Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1828 (18.11.1960)
- Date
- 1960-11-18
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/9616703-9611224-9611995--0881-9612003- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Î?î H a ** Ä t* e Um« <U FRANQUEO PACI ADO Concesión 909 TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 Año XXI. BUENOS AIRES, VIERNES 18 DE NOVIEMBRE DE 1960 No. 1828 EL EJEMPLAR en toda 1s República Buenos Aires PUEYRREDON 2190 1? T. E. 83 . 2613 3, wq. ung von NS-Verbrechern von ROBERT M. W. KEMPNER Der illegale Deutschland, besuch des wegen Rassenhetze, Beleidigung des Andenkens Verstorbener usw. vom Gericht in Offenburg rechtskräftig verurteilten, aber flüchtig gewesenen ehe. maligen Studienrates Panliche Beteiligung an Judenmorden als politische Straftat angesehen wurde. In einem solchen Falle wurde erst vor mehreren Jahren die Auslieferung des ehemaligen Legationsrates Horst Wagner vom Auswärkraz Zind schlägt heute noch jtigen Amt, der sich sich in Italien befand, abgelehnt. Horst Wagner ist später frei, willig in die Bundesrepublik zurückgekehrt, weil er anden Sterbeurkunden die Mordtaten zu verschleiern. Er soll dafür gesorgt haben, dass mit Todesangaben wie „Lungenentzündung-* usw\, die Morde getarnt wurden. Wenn diese Todesurkunden dann bei den Vormundschaftsgerichten eingingen, wurden sie von den Vormundschaftsrichtern die die Akten über entmündigte Personen führten, einfach zu 'nahm, ihm Könne nichts pas. den Akten (z.d.A.) gescbriejsieren. Gegen ihn läuft ein jben. Damit wurden dann die Akten gehohe Wellen. Nachdem er von der italienischen Polizei in Neapel mit Hilfe von Seeleuten eines Schiffes des Staates Israel, das gerade im Hafen lag, verhaftet worden ist, hat der deutsche BundesiVerfahren wegen seiner an- ¡gerichtlichen justizminister Schäffer einen; geblichen Beteiligung an der j schlossen. Auslieferungsanlrag gestellt- Endlösung der Judenfrage, j jn der Untersuchung spielt Gleichzeitig wurde von Ab- Ausserdem ist gegen ihn von! ¿ie prage eine Rolle, ob dageordneten der SPD und der der Staatsanwaltschaft in Vormundschaftsrichter, FDP im deutschen Bundes- ¡Essen Anklage wegen seiner | die ejnfach den Vermerk „zu tag eine Anfrage an die Re- .angeblichen Beteiligung an >den Akten** gemacht hatten, gjerung erwogen, wie es ' der Ermordung des knegsgemöglich sei, dass ein Zind jfangenen französischen Geunbebelligt in die Bundesrejnerals Maurice Mesny erhopubiik ein- und wieder aus- ’ben worden. Gegen eine reisen konnte, während die Kaution von 80.000 DM wur- Grenzbeamten innerhalb des 'de Wagner mit der Untersuletzten Jahres 220.000 Reii chungshaft verschont. Der sende, die keine ausreichen. Mitangeklagte, Oberst Meu- Wochenmarkt in Jerusalem N www - WAst s >^^s'*','*’*’*s','r^*:'^,''v'*Y1ii,fil'l>'li*Vitirñ:rr¿:-Vi:*-'--:,-:*:'::1 de Grenzübertrittspapiere hatten, nicht über die Grenze gelassen hätten. KEINE AUSLIEFERUNG ZU ERWARTEN Vor dem deutschen Fernsehen hat der Bundesjustizminister Schäffer darauf aufmerksam gemacht, dass nach dem deutsch _ italienischen Auslieferungsvertrag von 1952 keine Auslieferung wegen politischer Delikte erfolge. Er bat deutlich zum Ausdruck gebracht, dass im vorliegenden Fall aus juristischen Gründen kaum eine Auslieferung zu erwarten sei Das westdeutsche Justizministei hmi hat bereits in zahlreichen anderen Fällen schlechte Erfahrungen mit Ausliefrrungsbegehren gemacht, weil sogar die angebrer, der früher im Kriegsgefangenenwesen tätig war, hat eine Kaution von 20.000 DM stellen müssen. Wegen seiner Beteiligung an dem sogenannten Euthanasieprogramm. durch das sogenannte „nutzlose Esser“ darunter auch zahlreiche Juden. in Sanatorien und Heilanstalten vernichtet wurden, ist in Dortmund von der Staatsanwaltschaft ein leiten, des Mitglied der Reichsarbeitsgem msehaft für Heil- und Pflegeanstalten, der Kaufmann Friedrich Tillmann verhaftet worden. Innerhalb dieser Mordorganisation. die leider immer noch fälschlicherweise als „Euthanasieprogramm“ be- | zeichnet wird, war es angeb-! lieh Tillmanns Aufgabe. I durch gefälschte Angaben in Retterin jüdischer Kinder Unter dem Titel: „Sie handelte Eichmann 10.000 Kinder ab” berichtete die „Schweizer Illustrierte Zeitung*’ davon, wie Frau Gertruda Wijsmuller, eine nichtjüilische Holländerin, 1988 auf Ansuchen eines englischen Flüchtlings - Comités mit Eichmann in Wien über dm Ueberlassung von 10.000 J, nkindern verhandelte. Es war ihr gelungen, die Kinder freizubekommen und sie so vor der Gaskammer zu retten. Eichmann, der ihr zuerst nur 600 Kinder „unvertraut” hatte, hatte die energische. kurz angebundene Frau aus Amsterdam einfach unterschätzt und ihr nicht zugetraut, dass es ihr gti.!- gen werde, die Kinder unterzubringen. Als es ihr aber doch glückte, hatte er sich verpflichtet gefühlt, sein Wort zu halten. Frau Wijsmuller gab sich mit diesem Erfolg nicht zufrieden. Sie war eine der ganz wenigen, die schon in den frühen dreissiger Jahren Vorstand. Bis zur Invasion Hollands im Frühling 1940 führte sie mit Eichmann ihren Kampf um Menschenleben. Den wiener Kindern liess sich andere Flüchtlingstransporte folgen; wiederholt brachte sie einzelne kleine Emigranten unter sehr dramatischen Umständen unter. Auslieferung gefordert Paris. — Mitglieder mehrer Frontkämpfer., und Widerstandskämpfer - Organisationen Frankreichs haben kürzlich die Auslieferung des ehemaligen SS-Generals ’Lammerding gefordert, der für die Kriegsverbrechen von Tülle und Oradour im Jahre 1944 verantwortlich gemacht wird. 1951 war Lam. merding von einem französischen Militärgericht in Abwesenheit zum Tode verurteilt worden. Er soll vor kur. von der wahren Todesursache, nämlich der Ermordung; wussten und deshalb jetzt ebenfalls zur Rechenschaft i gezogen werden müssen, i Tillmann wird von dem ¡kölner Rechtsanwalt Dr. Reihert Servatius vertreten, der auch den verhafteten Adolf Eichmann in Israel verteidigt Tillmanns ärztlicher Vorgesetzter der verhaftete „Euthanasie-Arzt“ Prof. Hey de. der in Schleswig-Holstein unter dem Namen Dr. Sawade lebte und als Gerichtsarzt Gutachten ausgestellt hat, befindet sich weiter in Frankfurt am Main in Haft. Sonderbarerweise hat die Strafkammer beim Landgericht in Flensburg die Eröffnung eines Hauptverfahrens gegen den Präsidenten des Landessozialgerichts in Schleswig, Dr. Ernst Buresch, abgelehnt, der den Euthanasie-Professor jahrelang als Gutachter beschäftigt hat, obwohl er wusste, dass j es sich um den gesuchten j Hey de handelte. Buresch war vorgeworfen worden, dass er durch die Eleschäftigung des Prof. Heyde unter dem falschen Namen Dr. Sawade diesen in strafbarer Weise begünstigt und ihr. auch zu falschen Aussagen über seine Person verleitet hat. Die Staatsanwaltschaft in Schleswig — hatte gegen den merkwürdigen Beschluss Beschwerde eingelegt. Die bayerische Justiz steht unter scharfer Kritik, weil der ehemalige Feldmarschall Ferdinand Schöner, „Hitlers letzter Marschall“, freigelassen wurde, obwohl er noch nicht einmal die Hälfte seiner 4Vfc jährigen Strafe wegen Totschlages verbüsst hat zu der er im Oktober 1957 vom Schwurgericht in München verurteilt worden ist. Der ehemalige Marschall war u. a. für schuldig befunden worden, im März 1941 ohne Einleitung eines Kriegsgerichtsverfahrens die Erschiessung eines Obergefreiten veranlasst zu haben, weil dieser angelrunken angetroffen worden war. War schon das damalige Urteil von 4 Vz Jahren ausserordentlich milde, so stimmt die SS IJ i ' -->4' *uw^| » Ein Spiessgeselle der Nazis zem an einer Versammlung ehemaliger SS-Angehöriger j jetzt erfolgte Entlassung aus in Niedersachsen teilgenom dem Gefängnis noch bedenk, begriffen, was den Juden bemen haben. (AWZ) llicher Der lettische Nazi- und SS-Fiihrer Herbert Cukors, der sich in Brasilien aufhält, beantragte im dortigen Innenministerium kürzlich zum zweiten Mal die Einbürgerung, wie vor einiger Zeit gemeldet worden ist. In. nenminister Armado Falcao forderte ihn auf. sich zu den vielen, von jüdischer Seite gegen ihn erhobenen Vorwürfen zu äussern. Da er dieser Aufforderung keine Folge leistete, wurde sein Antrag zum zweiten Mal abgelehnt. Cukors war im März 1946 in Begleitung seiner Frau, seiner beiden Kinder und eines 18jährigen jüdischen Mädchens in Rio de Janeiro eingetroffen und hatte erklärt, er habe als lettischer Offizier in der Kriegszeit vielen Juden das Leben gerettet, so auch der jungen Jüdin, die sich in seiner Begleitung befand. Daraufhin veranstaltete die „Vereinigung lettischer und litauischer Juden” in Rio einen Empfang zu seinen Ehren. Einige Monate später wurde aber festgestellt, dass er in Wirklichkeit zum grauenhaftesten Typ der Juden. möi'der gehört hatte, und für die Ermordung von 32.000 Juden im Ghetto von Riga die Hauptverantwortung getragen hat. Weiteres, vom newyorker Büro des Jüdischen Weltkongresses gegen Herbert Cukors gesammeltes Material erwies im Verein mit Erhebungen der „Föderation Jüdischer Vereinigungen” in Rio de Janeiro, dass Cukors zu den Führern eines Verbandes des NVrm-ns Perkonkrust gehört bat. der in Lettland 1933 gegründet Besuch aus Nationalchina London. — Eine nationalchinesische Militärmission hielt sich mehrere Tage in Transjordanien auf, um mili tärische Einrichtungen zu besichtigen. (AWZ) worden war und seit damals : mit antisemitischen Parolen j agierte. Als die Deutschen! dieses Land im Juni 1941 bej setzten, wurde er zum Haupt ¡assistenten von Victor Arajs j ernannt, der den Vorsitz in j der Organisation Perkonkrust führte, und von Himmler beauftragt war, das Ghet. to in Riga und die Juden in vielen anderen Städten der ¡baltischen Staaten „zu liqui- | dieren.” | Als Cukors aufgefordert wurde, sich zu diesen Bejschuldigungen zu äussern, i bestritt er sie zunächst, objwohl ein jiidischerseits nach ¡Rio gebrachter Zeuge, der (jetzt in New York lebende | frühere Rigaer Herr Patzkin, unter Eid erklärte, er habe beobachtet, wie dieser SS- Mann durch die Strassen Rigas ritt und dabei wahllos jüdische Männer. Frauen und Kinder über den Haufen schoss. Cukors gab zu, in einer Nazi-Organisation an prominenter Stelle tätig gewesen zu sein und keine Sympathien für Juden zu haben, „weil die Juden so viele Lettländer getötet hälten, als die Russen Lettland besetzten”; aber er bestritt jeden Mord. „EINIGE JUDENMORDE" GIBT ER ZU Jetzt hat er seine Taktik aber geändert. Um der Tatsache Rechnung zu tragen, dass die Oeffentlichkeit in Brasilien antikommunistisch eingestellt ist, erklärte er in einem Interview mit der in Rio erscheinenden Zeitung „O Jornal”, er gebe zu, „mehrere Juden totgeschossen au haben”, aber nicht aus Antisemitismus, sondern deshalb, weil es sich um jüdische Kommunisten gehandelt hätte, die nach der Besetzung Lettlands durch die Deutschen auf der Seite der sowjetrussischen Freischärler gegen die Wehrmacht kämpften. Gegen diese Freischärler sei „Perkonkrust” eingesetzt worden, und er könne nicht leugnen, in den Kämpfen, an denen er teilnahm, „wahrscheinlich auch Juden erschossen zu haben.” AUSLIEFERUNGS- K BEGEHREN ISRAELS? ' Cukors wird nach wie vor die Möglichkeit haben, in Brasilien z-u bleiben, obwohl ihm die Staatsbürgerschaft versagt ist, insbesondere, weil ein weiteres Kind von ihm in Brasilien geboren worden ist, Ungehindert wird er dort auch sein erfolgreiches Transportunter, nehmen weiter betreiben können, das er bei seiner Ankunft mit Geldern ge-* .gründet hatte, die er wahrscheinlich seinen jüdische* Opfern geraubt hatte. Der londoner „Jewish Chronicle’Y dem wir die vorstehend geschilderten Fakten entnehmen, schreibt am Schluss seines Berichtes: „Die einzige Möglichkeit wäre, dass die Auslieferung Cukors,von Israel verlangt wird. Ein Auslieferungsvertrag besteht zwischen Israel und Brasilien. Und es könnte sein, doss die brasilianische Regierung jetzt, unter dem Eindruck des Falles Eichmann bereit sein wird, Cukors aus« zuliefern.” Ausbau der Lebensmittelindustrie Bonn. — Die Handelsvertretung der deutschen So. wjetzone in Kairo hat den Auftrag erhalten, eine Studie über die Möglichkeiten einer Beteiligung der Sowjetzone am Ausbau der Lebensmittelindustrie der Vereinigten Arabischen Republik auszuarbeiten. Dabei soll vor allem die Beteiligung der fischverarbeitenden Industrie der VAR behandelt: werden. (AWZ) Registro de la Propiedad Intelectual No. 656.635 Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Corrientes 3114