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Jüdische Wochenschau · 1960-11-01 · 1824 (1.11.1960) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1824 (1.11.1960)
Date
1960-11-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German, Spanish
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PUEYHREDON 2190 — 1’ izq- J&JemxÀM&^sàjCtÆliÎG, í. E. i 8 2-2613 Año XXI. BUENOS AIRES, MARTES 1? DE NOVIEMBRE DE 1960 No. 1824 Gespräch mit Dr. Servatius LA Jerusalem. — Der rund sechzigjülirige, blauäug ge, behäbige deutsche Rec -tsanwalt. Dr. Robert Servatius, ist nach einem einwüch'gen Aufenthalt in Israel, wo er mit seinem Klienten zus^mmentraf, wieder nach Köln zurückgekehrt. Servatius, der die Verteidigung Adolf Eichmanns übernahm, ähnelt eher einem deutschen Provinzkaufmann, als einem Anwalt, der die Verteidigung eines der schwersten Nazi- Kriegsverbrechers führen wird. Er hat einen rosigen Teint, ist liebenswürdig, ruhig und zieht es vor, „mein Klient“ zu sagen, als Eichmann bei seinem Namen zu nennen. Während seines Aufenthaltes in Israel wurde Servatius von mehreren Polizeibeamten in Zivil beschützt, von denen einer niemals von seiner Seite wich. Obwohl das Publikum in Israel versteht, dass die Bereitschaft eines Anwalts, im Namen seines von ELIAHU SALPETER Klienten aufzutreten, nichts mit dessen persönlichen Gefühlen oder Sympathien zu tun hat, sondern auf rein persönlichen und kommerziellen Motiven basiert, so wollten die israelischen Behörden doch nicht das Risiko laufen, dass irgendein Verrückter oder ein Fanatiker eine Wahnsinnstat begehen könnte. Israel ist entschlossen, den Eichmann-Prozess und?Ues, was hiermit in Verbindung steht, in der striktesten Achtung vor dem Gesetz abzuwickeln, wie sich dies für ein zivilisiertes Land schickt, selbst wenn der Angeklagte Adolf Eichmann heisst. Dr. Servatius war höchst bereitwillig, den Journalisten Auskünfte zu erteilen — vielleicht aus „Gründen der Propaganda“. Aus den verschiedenen Unterredungen mit Pressevertretern, konnte der Eindruck gewonnen werden, dass die Verteidigung sich auf die vier folgenden Einwände stützen dürfte: 1. Das Gesetz (für die Bestrai fung von Nazis), das bei dem! Prozess zur Anwendung gelangen soll, ist „illegal“, denn es ist ein Gesetz „ex post facto“. 2. Eichmann wurde i illegal nach Israel gebracht, ^und daher kann er hier nicht! legal abgeurteilt werden. 3. | Die Eichmann zur Last gelegten Taten wurden ausserihalb Israels verübt, und da- ¡her sind die israelischen Ge. ¡richte nicht zuständig. 4. Der Angeklagte handelte auf Beifehl seiner Vorgesetzten und nicht aus eigener Initiative. | Obwohl der zweite und in gewissem Masse der vierte Punkt in direkter Verbin- | düng zum Eichmann.Prozess stehen, so scheinen die anderen zwei Punkte einige frühere Erklärungen des Dr.! Servatius zu erhärten, d. h. I dass dieser auf dem Stand- WIE ICH ES SEHE ISijinpaÜüen und Vorurteile I von JEHUDA GOTTHEIMER „Kaum einem Volk begegnet der Westen mit so vielen Vorurteilen und besonders so falschen Fragestellungen wie den Arabern”. Diese Bemerkung stammt aus der Feder eines deutschen Berichterstatters, dessen Ausführungen in einer bekannten demokratischen Zeitschrift im einzelnen nachgelesen werden können, in den „Frankfurter Heften”, Jahrgang 1960, Heft 9, Seite 609 ff, was hier nur mit dieser Genauigkeit hinzugefügt wird, damit der interessierte Leser sich einmal eine Vorstellung machen kann, wie „man” Politik macht. Dieser Aufsatz ist aus vielen Gründen bemerkenswert, gerade weil er geschickt eine Stimmung auslösen will, die zu einem Umschwung der breiten öffentlichen Meinung führen soll. I Es muss den folgenden Betrachtungen vorausgeschickt j werden, dass wir jede Polemik über die Frage des An. | tisemitismus oder eine ju- 'denfreundliche Einstellung des Autors ablehnen müssen. Es kann bei solchen Diskussionen nicht damit gedient sein, einen der Gesprächs- , partner durch Verdächtigung oder Beschwerung mit unlauteren Motiven zu belasehen“ Ergüssen verschont zu bleiben. Solange es derartige Strömungen wie Philosemitismus gibt, dürfen wir sicher sein, dass der Antisemitismus eine ernste Gefahr für die Juden bedeutet. Politische Fragen sollte man stets von seinem eigenen Standpunkt aus erwägen, ohne sich hierfür zu entschuldigen. Die Versuche eines kosmopolitischen Denkens sind bis heute zum Scheitern veruri teilt gewesen. Es ist unmög punkt steht, der Eiehmann- Prozess habe eine ausgedehntere Bedeutung. Er will ihn dazu benutzen, um eine Revision verschiedener Prin. zipien zu erreichen, die bei den Nürnberger Prozessen aufgestellt wurden, wo er einige Angaklagte verteidigte. Die israelischen Juristen messen allerdings diesen Ein. | wänden von einem strikt for.! mellen Gesichtspunkt aus keinen grossen Wert bei. Der Servatius unterhielt sich mit den massgebenden Funktionären des israelischen Justizministeriums und den Beamten des Büros 06 der Polizei, die die Untersuchung leiten und das Material für die Anklage sammeln. Die formelle Anklage gegen Adolf Eichmann wird im Januar 1961 erhoben werden. Dr. Servatius verfügt über genügend Zeit, um sie zu prüfen, aber er scheint recht optimistisch zu sein, was die Dauer des Prozesses betrifft. Er glaubt, dieser werde nicht länger als zwei Monate dauern, während man im allgemeinen annimmt, dass die Verfahren vier bis sechs Monate in Anspruch nehmen dürften. Obwohl Dr. Servatius bereitwillig alle Fragen über seinen Klienten und selbst über die Richtlinien seiner Verteidigung beantwortete, so wich er doch der Antwort aus, als er befragt wurde, wer denn nun eigentlich die Kosten der Verteidigung Jerusalem, — El Dr. Nahum Goldmann predijo que la inmigración a Israel totalizaría cerca de 30.000 personas durante el año actual, y por lo menos 40.000 en 1961. Repitió los informes anteriores en el sentido, que casi todas las juderías organizadas estarán representadas en el próximo 25° congreso sionista. Las organizaciones no-sionistas enviarán delegados fraternales y miembros asociados, o observadores sin derecho de voto. Dijo que la nota fundamental del congreso será el análisis del pueblo judío y del sionismo boy día. Al discutir el propósito principal del congreso, el Dr. Goldmann dijo que la cuestión básica era cuál era la función del movimiento sionista ahora, una vez que el estado judío ha sido establecido. Recordó la declaración del Dr. Herzl de que la tarea del sionismo era solucionar la cuestión judía. Dijo que el próximo congreso sionista deberá contestar esa pregunta, o la de si existe un problema judío. SCHLOMO S. TANGER Die Einwanderung nach Israel Jerusalem. — Dr. Nachum Goldmann sagte voraus, dass die Einwanderung in Israel nahezu 30.000 Personen während des laufenden Jahres und zum-ndest 40.000 im Jahre 1961 betragen dürfte. Er wiederhole seine früheren Berichte in dem Sinne, dass fast alle organisierten Judenheiten bei dem kommenden 25. Zionistischen Kongress vertreten sein werden. Die nicht-zionistischen Oiganisationen werden brüderliche Delegierte und angeschlossene Mitglieder entsenden, oder Beobachter ohne Stimmrecht. Die Grundnote des Kongresses, so sagte er, wild die Analyse des jüdischen Volkes und des heutigen Zionismus bilden. Ueber den Hauptzweck des Kongresses äusserte Dr. Goldmann, die grundlegende Frage sei, welche Funktion die zionistische Bewegung jetzt ausübe, nachdem der jüdische Staat errichtet worden ist. Er erinnerte an die Erklärung von Dr. Herzl. dass die Aufgabe des Zionismus die Lösung der jüdischen Frage sei. Er verwies darauf, dass der nächste Zionistische Kongress auf diese Frage oder die Frage, ob ein jüdisches Problem existiere, antworten müsse. SCHLOMO S. TANGER ¡Eiehmanns tragen würde. Bekanntlich schätzt Servatius die Kosten der Verteidijgung einschliesslich seiner! eigenen Honorare auf rund j 100.000 Mark, wenn der Pro- ¡zess nicht länger als drei ¡Monate dauern sollte. Er sagte, er sei von der Fami- | lie Eichmanns in Deutschiland engagiert worden, die ¡seine Ausgaben und Reisespesen bezahlt hat. Aus Deutschland war dagegen zu erfahren, dass Eichmanns i sten, um dadurch Sentiments lieh, dass ein Mensch oder I hervorzurufen, die mit dem eine Menschengruppe oder ¡angeschnittenen Fragenkom-ein Volk in anderen Denkplex nichts zu tun haben, ebenen seine Gedanken zu ¡Wir müssen aber auch er-fassen und die sich aus sei- I warten, von Sympathie-Er-ner geistigen Konzeption eri klärungen für die Juden gebenden Zielsetzungen zu oder anderen „philosemiti-verfolgen bemüht, als die an- __ deren Menschen oder Nationen dies tun. Dies würde zwei Sprachen zu sprechen bedeuten, die nicht zu den Herzen oder zum Verstand des anderen dringen, weil er sie einfach nicht versteht. Kosmopolitisches Denken, das nur von einer Gruppe getragen wird, berührt nicht diejenigen, denen diese Betrachtungsweise fremd ist und deswegen bekämpfensvvert erscheint. Vielleicht ist das kosmopolitische im Gegensatz zum nationalgebundenen Denken ein Fort, schritt. Die grosse Mehrheit aller Völker hat diese Stufe der Betrachtungen ihrer Lebensformen und des internationalen Zusammenwirkens noch nicht begriffen. Deswegen muss also j derjenige, der verstanden I werden will, in der üblichen i Sprache des nationalgvbundenen Denkens zu seiner Umwelt sprechen. Diesen Ton einer klaren -iund verständlichen Sprache. Krutschew und Golda Meir Tel Aviv. — Golda Meir erklärte bei ihrer Ankunft im Lande, der israelische Vorschlag in den UN. dass zwischen Ben Gurion und Nasser unverzüglich über den Frieden verhandelt werden solle, sei vun der nordamerikanischen Presse günstig kommentiert worden. Ferner enthüllte sie, dass gelegentlich einer Unter, redung mit dem sowjetischen Ministerpräsidenten Nikita Krutschew dieser sie eingeladen habe, ihre Heimatstadt Kiew zu besuchen. Hierauf habe der Sowjet-Botschafter, Michael Bodvow, der bei der Unterhaltung zugegen war, sie aufgefordert, ihn aufzusuchen, damit er ihr „auf der Stelle“ ein Visum erteilen könne. Auf die Frage, ob sie diese Einladung anzunehmen gedenke, entgegneto Frau Meir: „Das werden wir noch sehen.” Golda Meir hob hervor, dass trotz der arabischen Bemühungen in der UN-Generalversammlung, die neuen afrikanischen Milgliedstaaten zu bewegen, sich der arabischen Politik gegen Israel anzuschliessen, die afrikanischen Delegierten diese Versuche abgelehnt und bei vielen Gelegenheiten die von Israel geleistete Hilfe unterstrichn hätten. Sie fügte hinzu, sic betrachte die letzte Vollversammlung als historisch, da die UN durch den Eintritt vor 15 neuen afrikanischer. Staaten ver. hreitert worden seien. UTA) die Gedanken una Gefubie zum Ausdruck bringt, deren Wurzel in den nationalen Sentiments, Hoffnungen und Vorstellungen eines bestimmter. Personenkreises beruhen, hat der zitierte Autor getroffen. Einige seiner Formulierungen sind verblüffend, aber auch ih ihrer schlichten Präsentation j merkwürdig und gefährlich. Nehmen wir doch nur den ] einen, bisher zitierten Satz: I „Kaum einem Volk begegnet der Westen mit so vielen Vorurteilen... wie den Arabern". Das ist wirklich etwas Neues, man könnte beinahe sagen, eine Kuriosität. Ausgerechnet den Arabern begegnet der Westen mit vielen Vorurteilen? Wir Juden reissen uns nicht um den ersten Platz der Opfer, die unter den vielen Vorurteilen gelitten haben. Wir wären sogar reichlich froh j darüber, wrenn wir nicht Jahrhunderte oder gar Jahr- I tausende hindurch unter Vor. urteilen zu leiden hätten. Noch merkwürdiger wird ¡diese Formulierung, wenn man bedenkt, dass es ein Deutscher ist? der diesen Satz niedergesehrieben hat. Ihm müsste doch eigentlich die Geschichte der Juden, vor allem im Deutschland des 19. und 20. Jahrhunderts j hinreichend bekannt sein, um ¡sich ein sicheres „Urteil ' über . Vor'-Urteile” zu bilden.! Aber unser Autor versucht, das angebliche Vorurteil, das der Westen gegen die Ara- her — also nicht gegen Jujden.' haben soll, „wissen-! sdmftlich” zu begründen. Er;sciirelo. r.ierzu wörtlich: „Es j sind Vorurteile aus einer ¡längst vergangenen und zudem noch falsch verstandenen Vergangenheit: Da spielt ¡der ungestüme Riese Goliath seine Rolle, dem der tapfere j und intelligente David ge- gen übersteht; die arabische 'Heuschreckenplage, die das I gelohte Land, in dem einst Milch und Honig floss, verwüstete; die Bedrohung des Abendlandes durch die Sarazenen-Araber-Türken, die zum Prototyp aller Christen, feind! ichkeit werden (obgleich in Jerusalem seit der Wiedereroberung durch Sa. ladin eine beispiellose religiöse Toleranz herrschte). Wir erfahren also, dass die westliche Welt gegen die Araber deswegen ein Unbehagen fühlen würde, weil sie in ihnen den Goliath erblickt, der sich gegen den intelligenten David empört. Es dürfte auch reichlich verfehlt sein, von einer arabischen Heuschreckenplage zu sprechen, die sich über das ¡gelobte Land ausbreitet, in dem Milch und Honig fliessst. Hier sind bereits die Zeichen einer arabischen Propaganda spürbar, denen der Autor zum naiven Opfer wurde. Unterstellen wir einmal für einen flüchtigen Augenblick, dass der Autor nicht Unrecht mit seiner Behauptung haben würde, die westliche Umwelt hätte gegen die Araber ein ungerechtfertigtes Vorurteil; wer. den dadurch historische Fakten aus der Welt geschafft? Ist es nicht wahr, dass die sieben arabischen Staaten ci- Familie (nämlich seine Brüder und Schwester) weit davon entfernt sind, reich zu sein. Auf die Frage, ob irgendeine Organisation die Kosten der Verteidigung übernommen habe, vermied Servatius eine direkte Antwort und entgegnete: „Glauben Sie, dass irgendjemand in Deutschland eine Kampagne einleiten würde, um Fonds für die Verteid gung Eichmanns in Deutschland zu sammeln?” nen Ueberfall auf Israel inszenierten, als der jüdische Staat durch einen Beschluss der Vereinten Nationen ins Leben gerufen war? Ist es nicht wahr, dass die arabischen Länder wie Heuschrecken über Israel herfielen und mit der Aussicht auf Plünderung die Massen gegen die Juden aufstachel, ten? Die grossen arabischen (Schluss aul Seite 2) Lockerung der Kontrolle Jerusalem. — Industrie- und Handelsminister pinchas Sapir sagte zu, dem israelischen Kabinett vor zuschlagen, die gegenwärtig auf der Hälfte dei israelischen Einfuhren lastende Kontrolle zu lok kern. Dies erklärte er ir der Sitzung des Beraten den Industrie-Aussclius ses, bei der die Liberalisierung der Wirtschaf und die Abschaffung dei von der Regierung ausge übten Kontrolle geforderl wurde. Sapir versprach, die Einzelheiten, über die et sich nicht äussern wollte lern Kabinett zu unterbreiten und anzuregen, ¡lass der Sjaat seine In- :eressen in 'allen Firmen verkaufen solle, die nichl .’.regen der Art ihrer Ge- •ichäfte'’ nationalisiert bleiben müssten. (ITA)

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