Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1819 (12.10.1960)
- Date
- 1960-10-12
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
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PUEYRREDON i 2190 — 1’ i*q. JfoJ&M£utciJss\jCieiiïa T. E. 8? - 2 6 1 3 Año XXI. BUENOS AIRES. MIERCOLES 12 DE OCTUBRE DE 1960 No. 1819 Golda Meirs Sede /or den Muy Sensibles a la Crítica Viema. — La jerarquía soviética está aparentemente preocupada por la creciente crítica del trato dado a la judería rusa, según se desprende de un informe que contiene datos sobre las actividades religiosas judías a fin de demostrar que éstas son muy extensas. El documento apareció en forma de una serie de respuestas a supuestas preguntas enviadas a "Unión Soviética", el semanario publicado por la embajada rusa en Viena. El semanario asevera que se celebran servisios religiosos regulares en 150 synagogas en toda la URRS. Dice que se está preparando una nueva edición de un libro judío de oraciones y que la comunidad judía de Moscú posee una cuenta bancaria con 500.000 rublos. Dice "Unión Soviética" que los judíos rusos se rien de los informes de que no se permite en Rusia el horneado de Malzot y declara que en marzo y abril de 1960 fueron vendidas 70 tons de las mismas. Asimismo afirma que el rabino jefe Yehuda Lcvin es rector del seminario rabínico en Moscú. La sinagoga de Mos. Vereinte Nationen. — Israels Aussenminister Golda Meir forderte Nasser auf, „mit Israel zu verhandeln“, um „Frieden oder zumindest einen Nichtangriffspakt zu schliessen“. Sie wiederholte — „im Namen meines Premierministers“ —, dass Ben Gurion ohne jegliche Vorbedingung zu einer solchen Zusammenkunft „hier oder an irgendeinem Ort, den man ihm vorschlagen sollte“, bereit sei. In ihrer Rede vor der Vollversammlung der UN, in der sie die Aussenpolitik ihres Landes klarsteilte, richtete Frau Meir ihr Angebot eben, falls an den jungen König Hussein von Transjordanien lind den Ministerpräsidenten des Libanon, die vorher vor den UN gesprochen hatten. Im Namen ihrer Regierung approbierte sie das Vorgehen des UN _ Generalsekretärs Hammarskjöld in Kongo das Krutschew heftig angegriffen hatte. Sie verlangte die „völlige Abrüstung Israels und der arabischen Staaten unter gegenseitiger Kontrolle“. Ferner ersuchte sie die Versammlung, eine Resolution, anzunehmen, die die Prinzipien beinhaltet, über welche sich Israel und die Vertreter von 40 anderen meist afrikanischen Nationen, bei der Konferenz über die Rolle der Wissenschaft in der Entwicklung junger Staaten einigten. Frau Meir wandte sich ge- Igen die Behauptung der Araber, zwischen ihren Völkern und Israel herrsche ein Kriegszustand, und forderte die Aufhebung der ökonomischen und politischen Blokikade gegen Israel. Mit dem Hinweis auf den Umstand, dass seit Zusammentritt der Versammlung am 20. September 16 neue Mitglieder in die UN aufgenommen wurden, ersucht Frau Tleir darum, dass diesen neuen Staaten die Vorteile der modernen Wissenschaft und Technik zugänglich gemacht würden. „Meine Delegation“, führte sie aus, „hat aufmerksam j den Worten des VAR-Präsi-! denten gelauscht, dvr über j die Prinzipien des Friedens und der Wahrung der UN- WIE ICH ES SEHE und Religion von JEHUDA GOTTHEIMER Um jeder Mitleidskampagne bei der Verfolgung der Kriegsverbrecher auszuweichen, wäre es angebracht, die breite Oeffentlichkeit über das Treiben dieser entmenschten Menschen aufzuklären. Wir haben an dieser Stelle bereits einmal darauf hingewiesen, dass die Ausrottung der Juden mit einem erbitterten Kampf gegen die Kirchen und das Christentum verbunden gewesen ist. Diese Auseinandersetzungen begannen bereits vor der Machtergreifung der Nazis, nahmen dann aber mit einer ungewöhnlichen Heftigkeit zu, bis der Raubstaat Schaucprozesse gegen Mönche und Nonnen führte, Klöster schliessen liess und mit offenem Visier die Kirchen angriff. Ausgangspunkt dieser Kämpfe war das Buch des „Philosophen der Bewegung“ Alfred Rosenberg, das den an sich wenig verständlichen Titel „Der Mythus des XX. Jahrhunderts“ trug und eine Mischung von Irrtümern und Falsifikationen darstellt. Mit grossem Mut hat die Kirche gegen die Schrift Stellung genommen, gestützt auf die Eine Million Einwanderer Jerusalem. — In den ersten 12 Jahren seit der Staatsgründung wanderten 972.000 Menschen in Israel ein, wie aus den Zahlen ersichtlich, die die Jewish Agency jetzt veröffentlichte. Hiervon kamen 390.000 aus Osteuropa, 30.000 aus Westeuropa, 223.000 aus Afrika, 269.000 aus Asien und 12.000 aus Amerika. Aus der Statistik der Jewish Agency geht hervor, dass rund 130.000 Wohnungseinheiten für die Einwanderer erbaut wurden, UTA) ungeheure Macht ihrer Organisation und den internationalen Charakter, den die Katholische Kirche trägt. In einem Sonderheft zum Kirch. liehen Anzeiger der Erzdiözese Köln erschien eine Streitschrift gegen den „Mythus", die sogar zwei Auflagen erlebte (die 2. erschien im Dezember 1934). Mit wissenschaftlicher Gründlichkeit wird der „Mythus“ zerpflückt, dem Autor schwere Fehler nachgewiesen und die merkwürdige Gedankenkombinationen des Alfred Rosenberg ad absurdum geführt. In einem Ergänzungsheft nahm dann die Kirche gegen die Angriffe Stellung, die gegen den „Apostel Paulus und das Urchristentum“ gerichtet worden waren. Nur der Vollständigkeit sei darauf verwiesen, dass Rosenberg dann eine Erwide. rung veröffentlichte, die in einer Riesenauflage erschien und den drohenden Titel „An die Dunkelmänner unserer Zeit trug“ (herausgekommen in München, März 1935). Alfred Rosenberg greift hierin mit einer ungewöhnlichen Schärfe die Kirche an und brandmarkt die Verfasser der Gegenschrift als Verteidiger des Judentums („Aber mit Händen und Füssen verteidigt sie (die Kirche) das gesamte Judentum...“, womit er offensichtlich die Argumente entkräften wollte, die den Widersinn seiner Ausführungen erwiesen. Dass irgendwer und nun gar die Kirche gegen antisemitische Verfälschungen Stellung nahm oder die Juden verteidigte, war für Rosenberg schon ein hinreichender Hinweis dafür, dass der Gegner nicht Recht haben konnte). Zu informativen Zwecken für ein breiteres Publikum müssen einige Stellen des „Mythus“ wiedergegeben werden, um zu begreifen, wie man die historischen Fakten zu verfälschen und umzubiegen bereit war. um den Kampf gegen Kirche und Judentum zu führen. Rosenberg stellt u. a. die folgenden Behauptungen und Theorien auf: Jesus „wurden neben seinen eigenen Predigten die Worte und Lehren der vorderasiatischen Propheten in den Mund gelegt, und zwar in der Form einer paradoxen Ueberbietung altarischef Forderungen, wie z. B. des 9 Gebote-Systems, das schon vorher von den Juden in ihren zehn Verboten für sie selbst zurecht gestutzt worden war. So verband sich Galiläa mit ganz Syrien und Vorderasien“. An einer anderen Stelle heisst es: Da nun diese „christliche, die alten Lebensformen aufwühlende Strömung dem Pharisäer Saulus vielversprechend und ausnutzbar erschien, schloss er sich ihr an... und predigte die internationale Weltrevolution gegen das Römische Kaiserreich. Seine Lehren bilden den jüdisch-geistigen Grundstock, gleichsam die talmudistisch-orientalische Seite der römischen, aber auch der lutherischen Kirche... die Juden in Rom werden sehr wohl gewusst haben, warum sie ihm ihre Synagogen für seine Propagandareden zur Verfügung stellten. . Diese Verzerrung der geschichtlichen Vorgäuge ward dann weiter dom nationalsozialistischen „Gedankengut“ angepasst: „Aber Rom hatte sich dank seiner rassischen Zersetzung unrettbar an Afrika und Syrien verschrieben, die schlichte Persönlichkeit Jesu überdeckt, das spätrömische Ideal des Weltimperialismus mit den Gendenken der volklosen Weltkirche verschmolzen“. Wer heute die Ausführungen Rosenbergs über die Entstehung des Papsttums liest, das er auf den etruskischen Haruspex zuriiek- Charter gesprochen hat. Wir machen uns diese Prinzipien zu eigen. Und so frage ich von dieser Tribüne den Präsidenten der VAR, ob er bereit ist, das, was er dem Prä. sidenten Eisenhower und dem Premierminister Krutschew anrät, d. h. sich zu sammenzusetzen und zu verhandeln, auch im vorliegenden Fall zu tun, nämlich mit Ben Gurion, dem Ministerpräsidenten Israels, zusammenzutreffen und über den Frieden zu verhandeln oder wenigstens einen Nichtangriffspakt zu schliessen?“ Nachdem sie das gleiche Angebot an den König von Transjordanien und den Libanon gerichtet hatte, fuhr Golda Meir fort: „Wir fordern die Leiter der arabischen Staaten feierlich auf, sich mit uns zu einer freien Konferenz und ohne Vorbedingungen an einen Tisch zu setzen, um über den Frieden zu sprechen. Wir sind davon überzeugt, dass dies die einzige realistische Möglichkeit ist. Und wenn einmal Frieden zwischen uns herrscht, dann werden wir für das Wohl aller Völker mit vereinten Kräften an der Entwicklung der ganzen Region arbeiten“. (ITA) cu posee un maiadero ritual y la comunidad judia publica anualmenle su almanaque. HANNA MEIER Sehr empfindlich für Kritik Wien. — Die sowjetischen Machthaber sind offensichtlich über die wachsende Kritik an der den Juden zuteilwerdenden Behandlung besorgt, wie aus einem Bericht hervorgeht, der Angaben über die jüdische religiöse Betätigung enthält, um z-u beweisen, dass diese sehr ausgedehnt ist. Das Dokument erschien in Form von Antworten auf angebliche Fragen, die der „Sowjetunion", dem von der russischen Botschaft in Wien herausgegebenen Wochenblatt, zugeschickt wurden. Das Blatt versichert, es würden regelmässige Gottesdienste in 15© Synagogen in ganz Russland abgehalten werden. Es wird darauf verwiesen, dass eine neue Auflage eines jüdischen Gebetbuches vorbereitet wird und die jüdische Gemeinde von Moskau ein Bankkonto von 500.90© Rubel besitzt. Die „Sowjetunion" schreibt, die russischen Juden lachen über die Berichte, dass das Backen von Mazzot in Russland nicht erlaubt sei, und erklärt, im Mära und April 1960 seien 70 Tonnen Mazzot verkauft wor. den. Ferner heisst es, der Oberrabbiner Jehuda Lewin sei Rektor des in Moskau bestehenden Rabbinerseminars. Die Synagoge in Moskau besitze ein rituelles Schlachthaus und die jüdische Gemeinde gebe jedes Jahr ihren Almanach heraus. HANNA MEIER führt, fragt sich mit Kopfschütteln und tiefem Befremden, wie es nur möglich gewesen, dass solch ungereimtes Zeug einmal überhaupt ernst genommen wer. den musste. Aber damals, und es sind doch erst dreissig Jahre her, damals fand das Rosenbergsche Machwerk Beifall, man bestaunte die Gelehrsamkeit eines Halbgebildeten, der in kühnen Kombinationen eine triste Mischung von Halbverstandenem und Missgedeutetem zusammenreimte, um den Nationalsozialismus .wissenschaftlich“ zu unterbauen... Mit Vehemenz greift Rosenberg das sogenannte „Alte“ Testament an. Er fordert: „Abgeschafft werden muss demnach ein für allemal das sogenannte Alte Testament als Religionsbuch. Damit entfällt der misslungene Versuch der letzten änderthalb Jahrtausende, uns geistig zu Juden zu machen, ein Versuch, dem wir auch unsere heutige materielle Judenherrschaft zu danken haben“. Dann weiter: „Denn an Stelle der alttestamentlichen Zuhälter- und Viehhändlergeschichten werden die nordischen Sagen und Märchen treten, anfangs schlicht; erzählt, später als Symbole ergriffen“... Die Kirche antwortete damals dem Lästerer: „Zur Heiligen Schrift gehört — nach Meinung der Kirche — das ganze Neue und Alte Testament. Nie hat die Katholische Kirche anders gemungen, das Alte Testament so gut wie das Neue scriptura divinitus inspirata „von Gott eingegebene Schrift* 1,. Els wii'd darauf verwiesen, dass alle Strömungen, das Alte Testament auszuschalten, in der Kirche eine unversönliche Gegnerin besassen und besitzen. Diesen Standpunkt könne die Kirche auch gegenüber den Rosenbergschen Angriffen nicht preisgeben, sie könnte es nicht, ohne sich selbst aufzugeben... Wenn man nun noch bedenkt, dass hier nur einige Beispiele gegeben werden | konnten, die nur einen | schwachen Einblick in diesen ■ massiven Angriff gegen kirchliche Lehren und selbstverständlich auch gegen das Judentum vermitteln und wenn man weiss, dass der Rosenbergsche „Mythus des XX. Jahrhunderts“ 1934 bereits in mehr als 300.000 Exemplaren verbreitet worden ist, kann man sich eine i Vorstellung vom Umfang der Verirrung, aber auch von der Gefährlichkeit dieses von der Staatsmacht und nicht nur von einem vereinzelten Irrläufer lanzierten Kampfes gegen die alten, Millionen Menschen heiligen Glaubensvorstellungen machen. In dieser Richtung arbeitete auch Bormann. Er war kein Theoretiker wie Rosenberg, der später als Minister für die besetzten Ostgebiete sein Unwesen treiben konn. te, sondern der Mann der Praxis, der als Chef der Partei, Sekretär ud Stellvertreter Hitlers eine beinahe unbeschränkte Macht in Händen hielt. Auch von Bormann besitzen wir noch Meinungsäusserungen und Anweisungen, die Befehlte waren, und die sich gegen das Christentum gerichtet haben. Nur einige von diesen Dokumenten können hier wörtlich angeführt werden; aber sie bieten bereits ein hinreichendes Bild von der allen drohenden Gefahr, die von diesem Manne ausging, der sich so lange verborgen hält und noch immer nicht der ihm gebührenden Strafe zugeführt werden konnte. Bormann gab in einem Schreiben dem Oberkommando der Kriegsmarine ei. ne Anweisung über Kirchendienst. Es dürfte interessant sein, den Wortlaut dieses Schreibens vom 9. Februar 1940 kennen zu lernen, als sich die Nazis noch auf der Höhe ihrer Macht befanden: „Die Bezeichnung .Kirchendienst1 kann nach Auffassung der Partei nicht beanstandet werden. Ich halte sie für zutreffend, da es sich wie das Wort zutreffend zum Ausdruck bringt, um Veranstaltungen handelt, die von den Kirchen eingerichtet sind und ausgestaltet werden. Von den Volksgenossen, die einer christlichen Kirche nicht angehören, kann es als verletzend empfunden werden, wenn in einer Tageszeitung verkündet wird, dass nur die Angehörigen der christlichen Konfessionen einen .Gottesdienst’ haben. Nachdem im nationalsozialistischen Staat der Begriff .gottgläubig* gerade für solche Volksgenossen geprägt worden ist, die sich (Schluss aul Seite 2) Ben Gurions Geburtstag Tel Aviv. — Minister Präsident Ben Gurion fei erte seinen 74. Geburtstag in seinem Sommerhau: im Kreise seiner Familie Unter den zahlreicher Gratulanten, die ihn auf suchten, befanden siel Staatspräsident Ben Zw mit Gattin, die das Wo' chenende dort verbrach ten. Der USA-Botschaftei Ogden Reid und seine Familie waren bei Ben Gurion zu Tisch eingeladen Der Vizeminister für Ver. teidigung, Shimon Peres der erst am Vortag von einer Europareise nacl Israel zurückgekehrt war. überbrachte dem Premierminister ebenfalls persönlich seine Glückwünsche. (ITA)