichtig, dass die Ehefrau des Kriegsverbrechers Adolf Eiehrnann um Erlaubnis ersucht habe, ihren Mann im Gefängnis zu besuchen. „Diese Nachricht ist völlig falsch“, erklärte Rosen. AUSKUNFT DER ISRAEL- BOTSCHAFT Die Botschaft Israels in Buenos Eires gab auf Befragen die Auskunft, dass die Ehefrau Eichmanns kein Visum beantragt habe, um nach Israel einzureisen. Die Möglichkeit, dass Frau Eichmann in ein europäisches Land fährt, um dort ein israelisches Visum zu erlangen, wurde von den Beamten der Botschaft als nicht sehr logisch bezeichnet, denn das Kriterium, mit dem die Regierung Israels ein derartiges potentielles Ersuchen betrachten würde, wäre das gleiche in allen seinen diplomatischen Vertretungen. WER IST DER „DEUTSCHE" JOURNALIST? New York. — Der Journalist, der die Konfessionen des Judtnmörders Adolf Eichmann auf Srpuchband aufnabm ist ein Holländer, der zur Naziideologie bekehrt wurde, für seine eigenen Kricgsverbrechen in Belgien zum Tode verurteilt worden ist und auch in Holland als Kr iegsverbrecher gesucht wird. Dies konnte hier die ITA ermitteln. Willem Sassen nennt „Life den Autor, dessen Artikel über die Geständnisse Eichmanns in dieser Zeitschrift erschienen sind. Nach Angabe von „Life“ handelt es sich um einen deutschen Journalisten. Die ITA konnte jedoch durch holländische Blätter feststelien, dass Sassen mit dem holländischen Journalisten William Sasson identisch ist, der wählend des Krieges rnit den Nazis in Holland koliaboriert hat. Die Nachricht wurde in Artikeln der Amsterdamer Zeitungen „Allgemen Handelsblad“ „Het Vrije Volk“ und dem „Rotterdam Courant“ enthüllt. Wie die holländische Presse berichtet, war Sassen eine Zeitlang im Jahre 1944 auf Anordnung der Nazis Chefredakteur des Blattes „De Telegraf“ in Amsterdam Nach der Befreiung Hollands vom Nazi joch erliess der ßczirks-Staat§pnwalt der kleinen holländischen Stadt S’Hertogenbosch in der Provinz Brabant Haftbefehl gegen Sassen wegen Kriegsverbrechern auf die Todesstrafe gestanden hätte. Sassen verschwand und konnte nicht verhaftet werden. Wie „De Standard" aus Brüssel schreibt, wuide Sassen in contumaciam von einem belgischen Militärgericht wegen Kriegsverbrecher; zum Tode verurteilt. „Het Vrije Volk ‘ berichtet von einem Telefongespräch mit Sassen, der in Buenos Aires lebt. Dabei soll Sassen zugegeben haben, :V>ss er Hitlers Elitegarde sowie der SS angehörte und im Jahre 1947 von Holland n;,Jr Argentinien entkommen ist. Die holländische Presse enthüllt, dass Sassen die holländische Staatsangehörigkeit abiegte und während der Naziokupation Hollands deutscher Staatsbürger wurde. Der „Rotterdam Coulant" stellt fest, dass Sassen „die deutsche Staats-, biirgerschaft nur durch Eintritt in die SS erlangen konnte, und fährt fort: ..Wir können daher „Life" nicht dazu beglückwünschen, sich eines Kollaborateurs dieser Kategorie bedient zu haben“ Wir haben sehon früher Zweifel ausgesprochen, ob die Veröffentlichung der 1 Memoiren Eichmanns vor dem Spruch des Gerichtshofes, der ihn abuvteilen wird, ratsam sei. Unsere Einwände sind jetzt noch stärker, da wir wissen, wer dieser Mann, der sich deutscher Journalist nennt, in Wirklichkeit ist.“ „LIFE" HAT NICHTS GEWUSST Die ITA befragte „Life“ über die obigen Feststellungen, worauf die Zeitschrift äusserte, sie habe sich niemals Illusionen über Sassen gemacht. Wir haben aber nicht gewusst", versicherte „Life“ „dass holländische Zeitungen berichtet hatten, dass Sassen Holländer und nicht Deutscher ist und von einem belgischen Militärgericht in Abwesenheit zum Tode verurteilt wurde, weil er ein Kollaborateur war. Wer auch immer Sassen wirklich ist, so haben wir doch die Echtheit der Memoiren Eichmanns aufgrund vorgelegter Dokumente gründlich geprüft, und diese Untersuchung ist zur vollen Zufriedenheit aller unserer Direktoren ausgefallen.“ Die Direktion von „Life“ wollte nicht bekanntgeben, welcher Preis für die Veröffentlichung der Memoiren Eichmanns gezahlt worden ist. Berichte sowohl aus Deutschland wie auch aus Isia.el haben wiederholt behauptet, dass die Kosten der Verteidigung Eichmanns nicht aus dem Produkt der Artikel über Eiehrnann, welche an eine grosse nordanvirikanLsche Zeitschrift verkauft wurden, bezahlt werden. SERVATIUS AEUSSERT SICH ln Bonn erschienene Nachrichten besagen, dass Eichrrianns Anwalt, Robert Servatius, erklärt haben soll, er werde den Fall niederlegen, wenn die Eichmann in “Life“ 7uge.s.’h-.-iebenen F.rkläru ■: ■■■'■ .ruf Wahrheit beruhe. 4. vatius soll gesagt rnmeu „Alir haben sich die Haare gesträubt, als ich das alk-d las" Servatius hat angekündigt, er wolle sich an Eichmanns Bruder Robert in Linz wenden, um die Authentizität dieser Bekenntnisse festzusteiier, und v/enn die Konfessionen wirklich wahr sein sollten, so werde ich die Verteidigung auf der Stelle niedcrlegen.“ Debatte über die Zensur Jerusalem. — Ben Gurion antwortete in der Knesset auf drei Anfragen über die Zensur. Es gelang ihm, eine Debatte auf breiter Basis zu verhindern. Er sprach in seiner Eigenschaft als Verteidigungsminister. Die Angelegenheit wurde der Kommission für Sicherheit und auswärtige Fragen überwiesen. Aiie Ben Eifezer von der Cberut zitierte drei Fälle von politischer Zensur, um die wiederholten Versicherungen Ben Gurions zu widerlegen, dass die Zensur nur in Fragen der Sicherheit einschreite. S. Abramow, von den Allgemeinen Zionisten, warf ein, die Zensur in Israel überschreite ihre Grenzen, und es sei absurd,' dass die israelische Presse keine Berichte ausländiscer Blätter bringen dürfe, so dass Uebert'eibungen durch Gei lichte an der Tagesordnung seien, wodurch Verwirrung gestiftet und die Moral untergraben werde. Mosche Sneh, Kommunist, verwies darauf, dass die „politische Erklärung" des zurückgetretenen Generals!abschefs Laskow vom Zensor unterdrückt wurde, woge1 gen „Dawar”. das Organ der Histadrut, sie veröffentlichen durfte. Alle Redner setzten sieh für eine vernünftigere und realistischere Anwendung der Zensur ein und kritisierten die „Ueberempfindlichkeit” des Zensors. Ben Gurion betonte, der Fall sei . aufgebauscht worden. Er erinnerte an das alte Uebereinkommen zwischen den Zeitungsherausgebern und dem Generalstab der Armee, dass jeder Streit über die Zensur einem Dreier-Comité unterbreitet werden soll. Das Comité habe in den letzten sechs Jahren die Entscheidungen des Zensors einstimmig unterstützt. (ITA) Aus aller Welt Israel und Libanon malariafrei New York. — In einem Bericht an den einen der beiden existierenden Unterausschüsse für das Gebiet des östlichen Mittelmceres der Weltgesundheits ■ Organisation der Vereinten Nationen stellte der ägyptische Gesundheitsexperte Dr. Farid, der für diese UN-Organisation arbeitet, fest, dass Israel und der Libanon die einzigen Länder im Mittleren Osten sind, in denen es praktisch keine Malaria mehr gibt. | Für das östliche Mittel- 1 meergebiet gibt es zwei Unterausschüsse der Weltgesundheits - Organisation. In dem einen ist die VAR vertreten, in dem anderen Israel (zusammen mit Frankreich, England. Italien, Persien und Aethiopien. Die Araoer weigern sich seit zehn Jahren, gemeinsam mit Israel die Gesundheitsprobleme des Nahen und Mittleren Ostens zu lösen. (ITA) Tod im Gefängnis Stambul. — Josef Salona, einer der zwei jüdischen Deputierte» des alten Parlaments, die mit anderen Abgeordneten nach dem Sturz 1 der Regierung Menderes eingekerkert wurden, starb an einer Herzattacke auf der Insel Jashiada, wo er den Prozess abwarete. Salona war führendes Mitglied der demokratischen Partei seit ihrer Gründung i:n Jahie 1946 und wurde im Jahre 1957 zum Deputierten gewählt. Zusammen mit Isaac Altalew, dem zweiten Juden, und anderen Kollegen war Salona der Verletzung der türkischen Verfassung itegistro de la Propied angeklagt. Er war aktiv in ■jüdischen Gemeindefragen jund betätigte sich als Sekretär des Grossrabbinals unter Idem, verstorbenen Oberraö- I bin er Rafael Saban, bevor [er in das Parlament gewählt wurde. (ITA) Achtung vor Wider-* Standskämpfern Hannover. — Die Deutschen müssten den Männern, die sich an der Widerstands, bewegung gegen Hitler beteiligt haben, um für Deutschland die Freiheit zurückzugewinnen, mehr Achtung entgegenbringen als bis. her. Das forderte der nordamerikanische Historiker Professor Dr. Deutsch in einem Vortrag in Hannover. Es sei eine Schande, dass am 20. Juli nur in den Ländern Hessen und Berlin zum Gedenken an die Opfer des Widerstandes geflaggt werde. Deutsch, der sich seit mehreren Jahren mit der Eilorr schung der deutschen Geschichte während des zweiten Weltkrieges und besonders der Geschichte des Widerstande* gegen Hitler beschäftigt, meinte, die hohe Ethik des Widerstandes sei in Deutschland noch nicht allen klar geworden. (AWZ) Sowjetische Experten London. — In Bagdad sind sechs sowjetische Expeiten eingetroffen, um sich über die Arbeiten an der Verbesserung der Schiffahrt auf dem Euphrat, dem Tigris und dem Schat-el-Arab zu informieren. Gegenwärtigarbeiten 35 sowjetische Experten an diesem Projekt, — iAWZ) ad Intelectual No. 656 535 Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Corrientes 3114 i

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