Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1820 (18.10.1960)
- Date
- 1960-10-18
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
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FRANC) JEO PAGADO Concesión 908 EL EJEMPLAR», en toda la República J] TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 Buenos Aires PUEYRREDON 2190 1« T. E. 83 - 2613 Año XXI. BUENOS AIRES, MARTES 18 DE OCTUBRE DE 1960 No. 1820 m Ein leeres Versprechen Die „Süddeutsche Zeitung” beiuehtet: „Wir haben nicht nur eine politische, sondern vor allem eine moralische Verpflichtung. hier zu helfen”, sagte der deutsche Bundestagsabgeordnete Ritzel (SPD), als er im Bundestag einen Antrag seiner Fraktion begründete. der sich mit einem der vielen brennenden Wiedergutmachungs - Probleme be. sehäftigte. Die SPD verlangte in ihrem Antrag, dass 30 polnischen Frauen, die im Konzentrationslager Ravensbrück zu medizinischen Versuchen herangezogen wurden. endlich, nach 15jährigem Warten, Wiedergutmachung gewährt werde, — ungeachtet der politischen Schwierigkeiten, die sich aus der Tatsache ergeben, dass »wischen der Bundesrepublik und Polen keine diplomatischen Beziehungen bestehen. Im KZ Ravensbrück waren während des Krieges rund 100.000 Frauen inhaftiert. darunter 33.000 Polinnen. Professor Karl Franz Gebhardt, der unter Hitler bis zum SS-Brigadeführer avancierte, und seine Gehilfen, begannen 1942 mit ihren grauenvollen Experimenten. Die Opfer waren junge Polinnen zwischen 16 und 30 Jahren. In den Protokollen des Nürnberger Aerzteprozesses heisst es dazu: „Subjekten der Experimente wurden absichtlich Wunden beigebracht und mit Bakterien wie Streptokokken, Gasbrand und Tetanus infiziert. Die Blutzirkulation wurde durch Abbinden der Blutgefässe an beiden Seiten der Wunden unterbrochen und so die Bedingung einer Kriegsverwundung hergestellt. Die Infektion wurde dadurch verstärkt, dass Holz. späne und Glassplitter in die Wunden eingelassen wurden... Einige Subjekte starben als Folge der Experimente, andere erlitten ernste Schäden und schwere Qualen.” Bei anderen „Versuchen” wurden Knochenteile, Muskeln und Nerven entfernt, Knochen absichtlich gebrochen, oft fünf, und sechsmal hintereinander. Einer Reihe von Polinnen injizierte man auch Benzin. Wer das alles nicht zu überstehen vermochte, wurde erschossen. I Als die Sowjets 1945 das ¡KZ Ravensbrück erreichten, lebten von den 79 Versuehs- | Opfern nur noch 53. Noch j heute leiden diese Polinnen I an Herzbeschwerden, Tuberkulose, Knochenmarkentzündung und Störungen des Nervensystems; hinzu kommen die Verunstaltungen, 'die ihnen zugefügt wurden. lAlle überlebenden Frauen [sind erheblich erwerbsbehin- ■dert, viele von ihnen völlig ¡arbeitsunfähig und nur wenige haben heiraten können. Die einzige regelmässige Unterstüzung besteht aus einer kleinen Rente, die ihnen die polnische Wohlfahrtsbehörde zahlt. Die Amerikanerin Caroline Ferriday brachte die Notlaj ge dieser Polinnen im Sorajmer 1958 Norman Cousins pur Kenntnis, dem Herausgeber der in New York erj scheinenden Wochenschrift jSaturday Rewiew. 43 der Frauen wurden alsbald in amerikanischen Hospitälern behandelt und finanziell unterstützt. Ehe sie in ihre Heimat zurückkehrten, nahmen die Polinnen an einer Sitzung des amerikanischen Senats teil, die den deutschen Wiedergutmachungswillen eigentlich hätte spontan beleben sollen. Es sprachen acht Senatoren. Kein Wort des Hasses fiel gegen Deutschland; aber gerade in ihrer Mässigung waren die Reden der Senatoren eine einzige Anklage. Bereits 1950 hatte sich die Frauenrechtskommission der UN mit der Lage der weiblichen Opfer dieser KZ-Expe- ' Timente beschäftigt. Der Knesset-Deputierte in Uruguay Montevideo. — Die Knesset-Deputierten Meir Argow und Jizchak Korn, die kürzlich auf einer Studienreise in Uruguay eintrafen, wurden in der vorigen Woche vom israelischen Botschafter Arcavi mit einem Bankett geehrt, dem der Nationalrat Dr. Hector Paysse Teves und alle Mitglieder der Kommissionen für auswärtige Angelegenheiten des Senats und der Kammer beiwohnten. Argow und Korn wurden vom Präsidenten der Repräsentantenkammer Alejandro Zorilla de San Martin und Deputierten aller Sektoren empfangen. Zorilla de San Martin gab seiner Befriedigung iibei die Verstärkung der Bande zwischen Uruguay und Israel Ausdruck und gedachte mit herzlichen Worten des Besuchs von Frau Golda Meir. der beim Volk und der Regierung Uruguajs ein u: vergessliches Andenken hinterlassen habe. Der israelische Botschafter in Montevideo verabschiedete eine Gruppe von 23 Olim aus Uruguay, die nach Israel reisen. Das Einwanderungsbüro der Jewish Agency in Uruguay veranstaltete einen Empfang für diese Auswanderer, die sich aus Chaluzim des Hasehomer Hn/air und Angehörigen der Mittelklasse zusam. menpetzen. Int laufenden Jahr wird eine beträchtliche Zunahme von uruguayischen Juden erwartet, die sich in Israel nicdciiasscn wollen, (ITA) Wirtschafts, und Sozialrat der UN appellierte an die deutschen Behörden, den Opfern volle Entschädigungen zu gewähren. Im Juli 1951 fasste dann auch das Bundeskabinett einen Beschluss. wonach „unter Berücksichtigung der vorliegenden moralischen Verpflichtungen” auch den jetzt im Ausland lebenden Opfern von Menschenversuchen „in besonderen Notfällen” wirksame Hilfe zuteil werden sollte. Ausdrücklich betonte das Kabinett, dass „Opfer von Menschenversuchen, denen aus anderen Gründen lein Wiedergutmachungsan- I Spruch nicht zusteht”, von f der Hilfe nicht ausgeschlos- | sen sein sollten. j Das Bundesentschädigungs- ¡gesetz vom Juli 1956 über- I holte dann auch die bis daj hin bestehende, unvollstän. j lige, Länder- und Bundesgei setzgebung und brachte eine einheitliche Regelung der Entschädigung. Doch machte das Gesetz den Anspruch auf Entschädigung davon abhängig, dass der Geschädigte innerhalb der Grenzen des „Deutschen Reiches” seinen Wohnsitz hatte. Das Gesetz definiert zwar Ausnahmefälle, nach denen Flüchtlinge und Staatenlose, deren Wohnsitz das „Deutsche Reich” nicht war, ebenfalls Ansprüche stellen können: die Auszahlung wird aber von eigenen Verträgen abhängig gemacht, die zwischen der Bundesrepublik und dem betreffenden Land die Wiedergutmachungsansprüche regeln. Da Polen und die Bundesrepublik keinerlei diplomatische Beziehungen pflegen, war es nicht möglich, einen entsprechenden Vertrag zu schliessen. In Gesprächen mit Vertretern der Bundesregierung war Nonman Cousins zugesiichert werden, die diplomatischen Schwierigkeiten zwischen der Bundesrepublik und Polen zu umgehen. Der Vorschlag ging dahin, einem in Amerika gegründeten Hilfscomite die Vertretung der Polinnen zu übertragen. Am 27. Februar 1959, als die Frauen schon zwei Monate lang in den Staaten waren, teilte das Presse, und Inforrr.ationsamt der Deutschen Botschaft in Washington dem Cousins-Ausschuss mit, dass die Bundesrepublik bereit sei, an die Polinnen je 1000 Dollar „als Beitrag zu den Heilungskosten” zu leisten. Da die Frauen befürchteten, dass dieser Betrag die gesamte Entschädigung sein könnte, lehnten sie die Annahme des Geldes ab und übergaben es zur vorläufigen Verwahrung dem Cousins-Ausschuss. In ihrem Begleitschreiben hatte die Deutsche Botschaft dem Cousins-Ausschuss mitgeteilt, die V jeder gutmajehungsanspriiehe der PolinjOen würden einer ..'¡ringen- ¡den” Prüfung unterzogen. Dabei ist cs bis heute geblio- I I «>en. VOM AUFBAU ISRAELS ,«. MM IS mm Die ersle Serie des in Israel montierten Autos ,,Siudebaker-Laxk" vor der Fertigstellung auf dem laufenden Band in den Werkstätten von Kaiser Frazer in Haifa# Anklage gegen DRP-Politiker Sapir in Südamerika Jerusalem. — Der Minister für Handel und Industrie, Pinchas Sapir, wird aus Skandinavien nach Israel zurückkehren. um dann vor Ende dieses Monats eine Rundreise durch 12 südameritanische Länder zu un. ternehmen. Bei seinem Aufenthalt in Südamerika wird Minister Sapir sich für eine Steigerung der Investitionen in Israel und die Förderung der kommerziellen Verbindungen einsetzen. Die israelische Ausfuhr nach Brasilien z. B. hat eine besonders starke Zunahme erfahren, und man rechnet damit, dass sie in diesem Jahre 25 Millionen Dollar erreichen dürfte. (ITA) Keine Wehrmachtsorden Wien. — Der österreichische Minister für Inneres, Afritsch, und der Minister für Verteidigung, Graf, ha. ben das Tragen deutscher Kriegsauszeichnungen des zweiten Weltkrieges bei der österreichischen Polizei, der Gendarmerie und beim Bundeslicer erneut entschieden abgelehnt. Sie erklärten: „Es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass der zweite Weltkrieg kein Krieg Oesterreichs war und dass d:r Orden und Ehrenzeichen d r deutschen Wehrmacht von einem Regime verliehen wurden, das die staatliche Selbständigkeit Oesterreichs taenios-nisti vernichtet hat. Ein kompromissloses Bekenntnis zur Selbständigkeit Oesterreichs verbietet daher allen jenen, ¿die als Repräsentanten dos i Staates anzusehen sind, sol-! che Orden und Ehrenzeichen j :zu tragen. (AWZ) Bielefeld. — Gegen führende Männer der Deutschen Reichspartei (DRP) hat die Staatsanwaltschaft Bielefeld Anklage wegen Beleidigung des nordrhein-westfälischen Innenministers Dufhues erhoben. Wie von der Staatsanwaltschaft mitgeteilt wurde, richtet sich die Anklage gegen den Hauptschriftleiter der Wochenzeitung (iReichsi ruf“ und DRP-Pressereferenten Adolf von Thadden, gegen den früheren ersten DRP-Vorsitzenden Wilhelm Meinberg, den früheren j stellvertretenden Vorsitzen- | den Otto Hess, den jetzigen | DRP-Vorsitzenden Professor Dr. Heinrich Kunstmann so- ,wie gegen den Chefredak-! teur der „Deutschen Wochenzeitung“, Heinrich Härt- | le. | Von Thadden hat sich nach Ansicht der Staatsan- I waltschaft der Beleidigung ¡und üblen Nachrede sejiui- ¡dig gemacht, weil er in ei. |nem Artikel im „Reichsruf“ ¡den Vorwurf erhoben hat, ¡der nordrhein . westfälische ¡Innenminister habe bei Aeuisserungen über die Kölner Synagogen - Schändung im vergangenen Jahr den Sachverhalt entstellt und die Oeffentlichkeit wider besseres Wissen irregeführt. Ein weiterer Anklagepunkt betrifft eine Presseerklärung zui Kölner Synagogenschändung, che von von Thadden und Meinberg verfasst und von Hess und Kunstmann gutgeheissen worden war. rarin war Dufhues vorgeworfen w .) den, dass er als CDU-Politiker sein Ministeramt dazu missbrauche, eine grosse Gruppe von Staatsbürgern zu verdächtigen und zu verleumden. —• (AWZ) Dr. Servatius besuchte Eichmann Jerusalem, -r- Verschiedene Ereignisse Messen die ) Frage aufkommen, wer die Honorare des kölner Anwalts Dr. Robert Servatius zahlen wird, der die Verteidigung des Kriegsverbrechers Eichmann übernommen hat. Es wird hervorgehoben, dass Servatius, der seinen Aufenthalt in Israel abgekürzt bat, ausweichende Antworten über seine Honorare gab und nur bemerkte, dass „die Familie und Freunde” die Kosten tragen würden. Andererseits weiss man, dass Eiehmanns Familie sich Geld borgen musste, um die Reise nach Westdeutschland zu bezahlen, wo sie mit Dr. Servatius zusammentrafen, bevor dieser nach Israel fuhr. Wie es heisst, hat der Verteidiger ein Honorar von 100.000 Mark verlangt, wenn der Prozess nicht länger als drei Monate dauert. Servatius hatte ursprünglich die Absicht gehabt, zwei Wochen in Israel zu bleiben, um die Vorarbeiten für den im kommenden März beginnenden Prozess in Angriff zu nehmen. Vor seiner Abreise wollte er Eichmann noch ein zweites Mal aufsuchen. Die erste Unterredung der beiden, die zwei Stunden währte, fand in einer gläsernen, schalldichten Kabine Statt. tITA) Registro de la Propiedad Intelectual No. 656 635 Impreso en la Imprenta POLIGLOTA Corrientes 3114 ..... il J n /