Mannheim
Compact Memory

Jüdische Wochenschau · 1960-11-01 · 1824 (1.11.1960) · p. Seite 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1824 (1.11.1960)
Date
1960-11-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German, Spanish
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/9616703-9611224-9611959--0844-9611966
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

7 1824 Martes, 1? de Noviembr* de 19M WOCHENSCHAU Ano XXI, — No, 1024 Hein, 1 und 3be„. mimt o ej. I? Theodor Gesell | PUEYRREDON 21901. St. Jk JK v ▼ „ Von den vier Ecken der Welt Der allzu früh verstorbene Leiter der ..Deutschen Abteilung“ der Sochnut. Dr. Georg Landauer s. A., dessen Namen auf immer mit dem der Jugend-Alija verbunden ist, erzählte einmal in kleinem Kreise: „In den Zwanziger Jahren sprach ich in Köln vor einem Kreis junger Menschen über das Aufbauwerk in Palästina. Am nächsten Morgen eilte eine Gruppe von Jungens und Mädchen den Bahnsteig entlang, um mich noch vor Abfahrt des Zuges zu sprechen. Als sie mich ziemlich atemlos erreichten, sagten sie mir ,,Herr Doktor, Ihr Vortrag gestern Abend hat uns ausserordentlich beeindruckt! ,Wir haben nur noch ein Ziel nur noch einen Gedanken: Palästina! Und möglichst bald wollen wir zur Alija ge. hen! Als Zeichen der Dankbarkeit für Ihren Besuch, und für das, was Sie uns gegeben haben, verehren wir Ihnen dieses Buch“. Damit drückten sie mir ein Päckchen in die Hand. Vom Coupe-Fenster winkte ich ihnen noch zu — und erst als der Zug die Station verlassen hatte, fand ich Zeit, die umhüllenden Papiere zu lösen und den Titel des Buches zu lesen. Es war die „Indienfahrt“ von Waldemar Bonseis. An diese Anekdote musste ich denken, als ich kürzlich einer Einladung des Kibbutz Matzuba folgend einen Vortrag vor 31 Kindern — jüdischen Kindern! — aus Deutschland hielt, die auf initiative der „Jüdischen Zentral wohlfahrtsstelle“ in Frankfurt/Main für 35 Tage nach Israel gekommen waren, uud deren Standquartier Matzuba im Westgalil war. Ein Chawer des Kibbuzes, der die Kinder zu betreuen hatte, war in Naharia erschienen und hatte Frau Gretel Falk, die Sekretärin der Landwirtschaftlichen Kooperative und mich gebeten, über den Anteil der 5. Alija am Aufbau des Landes Israel zu sprechen, eine Einladung. der zu Ligen wir als unsere zionistische Pflicht betrachteten. Die Vorträge sollten in „Seminar-Form“ also aufgelockert und ungezwungen gehalten werden, um den Kindern recht viel Möglichkeiten für Zwischenrufe und Fragen zu geben. Diese Vortragsreise war problematisch und aufschluss. reich. Es gelang uns nicht, das Interesse der Kinder zu wecken, obgleich wir uns die grösste Mühe gaben, in Wort- und Themenwahl uns der Vorstellungswelt von 15-18 Jährigen anzupassen. Dabei hatten wir geglaubt, dass ¡jüdische Kinder aus Deutschland zumindest von der Darstellung der dramatisehen Geschichte des seinerzeit angeschnittenen Westgalil so gepackt werden würden wie christliche Studiengruppen, zu denen wir über diese Zeiten gesprochen hatten. Nur ein junges Mädchen folgte unseren Ausführungen mit grösster Aufmerksamkeit. Als ich sie | daraufhin während einer!kurzen Pause ansprach, entgegnete sie mir lächelnd in j hebräischer Sprache: „Ich bin die Madricha, eine Sabre aus Kfar Jedidia und Studentin der Hebräischen IUniversität!“ Das war des 'Rätsels Lösung. I Das Zusammentreffen mit den jüdischen Kindern aus Deutschland fand im „Georg Landauer-Haus“ statt, einem schönen Kulturhaus, das mit Hilfe der Jugendlija und anderer Organisationen im Jahre 1957 errichtet wurde. Auf der weiten Terrasse, von der man einen herrlichen Rundblick über das Westga- , weit einer Expedition ins! Innere Afrikas gleich kam. Keines dieser Kinder ist in Deutschland geboren, ..Von der. vier Ecken der Weit“ sind sie nicht nach Erez Is- ' rael sondern nach Deutschland zuriickgekehrl. Von Valparaiso in Chile bis nach Sibirien, von Kanada bis I nach Israel — aus allen möglichen Ländern sind ihre El- 1 tern mit ihnen nach Deutschland gefahren. Sieben von ihnen sind in Israel geboren und sprechen noch Hebräisch Sie waren noch ruhiger und noch zurückhaltender als alle andern. Ein blondes Mädchen wohnt in Kiel. „Gibt es 'gen erkannte, wie vereinsamt und allein im Grunde alle diese Jungens und Mädchen sind. Für sie gibt es keine „Chewre“, keinen Bund, keine Jugendbewegung, keinen Kumsitz.„Sie kennen nurrdas Leben der grossen Städte der Bundesrepublik, das Fernsehen und die Annehmlichkeiten. d'e nach ihrer Schilderung mit dem Wohlstand verbunden sind. Nur ein Junge will unbedingt nach Israel, — aber nur dann, wenn er Pilot werden kann. Die Gespräche mit ihnen erwiesen sich als wichtiger und fruchtbarer als die Darstellungen und Schilderun- BLICK AUF JERUSALEM lil hat, versuchte ich in Gesprächen mit den Kindern ihr mangelndes Interesse zu ergründen. Meine Annahme dass diese jungen Juden etwas über Israel wissen, erwies sich als vollkommen falsch. Sie waren ins Land gekommen, weil sie geschickt worden waren. Die Jungens trugen bei ihrer Ankunft stehende Messer am Gürteil, weil eine Reise durch das Land in ihrer Vorstellungsdenn überhaupt eine jüdische Gemeinde in Kiel?” fragich sie. „Nein“ sagte die 17jährige Edith, „ich bin das einzige jüdische Kind in Kiel Wenn ich mit anderen jüdischen Kindern zusammen sein will, muss ich 90 Minuten mit dem D-Zug nach Hamburg fahren“. Ich gestehe, dass mein Urteil über diese Kinder immer milder wurde, je mehr ich aus diesen Unterhaitun- Monat des Gedenkens 9. November: ZERTRUEMMERUNG DES 1 DEUTSCHEN JUDENTUMS! 28..November: UN-RESOLUTION ZUR J SCHAFFUNG ISRAELS } Eure Antwort als Zionisten: j 1 MITARBEIT AM AUFBAU ISRAELS I AGRAR von HERBERT FREE DEN Die endlich ' erfolgte Annahme der Bodengesetze durch die Knesset und die Unterzeichnung des Vertrages zwischen dem Keren Ka. yemet und der Israel-Regierung wurde von der israelischen Presse als ein Ereignis von grosser ideologischer und praktischer Bedeutung angesehen. In der Tat, die neue Gesetzgebung macht | das Agrar-Regime in Israel zu einem der fortschrittlichsten in der Welt- Der Keren Kayemet kann stolz auf diese Entwicklung sein, die einen grossen moralischen Sieg der Idee und des Werkes des Fonds darstellt, j Ich möchte im folgenden ganz kurz vier entscheidende Punkte herausgreifen: j 1. Das KKL-Grundprinzip, Idem zufolge der Boden niemals verkauft werden, sondern nur in Pacht vergeben | werden darf, fand bisher sei- ¡ne Anwendung nur auf die ¡Ländereien des Fonds. Jetzt ist dieser Grundsatz, der auf der Bibel basiert, auf alle öffentlichen Ländereien in Israel, d. h. auf 90 Prozent des Staatsterritoriums ausgegen, die wir ihnen gegeben hatten. Wahrscheinlich ist dies auch der richtige Weg, um die gläserne Wand, die diese Kinder umgibt, zu durchbrechen. Sie sind oberflächlich in ihrem Denken und Empfinden. Aber kann es unter diesen Umständen anders sein? Wir verabschiedeten uns sehr herzlich voneinander. Bonseis’ „Indienfahrt” haben sie mir nicht geschenkt. NACHRICHTEN AUS ISRAEL BEDUNINEN DES NEGEW Eine interministerielle Kommission prüft den Plan des Landwirtschaftsministers Mosche Dajdn, 500 Beduinenfamiiien aus dem Negew — wo insgesamt 3000 wohnen —in der Gegend von Rechovot, Rischon le Zion, Ness Ziona, Bnej Brak und Tel Mond anzusiedeln. Die Durchführung dieses Projektes soll im Laufe von drei Jahren erfolgen und 3.000.000 TL kosten. Auf diese Art will man das Problem der Beduinenfamilien lösen, deren Mitglieder ständig im Norden oder im Zentrum des Landes arbeiten. NEUE MITTELSCHULE Zu Beginn des kommenden neuen Schuljahres wird das arabische Dorf Rama, in Obergaliläa, eine Mittelschule erhalten. In der dortigen landwirtschaftlichen Schule soll eia neuer Flügel gebaut werden. Diese Arbeiten werden iu Zusammenarbeit zwischen dem Unterrichtsministerium und dem Gemeinderat des Dorfes vorgenommen ERWEITERUNG VON SIEDLUNGEN Bis zum Herbst dieses Jahres sollen 5000 Dunain Boden in Unter-Galiläa fruchtbar gemacht werden. Hiervon wird man 1000 Dunam der alten Kolonie von Sedjera zuteilen, wo 38 Familien von Neueinwanderern zu den alt eingesessenen 11 Familien von Neueinwanderern gestossen sind. Die restlichen 4000 Dunam werden Bet Keschet, Arbel und Kfar Chitim bekommen. dehnt worden. In arcie vr ' Worten, die Idee aes äKl i hat dm Staat „erobert’. V\ us ¡Visionäre wie Rab i Zwi Kalischer, Moses He:-s nnd Prof. Hermann Scnapira einmal geträumt hauen, w rJ jetzt in nationalen Mas so verwirklicht. Die B<'dm ■- setze sind eine Rccfuf ■ tk gung der Ideologie des Fond- und eine Anerkennung seines Wirkens, das sich über zwei Generationen erstreck l. 2. Nach der neuen Ges.u/- gebung wird die Verwaltung der Böden des Staates und des KKL in einer Behirdv vereinigt werden, dem Bndenverwaltungsamt, das dem Minister für Landwirtschaft unterstellt ist, ohne dass einer der beiden Partner das Eigentumsrecht auf seine Ländereien verliert. Das Amt wird einen Beirat von 13 Mitgliedern haben, von denen sieben von der Regrejrung und sechs vom Kereu ¡Kayemet eingesetzt sind, 'jedwede Ueberschneidung iu ¡der Bodenverwaltung, wie sie in der Vergangenheit vorkam, ist somit beendet worden, und die Vereinheitlichung der Landpolitik wird leinen segensreichen Einfluss auf den nationalen Bodenbestand haben. j 3. Als ein Ergebnis dee Vertrages zwischen dem Staat und der Zionistischen Organisation — Keren Kayemet, ist der Status des Fonds gehoben und seine Arbeit auf eine neue Basis gestellt I worden. Der KKL ist nun die einzige Stelle in Israel, die für Bodenerschliessung in all ihren Formen und Phasen verantwortlich ist. .Was das in einem Land bedeutet, in dem vier Fünftel immer noch wüst und leer sind, kann leicht von denen 'ermessen werden, die die , öden Berge von Judäa und des Galii gesehen haben oder durch den endlosen Sand des Negew gereist sind. Landerschliessung heisst Bodengewinnung in Form von Urbarmachung. Aufforstung _und landwirtschaftliche Diai. nage. Deshalb wird paraltel zum Bodenverwaltungsamt ein Landentwicklungsamt erstehen, das im Rahmen des KKL arbeiten wird. In seinem Beirat, der ebenfalls aus 13 Mitgliedern bestehen ¡wird, werden sieben Mitglieder den KKL und sechs die Regierung vertreten. Ich möchte noch hinzufügen, dass der Fonds, wie bisher, eine autonome Institution der Zionistischen Organisation bleibt. 4. Ein letzter Punkt: Beide, die Regierung und die Zionistische Organisation — Keren Kayemet, sind gleichberechtigte Partner dieses Abkommens in Landaugelegenheiter Es kann durchaus sein, dass diese Art der Koordination und -Zusammenarbeit zwischen dem Staat und der Bewegung als Beispiel dienen und eines Tages auch auf andere Gebiete ausgedehnt werden wird. Es wäre nicht das erste Mal, dass der KKL einer Weg für neue Konzeptionen bahnt. - 4

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.