Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1821 (21.10.1960)
- Date
- 1960-10-21
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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.8® s ■« ¡¡ R » e w u ai FHANQJEO PAvJADO Concesión 908 TARIFA REDUCIDA Concesión 1829 Año XXI. BUENOS AIRES, VIERNES 21 DE OCTUBRE DE 1960 No. 1821 EL EJEMPLAR en toda la República Buenos Aires PUEYRREDON 2190 19 T. E. 83 . 2613 3.- «q. Die Salems- Ein Mann, Mitte vierzig, sitzt vor mir, dessen tief gebranntes Antlitz von einem schwarzen Bart umrahmt wird, in dem schon weisse Strähnen das heranrückende Alter anzeigen. Wenn ich diesem Mann in den Strassen Jerusalems begegnet wäre, ich hätte ihn für einen den vielen frommen Juden der Heiligen Stadt gehalten, die das wahre Abzeichen des jüdischen Mannes, den Vollbart, tragen. Das lallt in Isr-ae; nicht weiter auf. Und so dürfte Gottfried Müller woh. auch in der Synagoge von Stuttgart nicht werter auticiien, wo er jeden Schabbat-Vormittag, gefolgt von s: inen Freunden, »um Gotte-d enst erscheint, di r hebräischen Gebete rmtsp’ehrend. Gottfried Müller legt mir einen Empfehlungsbrief meines alten Freundes Landesrabbiner Dr. Fritz Bloch aus Stuttgart vor, der auf die hohen humanen Verdienste Gottfried Müllers hinweist, dieses seltsamen Deutschen, der nun zum vierten Mal in Israel, in „Jeruschalajim”, wie er sich ausdrückt, weilte. Im Jahre 1935, als das Hakenkreuz über Deutschland regierte und der Judenhass Staatsreligion geworden war, zog es den jungen Gottfried mit magischer Gewalt nach Jerusalem. Mit dem Volkslied konnte er von sich singen: „Das müsst kein rechter Müller sein, dem niemals fiel das Wandern ein.” Es ist ihm eingefallen. Er setzte sich damals — einundzwanzigjährig — aufs Fahrrad, seinen einzigen Besitz, und fuhr über die Türkei nach Jerusalem. Ein paar Jahre später war er wieder in Palästina als... Kriegsgefangener. In seiner Autobiographie „Brennender Orient” schildert Gottfried Müller diese Erlebnisse. Es hatte ihn im Orient nicht mehr losgelassen. In Bagdad und Kairo trieb er sich umher und wurde so ein Orientkenner, dessen Kenntnisse sich die deutsche Heeresleitung nach Kriegsausbruch zunutze machen wollte. Mit Kommando - Truppen wurde er hier im Vorderen Orient eingesetzt und geriet, was er als „besonderes Glück” ansieht, so rasch wie möglich, von SCHALOM BEN CHORIN in englische Gefangenschaft. Kaum war der Krieg zu Ende, im Jahre 1947, finden wir Gottfried Müller wieder in Erez Israel. Am Vorabend der Staatsgründung Israels hat er das Land noch einmal besucht. Und dann geschah das Wunder: Israel wurde wiedergeboren. Gottfried Müller befragte die Bibel, studierte sie mit heissem Bemühen und gewann — wieder ein Erweckter! — die klare Antwort der Propheten: Gottes Verheissungen trügen nicht. \\ as der Herr seinem erwählten Volk durch den jMund seiner Propheten zu- | gesagt hat, das führt Er auch aus. Israel hat das Land der IVerheissung wieder erhalten. die Söhne des Bundesvolkes kehren heim in ihr Eigentum. Das konnte kein Hitler vereiteln und kein Mufti aufhalten. Der Herr hat es gesprochen und führt es zu herrlichem Ende, j Und wieder begann Müller zu wandern. Aber diesmal durch Deutschland und angrenzende europäische Län- ' der. Ueber tausend Vorträge | hielt er: Israel — das wieder-! geborene, war sein Thema. 'Ganz allein — ein echt deutj scher Einzelgänger — führte Gottfried Müller diesen j,.Kreuzzug für Israel“ durch. ¡Er schloss sich keiner der I bestehenden Organisationen jfür christlich-jüdische Zu- 1 sammenarbeit an; ja er trat aus der ihm angestammten! protestantischen Kirche aus, als er sah, dass die Mehrzahl der Pfarrer und des Kirchenvolkes dem grossen Wunder Israel ganz indifferent gegenüber stehen. (Ich glaube übrigens, dass Müller hier vielen wackeren Pfarrern unrecht tut, denn es ist garnicht mehr zu übersehen, dass viele Pastoren heute, gerade in Deutschland, sich dem Bussruf gegenüber dem jüdisehen Volke anschliessen, zur moralisch-religiösen Wiedergutmachung aufrufend und die Wiedergeburt Israels als ein Geschehen betrachten, das nicht nur politische, sondern ¡darüber hinaus religiöse „heilsgeschichtliche“ Bedeutung hat.) Ueberall fand Gottfried Müller begeisterte Zuhörer, aber nach jedem Vortrag blieben doch nur zwei bis drei Menschen zurück, die wirklich so tief von der Botschaft getroffen waren, dass sie sich Gottfried Müller zu gemeinsamem Werke hnschliessen wollten. So entstand die Bruderschaft Salem, die den Namen Jerusalem also zu ihrem eigenen Namen gewählt hat. Die Form „Salem“ (hebr. eigentlich „Schalem“ ist ja eine Kurzform für Jerusalem, die in der Geschichte von Malkizedek, dem Zeitgenossen Abrahams, vorkommt. Genesis 14.18 und nochmals im 76. Psalm, Vers 3 wiederkehrt.) weithin sichtbaren Aktion. Er und seine Freunde vom Salems _ Bund wollten in Deutschland selbst ein Zentrum wahrer Vöikerversöhnung mir Israel gründen. Es bot sich ihnen der Kauf eines alten Schlosses, Solms in Baden-Baden an, Irgendwo wurden die Mittel in ganz kuizer Zeit aufgebracht, und Gottfried Müller konnte Schloss Solms erwerben, das nun „Haus der Nationen“ genannt wird und insbesondre Tagungen dienen soll, die die nicht-jüdische Völkerwelt mit Israel, mit dem Judentum in lebendigen Kontakt bringen sollen. Die Mitwirkung des Zentralrates der Juden in Deutschland konnte Gott- Der Salemsbruderschaft, die fried Müller erlangen. Zen. bald auch eine eigene Zeittralrats-Generalsekretär Dr. schrift, den „Salems-Boten“ Van Dam und Kulturrefeherausgab, schlossen sich insgesamt dreitausend gläubige Menschen an, vorwiegend Protestanten, aber auch Katholiken. Das Konfessionelle trat ganz zurück über der unmittelbaren Aufgabe der Menschenliebe. Man rent Dr. Hans Lamm stehen dem Projekt positiv gegenüber, ebenso der neue Leiter der Presseabteilung der Israel-Mission in Köln Mosche Hess. Aber beim Regierungspräsidium seiner engeren Heimat Nordwürttemberg kann die Worte der Heiligen! stiess Gottfried Müller auf Schrift sehr verschieden auslegen, meint der religiöse Realist Gottfried Müller, aber während man um „ein Tüttelchen im Gesetz“ streihöfliche Ablehnung. Er versuchte dem Regierungspräsidenten klarzulegen, dass Schloss Solms eine Keimzelle im Kampf gegen den Antet, hungert irgendwo ein j tisemitismus werden soll; al- Menschenbruder und indem ¡lein hierfür sind, wie aus ich ihm helfe, tue ich sicher! einem Schreiben hervorgeht, das Richtige. Also: Religion keine staatlichen Mittel ver- Von Transjordaniern entführt Tel Aviv. — Dolores Anne Baker, die zusammen mit einem Freund am 1. Oktober von Transjo; daniern entführt und 10 Tage in Transjordanien festgehalten wurde, ist, wie sich jetzt herausstellte. die Nichte von Henry Cabot Lodge,'dem republikanischen Kandidaten für die Vizepräsidentschaft. Das 25j;ihrige junge Mädchen und ihr Freund Tony Falco nehmen an dem Unterricht in einem Ulpan im Kibbuz Oivataim teil. Sie kehrten von einem Picknick heim, als sie von bewaffneten transjordanischen Milizsoldaten angehalten, gefesselt und über die Grenze in ein Zelt geschleppt wurden, in dem ein transjordanischer Hauptmann sie verhörte. Nach dem Verhör brachte man sie in ein Gefängnis in der Altstadt von Jerusalem. in dem man sie 10 Tage lang einsperrte, bevor sie nach Israel zurückgebracht wurden. Beide beklagten sich, dass sie von den Transjoi daniern schlecht behandelt worden =oin. (ITA) der Tat! Zunächst wandten sich nun die Salems - Brüder und -Schwestern den Aermsten der Armen im eigenen Lande zu, den sozial Gestrandeten, die nicht vom „Wirtschaftswunder“ beglückt wurden, die irgendwo einmal mit dem Gesetz in Konflikt geraten waren und nun j am Rande der Gesellschaft j dem Abgrund zutrieben. j Gottfried Müller gelang es, j für diese Menschen Häuser in Berlin, Stuttgart und in München zu bauen und sie durch Selbsthilfe wieder zu nützlichen Mitgliedern der Gesellschaft zu machen. Zugleich aber proklamierte der Salems-Bund, dass er „judenfreundlich“ sei, um von vornherein alle Ex-Nazis und Neo-Antisemiten »uszuschliessen. Aber Müller spürte, dass diese Erklärung allein nicht genügte. Immer stärker empfand er, wie so manche andere wache Menschen heute in Deutschland, dass das Wirtschaftswunder die Herzen verhärtet, dass die Deutschen nicht wirklich Busse tun wollen, dass sie über die Schuld an den Juden zur Tagesordnung übergehen wollen. In Hamburg erfasste den an sich nüchternen Mann, der von Hause aus Kaufmann ist, plötzlich am hellen Tage die Vision eines furchtbaren Gerichtes, das über diese Stadt und Deutschland hereinbrechen wird. Er mahnte, rief wieder zu Umkehr und Liebestat, nun direkt gegenüber den Juden auf. Schli.-sslich drängte es ihn. nach den neo-nazistischen Exzessen der kölner ¡Weihnachtsnacht 1959 zur handen. Aber Selfmade-Philanthrop Gottfried Müller lässt sich davon ni&ht entmutigen. Er weiss, dass Exnazis noch überall in deutschen Landen ihr unterschwelliges Wesen treiben. Er weiss, dass die Schuld noch lange nicht ¡„aufgearbeitet“ ist. Aber er weiss auch, dass es einen nicht zu kleinen Kreis von deutschen Menschen gibt, die guten Willens sind. Von ihnen kc~smt die Hilfe für das Werk, das in Schloss Solms begonnen wird, und für sie will Müller in Jerusalem eine Herberge errichten, die zugleich eine Art Judentums-Seminar für Nichtjuden werden soll. Gruppen von Pilgern will Gottfried Müller im Rahmen seines sehr aktiven Salem- Bundes der übrigens in Stuttgart auch ein Theater hat, das entsprechende Zeitstücke zeigt, regelmässig nach Israel bringen. Es soll sehr schlicht und sehr billig vor sich gehen: auch Unbemittelte werden auf diesen Gruppenfahrten Gelegenheit haben, das heilige Land zu sehen, das wiedererstandenc Israel zu schauen und in einer Lernwoche in Jerusa’em vom Geist des Judent.. s einen Hauch zu verspüren. In Solms aber werden die „Morgenlandfahrer“ erst drei Tage gesammelt und zur inneren Sammlung erweckt, um dann seelisch vorbereitet i ins Land der Verhcissung zu ziehen, das Land der Juden mit der Seele suchend. Phantasie? Gewiss gehört Phantasie zu solchem Unterfangen. Aber Müller ist ein Eine Audienz bei Papst Johann Rom. — Die aus 102 Mitgliedern bestehende Mission der ncrdamerikanischen Einheitskampagne (United Jewish Appeal) wurde von Papst Johannes XXIII. in einer unzeremoniellen Audienz empfangen. Der Papst begrüsste seine Besucher liebenswürdig und entschuldigte sich, nicht einem jeden die Hand reichen zu können. Die Mitgliedesder Mission besuchen Rom unter dem Protektorat des Joint. Sie befinden sich auf einer Studienreise nach Europa und Israel im Zusammenhang mit der Einheitskampagne für das Jahr 1961. Der Papst gab Rabbiner Herbert Friedman, dem Vize. Präsidenten der Exekutive der Einheitskampagne, Benjamin Swig aus San Francisco und Adolf Kiesler aus Denver die Hand. Die Besucher dankten dem Papst für das Hilfswerk, das er in seiner Eigenschaft als Päpstlicher Nuntius „zur Rettung jüdischer Opfer der Hitierverfolgungen” geleistet hat. Der Papst antwortete auf italienisch und sprach eine Viertelstunde lang. Er sagte, er fühle sich wie Josef, als die Brüder zu ihm kamen und sich an ihn wie an einen Fremden wandten, sodass Josef schliesslich sich nicht mehr beherrschen konnte und ausrief: „V'uer Bruder bin ich...” Er sprach von .ieren dunklen Tagen, da er als Nuntius in Stambul weilte und den Rabbiner von Jerusalem empfing, der zu ihm kam und ihn um Hilfe für die jerusalemer Juden hat. Er erzählte, damals hätten er und der Rabbiner sich zwei Stunden lang nicht wie Priester zu Priester sondern wie Freunde unterhalten. Der Papst gab seiner Wertschätzung für das Werk der Einheitskampagne und seinen wärmsten Gefühlen für das jüdische Volk Ausdruck. Er erklärte: „Wir sind alle Kinder des gleichen Vaters. Von dieser Grundauffassung ausgehend, kann niemand unsere gegenseitige Annäherung verhindern.” — Die Besucher waren von der vom Past bekundeten Sympathie tief beeindruckt, wovon ihr bewegter Gesichtsausdruck zeugte, noch bevor die Uebersetzung der Ansprache beendet war. (ITA) man so sagen kann, oder besber in Berlin, um zwei herser: ein phantasievoller Reavorragende protestantische list. Er hat mit dem Behau- Kircheniührer zu nennen, sungswerk für Tausende und die zutiefst mit uns verbunmit der straffen Organisation den sind, — die Studenten. der Salems _ Bruderschaft -pfarrer Marquardt und Wekschon gezeigt, dass er zu dem ' kerling in Berlin, die Stu- Häuflein der Aufrechten gedentengruppen nach Israel hört, die wirklich aktiv für . führten, — die Vikarinnen Israel in Deutschland wir-! Timm und Dr. Simon, — die ken. Frauen und Mädchengrup- I Alle Wege führen nach ¡pen nach Israel bringen, — Jerusalem, sagen wir zum! Domkapitular Msgr. Mei- I Abschied und denken an die nertz in Köln, der katholi- | verschiedenen Israel-Freund-! sehe Israelgruppen führt. — J schaftskreise, die heute in ' Kaplan Dr. Franz Rödel und s Deutschland entstanden: seine Mitarbeiterin Freifrau I Erich Lüths Bewegung von Werthern in Jetzeni „Friede mit Israel“ in Ham. dorf, die einen jüdischen bürg, — die Marienschwe- ¡Aufklärungsdienst „Wahrstem mit ihrer Israel-Lilur- ¡heit und Liebe“ herausgeben! gie, ihren Israel-Spielen und j— Prof. Rengstorf in Miinihren nach Israel entsand-;ster, der ein Judaistisches ten Schwestern, mit dem ¡Institut leitet und die Stu- Mutterhaus in Darmstadt — | Jientagungen Kirche und Is- Dr. Gertrud Luckner und jrael abhält... ihr Freiburger Rundbriefj Oft wissen diese Israel kreis, — Prälat D. Hermann freunde nichts voneinander, ¡.Maas in Heidelberg und Probst Dr. D. Heinrich Grüaber in Jerusalem trifft ¡man sich. Absage an Antisemitismus Rio de Janeiro. — Janio Quadros, der soeben gewählte Präsident Brasiliens, und Carlos Lacerda, der zum Gouverneur des neuen brasilianischen Staates Guanabara gewählt wurde, wehrten sich dagegen, als Antisemiten bezeichnet zu werden, wie dies während des Wahlkampfes geschehen ist. Sie verwiesen auf ihre „Freundschaft“ mit Israel und den Abscheu, den sie den sie vor irgendeiner Art von Antisemitismus empfinden. Wie man glaubt, waren die gegen sie erhobenen Beschuldigungen kommunistischen Ursprungs. Quadros versicherte dem Präsidenten des Verbandes Jüdischer Gemeinden Brasiliens, Moisés Kaufmann, „er werde mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln bestrebt sein, die Souveränität Israels zu unterstützen, da seiner Auffassung nach die historischen Wurzeln Israels dies erheischen". In einer Versammlung erklärte der gewählte Gouverneur Lacerda vor 30.000 Personen: „Ich werde mich mit der Enlw.cklung neuer Berufsschulen befassen und hierzu die Hilfe des fortschrittlichsten Staates der Welt. Israel, in Anspruch nehmen. Mit der Hilfe Israels werden wir den Stand unserer Unterrichtsanstalten zuheben in der Lage sein.“ (ITA) / / Registro de la Propiedad Intelectual No 656.635 realistischer Phantast, wenn i Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Corrientes 31.14