Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1824 (1.11.1960)
- Date
- 1960-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
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Q (O 9 .2 - Mr*, FRANQUEO PAGADO Concesión 908!f — R «* c U b 11 <¡ ii TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 Afio XXI, BUENOS AIRES, MARTES 19 DE NOVIEMBRE DE 1S60 No. 1824 EL EJEMPLAR« •n teda la República ” *8 Buenos Aires PUEYRREDON 2190 19 iiq. T. E. 83 . 2613 Rer Eichmann. Prozess Jerusalem. — Aussenmimster Golda Meir emp. fing in ihrer Frivatwohnung die Mitglieder der Mission der USA-Einheitskampagne, denen sie erklärte, ihr Land bestehe auf der Aburteilung Adolf Eichmanns in Israel, nicht um sich an einem einzelnen Manne für die sechs Millionen Toten zu rächen, sondern um der Welt das Ausmass der Naziverbrechen vor Augen zu führen. — ,,Es gibt zwei Arten von Menschen", setzte sie auseinander", diejenigen, die nicht wissen, was die Nazis den Juden angetan haben, und jene, die es vergessen woller. Wir wollen verhindern, dass die Welt so schnell vergisst.“ (ITA) álO' asseti Verlauf der Regierungskrise Jerusalem. — Das israeli. sehe Kabinett bestimmte eine ministerielle Kommission von fünf Mitgliedern, um die „Affäre Lavon" zu untersuchen. Aus dieser Kommission trat sofort der Transportminister, der der Achdut Awoda angehört, zurück, um dagegen zu protestieren, dass Kein Vertreter der Mapsm bestimmt worden war. Hiergegen hatte sich Ben Gu rion gewehrt, weil der Sprecher dieser Partei von einer neuen „Affäre Dreyfus“ gesprochen hatte. Justizminister Pinehas Rosen, der Chef der Kommission, beschloss trotzdem sofort die Untersuchung aufzunehmen. Die Beziehungen in der Regierungskoalition verschärften sich, als die Minister der Mapam die Kabinetts-Sitzung verliessen, um gegen die Haltung Ben Gurions zu protestieren. Eine neue, ausserordentliche Sitzung des Kabinetts ist anberaumt worden. (ITA) In bestiirzender Weise hat j Eindringlichkeit klar — so das Dritte Reich in den 12 betont der Herausgeber Markurzen Jahren seiner Herr- Tin Broszat in seiner Einleischaft alle Moralbegriffe j tung — dass Massenmord verkehrt. Zahlreiche autorinicht mit persönlicher Grautätsgläubige oder auch nur ¡samkeit. mit teuflischem Saverantwortungsmüde Deut- . dismus, brutaler Rohheit und sehe haben sich dem Appel ¡sogenannter „Vertiertheil" seiner Führer nicht versagt ¡gepaart zu sein braucht... und sind ihnen gefolgt, auch Ihöss’ Aufzeichnung widerledann noch im subjektiv jgen diese allzu einfachen durchaus ehrlichen Gefühl, i Vorstellungen radikal und einer im Recht befindlichen offenbaren stattdessen als Sache zu dienen, als deren j Porträt des Mannes, bei dem verbrecherische Natur längst f Gie Regie täglicher Judenoffenkundig geworden war. j Vernichtung lag. einen Men- Die totale Befehls- und sehen, der alles in allem Kommandostruktur dieses j recht durchschnittlich gear- Staates ermöglichte es ihtet, keineswegs bösartig, son. nen in vielen Fällen, sich jdern im Gegenteil ordnungsdem anrüchigen und schliess. I liebend war. Weil Höss’ Auflich auch dem unmenschli- Zeichnungen die eines durchchen Auftrag zur Verfügung aus kleinbürgerlich.normalen zu halten, ohne doch je das Menschen sind, machen sie Bewusstsein persönlich ver- 'so betroffen; denn sie erlauwirkter Schuld zu empfin- Iben es nicht länger, eine kaden. Uegorische Unterscheidung Dieser Sachverhalt wird in zu treffen zwischen denen, besonderer Weise an einem j die nur aus Idealismus und im Dritten Reich in der Oef. ¡Pflichtgefühl bei der Sache fentlichkeit fast unbekannten j waren, und denen, die — Mahne an KZ-Kommandant vermeintlich — von Natur i Höss klar. Er war eine Figur ¡aus grausam, das gute Wol- ' aus dem Durchschnitt. Indes-; len der anderen durch ihr so erzogen“, schreibt er ANGST VOR WEICHHEIT gleich auf den ersten Seiten : seiner Autobiographie, „dass! Kommandant des Konzeni ich allen Erwachsenen... trationslager Dachau, d-m Imit Achtung und Ehrerbie- Küss zugewiesen wurde, war jtung zu begegnen hätte, ganz ber - Standartenführer gleich, aus welchen Kreisen Sicke, ein harter, rücksichtssie kämen... Ganz besonders l°ser, brutaler Mann, dsssen wurde ich immer darauf hin- Biiefbog-en den Vordruck gewiesen, dass ich Wün trugen. „Es ,g-'bt nur eines, sehe und Anordnungen... was Gültigkeit hat. Der Beunverzüglich durchzuführen, fehl! (S. 72). Für Höss war bzw. zu befolgen hätte und ^as fjn goldenes Wort, so mich durch nichts davon abähnlich hatte es der Vater, so halten lassen dürfe. Was dieähnlich der Rittmeister, so se sagen, sei immer richtig" (S. 25). ähnlich der Freikorps!(ihrer und so ähnlich auch der Damit ist dxs Grundthema , eikmeister im Zuchthaus gesagt — etwas anderes hati angeschlagen. Es begleitet. ¡in seinen Auswirkungen immer folgenschwerer, den ge- . ~~“,77"‘7"' “ samten Lebensweg dieses or en zufolge die Scheich in der Knesset Jerusalem, — Ein arabischer Scheich sprach in der Knesset und beriehj tete in hebräischer Spra- I che über den „von Israel | verwirklichten Fortschritt ' in den letzten 12 Jahren | bei der Behandlung d«r; Minoritäten in unserem! Land”. Der Redner war i Scheich Labib Abu Rukum aus dem Dorf Isaiy, der Mitglied des israelischen Parlaments ist. — , (ITA) te er nie kennengelernt. Freilich lehnte er — seinen Newark. — Die Einwandeueuensweg dieses 77' ““hTLj ■ u “7 Irungsbebörden von New Jer. n/r tt .. c. (mitleidlose Gewalttätigkeit 1 . , ,. _ ,. Mannes Es gibt kein Sta- “ sey ordneten die Deportie- . F, . i„i „ Eickes ab. Beim Vollzug; - - dium seiner Entwicklung, da Ausweisung aus USA ab Beim Vollzu „ _ _ _ * » _ iiujjh vuü Xjiiziu jmre .ftgn I es nicht zwingend und Füg-;^OgeteüS drü7kt?7iifch!“■ a,S d" | samkeit todetnd hervor- ..' I herum und bekennt mit nai- Im Jahre 1914 starb dmver Offenherzigkeit, er sei Vater. und der häuslichen auc}j später, als Lagerkom- Autorität unvermittelt ledig ¡mandant, bei den von ihm geworden, erwachte ir. Ru- 1 selbst verfügten Prügelstradolf Höss der Wunsch. Solfen nur „selten zugegen” sen machen ihn nicht nur Charakter, Bildung und Intelligenz, sondern auch Herkommen und Lebensweg zu ' einer repräsentativen Erscheinung seiner Generation, | die einzelnen Stadien seines (Leben sind kennzeichnend teuflisches Handwerk verdarben (S. 14 f.). Wäre Höss der Gewaltverbrecher gewesen, der nach allem in ihm vermutet werden durfte, so hätte sich immerhin ein plausibler psychologischer Zugang zu sei- ¡für die Entwicklung vieler, 'nem Tun erschlossen. Beundie sich schliesslich mit den J ruhigend ist aber gerade, dass er dies nicht gewesen ist. Die Hölle hat noch immer einen Zusammenhang; Nationalsozialismus verban- , den.! TYP DES FUNKTIONAERS irung von LazJo Imre Agh 1 an, der als Leutnant in der deutschfreundlichen ungarischen Armee gedient hatte, j Er wird beschuldigt, jüdische I Soldaten und unter seinem ¡Befehl stehende slawische ¡Arbeiter misshandelt zu ha. 'ben. Der heute 52jäbrige Agh war als Kassierer bei der National State Bank in Newark angestellt. Er will dat zu werden. Nach kurzer ,(S 55) gewesen. Zunächst | der National state Bank m Ausbildung kam er an die ¡allerdings empfand er wie- Newark ar,gestellt. Er will türkische Front. . jderholt Zweifel an seiner vür dem Einwanderungs- Dem Friesterberuf hatte ¡Eignung zum verlanSten t Ausschuss Berufung einleer sich, inzwischen entfrem- ■ Schinderdienst. „Damals“ — een (ITA) det, die Mutter war 1917 ver. i so bekennt er in seiner Austorben, und -da er von Seii tobiographie — „hätte ich... ten seiner Verwandten wenig j erklären müssen, dass ich Verständnis fand, meldete er t für den Dienst an einem ' ' Konzentrationslager nicht ge. mit dem Himmel, er jedoch Der KZ-Kommandant Höss ¡steht ausserhalb aller geläuwar der Typ des Funktionärs 'Eigen moralischen Kategoim Wortsinne, das heisst ein rien, ein leidenschaftlicher, Wesen, das sich nur noch |jm Grunde unparteiischer auskennt in einer Welt der ’Mörder, den das Morden Befehlsverhältnisse, das ¡jenseits der aufgegebenen stumpf und mit pflichtver- ¡sachlichen Zwecke gar nichts sessenem Gehorsam sich als mehr angeht. In ihm verkör- Werkzeug für die Machen- ¡pert sich das Böse im Zuschaften anderer hergibt. Höss würde mit der gleichen 1 zu verlässi gen Gewi ssenh af-! tigkeit Aktenvorgänge erledigen oder Blumenrabatten angelegt haben, mit der er schliesslich Menschen zu Waffen für Aegypten Jrusalem. -— Die Waffenlieferungen der Sowjetunion an die VAR wachsen an Qualität und Quantität, wie Aussenminister Golda Mcir nordamerikanischen Besuchern erklärte. Sie äusserte. die Bereitstellung von sowjetrussischen Dtisenapparaten gebe Israel Anlass zu Besorgnissen. London. •— Aus Kairo eingotroffene Kabel em. hiillen. dass die VAR an die USPR das Ersuchen richtete, ihr die letzten Modelle der Super-Mig- Flugzcuge zu liefern, eines Düsenapparates, der geeignet ist, gegen die von Israel verwendeten französischen Jagdflug, zeua ■ obigestzl zu werden. FT Al stand buchhalterischer Ruhe, pedantisch, nüchtern, exakt. Der Mann, der sich so viel auf seine bürgerliche „Anständigkeit“ zugute hält, der seine Abneigung gegen die sich beim Ostpreussischen Freiwilligen - Korps zum Grenzschutz, gehörte dann dem berüchtigten Freikorps Rossbach an und erlebte die Kämpfe im Baltikum, in Mecklenburg, im Ruhrgebiet und in Oberschlesien. Im Jahre 1923 tauchte sein Name im sogenannten Parchimer Feanemordprozess auf. Einige ehemalige Angehö eignet wäre, weil ich zuviel Mitleid mit den Häftlingen hätte. Ich brachte den Mut dazu nicht auf: weil ich mich nicht blossteilen wollte, weil ich meine Weichheit nicht eingestehen wollte... (S. 67). Höss blieb dabei. Seine Bedenken traten vollends zurück, als er 1938 nach Sachsenhausen abkemmandiert Hundertausenden gemordet! alkoholischen Exzesse der hat, denn er lebte in einer toten Zone der Moral. Höss war der Kommandant des Konzentrationslagers Auschwitz. Immer im Gefühl, zum Dienst gerufen zu sein, hat er denn auch noch als Haft ling sich bemüht, den polnischen Untersuchungsbehörden mit seinen Beobachtun- ¡gen und Erfahrungen ..in ci- '■ner fast befremdlichen Weise behilflich zu sein” (Martin ' Brozat, Einleitung zu „Kommandant in Auschwitz. Autobiographische Aufzeichnungen von Rudolf Höss). Mit der gleichen Bereitwilligkeit, mit der er zum Henker Himmlers wurde, hat eisernen Richtern die- Unterlajgen zur Verurteilung beschafft. Diesem Umstand (Verdanken wir seine autobjo-!graphischen Aufzeichnungen, j die ln der Deutschen Verlagsanstalt in Stuttgarter-! schienen sind. - - i sennausen abkemmandi lüge des inzwischen verbötewurde> wo er mehr so nen Freikorps Rossbach hat- (unmittelbar mit den Häftlinten einen Volksschullehier j gen in Berührung kam“ (S. der ihnen als Verräter galL gg) Diese schizophrene Be. nachts in den Wald entführt j-wusstseinsYialtinng, die am und dort auf.brutale Weise Schreibtisch zwar jede Massermordet. Als einer der - l Bewacher bekundet, der versichert, dass er die Juden persönlich nie gehasst und die antisemitische Zeitschrift „Der Stürmer“ abgelehnt habe, da sie auf „niedrigste Instinkte berechnet“ (S. 309) gewesen sein — dieser Mann konnte gerade aufgrund solcher Eigenschaften zum „Idealtyp" des himmlersehen S Lagerkommandanten werden (vgl. Brosz-at, a. a. 0., S. 35), da jeder persönliche Antrieb, vom Sadismus bis zum Mitleid, den reibungslosen Ablauf im Räderwerk der Ver nicht-ung gestört hätte. ZUKUENFTIGER PRIESTER Der spätere Kommandant von Auschwitz wurde im Jahre 1900 in Baden-Baden geboren, entstammte einer ungewöhnlich frommen Familie und war von seinem j Vater dazu ausersehen, derj einst Priester zu werden; „Von meinen Eltern war ich j Hauptbeteiligten wurde Rudolf Höss vom Staatsgerichtshof zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt. Aufgrund des /.mnestiegesetzes von 1928 wurde er nach sechs Jahren Haft doch noch überraschend entlassen und trat unverzüglich der reformerischen Landsiedlungsbewegung der „Artamanen“ bei. Die Aufforderung ehemaliger Kameraden, als altes Parteimitglied eine Funktion in der NSDAP zu übernehmen, lehnte er ab. Er wollte siedeln. Mehrere Jahre im Landdier.sv tätig heiratete er, und schon sollte ihn das ersehnte Land zu gewissen werden, da »ir« erneut der Ruf seinen Amurität an ihn. Höss u <: >t ¡schiessungen.., Nun war ich doch beruhigt, dass uns aile diese Blutbäder erspart bleiben sollten, dass auch die Opfer bis zum letzten Moment geschont werden konnten. Gerade dieses machte mir am meisten Sorge...“ (S. 123). Nach dreinhalb Jahren, wurde Rudolf Höss versetzt. Er verliess Auschwitz, wobei ihm „im ersten Moment die Losreissung schmerzlich“ (S. 130) war. und wurde Amts- ‘ chef bei der Inspektion der Konzentrationslager, eine Funktion, die er bis zum Ende des Krieges innehatte. Ein letztes, in allem Wahnwitz — lietztes, in allem Wahnwitz nähme mit seelen- und phan. für Lebensweg und Charak. tasieloser Roheit verfügen djeses Mannes doch unihren Vollzug dagegen aus endbch bezeichnende» Bild lauter Zartgefühl nicht mitiaucht auf am Ende seiner ansehen kann, hat Höss zu Darstellung. Er beschreibt schlechthin unfasslicher Kon. im chaos dts totalen Zu_ Sequenz entwickelt, als er (sammenbruchs sjCh vollziezwoi .Tahr*i» srtti+o»« trioi-foni«* i zwei Jahre später, vielfach bewährt, den Auftrag erhielt, das Lager Auschwitz aufzubauen. Fast auf jeder Seite spricht er davon, wie er von seiner Aufgabe „voll erfüllt“ wie es sein „ganzes Sinnen und Trachten“ gewesen sei, die geforderte Effektivität des 'Lagerkomplexes herzustellen. Ungemein aufschlussreich ist jener Abschnitt seines Berichtes, wo er seine Erieichterung darüber bekundet, dass die Verwendung von Gas eine ebenso l’ationelder Mann, sich d.esim Pu" . - zu versagen. Himmler, eilen- ,;\.wie unblutige .hygienische falls Mitglied des Bundes, j: forderte ihn 1934 auf, in die SS einzutreten. Nach langem Zögern kam Höss endlich zu dem Entschluss, die Ungewissheit der zivilen Zukunft mit dem vetrauten D:rnst in; der fostg‘'liignn. schützen- I den Gemeinschaft zu vertäu-; sehen <S.53V Tötung gestatte. „Mir graute immer vor den Ers.ehiessungen, wenn ich an die Massen, an die Frauen und Kinder dachte. Ich hatte schon genug von den Geiselexekutioren, von den Gruppenerhende Absatzbewegung seiner Amtsstelle. ..Wir mussten flüchten“, so heisst es da. „Zuerst nach dem Norden, nach zwei Tagen weiter nach Schleswig - Holstein. Immer .befehlsgemäss dem RFSS nach. Was wir überhaupt noch bei ihm sollten..., war uns allen unerklärlich.“ (S. 143). So steht auch am zweiten Ausgang dieses unselbständigen, immer nur aus zweiter Hand gelebten Lebens die sinnlose Fügung in einen sinnlosen Befehl, ein Akt dumpfen Gehorsams. Das zur Aburteilung von Kriegsverbrechern errichtete polnische Oberste Volksgericht verhängte am 2. April 1947 über Rudolf Höss die Todesstrafe. Sie wurde 14 J Tage später in Auschwita t durch den Strang vollstreckt.- degistió de la Propiedad Intelectual No. G56.635 (Impreso en la Imprenta POLIGLOTA -— Corrientes 3114