Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1825 (4.11.1960)
- Date
- 1960-11-04
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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PUEYHREDON J 2190 — 1* isq. fa JenuÀH&Jsàjueliici t. & 87.2613 Año XXI. BUENOS AIRES. VIERNES 4 Dp NOVIEMBRE DE 1960 No. 1825 Ein ussiands Paris. — Ein Bild von der heutigen Lage der 3 Millionen russischen Juden, der aL le früheren Berichte, dass in Russland keine zentrale religiöse Organisation, keine jiddische Presse und die bedrückende Befürchtung bestehen, die antisemitische Sehreckenszeit von 1948—53 könne sich erneuern, wurde von André Blumel, einem der höchstgestellten jüdischen Führer Frankreichs und Expräsidenten der französischen Zionistischen Organisation entworfen. Seine Erklärung ist von besonderer Bedeutung, denn er ist einer der Kopräsidenten für französisch-sowjetische Freundschaft, die sich die Förderung des Verständnisses beider Länder zum Ziel gesetzt hat. Nach seiner Rückkehr von einer zehntägigen Reise durch Russland berichtete Blumel, er habe gefunden, dass die antisemitischen Schrecken der letzten Jahre Stalins unvernarbte Wunden bei der sowjetischen Judenheit hinterlassen haben. Noch heute seien die Haltung und Reaktionen der russischen Juden durch die Furcht gekennzeichnet, dass eine ähnliche Welle der Ver. folgungen wiederkehren könne. Die Staatsbeamten seien noch immer von der damaligen antisemitischen Einstellung befangen. Im allgemeinen stellte Blumel fest, dass die russischen Juden eine Empfindung der Erleich, terung bekunden, dass die „schwarzen Jahre der Säuberung” vorüber seien, doch die Angst ist nicht gewichen. Zwar fordern die Juden heute offener die Schaffung einer zentralen jüdischen Organisation und die Wiedereröffnung des jiddischen Theaters, Aber dem russischen Rabbinat „fehlt es an Mut” und die jiddischen Schriftsteller wagen es nicht, auf ihrem Recht zu bestehen. So besuchte Blumel z. B. eine der grössten Fabriken im Umkreis von Moskau, an der nur 107 jüdische Arbeiter beschäftigt sind. Diese seien „empört”, weil ihre Kinder nicht zum Studium an den bedeutendsten sowjetischen Hochschulen zugelassen werden und sich mit den Fakultäten für Ingenieur- und Rechts _ Wissenschaften begnügen müssen. Wie Blumel berichtet, wurden ihm verschiedene Versprechen von sowjetischen WIE ICH ES SEHE Unvergleichlich viel grösser!!♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦»♦♦♦♦♦♦♦♦♦ yo» JEHUDA GOTTHEIMER Die Ausführungen des deutschen Journalisten Gerhard Knauss in den .Frankfurter Heften’ über das Thema „Der Staat Israel, die Araber und die Bundesrepublik” ha. ¡ben uns bereits einmal beschäftigt. Während wir aber bisher nur über die Form der Argumentation und die schiefe Sicht und Beurteilung der historischen Zusammenhänge sprechen konnten, durch welche der Autor veranlasst wurde, die Araber als das tragische Opfer eines westlichen Vorurteils zu bezeichnen, müssen wir uns jetzt mit anderen Gedankengängen dieses langen Artikels befassen, der von der Schriftleitung offensichtlich zögernd gebracht wurde, aber als notwendig bezeichnet worden ist. Wir ha. ben schon einmal betont, Die Verteidigung Eichmanns Jerusalem. — Die neonazistischen Elemente in W Ostdeutschland und der Bundesrepublik und möglicherweise auch internationale Gruppen von Nazis finanzieren die Ver. teidigung Eichmanns. Die. se Ansicht äusserte ein westdeutscher Parlamen_ tarier, der kürzlich in Israel weilte. Sein Name wurde nicht enthüllt. Die. ser Abgeordnete bezeichnete die Version als nicht zutreffend, dass Eichmanns Frau die Geschichte der Flucht ihres Mannes nach dem Zusam_ menbruch des Dritten Reichs für 20.000 Dollar an eine novdamerikanische illustrierte Zeitschrift verkauft habe, um die Verteidigung zu bo- 1 zahlen. fTTA) ' dass wir — obwohl Juden — durchaus für Kritik empfänglich und kein-sfalls empfindlich sind, dass wir jeden Philosemitismus in der gleichen Weise wie den Antisemitismus ablebnen und verlangen, auf der Ebene der politischen Gleichheit behandelt zu werden, die allein eine brauchbare Grundlage für eine Auseinandersetzung bietet. Der Autor bedauert, dass die westliche Welt den Ara- ¡bern gegenüber eine falsche Einstellung habe, die dazu geführt hat, ihre Probleme zu verkennen und sich in einer einseitigen Weise mit ihren Sympathien Israel zuzuwenden. Natürlich sagt er dies nicht in dieser unumwundenen Klarheit, dafür aber sind seine Argumente gewichtig und völlig abwegig. Der Westen, so sagt er ungefähr, habe dem extremen Zionismus nachgegeben, als man der Schaffung eines jüdischen Staates zugestimmt hat. Auch die UN selbst seien unter Druck gesetzt worden. Aber nicht nur die UN waren einem ungeheuren Zwang ausgeliefert, auch die USA, die neutralen Länder, die Unschlüssigen, die gar nicht für Israel stimmen wollten, alle, alle.., Mit Erstaunen wächst eine neue Mär von einem neuen „Protokoll der Weisen von Zion”, die beschlossen haben, im Jahre 1947 einen jüdischen Staat zu gründen, der den Mittelpunkt einer jüdischen Weltherrschaft bilden sollte. Wenn diese Pu- Iblikation nicht in den Frank-, jfurter Heften' erschienen wäre, . einer angesehenen Zeitschrift unter Leitung von Prof. Kogon, dann wäre kaum Veranlassung gegeben, 5 zu solchen Ansfühvungen ¡Stellung zu nehmen, »und; man würde auch wenig Neigung empfinden, sieh auf diese „Argumentationen” ein. zulassen. Der Autor zitiert einige nordamerikanische Politiker, die sich darüber beklagt hätten, in jenen fraglichen Tagen, die sich bald zum 13. Mal jähren, bedrängt worden zu sein, damit die UN- Abstimmung sich zugunsten der zionistischen Forderungen aussprechen solle. Der amerikanische Kriegsminister James Forrestal hat dar. über geschrieben: „Die Methoden, die angewandt wurden, um Druck und Zwang auf andere Nationen in der Generalversammlung auszuüben, grenzten an Skandal”. Nehmen wir also an, dass Forrestal das so geschrieben hat, wie es zitiert worden ist, und dass er damit das ha. be sagen wollen, was der Au. tor will. Was aber folgt daraus? Es ist durchaus nicht ausgeschlossen, dass vor der Abstimmung Verhandlungen stattgefunden haben, um einige zögernde und „neutrale” Länder zu gewinnen oder gar zu beeinflussen, den einen oder anderen Standpunkt zu vertreten. Das ist aber nichts Ungewöhnliches. Das geschieht vor jeder wichtigen Abstimmung, und nicht nur in den UN. Diese Zusammenhänge zwi. sehen vorbereitenden Aktionen und dem Endeffekt dürften jedem Journalisten bekannt sein, der sich mit •politischen Fragen beschäftigt. Sowohl die Amerikaner wie die Russen haben ihre Fühler vor der letzten UN-Abstimmung zur chinesischen Frage ausgestreckt und gewisse Einflüsse spielen lassen, um sich den Sieg ihrer Interessen zu sichern.; Wenn dies also damals auch geschehen ist, so ist hierin nichts zu erblicken, was ausserhalb der normalen politischen Aktivitäten zu erfol ¡8« Pflegt. Der posthume Beamten zur. Erleichterung der allgemeinen 'Lage der Juden gemacht. So wurde ihm versprochen, dass die jüdische Gemeinde von Leningrad ein Terrain von 22 Hektar von der Stadtverwaltung für einen Friedhof und den Bau einer neuen Synagoge erhalten solle. Ebenso sollte sie die Erlaubnis bekommen, 5.000 Gebetbücher zu drucken. Auch wurde ihm zugesagt, dass das Massengrab in Kiew, in dem 10.000 von den Nazis ermordete Juden begraben liegen, nicht in einen Stadlpark umgewandelt werden soll, sondern dass man dort ein Mahnmal zur Erinnerung an die Toten errichten werde. Den jiddischen Schriftstellern soll erlaubt werden, eine jiddische Zeitung herauszugeben, falls sich erweisen sollte, dass ein Bedürfnis dafür vorhanden sei. Nach dem Bericht Blumeis haben viele jüdische Wissenschaftler in Russland Auszeichnungen für ihre wissen, schaftlichen Arbeiten erhalten, und es gibt auch sehr viele jüdische Rechtsanwälte. Wie ihm versichert wurde, sind 50 Prozent der Anwälte in Charkow und Leningrad Juden. Der Wunsch der russischen Juden, ihre Liebe zum Judentum zu beweisen, wurde in den Simchat Tora-Tagen klar, als sich in Leningrad 15.000 Juden in den Strassen um die Synagoge aufbielten, die keinen Einlass in das Gotteshaus finden konnten. Versuch, die Zusammenhänge durch mysteriöse Druckaktionen und einen unerhörten Zwang zu verschleiern, dürfte nur von politischen Motiven, nicht aber von der Suche nach Erforschung der wahren historischen Vorgän. ge beeinflusst worden sein. Dann wird der Unterstaatssekretär Sumner Welles zitiert, der bestätigt habe, dass „auf unmittelbaren Befehl des Weissen Hauses von amerikanischen Beamten jegliche Art von unmittelbarem und mittelbarem Druck „auf unentschlossene Länder ausgeübt worden sei, damit auch sie ihre Stimme für die Teilung gäben. Aber damit ist es nicht genug. Truman selbst wird als Zeuge angerufen, der gesagt habe: „Ich glaube nicht, es erlebt zu ha. ben, dass jemals so viel Druck und Propaganda auf das Weisse Haus losgelassen wurden wie in diesem Fall. Die Hartnäckigkeit von ein paar der extremen zionistischen Führer, die von politischen Motiven getrieben wurden und sich auf politische Drohungen verlegten, störte und ver:"rgerte mich...” So hat also der Mann gesprochen, wird dort behauptet, der als erster Staatsmann der Welt den jüdischen Staat unmittelbar nach seiner Proklamierung anerkannt hat. Damit hat der Autor die Kausalkette in seinen kühnen Gedanken zusammengeschmiedet: die extreme» Zionisten haben Tru- Los Judíos Cubanos en USA Miami. — Enire 500 y 1.500 judios cubanos han llegado a esta ciudad en los últimos meses y es posible que se esté forjando un nuevo problema de refugiados, según se reveló en ésta. Los dirigentes de la comunidad judía están pres. los en destacar, empero, que la migración judía desde Cuba no ha sido causada por señal alguna de antisemitismo en la isla o por acción gubernamental cubana alguna que afectara a los judíos específicamente*. La comunidad judía, empero, está alerta, por la posibilidad de que una nueva ola de judíos cubanos en el futuro próximo puede tener un impacto en las facilidades de varias organizaciones judías locales y nacionales. La población judía en el momento de tomar el caigo Fidel Castro, se elevaba a unas 11.000 almas. Del total unos 7.000 vivían en La Habana. Las tres cuartas partes de los judíos cubanos vivían del pequeño comercio minorista, un 15 % está relacionado con empresas mercantiles de importancia y un 10 % son profesionales y empleados. Parece que la mayoría de los judíos cubanos que han llegado aquí han traído suficientes fondos para hacer frente a sus necesidades inmediatas durante un tiempo prudencial. Pero muchos de ellos necesitan ser asesorados no sólo sobre su status inmigratorio, sino también sobre las posibilidades de trabajo y negocios y acerca de las facilidades religiosas disponibles. FRANK LEHMAN in Miami. — Zwischen 500 und 1.500 kubanische Jüdin sind in den letzten Monaten hier eingetroffen, und es ist möglich, dass ein neues Flüchtlingsproblem entstehen könnte, wie nunmehr enthüllt wurde. Die Führer der jüdischen Gemeinde beeilen sich allerdings festzustellen, dass die jüdische Wanderung aus Kuba nicht durch irgendein Anzeichen von Antisemitismus auf der Insel oder eine Massnahme der Regierung Kubas verursacht wurde, welche die Juden besonders betrifft. Trotzdem erwägt die jüdische Gemeinde aufmerksam die Möglichkeit, dass eine neue Welle kubanischer Juden in nächster Zukunft die Mittel verschiedener jüdischer und nationaler lokaler Organisationen stark beanspruchen könnte. Die jüdische Bevölkerung betrug, als Fidel Castro die Macht in Kuba übernahm, rund 11.000 Seelen. Hiervon wohnten ca. 7.000 in Havanna. Drei Vieitel der kubanischen Juden lebte vom Kleinhandel. 15 % sind mit bedeutenden Handelsunternehmen verbunden und 10 Prozent Akademiker und Angestellte. Eis scheint, dass die meisten kubanischen Juden, die hier ankamen, genügend Mittel mitbraebten, um während einer gewissen Zeit ihre Bedürfnisse zu bestreiten. Doch viele von ihnen brauchen Beratung nicht nur über ihren Stand als Einwanderer sondern auch über die Arbeitsmöglichkeiten, den Handel und die vorhandenen religiösen Möglichkeiten. FRANK 'LEHMAN man unter Druck gesetzt, Truman mobilisierte das Weisse Haus, setzte es unter Druck, damit es dann jede Art von Zwang gegen die armen Neutralen ausübe, um sie zu einer Haltung während der bevorstehenden Generalversammlung der UN zu veranlassen, die genau derjenigen entspricht, die von den „extremen zionistischen Führern” vertreten wird. Damit hat sich der Kreis geschlossen, und die extremen Zionisten waren es, die sich durchgesetzt haben. .. Die weiteren Ausführungen enthüllen die Absichten des Autors und müssen verstimmen, weil er sich nicht davor scheut, Unwahrheiten niederzuschreiben, die er nach bekannter und übler Methode mit Zitaten wissenschaftlich zu „untermauern” versucht. Wir würden eine weniger scharfe Formulierung gewählt haben, wenn es sich nur um Fehler, absichtliche oder unbeabsichtigte Irrtümer handeln würde. Da aber Wertungen vorgenommen werden, dürfte jede klare Form sachlicher Zurückweisung der ausfallenden Bemerkungen am Platze sein. Damit der Leser sich ein Urteil selbst zu bilden vermag, wird wörtlich zitiert: „Nach der UN-Resolution folgte der zionistische Terror, der sowohl die Araber als auch die Engländer aus dem Lande treiben sollte. Bevor noch die Engländer am 15. Mära 1948 sich zurtickzogen, hatten die Terror- Organisationen Hagana und Irgtm Zwei Leumi alle grossen Städte besetzt und die arabische Bevölkerung in die Flucht getrieben.” Zum Beweis für die Richtigkeit dieser Darsteilung beruft sich der Autor auf den englischen Historiker Arnold Toynbee. der „die unmittelbare Verantwortung für das i Unheil”, das die Araber i.948 betroffen habe, „den zionistischen Juden” zuschiebt, die „mit Waffengewalt einen Lebensraum für sich in Besitz” nahmen. | Die Entstellung der wahren Zusammenhänge und | Vorgänge entspricht der ara. : bischen Propaganda. Der Aui tor hat diese Version ohne 'jede Abänderung übernommen. Er wagt es, von Terrororganisationen zu sprechen, wenn er sich auf die Hagana oder den Irgun bezieht. Auch er, der doch (Schluss auf Seite 2) Ableben eines Diplomaten Jerusalem. — Jehuda Gideon, der kürzlich zum Botschafter in Jugoslawien ernannt wurde, starb plötzlich in seinem Büro im Aussenministerium, wo er sein Amt als Beigeordneter Direktor der Abteilung für Osteuropa übergab. Er war 40 Jahre alt. Gideon, der in Moskau geboren wurde, kam im Jahre 1938 nach Palästina und arbeitete seit 1949 als Beamter im Aussenministerium, bevor er sei. nen letzten Posten innehatte. Er sollte Mitte November nach Belgrad rei. sen. fIT.41