Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1827 (15.11.1960)
- Date
- 1960-11-15
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
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onstanlin Brunners Weltbild Die Bedeutung Constantin IBiimners (Pseudonym für Leigiold Wertheimer) für die moderne philosophic liegt in erster Linie in der Tatsache, dass er Spinoza vollständig akzeptierte als den einen und einzigen Philosophen irgendeines Zeitalters, der die ewige Wahrheit über den Menschen und das Universum verstand und klar darslelite, und der von seinem kompromisslosen und ungewöhnlichen Gesichtspunkt au* die Ausarbeitung eines ptu Losophischen Systems unternahm, dessen Absicht es se_n sollte, in einem wesentlichen Masse zur menschlichen Freiheit und zum Gh-ck beizutragen und dem Menschen in seiner Suche nach dem rechten Weg des 'Lebens beizustehen. Indem er eine Position eituiahm, die heute in diesen Tagen des logischen Positivismus und der Semantik unmodern geworden ist, behandelte er einerseits die fundamentalen, klassischen Problem der Philosophie, während er andererseits danach strebte, seine .philosophischen Methoden *nd Deduktionen auf die brennenden Fragen des täglichen Lebens anzuwenden. So sind zwei seiner Hauptwerke dem Antisemitismus („Der Judenhass und die Juden') und den Beziehungen zwischen Mann und Frau .(„Liebe, Ehe, Mann und SWeib") gewidmet. Die relative Unbekannttieit von Brunners Werken ist teilweise auf die Tatsache Buciickzuführen, dass er, wie Spinoza, seinen philosophischen Arbeiten in Zurückgezogenheit oblag und ohne Öen Hintergrund irgendeiner offiziellen akademischen Position, und teilweise auf die Zeitumstände, in denen er ebte und die ihn zwangen, Haag Zuflucht vor einem )eutschland zu suchen, das;me Bücher verbrannte und ¡fiele seiner führenden Anja nger ermordete. Anderereits kann man sagen, dass die Notwendigkeiten der;it sind, In der wix leben, lie nun zu einer machtvollen Lederb.elebung des Interes- Ses an djth Mann und seinen gehren geführt hat. Constantin Brunner wurde 28. AU??tl#t 1862 in Altóla bei Hathburg geboren. Im fahre 19&8 ging er nach Ber. jn, wo er bis April 1933 lieb, als ihn das Naziregime wang, nach Holland nu Hielen. Ér liess sich im Haag von MICHAEL BULLOCK nieder und starb dort am Vorabend seines 75. Geburtstages, am 27. August 1937. Sein Grossvater Akiba Wertheimer, Oberrabbiner von Altona und Wandsbeck, war weithin fiir seine Gelehrsamkeit berühmt und übte grossen persönlichen Einfluss aus. Sein Vater, Mosche Wertheimer, war ein orthodoxer Kaufmann und bekannter Talmud-Gelehrter. In seiner Jugend war Brunner ein Schüler des orthodoxen Rabbiner-Seminars in Köln; aber nach einem Jahr änderten sich seine Ansichten, . und er verliess das Seminar, um Student an den Universitäten Berlin und Freiburg zu werden, wo er Philosophie und Geschichte, aber euch Biologie studierte. Im Jahre 1893 gründete er in Gemeinschaft mit Leo Berg eine Zeitschrift für Literatur und Kunst „Der Zuschauer’’; durch seine Tätigkeit als Herausgeber dieser Zeitschrift kam er in aktiven Kontakt mit einer grossen Zahl von berühmten deutschen Dichtern seiner Zeit, wie Richard Dehmel, Detlev von Liliencron, Otto Ernst u.a. In dieser Periode schrieb er eine ganze Anzahl von Gedichten, die er alle später vernichtete. Das Jahr 1895 war ein radikaler Wendepunkt in seinem Leben. Er heiratete Rosalie Müller, geborene Auer_ bach (er nannte sie Leonie), die ihm zwei Töchter aus ihrer früheren Ehe brachte. Zur gleichen Zeit zog er sich von der Zeitschrift „Der Zuschauer” zurück und auch vom öffentlichen Leben und widmete sich von nun an ausschliesslich der Ausarbeitung seiner philosophischen Ideen. Dank der Grosszügigkeit seiner englischen Freundin Frida Mond, geborene Lowenthal, der Mutter Lord Melchetts, war er für viele Jahre vom Kampf um das tägliche Brot befreit. Nach langen Jahren der philosophischen Arbeit veröffentlichte Brunner im Jahre 1908 den ersten Band seines monumentalen Werkes „Die Lehre von den Geistigen und vom Volke”, enthaltend zwei Halb-Bände und 1,168 Seiten (eine zweite Ausgabe wurde i.m Jahre 1927 publiziert). Brunners philosophisches System basiert auf der Lehr üiAiMöNioes i j»*/> * 1111 - 1104 IhrCcéCRkOiKk $ 650.— VERLAG OMEGA, BUENOS AIRES GURRUCHAGA UM — T. E. 71-6700 Zw b«deb«n durch alle einschlägigen Buch, handlungen und durch die JUKDISCHE WOCHENSCHAU »VRTRREDOH »M 1* — T. K. 03 061« re von den drei Gaben des Denkens: 1) Praktisches Verstehen; diese Art des Denkens umfasst die unbegrenzte Realität und wird in drei Formen ausgedrückt: Fühlen und Wissen; Denken; Wille, 2) Geist: das Denken der Wahrheit unseres Seins, der absoluten Realität, Die Formen, in denen sich dieses Denken selbst manifestiert sind Kunst, Philosophie. Mystik und Liebe. 3) Analogon: das fiktive Denken einer absoluten Realität, die tatsächlich überhaupt nicht real ist: die Formen analogen Denkens sind: Religion, Metaphysik und Moral. Dieses epochemachende Werk, das in dsr Hauptsache das praktische Verstehen behandelte und neue Fundamente für eine Psychologie legte, die auf einer Theorie der Begründungen beruhte, erweckte den Enthusiasmus von Männern wie Max Nordau, Walter Rathenau und Gustav Landauer. Brunner suchte diejenigen, die die Fähigkeit hatten, ihn zu verstehen, von den Fesseln falschen Denkens zu richtigem Denken zu führen und so ihren Willen zu klären und ihre Handlungen zu bestimmen. Brunners originelle Philosoph sehe Lehre, die nicht ausschliesslich an die Verstehenden gerichtet ist, sondern beabsichtigt, den ganzen Menschen zu seinem wahren Selbst zu erwecken, machte einen bleibenden Eindruck auf viele, besonders auf junge Menschen. Constantin - Brunner . Ge. Seilschaften wurden an vielen Plätzen gegründet und widmeten sich eifrig dem Studium seiner Lehre, Eine besonders zahlreiche und ak. tive Gruppe bestand in Czernowitz. damals die Hauptstadt der Bukowina. Aus dieser Gruppe kamen verschiedene Brunner . Anhänger, die auf literarischem Gebiet aktiv waren, besonders Lothar Bickel, Schlomo Ball. F. Andermann und J. Eisenstein. Seit 1938 besteht eitle aktive Brunner-Gruppe ln Israel, die regelmässige Zusammenkünfte zum Studium von Brunners Philosophie hält. Im Jahre 1910 erklärte Brunner seine totale Anhängerschaft zum Spinozismus und zwar in einem Pamphlet, betitelt „Spinoza gegen Kant — und die Sache der geistigen Wahrheit", eine nachdrückliche Polemik gegen Kants Scholastizismus und eine Bestätigung Spinozas, den er als den Philosophen par excellence und dessen Lehre als die höchste Darstellung der Wahrheit für den Menschen und das Universum bezeichnete. Das Jahr 1918 sah die Veröffentlichung seines umfassenden Werkes „Der Judenhass und die Juden” (dritte Auflage, Berlin 1919), in dem er den Antisemitismus analysierte. Er demonstrierte, dass die Ursache nicht in den Gehassten, sondern in den Hassern liegt, und dass das Objekt des Hasses nur als eine Gelegenheit für den Austausch eines vorher existierenden Hasses dient. Der Judaismus und das Christentum, das ihm entsprungen ist, werden als die wahre Basis der europäischen Zivilisation und Kultur dargestellt. Dieses Werk erklärt den menschlichen Egoismus als das Fundament allen individuellen, sozialen und po. litischen Lebens und greift heftig die „Schwarz-Weiss- Moral” an, die die eigenen Handlungen a priori als weiss bezeichnet und die anderer, fremder Menschen, als schwarz. Er fordert eine wahre Ethik, die jedermann erlaubt, in Uebereinstimmung mit seiner eigenen Na_ tur zu leben, solange er nicht die Staatsgesetze verletzt und keine Forderungen an andere stellt, sondern an sich selbst, und er ruft den Menschen auf, sich seines eigenen Selbst, des Ewigen in ihm Lewusst zu werden. Brunntrs Haltung zur jüdischen Frage erregte viel Opposition in jüdisc en Kreisen, besonders seine scharfe Ablehnung des Zionismus und seine Befürwortung eines extremen assimilatorischen Standpunktes. Aber „Der Judenhass und die Juden” wird für immer die definitive Formulierung all dessen sein, was über das Thema Antisemitismus zu sagen ist. Sein ganzes Leben hindurch war Brunner mit dem Problem des geistigen Judaismus und des Schicksals der verfolgten Juden beschäftigt. Er schrieb eine An. zahl anderer Bücher über diesen Gegenstand, unter ihnen „Memschelet Sadon oder letztes Wort über den Judenhass” (1920), dessen erstes Kapitel eine meisterhafte Analyse der menschlchen Urteilskraft und ihrer Abhängigkeit vom Selbst-Interesse enthält, besonders des Dranges nach Selbst-Bestätigung, „Von den Pflichten der Juden und den Pflichten des Staates” (1930t, „Höre Is_ rael und Höre Nichtisrael!”, „Die Hexen” (1931) und verschiedene kürzere Pamphlete und Esays. Unter seinen sein philosophischen Schriften, abgesehen von der bereits erwähnten „Die Lehre”, müsen besonders „Unser Christus oder das Wesen des Genies” (1921) und „Materialismus und Idealismus” (1928) genannt werden. Diese Werke besitzen grosse Originalität und Gedankentiefe, sind in einem ausgezeichneten Stil geschrieben, atmen prophetische Kühnheit und regen den betrachtenden Menschen an, klar und kritisch über sich selbst und die Weit zu denken, ihn aus dem Materialismus, der notwendigen Grundlage unseres Lebens, hinauszuführen zum „Idealismus”, dem Geist, zum „denkenden Geschöpf” — eine wesentliche Bezeichnung in Brunners Philosophie —, das uns und die Welt denkt. Unser Egoismus, der zum Leben, zur Erhaltung der Gesellschaft, des Staates und der Spezies, notwendig ist, wird gemildert durch das Nachdenken über das Ewige, das in jedem Menschen latent ist. sch aber unter den vergänglichen Interessen des Egois. mus. des Geistes des Zeitalters und der umwohnenden Gesellschaft verbirgt. Bedeutende Werke, in denen Brunner allgeme ne menschliche Probleme vom hohen Gesichtspunkt der Philosophie aus betrachtet, sind „Liebe, Ehe, Mann und Weib” (Berlin 1928) und „Aus meinem Tagebuch” (Berlin 1828), das gleichzeitig mit „Materialismus und Idealismus” erschien. Im ersten dieser Bücher wird die Liebe mit der Ehe verglichen. Liebe ist nur eine Fra. ge der Art, nicht die Person wird geliebt, sondern die Art in ihr; daher ist die Liebe von Natur aus untreu gegenüber einer bestimmten Per- LITERATUR Israelischer Stufen Der Internationale Studentenkongress in Tokio begann mit der üblichen Eröffnungs - Zeremonie, bei der jeder Delegierte eine kurze Ansprache hielt. Am nächsten Tag begann die Diskussion über das General-Thema: „Sicherung der Zusammenarbeit der Jugend durch gegenseitige Verständigung“. Die Debatte war naturgemäss weniger auf praktische Ziele ausgerichtet als der Ausdruck einer wohlwollenden Gesinnung. Die Mehrzahl der Delegierten kommt aus den Ländern des Fernen Ostens, wie Burma, Ceylon, Indien, Nepal, Hongkong. National-China, aber auch aus dem Irak und der Vereinten Arabischen Republik. Aus dem Ostblock war niemand erschienen, was jedoch die Anwesenden nicht hinderte, über Kultur, austausch mit den Ostblock- Ländern und sonstige Beziehungen zu ihnen zu diskutieren. Ich vertrat die Studenten Israels. Für die Debatten waren wir an fünf getrennten Tischen plaziert: die Japaner, deren Art es ja ist. Konflikte möglichst zu vermeiden und die in dieser Tendenz nachahmenswerte Meister sind, hatten dafür gesorgt, dass ich nicht etwa am „arabischen“ Tisch sass. Diese Planung, die sich auch in anderen organisatorischen Details äusserte. trug nicht wenig zur Freundlichkeit der Atmosphäre bei. Für mich selbst gab es die recht erfreuliche Ueberraschung, dass ich, da jeder Tisch einen Vorsitzenden zu wählen hatte, zum Chairman meines Tisches vorgeschlagen und einstimmig akzeptiert wurde, was mich umso mehr wunderte, als ich mich nur wen g an den Diskussionen beteiligt hatte und der Vorschlag vom Delegierten Singapores kam. son und kann häufig von Person zu Person wechseln. Ehe ist demgegenüber die Vereinigung zwe er Egoisten, ein gemeinsames Leben auf der Basis gemeinsamer Inter, essen zu führen; je zahlreicher und bestimmter die gemeinsamen Interessen jeder Art sind, umso dauerhafter und besser wird d'e Ehe sein. Im Jahre 1924 erschien das Buch „Vom Einsiedler Con. stantin Brunner” in drei Teilen unter den Titeln "Von meinem Leben und Werk”, „Unser scholastisches Training” und „Das Missgeschick unseres deutschen Volkes und unser nationaler Charakter”. Der ersie Teil enthält interessante autobiographische Notizen. Nach Brunners Tode wurden die folgenden bedeutenden Werke aus seinem literarischen Nachlass von Dr. Lothar Bickel, den Brunner zu seinem literarischen Testamentvollstrecker ernannt hatte, herausgegeben: „Unser Charakter oder ich bin der Richtige" (Zürich 1939); „Kunst, Philosophie, Musik — Gesammelte Aufsätze” (Zürich 1940); und „Der entlarvte Mensch” (Den Haag 1951). Das Internationale Constantin.Brunner-Institut, das in 0en Haag im Jahre 1947 von URY EPSTEIN einem Staate also, zu dem wir keine diplomatischen Beziehungen haben und dessen offizielle Religion mohammedanisch ist. Als die Delegierten aufgefordert wurden zu berichten, ob und wie die Studenten in ihren Heimatländern an den Angelegenheiten des Staates teilnehmen — ein Problem, das gerade jetzt in Japan dadurch besonders aktuell geworden ist, dass fast alle Demonstrationen der letzten Zeit im wesentlichen Studenten-Demonstrationen waren —, hjeit ich es für richtig, darüber zu referieren, dass sich bei uns Studenten in den Zentren der neuen Einwanderer für verschiedenartige Aufgaben zur Verfügung stellen. Es lag nahe, bei dieser Gelegenheit den Anwesenden ein wenig von den Problemen der neuen Alija darzustellen. Dies veranlasste eine Australierin, die nach mir sprach, mit Bedauern festzustellen, dass bei ihnen die Bereitschaft von Studenten, freiwillig an gemeinnützigen Dingen mitzuhelfen, weit geringer sei. Später wurde der Kongress von Tokio nach Yokohama verlegt, wo man für Unterbringung in Privathäusern gesorgt hatte. Hier gab es fiir mich eine weitere Ueberraschung: mein Gastgeber war die Familie einer japanischen Studentin, die sich ausdrücklich den israelischen Delegierten als Gast erbeten hatte. Ihre Beziehung zu Israel hatte sich aus einer durch ein Zeitungs-Inserat entstandenen Korrespondenz mit einem ihr persönlich garnicht bekannten Mädchen aus Haifa entwickelt. Man zeigte mir im Hause mit viel Stolz ein Photo-Al bum aus Israel, eine Pessach-Haggada gegründet wurde, plant nun eine Neuausgabe der Gesammelten Werke dieses grossen Philosophen, da alle seine Schriften, die während seiner Lebenszeit erschienen, ohne Ausnahme von den Nazis zerstört wurden. Der erste Band dieser neuen Ausgabe „Unser Christus oder das Wesen des Genies” wurde im Jahre 1958 im Verlag von Kiepenheue & Desch veröffent'icht. Im Jahre 1957 wurde eine Anthologie aus Brunners Schriften in hebräischer Uebersetzung und mit einer Einleitung von A. Berman (247 Seiten) in Tel Aviv unter dem Titel ..Haphilosophia schel Constantin Brunner" veröffentlicht. hem u ver# ja] zeo, d Leute Es wiederholte sic kleinerem Masstab ich einige Woche bei einem japanisi fessor erlebt batte: rer Herr, Dozent schichte, einer der mer an meinen H Kursen (alles mehl Japaner), hatte m wiederholt aufgefor seine Bibliothek i Hause im Dorfe Yt Zusehen. Es ergab; wirklich eine Gei und der Professor v eine Sammlung von Es war das Aus; liebste, das man in e gefegenen Nest am nes japanischen Gel hätte erwarten kön Zimmer mit dicht darstellenden , an d reichenden Regalen eben nach Themen tegorien geordnet, wissenschaftliche V den verschiedenste chen - japanisch, h englisch, französisch usw. - über alle < chen Aspekte des Ju Ständen: Bibel. Ge hebräische Literatur ™>. darunter |uc vergriffene Bücher i\****m**^ MDS!K I < "bffi LIEBE ZU DI ORANGE»'' IM TE COLON LU ACH (K.l,tl Dienstag, den 15. November 25 „ Mittwoch, den 16. November 26 Donnerstag, den 17, November jj^chese Freitag, den 18. November jg **archesc Sonnabend, den 19. November r^chesc Parschat Toldot 1. B. M. X)(V. jg __ L*archesc Haftara I Schmuei Sonntag', den 20. November Montag, den 21. November 1. Dienstag, den 22. November 2, Mittwoch, den 23. November 3 Donnerstag, den 24. November 4 Sonnabend, den 26. November 6. jj