Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1831 (29.11.1960)
- Date
- 1960-11-29
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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# 8® ln BIÖ U u ® < U FRANQUEO PAGADO Concesión 90S TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 Año XXI. BUENOS AIRES, MARTES 29 DE NOVIEMBRE DE 1960 No. 1831 EL EJEMPLAR« en toda la República y “ Buenos Aires PUEYRREDON 2190 1? isq. T. E. 83 . 2613 Das Ende eines Henkers Erklä™ns Die Geschichte des Maximilian Beigart, der kürzlich von einem Lubliner Gericht rum Tode verurteilt wurde, mutet wie ein Roman an. Ein Roman allerdings, den das harte Leben unserer Tage schrieb und an dem viel Blut von Unschuldigen klebt. Er begann im Jahre 1933, als Maximilian Beigart, der aus Mitteldeutschland stammt, in die Diktatuipartei eintrat. Vorher hatte er seine „Feuerprobe” bereits in der SA bestanden, deren Mitglied er im Spätherbst 1932 wurde KARRIERE EINES MOERDES Seine wirkliche , Karriere” begann jedoch erst mit dem Beginn des zweiten Weltkrieges und dem Einfall der deutschen. Armee in Polen. Maximilian Beigart diente in dem berüchtigten SD, in jener Polizeihuppe, die für die Sicherheit der deutschen Besatzungsarmeen zu sorgen hatte und ihrer Aufgabe vor allem durch die erbarmungslose Drangsalierung der einheimischen Bevölkerung gerecht zu werden versuchte. Es gab natürlich auch im Jerusalems Supermarkt eröffnet Jerusalem. — Jetzt hat auch Jerusalem seinen Supermarkt im Selbstbedienung, und die Einwände, die noch vor kurzem bei der Eröffnung der ersten lokalen Läden in Israel zu hören v/aren, sind mehr und mehr verstummt. Auch dort bemühen sich die kleinen Ladengesel fte, im W ettbewerb mitzumachen und den Stand, ard ihrer Länden mit dem Vorteil persönlicher Bedienung und auch des Kredits zu heben. Der Andrang zum neuen Geschäft nahm heftige Formen an. Am Nachmittag musste man schliessen, damit diejenigen, die bereits im Laden waren, bis zum Abend ihre Einkäufe beenden konnten. (AWZ) von KURT KAISER-BLUETH SD Menschen, die ihre Gefühle nicht völlig verloren hatjen und versuchten, im engen Rahmen des Möglichen noch halbwegs Menschen zu bleiben, aber andere, die nichts anderes als Mörder und Sadisten in Uniform waren. Zu der zweiten Kategorie gehörte zweifellos Beigart. Er war der Schrekken der Bevölkerung. Seine Grausamkeit war sprichwörtlich. Vor allem die polnischen Juden sahen in ihm einen wahnen Teufel, der sie mit einem geradezu bestialischen Hass verfolgte. Wenn er einen Juden vor seinen Revolver bekam,, legte er ihn um. Seine Beiname „Der blutige Max" war nur zu berech. tigt. Hunderte von Menschen hatte der „blutige Max” auf dem Gewissen. UNGEZIEFER UND „JUDENPROBE" Wieder eine Verhaftung Frankfurt, a. M. — Die hiesige Behörde gab bekannt, dass Otto Huntsche, ehemaliges Mitglied des unter dem Befehl Eichmanns stehenden Sonderkommandos, in einer Stadt in Westfalen verhaftet und in das frankfurter Gefängnis eingeliefert wurde. Der 49 jährige Anwalt Huntschc war SS-Sturr.'.- bannfühier und wird beschuldigt, viele ungarische Juden nach Auschwitz deportiert zu haben. Er wurde von Eichmanns Adjutanten Hermann Krumey denunziert, der gegenwärtig von der Staatsanwaltschaft Frankfurt - •’i-Wirt wird. UTA'' „Juden muss man ausmerzen wie Ungeziefer!” pflegte er zu sagen, und nach dieser Maxime der „Ungeziefer. Veitilgung” handelte er. Beigart spielte bei mehreren Strafexpeditionen gegen die jüdische Bevölkeiung eine besondere Rolle. Bei einem Ueberfall auf ein jüdisches Viertel in Lublin drang er, mit mehreren Kumpanen, in die Häuser ein und stach mit dem Seitengewehr seine Opfer nieder, die gellend um Hilfe schrien. Weder Kinder noch Frauen verschonte der Unhold. Seine Spezialität war die sogenannte „Judenprobe”. Sie bestand darin, dass man jüdische Männer auf öffentliche Plätze schleppte, ihnen die Kleider auszog und die völlig Entblössten dann mit den Stiefeln in die Hoden trat. Es würden ganze Zeitungsseiten dazu gehören, die Verbrechen des Beigart im Detail zu schildern. Aber als ¡der Zusammenbruch kam, |war der „blutige Max” ver- I schwunden. Man wusste J nicht, ob er im letzten Auj genblick noch umgekommcn und der Rache der Partisanen zum Opfer gefallen oder im besiegten Deutschland, wie so viele andere, untergetaucht war. IN EINER NEUEN HAUT Aber Maximilian Beigart entkam 1945 unvcrdienterweise der irdischen Gerechtigkeit. Er änderte seinen Namen und begann als Franz Kramer eine neue Existenz. Eine Existenz, die ihn steil nach oben führte. Er bekümmerte sich nicht mehr um Politik und war viel zu klug, um sich in den neonazistischen Organisationen zu betätigen, die im Nachkriegs, deutsehland in ein kümmerliches Dasein getreten waren. Franz Kramer war ein ideenreicher Geschäftsmann, der vom Segen des 1949 anlaufenden Wirtschaftswunders weitgehend profitierte. Er machte „Import und Evport”, sicherte sich, als angeblich Heimatvertriebener mit prima falschen Papieren reichliche und langfristige Kredite und wurde bald ein sehr vermögender Mann. Während gegen Maximilian Beigart ein polnischer Steckbrief wegen vielfacher Kriegsverbrechen an Polen und Juden lief, war Franz Kramer, ein freundlicher und stets gutgelaunter Kaufmann, eine Existenz mit einer völlig blütenweissen Vergangenheit. Er war überall gern gesehen, ein munterer, wenn auch ein wenig lärmender Zecbkamerad und ein unermüdlicher Arbeiter, der in seinem schweren Mercedes durch die Bundesrepublik rollte, um geschäftliche Kontakte aufzunehmen. Franz Kramer war ein Grossverdiener. Sein Geschäftsradius dehnte sich bald auf das Ausland aus. Er war in Paris, in Brüssel, in Amsterdam und in seinen Ferien an der Riviera oder auch in Italien. Nichts fehlte dem erfolgreichen Franz Kramer zu seinem Glück. Er hatte eine komfortable Villa in einer grossen süddeutschen Stadt, die er sich auf eigenen Grund und Boden hatte bauen lassen, eine gutgewachsene Frau und zwei Kinder. Seine Gesundheit liess nichts zu wünschen übrig, er hatte einen ausgezeichneten Schlaf und, versteht sich, keinerlei Gewissensbisse. Der „blutige Max” war tot, und Franz Kramer war ein integres und integrales Produkt der deutschen Nachkriegszeit. DIE RECHNUNG GING NICHT AUF Und doch ging die Rechnung nicht so einfach auf. Diese aufreizende Geschichte der auf Höchsttouren prosperierenden Unmoral hat kein happy end, und der Mörder unter falschem Namen, der nichts mehr zu riskieren schien und auf ein restliches Leben ohne Unfall und mit einem Maximum an Komfort mit fast absoluter Sicherheit zählen konnte, wagte alles und verlor. Weshalb wohl? Das wird niemals mehr zu klären sein. War es die perverse Sucht am Vabanquespiel, die ihn dazu trieb, die Füsse in die Höhle des Löwen zu setzen? War es der geheimnisvolle Trieb des Unterbewusstseins, der unter der glatten riiTd friedlichen Oberfläche der neuen Existenz den Verbrecher zwang, wieder an den Tatort seiner blutigen Exzesse zurückzukehren? Diesen letzten faux pas des raffinierten Spielers Max Krämer, alias Maximilian Beigart. zu enträtseln, müsste Sache der Psychologen sein. Sicher ist, dass nichts Materielles und Konkretes Max Kramer veranlasst hat, in Polen einzureisen Er hatte keinerlei geschäftliche Kontakte zu polnischen Firmen und hat auch in den zwei Wochen, die er unerkannt in Polen verbrachte, nicht versucht, neue geschäftliche Beziehungen nach dieser Seile hin aufzunehmen. Sicher ist nur, dass er als Franz Kramer, Import und Export, ein Visum nach Polen verlangte und erhielt. Erfuhr erst nach Warschau und amüsierte sich gut in den Naehtlckalen der polnischen Hauptstadt, war dann zwei Tage in Lodz, wo sein Aufenthalt seltsamerweise in keinem Hotelregister verzeichnet war, und kehrte für drei Tage nach Warschau zurück. Dann hielt er es offenbar nicht mehr aus und fuhr — und hier schürzt sich der psychologische Knoten dieser unheimlichen und schuldreichen Existenz, nach Lublin. IN DEN RUINEN DES JUDENVIERTELS Hier wurde der „blutige Max” mehrfach gesehen, wie er die Ruinen des ehemaligen Judenviertels durchstöberte. Am vierten Tage seines Aufenthalts in dieser Stadt wurde Maximilian Beigart von einem seiner überlebenden Opfer erkannt. Der Mörder versuchte erst zu leugnen, wobei er den be. leidigten Gentleman spielte, Tel Aviv. — Dr. Nachum Goldmann wandte sich in. einer Rede über den 25. Zionistehkongress gegen die kritischen Aeusserungen Ben Guvions. der vor einigen Tagen in der Knesset erklärte, er zweifle, dass die Bezeichnung „zionistisch” für diesen Kongress zutreffe. Dr. Goldmann unterstrich, dass die zionistische Bewegung noch heute die doppelte Mission zu erfüllen habe, Millionen von Juden. die einer Zuflucht bedihfen oder nach Israel zu gehen wünschten, nach Israel zu bringen und diejenigen Juden. die in anderen Ländern leben, enger an Israel zu binden damit sie Israel ak Mittelpunkt des Lebens des ganzen jüdischen Volkes betrachten würden. Obwohl Ben Gurion dies nicht sc offen ausgesprochen habe, führte Dr. Goldmann aus. so hege er doch die Absicht, dass die israelische Regierung die Förderung der Kolonisation in Israel und die jüdische Erziehung in den jüdischen Gemeinden im Ausland übernehmen solle, Gold, mann vertrat den Standpunkt, dass dies keine Regierung im Ausland zulassen werde und noch weniger die im Ausland lebenden Juden. Er fügte hinzu, selbst wenn man zugeben wolle, dass die heutige Form der zionistischen Organisation nicht ideal sei, so müsse doch jeder Versuch, eine neue Organisation zu schaffen, ein Chaos verursachen-und eine Leere in der zionistischen Tätigkeit hinter-' lassen. Nicht nur Israel würde hieraus keinen Nutzen ziehen, so stellte Goldmann fest, sondern angesichts des m«. sigen wirtschaftlichen Fortschritts und der Lockerung der religiösen Bande wäre der Fortbestand des jüdischen Volkes als solches bedroht. Dr. Goidmann sprach über eine Stunde in einer Konferenz, die von dem Informationsbüro der Regierung veranstaltet wurde. (ITA) Aus aller Welt Ungerechte Verteilung von Fonds Jerusalem. — Der Schatzmeister der Jewish Agency, Dow Joseph, erklärte der Mission der Einheitskampagne aus Toronto, dass die Schulden der Jewish Agency seit dem letzten Zionistenkongress vor 4 Jahren sich um 100 Millionen 1L vermehrt haben. In diesem Zeitraum verausgabte die Jewish Agency 950 Millionen IL für die Absorption von 190.000 Einwanderern. Joseph wandte sich gegen die Ratschläge, die Jewish Agency müsse „innerhalb ihrer Mittel leben’’ und beder einem Irrtum zum Opfer . , . gefallen ist. Dann, plötzlich, L^ brach er zusammen und ge Krnennung eines Botschafters Jerusalem. — Die Ernennung von E)iahu Sasson zum israelischen Botschafter in der Schweiz wurde vom Aussen ministerium bekanntgegeben. Snssnn, der an die Stelle von Joseph Linton tritt, war seit 1953 Botschafter;n Rom und vorher Minister in Ankara. (ITA) stand seine wahre Identität. Er hat im Verlauf der Voruntersuchung niemals aussagen wollen, weshalb er nach Polen zurückgekommen ist, und was ihn vor allem veranlasst hat, ausgerechnet nach Lublin zu gehen, wo er mit einer Entlarvung am ehesten rechnen musste. Es ist nicht sicher, dass Belg—t gewusst hat, dass ein Steckbrief gegen ihn lief. Aber er war intelligent genug, um nach der Schwere seiner Vergangenheit annehmen zu müssen dass ein Steckbrief gegen ihn lief. Erwiesen ist, dass er sich nicht nach Polen begeben hat, um dort au konspiriere; . Man stellte die Hyiinr.ie.se i auf, dass ihn die V o -hing zu einer Frau nee. Lublin zurückgezogen haben Künn \ Eine Verbindung, die sein Verhängnis wurde. Aber auch dafür haben Untersuchung und Prozess keine Beweise erbracht. Der „blutige Max” wird das Geheimnis seiner späten Sühne, dm im Grunde sein Werk war, mi' i in sein Grab nehmen. ren gerechten Anteil an den jüdischen Wohifahrtsfonds zugeteilt bekäme. Er hielt den Juden aus Toronto vor, dass ihre Gemeinde beim jüdischen Hilfswerk 100 Dol. lar im Durchschnitt pro Person aufwende, während die Jewish Agency nur 50 Dollar für eine siebenköpfige Familie zur Verfügung zu stellen imstande sei. UTA) Synagoge wird abgerissen Amsterdam. — Hier wird die nicht mehr in Gebrauch stehende Synagoge in der Linaeus-Strasse abgerissen, um einem Wohnblock Platz zu machen. Das Innere der Synagoge war stark beschädigt, das Äussere noch intakt. Die Synagoge war indes für die stark dezimierte jüdische Bevölkerung zu gross geworden, und eine kleine Synagoge wurde in einer Wohnung eingerichtet. — (AWZ) Schwimmbad im Kibbuz Tel Aviv, — Kfar Hanassiy ein Kibbuz an der Grenze im Obergalil, in dem vorwiegend Siedler aus England, viele frühere deutsche Juden und Juden aus Australien leben, hat aus gemeinsamen Mitteln, zum Teil aus Wiedergutmachungs- - GeL dern, ein Schwimmbad eingerichtet, das 300 Personen Platz bietet und mit dem angesehlossenen Restaul ations. betrieb sicher eme Attraktion für Besucher des Landes werden wird. Hauptsächlich jedoch soll das Bassin den Insassen des Kibbuz die» nen, in dem viele kleine Kin» der, eine mittlere Genera^ tion von Jugndlichen und „Alte”, die etwa bis 35 Jahre alt sind, leben. (AWZ) Ladeninhaber wehren sich Jerusalem. — In den Bezirken Jerusalems um die Jaffa-, King George- und Jehuda-Strasse, für die seit kurzem Verkehrsvestriktionen eingeführt worden sind, wehrten sich die Ladeninhaber in einer zweitägigen Ver. dunkelung gegen die ihre* Geschäfte störenden Massnahmen. Sie stellten vorläufig erst ihre Minimalforderung gegenüber der Schliessung der Strassen für private Fahrzeuge und zu gewissen Stunden auch für Geschäftsfahrzeuge, gaben jedoch dabei kund, dass sie die Aufhebung der Restriktionen überhaupt anstrebten. Die Strassen, die sonst am Abend Promenade für viele Menschen sind, waren menschenleer. (»AWZ) jslvo de la Propiedad Intelectual No. 650.«35 Impreso en Ja Imprenta POLIGLOTA — Corrientes 3114