Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1821 (21.10.1960)
- Date
- 1960-10-21
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
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JÜDISCHE UIOUfKQIH PUEYRREDON 2190 — 1’ izq. Año XXI. JbiJenuwxi^XCijeíiía BUENOS AIRES. VIERNES 21 DE OCTUBRE DE 1960 T. E. 872613 No. 1821 Wege einer neuen Politik Die 15. Vollversammlung der Vereinten Nationen, an der so viele Staatsoberhäupter wie noch nie teilnehmen, die mit einem Glanz eröffnet wurde, den diese Räume noch niemals gesehen haben, die soviel künstliche Unruhe in diese für gewöhnlich stillen Gänge trug, hat im Hinblick auf Israel eine Tatsache klargestellt: der Krieg ist vorüber. Wenn die Araber, entweder mit Worten oder anderen Waffen, nicht zum Angriff übergehen, so wird Israel niemanden, auch nicht die Araber bekämpfen. Israel hat den Weg einer neuen Politik beschritten, um der Welt zu beweisen, dass es mit äusserstem Selbstvertrauen und grosser Festigkeit sein technisches Wissen, seine wissenschaftlichen Fortschritte und sein diplomatisches Geschick unvon SAUL CARSON erschütterlich zu verwenden entschlossen ist, um an der Seite der wichtigsten neuen" Staaten einen Teil der Welt von morgen zu bilden. Israel verschwendet seine Munition nicht, um hier zu kämpfen, es sei denn, um sich zu verteidigen. Die aufmerksame Prüfung der Wahl seiner Delegierten in diesem Jahr beweist dies. Aussenminister Golda Meir führt die Delegation in der ersten Phase der Sitzungen. Israels ständiger Repräsentant Michael S. Comay ist Delegationschef in ihrer Abwesenheit, und sein Stellvertreter ■ ist Arie Eshel, Sachverstänjdiger für Lateinamerika. ¡Dann kommt Arie Levavi, jder im Verlauf des Streites ■ um die Ergreifung Adolf Eichmanns aus Argentinien verwiesen wurde. Nach ihm kommt der juristische Berater des israelischen Aussenministeriums, Shabtai Rosenne, der Mann, der die Beilegung des Konflikts zwischen Jerusalem und Buenos ¡Aires „ausarbeitete'’, und schliesslich gehört der Dele- Igation ein Experte für Beziehungen mit Westeuropa, ¡Eliahu Sasson, Israels Botjschafter in Italien, an. Wei- ■tere Mitglieder der in die- ¡sem Jahr sehr zahlreichen Delegation sind Fachleute für Beziehungen mit afrikanischen Staaten, für Fragen der Wissenschaft, Arbeit und sozialen Wohlfahrt, Wirtschafts-Spezialisten und ein militärischer Sachverständiger. Israel nimmt sich nicht einmal die Mühe, gegen die WIE ICH ES SEHE Nutzniesser der Demokratie! von JEHUDA GOTTHEIMER Die Weimarer Republik wurde viel gescholten. Sie war das Ziel heftiger Angriffe durch alle Rechtsparteien, die sich in diesem Punkt — und nicht nur in diesem — mit den Stimmen der Kommunisten vereinten. Die Nazis machten die Weimarer Republik zum Gegenstand ihrer übelsten Angriffe, ihres Hasses und ihres Spottes. So hat sich die gesamte Oeffentlichkeit daran gewöhnt, in der Weimarer Republik ein verächtliches, zumindest aber ein bemitleidenswertes Staatswesen der völligen Unfähigkeit zu erblicken. Gegen diese, oberflächliche und gewiss ungerechte Beurteilung schrieb der Jurist Klaus Revermann ein mit wissenschaftlicher Exaktheit abgefasstes Buch mit dem langen Titel: „Die stufenweise Durchbrechung des Verfassungssystems der Weimarer Republik in den Jahren 1930 bis 1933. Eine staatsrechtliche und historisch-politische Analyse“. Das zusammengetragene Material ist äusserst wertvoll, die juristisch-wissenschaftlichen Ausführungen verdienen die Beachtung aller Fachleute und eines breiten Publikums, das an der Erforschung der Wahrheit und an der Erkenntnis der Entwicklung interessiert ist, einer Entwicklung, die uns allen selbst zum Schicksal geworden ist. Der Autor kommt zu der Schlussfolgerung, die im folgenden wörtlich wiedergegeben sei, weil sie nicht nur den Blick auf die Fehler und Sünden einer unterge«- gangenen Epoche richtet, sondern für die Bewertung und Beurteilung der heutigen Situation von Bedeutung ist. Revermann schreibt: „Grundsätzlich waren die aus der Novemberrevolution hervorgegangenen Ideen der Weimarer Republik staatsrechtlich wie politisch richtig und wirkten fruchtbar. Man muss stets bedenken, dass „die erste deutsche Republik nicht nur ein Opfer einiger Fehler und Inkonsequenzen geworden ist, sondern auch ein Opfer ihrer positiven Seiten; denn stets wird die Diktatur von der Demokratie, die Barbarei von der Menschlichkeit profitieren“, womit der Verfasser einen bekannten Ausj Spruch Stampfers zitiert. I Mit dem Blick in die Zuikunft gerichtet schliesst Re- ■ vermann seine Analyse: Kubitsehek wird Israel besuchen Rio de Janeiro. — Präsident Juscelino Kubitsehek wird auf seiner bevorstehenden Orientreise im kommenden November auch Israel besuchen, wie offiziell bekannt gegeben wurde. Auf einer Pressekonferenz sprach Dr. Kubitsehek lobend über die Errungenschaften Israels, vermied es jedoch, auf eine Frage z-u antworten, ob sein geplanter Besuch in Israel Anlass dazu geben würde, seinen Besuch in einigen benachbarten Ländern abzusagen. Auf eine andere Frage entgegnete er: „Ich möchte gern Israel, das Land, welches durch Pionierarbeit so grosse Fortschritte gemacht hat, kennenlernen. Dieses Land erfüllt mich Stolz, weil seine Aufbauarbeit mich lebhaft an das erinnert, was wir in Brasilien erreichen konnten.” (ITA) „Das werden wir zu berücksichtigen haben, wenn wir hoffen, ein statisches demokratisches Verfassungssystem werde uns entscheidend vor einer dynamischen politischen Entwicklung zum Radikalismus und zur Diktatur schützen. Eine Verfassung kann immer nur ein wichtiges Hilfsmittel in der Hand derer sein, die selber bereit sind, schützend vor ihren Staat zu treten. Das lehrt die Erfahrung von Weimar“. Mit dieser Auffassung stellt die Untersuchung nicht allein die Rechtfertigung einer Verfassung oder einer bestimmten politischen Haltung während einer abgeschlossenen Epoche dar, sondern bedeutet Quelle der Erkenntnis für die Gegenwart und für eine noch nicht überwundene Vergangen, heit. Weimar ist an Weimar gescheitert. Nicht die Verfassung trägt hieran Schuld oder Verantwortung, sondern die Menschen, die sich nicht geneigt zeigten, aus den alten Bahnen zu neuen Wegen zu gelangen. Man hat dies anders formuliert, wohl aber dasselbe gemeint, wenn man die Menschen nicht für eine demokratische Lebensform herangereift bezeichnete. Hat sich in dieser Hinsicht ein grundlegender Wandel vollzogen? Wir verbinden diese Frage häufig mit dem Auftreten oder Vorhandensein von Antisemitismus. Diese Betrachtungsweise ist jedoch einseitig und zweckgebunden. Richtig mag sein, dass immer dort, wo antisemitische Kräfte wirken, die Reaktion die Oberhand gewinnt, die jeder demokratischen Ordnung feindlich gegenüber, steht. Als Indiz mag also diese Form der Untersuchung einen Wert haben, aber als Prinzip dürfen wir diese Komponente nicht zum Wahl der VAR in den Sicherheitsrat zu opponieren. Seit den ersten Anfängen der UN war stets ein Mitteloststaat Ratsmitglied — doch niemals Israel. Seit 1946 gehörte ständig einer dieser Staaten zu den 11 Mitgliedern des Rates, so Aegypten (zweimal), Syrien, die Türkei, Libanon, Iran, Irak, Tunis. Zum ersten Mal wurde jetzt ein Israeli, Dr. Shabtai Rosenne, vor einigen Tagen zum Vizepräsidenten der Juristischen Kommission der UN gewählt. Statt gegen die Politik zu kämpfen, die unter Führung der Arabischen Liga und mit Unterstützung des Sowjetblocks die Diskriminierung des jüdischen Staates bezweckt, richtet Israel seine Augen auf die Fragen, die die Völker betreffen, welche! in der Welt von morgen die •grösste Bedeutung haben werden, und diese Staaten liegen in Lateinamerika, Asien und Afrika. Die Generalversammlung wird höchstwahrscheinlich den UN beweisen, dass es keinen eigentlichen afroasiatischen Block gibt, wie Gamal Abdel Nasser dies behauptet. Er wird einsehen müssen, dass er unrecht hat. Nicht nur ist keine Basis für einen afroasiatischen Zusammenschluss vorhanden, sondern es besteht nicht einmal ein fester afrikanischer Block. Das „Schwarze Afrika” ist nicht länger willens, die Führerschaft des Kontinents den mohammedanischen Afrikanern zu überlassen. Das Afrika südlich der Sahara wehrt sich mehr und mehr gegen die Vorherrschaft der alten asiatischen Führer und die Ueberheblichkeit der arabischen Führerschaft, die ihren Sitz in Kairo hat. Israel war hell- Otros Hallazgos Arqueológicos Jerusalem. — Un sello representando a un hombre en lucha con un león, que puede haber sido el sello de Bar Kojba, fué hallado por la expedición arqueológica que en el invierno pasado descubrió en una cueva cercana al Mar Muerto los archivos de los luchadores ju_ dios por la libertad, quienes dirigieron la rebelión contra los romanos en el segundo siglo de Cristo, según informó el Profesor Igal Yadin, a cargo de dicha ezpedición. Hizo la revelación en una conferencia pronunciada en la sesión de clausura de la conferencia anua) de la sociedad israelí de arqueología. Uno de los principales participantes en la conferencia fué el presidente Iizjac Ben Zvi quien habló sobre Aharon Ben Moshe Ben Asher, el erudito medioeval palestino. Un manuscripto valiosísimo del Keter Hatorá" de Ben Asher ha sido traído a ésta desde Siria. Es esta la más antigua biblia en pergamino en forma de libro, a diferencia de las anteriores, en forma de rollo. El "Keler Hatorá" dala del siglo X y fué usado por Maimonides y sus coetáneos como fuente básica. Los eruditos bibliográficos judíos y cristianos reconocen el enorme valor del "Keler Hatorá". SCHLOMO S. TANGER Neue archaeologische Funde Jerusalem. — Ein Siegel, auf dem ein Mann im Kampf mit einem Löwen abgebildet ist und das sehr -wohl das Siegel Bar Kochbas sein könnte, wurde von der archäologischen Expedition gefunden, die im vergangenen Winter in einer nahe dem Toten Meer gelegenen Höhle die Archive der jüdischn Freiheitskämpfer entdeckte, welche im zweiten Jahrhundert i d. g. Z. den Aufstand gegen die Römer anführten, I wie Prof. Jigal Jadin, der die Expedition leitete, jetzt mitteilte. Er machte diese Enthüllung bei einer Rede, die er in der Schluss-Sitzung der Jahreskonferenz der israelischen Archäologischen Gesellschaft hielt. Einer der Hauptteilnehmer an der Konferenz war Präsident Jizchak Ben Zwi, der über Aharon Ben Mosche Ben Ascher, den mittelalterlichen palästinensischen Gelehrten sprach. Ein kostbares Manuskript des „Keter Hatora” von Ben Ascher war aus Syrien herbeigebracht worden. Dies ist die älteste Bibel auf Pergament in Buchform, während die früheren auf Rollen geschrieben waren. Der „Keter Hatora” datiert aus dem X. Jahrhundert und wurde von Maimonides und seinen Zeitgenossen als erste Quelle benutzt. Die jüdischen und christlichen Schriftgelehrten erkennen den ungeheuren Wert des „Keter Hatora” an. SCHLOMO S. TANGER sichtig genug, diese neue Entwicklung zu erkennen und hat sich an die Seite der afrikanischen oder asiatischen Völker gestellt, die sich weigern, nach der Pfeife Nassers zu tanzen. Der Brennpunkt liegt nicht mehr im Mittelosten, sondern er hat sich nach Afrika und Lateinamerika verlagert, und dieser Prozess wird immer klarer werden. Wenn einmal die übrige Welt diese Tatsache einsieht, dann wird sie feststellen müssen, dass Israel dieser Entwicklung vorausgeeilt ist und in diesen Zonen schon Freunde und Einfluss auf Menschen und Regierungen gewonnen hat. (ITA) Masstab der Beurteilung machen. Der Antisemitismus der Parteien und Bewegungen, die am Sturz der Weimarer Republik gearbeitet haben, war kein zufälliger. Aber ihre Gegnerschaft zu Weimar war nicht von ihrem Antisemitismus bedingt, der lediglich ein für sie zugkräftiges Mittel ■ zum Betäuben und Aufpeitschen der politischen Leidenschaften der unzufriedenen Massen gewesen ist. Die Gefahren, die der neuen Republik drohen, sind nicht die gleichen, die schliesslich zum Untergang Weimars geführt haben. Die internationale Lage hat sich gründlich gewandelt. Aber die prinzipiellen Gegner bedienen sich noch immer der gleichen Argumente. Deswegen hat Revermann Recht, dass die heutige Generation aus dem Schicksal lernen kann, das die Weimarer Republik gehabt hat. Zu viele reaktionäre Elemente sind noch am Werk, zu vie- | le, die aktiv an der Gestaltung der Vergangenheit teil- |genommen haben, die nach i den vielen klagenden Stim- Jmen vor Publizisten und; Beobachtern bisher nicht überwunden werden konnte. Aehnlich wie bei den Verteidigern der Weimarer Republik fehlt es heute vielfach an der Entschlossenheit,, die Schlacken einer schrecklichen Zeit auszumerzen. Die Bereitschaft zu Kompromissen in ideologischer Hinsicht bedeutet immer ein Zurückweichen, eine Erschütterung und eine Schwächung der eigenen Position. Damit werden neue Angriffsflächen gerade dort geschaffen, wo man es vermeiden wollte und sollte. Hierfür seien einige Beispiele gegeben. ■ NUR EIN LIED Die Bewohner einer kleinen Stadt protestierten dagegen, dass auf einem Treffen der ehemaligen WaffenjSS Lieder gesungen wurden |wie „Wenn alle untreu werjden, so bleiben wir doch treu' oder„Wir sind die alte Garde, die Adolf Hitler liebt“. Die zuständige 'Landespolizeidirektion erwiderte der erregten Bürgerschaft, dass die beiden beanstandeten Lieder nicht auf der Liste der in Bayern verbotenen nationalsozialistischen Lieder stünden... Tn Wirklichkeit geht es aber garnicht — jedenfalls nach unserer Auffassung — um die Frage, ob solche Lieder gesungen werden solle* oder nicht, durch die ma* die unverbrüderliche Treue jzum „Führer“ dokumentiert Die Tatsache allein, dass man eine Organisation wie die Waffen-SS in irgendeine] Form bestehen lässt, ist bezeichnend für die Kompro missbereitschaft, die immei gefährlich ist, mag sie nur auf echter Grosszügigkef oder auf Lauheit beruhen. ■ VON EINEM j DEUTSCHEN BISCHOF Der noch heute amtierende Bischof D. Dr. Otto Dibeliui hat auch eine offenbar nich überwundene Vergangenheit Heute wird er zwar ah Feind der Kommunisten ge feiert, was aber seine frühere Tätigkeit nicht in eir besseres Licht zu setzen ver mag. Auf solche Freund« sollte die Demokratie bessei verzichten. Am 9. April 193! schrieb Dr. Dibelius im Ber liner Evangelischen Sonn tagsblatt: „... In dieser Be Ziehung — wir haben das ar dieser Stelle immer wiedei gesagt — haben sich di« deutschen Regierungen sei (Schluss auf Seite 2) Dr. Goldmann in Israel Tel Aviv. — Dr. chum Goldmann, der 1 sident der Zionistisc Organisation, traf Genf kommend hier um an der letzten zung des Aktionscom vor dem Zionistisc Weltkongress teilzui men. Des weiteren fir eine Plenarsitzung Jewish Agency statt. ] de Institutionen débat ren über das defini: Programm des bevor henden Kongresses. (I' V7