Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1823 (28.10.1960)
- Date
- 1960-10-28
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
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PUEYRREDON / 2190 — I9 izq- JûxJewucut&^\Cij&liicL T. E. 87.2613 Año XXI. BUENOS AIRES. VIERNES 28 DE OCTUBRE DE 1960 No. 1823 DER KAMPF UM DIE MACHT Jerusalem. — Ministerpräsident David Ben Gurion vertrat die Ansicht, dass „ei. »e vergleichende Analyse" des Wettstreits zwischen den „beiden Blöcken im kalten Kriege” zu der Schlussfolgerung führen müsse, dass die Befürchtungen, es könne zu einem dritten Weltkrieg kommen, übertrieben sind. In seiner Rede bei der Eröffn ung der winterlichen Sitzungsperiode der Knesset führte der Premier,minister Bus, eine jede der zwei Grossmächte „wisse sehr wohl, dass ihr Rivale über die Mittel verfüge, sie von der Erde auszumerzen”. Man könne sich „schwer vorstellen”, setzte Ben Gurion hinzu, „dass die Führer der Nationen vorsätzlich die Vernichtung ihrer Völker und i Länder verursachen wollen.” ' Er bezeichnete den Ausdruck I „kalter Krieg" als eine leere | Sprachformel, deren wahrer Sinn in dem Kampf um die Einflussnahme auf die neuen 'Nationen Asiens und Afri- I kas, sowie der lateinameri-! kanischen Staaten liege, welche in ihrer Gesamtheit fast die Hälfte der menschlichen; Rasse darstellen. | „Das Kernproblem unserer Generation liegt nicht im Wettstreit zwischen zwei mächtigen Blöcken”, erklärte Ben Gurion. „Was wir «-leben, ist vielmehr der Kon- 1 flikt, der daraus resultiert, idass zwischen den Staaten, 1 die vor langer Zeit gegründet wurden und heute reich und reif sind, und den neuen Staaten in Afrika und Asien, und in gewisser Hinsicht auch in Lateinamerika, ein bedauernswerter Abgrund klafft.” Er verwies darauf, dass, obwohl Israel „klein und arm sei und bei einer gerinj gen Bevölkerung die Last | schwieriger Aufgaben zu bej wältigen habe, die Tatsache nicht geleugnet werden könne, dass die offiziellen und inoffiziellen Vertreter Afri. kas und Asiens das Land aufsuchen, um die israelischen Methoden zu erlernen und israelische Instruktoren ft WIE ICH ES SEHE Neue Kräfte wachsen heran! von JEHUDA GOTTHEIMER Der bisherige Verlauf der Generalversammlung der Vereinten Nationen muss selbst die grössten Optimisten nachdenklich stimmen. Der .imposante Aufmarsch der Prominenten vollzog sich vor einer erstaunten Weltöffentlichkeit. die sich gewiss das Auftreten der ’ staatmänni- (schen Elite unserer Zeit etwas anders vorgesteltl hatte. ‘Die Kontraste traten schon 4m Vergleich zwischen Eisenihower und Krutsehew hervor. Der Präsident Amerikas sprach in freundlicher, mahnender, beinahe müder Art, vornehm und sachlich, wie man es von einem Mann seines Amtes erwartet. Aber jeder hatte das Gefühl, dass der Elan, die Dynamik und Entschlossenheit fehlt, die ohne Zweifel den russischen Ministerpräsidenten auszeichnen, der es dann auch verstand, kraft der {Wucht seiner Persönlichkeit die Versammlung zu dominieren. Dass Krutsehew es allerdings für erforderlich kielt, durch deplazierte Husarenstücke und rohe Drohungen die Möglichkeiten einer Verständigung zu unterminieren und die Fundaanen. te d-er UN zu erschüttern, -war bedauerlich und bewies, dass die Sowjets eine Gewaltpolitik zu betreiben versuchen, die unerfreuliche Perspektiven für die Zukunft bietet. Die Anerkennung der Welt hätte sich Krutsehew unschwer erringen können, wenn er seine Anstrengungen auf den Frieden, statt auf einen Kampf zwischen den Blöcken konzentriert hätte. Die meisten Delegierten waren von der Kraft seiner Persönlichkeit beeindruckt und hätten seine Führung akzeptiert, wenn er einen Weg eingeschlagen hätte, der auf einen Ausgleich der Interessen hinzielt, statt hart und laut die Gegensätze zu verschärfen und die Wunden aufzureissen, aus denen unsere vielgeteilte Welt blutet. Auch diese Haltung Krutschews trug dazu bei, dass der Antrag abgelehnt wurde, ob die Generalversammlung in eine Debatte über die Aufnahme Rotchinas eintreten solle. Die Aufnahme der roten Chinesen in die UN wurde überhaupt noch nicht erörtert. Die mit der grössten Spannung erwartete Abstimmung bezog sich überhaupt nur auf die Frage der Diskussion über diese leidige Frage, über die bei späteren Gelegenheiten sicherlich noch heftige Auseinandersetzungen geführt werden dürften. Vielleicht gibt es kein anderes Thema, an wel- Golda Meir verlässt New York U.N, — Golda Meir, die bei der UN-Generalversammlung an der Spitze der Delegation ihres 'Landes stand, sagte alle Verabredungen ab, um nach Israel zurückzukehren. Man hatte erwartet, dass sie noch eine Woche länger in New York bleiben würde. Frau Meir besuchte gestern Generalsekretär Hammarskjöld und stattete ihm eine „Abschiedsvisite” ab. Wie man glaubt, sprach sie mit ihm über die Einfrierung der arabischen Position in ihrer Feindseligkeit zu Israel. In hiesigen israelischen Kreisen wird von der Möglichkeit gesprochen, dass der plötzliche Entschluss Frau Meirs, nach Israel zurückzufliegen, damit Zusammenhängen dürfte, dass sich sowohl die Regierung wie die Mapai einer Krise gegen übersehen, die durch die ver. schiedenen Untersuchungen über den seinerzeitigen Rücktritt des damaligen Verteidigungsministers Lavon verursacht worden ist. (ITA) .ehern sich besser die Sinn- (losigkeit der politischen Debatten ergibt, die im Mittelpunkt des internationalen ¡Interesses stehen. Denn kein (objektiver Betrachter wird .verstehen, dass kleinste Staa. ten wie etwa Zypern bereits ¡wenige Wochen nach der ¡Proklamierung ihrer Unabhängigkeit ihren Platz in der | Völkerfamilie ■ einnehmen j dürfen, während das Riesen- | reich China draussen steht | und es hinnehmen muss, dass j ihm der Eintritt verweigert j wird. I Diese Lage ist auf die un- : glücklichen Auseinanderset. | zungen im West-Ost-Konflikt I zurückzuführen, durch wel- Iche ganz offensichtlich die [Amerikaner zu einer Haltung veranlasst werden, die letztlich von keinem westlijehen Staat ernsthaft verteidigt werden kann. Mit der Ausschaltung Chinas aus den UN wird im Grunde genommen kein konkretes Ergebnis erreicht. Man könnte geradezu den Standpunkt vertreten, dass das Fernhalten der Chinesen aus den Vereinten Nationen deren unabhängige Politik provoziert, da sie an Entscheidungen und Beschlüssen auch nicht gebunden sind. Als bei dieser Generalversammlung der Antrag auf Eröffnung der China-Debatte mit 42 gegen 34 Stimmen abgelehnt wurde, hatten wohl die meisten Anwesenden den Eindruck, dass hier ein Pyrrhus-Sieg errungen wurde, der im Grunde genommen eine Nie. der läge bedeutet. Hatte sich doch gezeigt, dass die Mehrheit auf amerikanischer Seite geringfügig ist, zumal eine Reihe von Staaten nur aus Solidarität mit den Amerikanern gegen den Antrag votierten und gegen ihre Ueberzeugung handelten. Die meisten dürften wohl zu der Auffassung gelangt sein, dass bei einer nächsten Abstimmung die Stimmenzahl noch ungünstiger sein würde. In den USA selbst herrscht eine Stimmung, die eine und Techniker emgeladcn werden, um diesen jungen Nationen bei dem Aufbau ihrer Wirtschaft zu helfen. „In unserer Generation”, schloss Ben Gurion seine Ausführungen, „war das jüdische Volk ernstlich bedroht, vernichtet zu werden. Wenn wir in Israel getreu unsere Mission erfüllen, so vertraue ich darauf, dass unserem Volke in nicht zu ferner Zukunft das Glück zuteilt wird, das Nahen des Tages seiner Erlösung zu sehen.” (ITA) Neuer syrischer Angriff Tel Aviv. — Syrische Positionen eröffneten Kanonenfeuer gegen israelische Arbeiter, die bei dem Berieselungs-Projekt von Tel Katzir im Süd osten des Tiberiassees beschäftigt sind. Wie ein offizieller Sprecher mitteilte, waren unter den Israe. lis keine Opfer zu beklagen. Die Regierung erhob sofort Beschwerde vor der Organisation für die Ueberwaehung der UN- Waffenstillstände, die militärische Beobachter an den Tatort entsandte. — (ITA) Wandlung und Ueberprü. fung der politischen Position der Vereinigten Staaten von Nordamerika nach den Wahlen dringend ratsam erscheinen lässt. Man empfindet eine gewisse Ratlosigkeit und ist der Meinung, dass eine Aktivierung der Politik notwendig ist, bei der weniger die Abwehr der kommunistischen Welt im Vordergrund steht als eine konstruktive eigene Linie, die allein zum Neubau einer friedlichen Welt hinüberleiten könnte. Sonst wird es dem Weissen Haus schwer fallen, die Verbündeten in einer einheitlichen westlichen Front zu halten, zumal die westlich orientierten Länder ein Mosaik buntester Farben bilden, von echten Demokratien bis zu blutigen Diktaturen... Mit aller Deutlichkeit wurde es bei dieser Vollversammlung klar, dass der Einfluss und die Rolle der vielen neuen Länder Asiens und vor allem Afrikas dazu beitragen wird, das Gesicht der Völkerfamilie zu ändern. Diese Bemerkung kann man auch wörtlich nehmen. Es ist eindrucksvoll, die vielen Vertreter afrikanischer Länder in ihren heimatlichen Trachten zu beobachten. Die „Farbigen” haben allmählich die numerische Mehrheit erhalten, was besonders dadurch auffällt, dass jeder Weisse hiervon unwillkürlieh Kenntnis nehmen muss. So kann kein Zweifel daran bestehen, dass neue Kräfte in der politischen Welt heranwaehsen, die berufen und wahrscheinlich auch befähigt sind, eine neue Epoche einzuleiten. Die gewalti¬ Un Informe sobre el Congo Paris. — Los 2.200 judíos que todavía permanecen en el Congo Jemen el futuro y tienen graves dudas acerca de la posibilidad de quedarse allí, según infor. mó al Hias. Morton Friedman quien arribó a ésta desde Elizabeibville. Dijo que más de 60 familias judías abandonaron el Congo permanentemente como resultado de los graves disturbios de los últimos meses. Un 20 % de la población .judía sufrió directamente como consecuencia de los ataques contra los hogares y los negocios de los blancos. Añadió que si bien la situación era más calma en la actualidad y los temores de nuevas violencias físicas habían disminuido, muchos judíos consideran seriamente abandonar el país. Los judíos constituyen actualmente el 20 % de la población blanca total en Elizabethville. Se han ocupado principalmente del comercio y manufacturas textiles. James Price, director ejecutivo, dijo que el propósito principal de la conferencia de dos días era el de examinar las actuales posibilidades de la emigración judía de Europa Occidental y Oriental y las cambiantes condiciones de los países de inmigración. HANNA MEIER Neuer Bericht aus dem Kongo parjs _ Die 2.200 Juden, die heute noch irn Kongo leben, fürchten iür ihre Zukunft und hegen schwere Zweifel an der Möglichkeit, dort bleiben zu können. Dies berichtete Morton Friedman, welcher hier kürzlich aus Elizabethville eintraf, den Leitern der Rias. Er stellte fest, dass 60 jüdische Familien den Kongo nach den blutigen Umuhen der letzten Monate endgültig verlassen haben. Nach seinen Aussagen haben 20 Prozent der jüdischen Bevölkerung direkt unter den Angriffen gegen die Heime und Geschäfte der Weissen gelitten. Friedman fügte hinzu, obwohl die Lage sich etwas beruhigt habe und die Angst vor neuen tätlichen Angriffen geringer geworden sei, so zögen doch viele Juden in ernstliche Erwägung, das Land zu verlassen. Die Juden bilden gegenwärtig 20 Prozent der gesamten weissen Bevölkerung von Elisabethville. Sie waren hauptsächlich im Handel und Textilgewerbe tätig. James Price, der amtierende Direktor des Hias, bezeichnete als Zweck der zweitägigen Konferenz die Prüfung der vorhandenen Möglichkeiten für die Auswanderung der Juden aus Osteuropa und dem Orient und die wechselnden Zustände in den Einwanderungsländern. * HANNA MEIER gen Umwälzungen der letzten Jahrzehnte sind eben nicht allein auf den Gebieten der Wissenschaft und der Technik festzustellen, sondern zeigen sich langsam auch auf der Ebene geistiger Auseinandersetzungen und politischer Beziehungen. Im Westen ist man bisher nicht recht geneigt, dieser Entwicklung die gebührende Aufmerksamkeit zu schenken. Die einseitige europäisch . amerikanische Erziehung hat von diesen Tendenzen noch wenig Kenntnis genommen. Man sonnt sich noch immer in den Schätzen vergangener Kulturen und vergisst, dass eine neue Zeit auch neue Orientierung verlangt. In der von Russen und Chinesen beherrschten Hälfte der Welt hat man früher als hei uns die Bedeutung der aufstrebenden Völker verstanden und sich auf deren Einordnung wissenschaftlich vorbereitet. Der Osten zeigt sich beweglicher. Vielleicht hat die neue kirchliche Leitung verstanden, welche Kräfte entstehen und welche neue Erfordernisse eine neue Zeit an die westliche Kultur stellt. Die vom Papst Johannes XXIII. geförderte Annähehung von Christentum und Judentum dürfte nicht nur allgemeinen oder sentimentalen Betrachtungen über die Brüderlichkeit aller Menschen entspringen, sondern auf recht realen politischen Ueberlegungen fundiert sein, die auf eine Kooperation der geistigen Kräfte hinzielen, von denen bisher das Abend, land, von denen bisher die europäische Kultur bestimmt worden sind. Vielleicht ist es unter solchen Umständen gesehen auch nicht nur als ein merkwürdiger Zufall zu betrachten, dass einer der Kandidaten zur nordamerikanischen Präsidentschaft und damit zur Führung der westlichen Welt ein Katholik ist... Das« diese Entwicklung auch für das jüdische Volk und für den Staat Israel von grösster Wichtigkeit sein wird, kann nicht bezweifelt werden. Israel hat das recht' zeitig verstanden und sich bemüht, zu allen neuen afrikanischen — und asiatischen — Völkern freundschaftliche Beziehungen anzukn iipf en, was in den ¡meisten Fällen auch gelungen ist. Dass diese Bestrebungen Israels nicht immer zum Erfolg geführt haben, ist bekannt. Man braucht nur an Indien zu denken, dessen Freiheitskampf von ähnlichen Gedanken getragen war wie der Israels. Obwohl im jüdischen Volk grosse Sympathien für Indien und die Haltung seiner Staatsmänner in manchen weltpolitischen Fragen vorherrschen, bedeutet die Einstellung Nehrus und vieler seiner Mitarbeiter für Israel eine grosse Enttäuschung. Von opportunistischen Ueberlegungen geleitet, hat Indien in den letz, ten Jahren eine pro-arabische Politik betrieben, obwohl sowohl die sozialistische Einstellung Nehrus wie seine politischen Doktrinen eine klare Ablehnung der ara. bischen Diktaturen verlangt hätten. Eine unerfreuliche Diskrepanz zwischen Theo- <Schluss auf Seite 2) Material über Eichmann Jerusalem. — Das tschechische Aussenministerium liess der israelischen Regierung durch die Legation in Prag mitteilen, dass es Israel Material über die Tätigkeit Adolf Eichmanns zustellen wird. Hier wurde der Hoffnung Ausdruck gegeben, dass andere Länder des Sowjetblocks diesem Beispiel folgen werden. — (ITA)