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Jüdische Wochenschau · 1960-11-11 · 1826 (11.11.1960) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1826 (11.11.1960)
Date
1960-11-11
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German, Spanish
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,8“ FRANQUEO PAGADO Concesión 908 5? ® *4 A a ß u >• ti < O TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 ISRAELITA Año XXI. BUENOS AIRES. VIERNES 11 DE NOVIEMBRE DE I960 No. 1826 EL EJEMPLAR« en toda la República - Buenos Aires PUEYRREDON 2190 19 i*q. T. E. 83 . 2613 Ben Gurion in der Knesset eir warnte Nasser Ben Gurion setzte an den Anfang der Knesset-Session im .13. Jahre des Staates einen ziisammeniassenden Ueberbliek über die bisherige Entwicklung und die Aufgaben des Staates Israel, Da diese die letzte Parlamentssession vor dem 13. Unabhiingigkeitstag ist, und 13 Jahre im Judentum Volljäh. rigkeit mit sich bringt, wollte er die Einordnung der Einwanderer, die Fortschritte der Wirtschaft, der Erziehung und der Gesundheitspflege und die Ergebnis, se der Siedlungspolitik, der Bemühungen im Sicherheitswesen und Israels internationaler Politik skizzieren. Obwohl es vier Mal Knesset-Wahlen und noch öfter Regierungsbildungen gab, blieb die Kontinuität des Regimes trotz der Veränderungen auf demographischem, wirtschaftlichem und dem Sicherheits-Gebiet gewahrt. Während all der Jah. re bemühte sich die Regierung, Israels historische Auf. gäbe zu erfüllen: Kibbuz Galujot und Verschmelzung der verschiedenen Einwanderergruppen; Wahrung der Sichet heit und des Friedens; Hebung des wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und moralischen Niveaus; Erreichung wirtschaftlicher Unabhängigkeit und Anknüpfung und Ausbau der Beziehungen 7.u nahen und fernen Staaten. An wichtigen Gesetzen, die cingeführt wurden und denen auch im täglichen Leben praktische Geltung verschafft werden musste, erwähnte der Ministerpräsident besonders das Erziehungsgesetz, das neun Jahre obligatorischen Schulunterricht vorsieht; das Gesetz über die Gleichberechtigung der Fi-auen; das Gesetz über den Beschätligurgsdienst. durch das die Arbeitsvermittlung verstaatlicht wurde; das Gesetz über Arbeitsstunden und Ruhetage; das Gesetz über Beilegung von Arbeitskonflikten; das Staatsdienst, und Nationalversicherungsgesetz. Die Regierung hatte die Sicherheits-, Wirtschafts-, Kultur- und Aussenpolitik des Staates im Geist ihrer Grundsätze laut Koalitionsvertrag zu lenken. Als zentrale Errungenschaf, ten nannte Ben Gurion die Einordnung der Massen-Einwanderung im jungen, von den Feinden angegriffenen und um seine Existenz ringenden Staat; die Besiedlung der Oedländereien und die Produktivierung der Bevölkerung in Stadt und Land, sowie di:- Angleichung der Einwanderer an d;e eingesessenen Bürger. Das Volk kann darauf stolz sein, dass diese Aufgabe bei den mittel, losen und zum Grossteil beruflich nicht vorgebildeten Einwanderern weitgehend erfüllt wurde. Unter den neuen Siedlungen gibt es etwa hundert Kibbuzim. Währen t :n dm 33 Jahren vorher Hü Kibbuzim gegründet worden waren von MEIR FAERBER, Tel Aviv d. h. drei jährlich, wurden in diesen zwölf Jahren etwa acht jährlich geschaffen, also last drei Mal soviel. Daher habe die Kibbuzbewegung keineswegs enttäuscht. Auch die anderen Formen des Siedlungswesens, die Kwuzot und die Arbeiterdörfer, verwirklichen hohe jüdische und menschliche Ideale, ebenso wie die Kooperativ-Bewegung, die bedeutende .Ausmasse angenommen hat und Israel zur Ehre gereicht. Ueber 107.000 Familien mit über einer! Viertelmillion Seelen fanden ihre Existenz in der ¡Kwuza, im Moschaw und in der Kooperativen; aber ihre Bedeutung liegt nicht nur in der Quantität, sondern vor allem in der Qualität, wie dies auch in Bezug auf die Universität, das Technikum und das Weizmann-Institut gilt. I Nie werden die Israelis 'sich mit den sechs arabij sehen Staaten mit ihrer Be. Ivölkerung von 30 Millionen , Menschen zablenmässig messen können; daher müssen sie ihr Potential durch Leistung und Qualität steigern. Deshalb kommt auch der erzieherischen Aufgabe des Militärs in Israel so grosse Bedeutung zu. Da aber das Militär nicht in einem Vakuum isoliert lebt, muss auch für die Bildung der Jugend in den Schulen und des Volkes überhaupt alles getan werden. Die Schülerzahl im Lande wurde seit 1949 verfünffacht. Auch die Weiterbildung nach dem schulpflichtigen Alter wurde auf breite Basis gestellt. Durch die zielbewusste Erziehung zu Moral und Idealen muss verhindert werden, die Hoffnung, die die Judenheit der Welt in Israel setzt, z-u enttäuschen. Dafür müssen vor allem die 'Lehrer der Volks- und Mittelschulen Verständnis aufbringen, denn in ihrer Hand liegt die Zukunft des jüdischen Volkes, und sie tragen die Verantwortung für die Charakterbildung der heran. waehsenden Generation. Ben Gurion wies auf die Bedeutung der Besiedlung des Negew und des Ausbaus von Etat für den Verkehr mit Afrika und Asien hin, wo zwei Drittel der Menschheit zu neuem, selbstbewusstem, politischem Leben erwachen. In den 70 Jahren zwischen der Gründung Petach Tikwas und der Ausrufung des Staates wurden 290 landwirtschaftliche Siedlungen geschaffen, in den zwölf Jahren seither weitere 454. In den letzten vier Jahren stieg der Agrar-Export von 45 Mi]li<nen IL auf 104,5 Millionen IL, also auf über das Doppelte. Israels Landwirtschaftsexport nähert sich bereits seinem Import von Agrarprodukten und wird ihn nach Vollendung des grossen Bewässeiungswerkes und der Verwirklichung der LandwirtschaitspJanung in Iden nächsten fünf Jahren übersteigen. Den halben Weg zur wirtschaftlichen Unabhängigkeit haben die Israelis bereits hinter sich, denn der Export stieg von 66 Millionen IL im Jahre 1950 auf 326 Millionen IL im Jahre 1959, somit auf das Fünffache, zuzüglich der indirekten Ausfuhr, die sich von 55 Millionen Dollar im Jahre 1955 auf über 111 Millionen Dollar im Jahre 1959 verdoppelte. Neben der 'Landwirtschaft hat sich auch die Industrie bewährt. Zwei grosse staatliche Unternehmungen, die Chemische und Kunstdüngerfabrik und das Elektrizitätswerk, zahlen in diesem Jahr nach voller Deckung der Amortisationsquote und der Zinsen 7 % Dividende aus. Das Pottaschewerk am Toten Meer und das Kupferbergwerk in Timna decken bereits ihre laufenden Spesen und arbeiten ohne Verlust. ln den nächsten zehn Jahren wird die Regierung in Entwicklungs-Unternehmen im Negew noch eine Milliarde IL investieren müssen, ausser einem gleichen Betrag von Seiten privater Investoren, um das Maximum aus den Bodenschätzen des Landes herauszuholen und weitere Industriezentren zu errichten. Dann wird die Bevölkerung des Negew um mindestens 200.000 Seelen zunehmen, und ein so.ches Hinterland ist für die Zukunft von Elat unerlässlich. Hierauf wandte sich Ben London. — Israels Aussenminister Goida Meir erklär« te in einer Audienz, die sie dem Korrespondenten der londoner Zeitung „Sunday Times-’ gewährte, ,Israel könne nicht passiv bleiben, wenn iigendein Land veisuchen solle, Transjordanien zu beherrschen, weil die Israelis die Anwesenheit fremder Truppen an den israelischen Grenzen nicht dulden würden.’’; Goida Meir verwies darauf, dass der Präsident der VAR Nasser „vorsätzlich das Ziel verfolgt-. Transjordanien zu beherrschen'” Sie fügte hinzu, dass Israel zwar nichts tun könne, um Tiansjordanien beizustehen, doch „wir verstehen die Position der Transjordanier.” — „Sollte allerdings dei in Tiansjordanien bestehende Status geändert weiden”, bemerkte Frau Meir, „so würde Israels Staatssicherheit, gefährdet, ln einem solchen Falle könnten wir nicht indifferent verharren.” Auf den Einwurf, tb eine Einmischung Nassers ¡n Transjordanien auf eine kooi dinierte transjordanisch-Israeli sehe Aktion stossen würde, entgegnete sie, dies sei ein „dummes” Gerücht. Sie äusserte hierzu: „Wir unterhalten zu Transjordanien keine anderen Beziehungen als zu irgendeinem anderen arabischen Land. Wenn Kairo derartige Versionen in Umlauf setzt, so wäre es angezeigt, nach den Gründen zu suchen, die hierzu Aniass gegeben haben.” ■ Der Korrespondent fragte Frau Meir, ob sie einen ernsten Zusammenstoss mit der VAR für unausbleiblich halte, worauf sie antwortete: „Das bängt einzig und. allein von Nasser ab. Wenn er den Frieden so lieot, wie er dies in seinen Reden vor den UN betont hat, so kann er ihn noch beute haben. Aber selbst in New York hat er nicht den Frieden im Mittleren Orient gepredigt Sein Prestige gründet sieh auf die von ihm verfolgte Politik, zur Vernichtung Israels aufzi rufen.” (IT.-r) ' jj Vor dem Wahlsieg Kennedys Washington. — Vizepräsident Richard Nixon und Senator John Kennedy vertraten scharf entgegengesetzte Ansichten über die Massnahmen, die angewandt werden müssten, um dem arabischen Boykott und der Diskriminierung entgegenzutreten, die die arabischen Staaten gegen jüdische USA-Bürger durchführen. Senator Kennedy erklärte, ¡wenn er zum Präsidenten 'gewählt werden sollte, so würde er seine Autorität geltend machen, um sich der erweiternden Zusätze zum Gesetz für gegenseitige Sicherheit zu bedienen, die ihm gestatten, Ländern, wel_ che in einem Wirtschaftskrieg gegen ein anderes Volk stehen, da? USA-Hilfe erhält, jegliche Unterstützung zu verweigern. Vizepräsident Nixon stellte dagegen klar, dass er, falls „r die Wahlen gewinnen sollte, von diesen dem Präsidenten zustehenden Rechten, keinen Gebrauch machen werde, da seiner Meinung nach „Sanktionen” eine gegenteilige Wirkung hervorrufen. Er bezeichnete es als „unwahrsefreinich”, dass irgendeine USA - Regierung den Standpunkt einnehmen könne, die „Verhängung von Sanktionen gegen eine j Nation sei der beste Weg ¡zur Erlangung ihrer Mitarbeit in der internationalen Bekämpfung von Vorurteilen.” Die Stellungnahme Senator Kennedys ist in einem Schreiben an den Amerikanischen Jüdischen Kongress enthalten, der ihn ersucht hatte, er möge sich darüber äussern, wie er sich zur Frage der Blockade des Suezkanals und der verschiedenen antijüdischen Massnahmen stelle, welche die Araber gegen die Juden durchführen. Der demokratische Kandidat betonte, er gedenke, sich auf die Zusät. ze zum Gesetz für gegenseitige Sicherheit zu stützen, und fügte hinzu, er werde auch auf die zwei Mal vom Senat ausgesprochene Aufforderung zurückgreifen, dass der Präsident für den Schutz aller USA-Bürger gegen die seitens ausländischer Regierungen ausgeübte Praxis der Diskriminierung sorgen müsse. Nixon richtete seine Erklärung an die jüdischen Kriegsveteranen, die ihn befragt hatten, welche Haltung ’ er zu dem Gebrauch der idem Präsidenten verliehenen jRechte zur Bekämpfung der von ausländischen Regierungen gegen USA . Bürger , durchgeführten diskriminatorisehen Massnahmen einnehme. llixon setzte die von ihm befürwortete „grundsätzliche Politik” zur Lösung der Frage der Dsikriminierungen im Mittelosten auseinander, die sich auf „unermüdliche und energische Bemühungen gründen müsse, um die Freiheit der Durchfahrt durch den Suezkanal zu erreichen und diskriminatorisehen Praktiken in diesem Raum ein Ende zu setzen.” Hierzu gehöre die Fortsetzung und Erweiterung der Hilfe für Israel und Massnahmen, um den arabischen Staaten zur Hebung ihres Lebensstandards zu verhelfen und ihnen die Möglichkeit zur Wiederansiedlung der arabischen Flüchtlinge zu bieten. Seiner Meinung nach, so unterstrich er, sei es „vor allem” notwendig, ununterbrochen und unermüdlich die Mittel und Wege zu suchen, die zu einem dauerhaften Frieden im Mittleren Osten führen können, denn „solange die Blockade aufrecht erhalten wird und USA-Bürger wegen ihres religiösen Bekenntnisses gewisse Länder nicht be_ treten können, wird der Nahe Osten eine Quelle von Spannungen bleiben, die den Weltfrieden gefährden.” — Gurion der Darstellung der grossartigen wirtschaftlichen sozialen und kulturellen Entwich ung der arabischen Minderheit im Lande, sowie den Problemen der Sicherheit und der Aussenpolitik zu. Er skizzierte die Entwicklung der UN anlässlich ihre 15jährigen Bestehens. Von 51 Mitgliedstaaten haben sich die UN auf 99 entwickelt, davon 26 in Europa, 22 in Amerika, 2 in Australien und 24 in Asien und 2ö in Afrika, wo bald noch weitere jung- Staaten beitreten werden. Die Staaten Asiens und Afrikas die am Kalten I Krieg zwischen dem Ostblock und dem Westblock j nicht beteiligt sind, werden bald die Mehrheit in den UN! bilden, und es wird sich hoffentlich vermeiden lassen I dass die Wasserstoffbombe,! die tausendmal gefährlicher ist als die Atombombe von Hiroshima, in Anwendung gebracht wird. Im aussenpoli tisch en Teil seiner Rede wies Ben Gurion die Hetzpropaganda gegen Israel zurück, in der sich neuerdings wieder Abdel Nasser und Kassem überbieten. Das Wettrüsten gegen Israel und die ständige Gefahr, die von jenseits der Grenzen droht, zwingt Israel sein Militär in ständiger Bereitschaft und in adäquater, moderner Ausrüstung zu halten. Die ,Geheimwaffe‘ von Zahal ist aber die hohe Moral und die Ergebenheit und Opferbereitschaft der j Truppen. j Wie Ben Gurion in seiner;Rede gleichsam alle Fragen und Probleme nur gestreift hat, so bildete auch die zehn, ständige Debatte, die auf seine „Staatsrede“ folgte, ein buntes Mosaik aus Kritik, Bemerkungen, Anerkennung und Vorschläge auf allen Gebieten, so dass sich wie in einem Kaleidoskop lebhafte, frohe mit grauen, düsteren Farben und Schattierungen abwechselten. Da man von dieser Debatte keine Resolutionen sachlicher Art als Ergebnis erwartet, bildete die Rede des Ministerpräsidenten und die Debatte nach ihr ganz einfach die Ouvertüre zur Parlamentsarbeit dieses Jahres, denn sie enthielt io melodischer Zusammenset-! zung alle Hauptmotive des Stückes, das sich nun hier io Herbst und Winter — bis zu den Frühlingsferien — abspielen wird. Hatte Ben Gurion eine be. wusste Affäre übergangen, da er sie für den Gesamt- Ablauf der Ereignisse historisch gesehen nicht für relevant hält, so war auch diese Angelegenheit von den Debattenrednern reichlich breitgetreten worden, wodurch das grossangelegte Bild, das in zusammen etwa 13stündiger Redezeit hier entrollt wurde, auch einige krasse und scharfe Farbtöne bekam, so dass es höchst attraktiv wurde und auch die. Sensationslust der breiteren Oeffentlichkeit befriedigen konnte. Das neue Schuljahr Tel Aviv. — 600.000 Schüler haben kürzlich wieder den Schulweg angetreten, davon 45.000 zum ersten Mal, Ueberall fanden Eröffnungsfeiern statt, an der die Begrüssungsrede von Erziehungs-Mminiser Abba Eban durch das Radio gehört wurde. Das Problem der überfüllten Schulklassen besteht weiter. Regierung und Lehrerverband haben eine Zusammenarbeit versprochen, so dass im neuen Schuljahr j keine Erschütterungen zu er- (warten sind. (AWZ) Registro de la Propiedad Intelectual No. 656.635 Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Corrientes 3114

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