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Jüdische Wochenschau · 1960-10-07 · 1818 (7.10.1960) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1818 (7.10.1960)
Date
1960-10-07
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German, Spanish
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1. V Ol c w œ < O FRANQUEOPAGADO Concesión 908 TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 Año XXI. BUENOS AIRES. VIERNES 7 DE OCTUBRE DE 1960 No. 1818 EL EJEMP) en toda la Rep‘ Buenos Airu» PUEYRREDON 2190 1? izq. T. E. 83 . 2613 Adolí Eichi'rtann hat jahrelang von Prag? aus seine brecherische.Tätigkeit üH1 Schoa lang« Setzung der Tschechoslowakei, dem „Herzland" E tropas wie sie im Nazijargon genannt wurde, im März 1939, war Eichmann zu wiederholten Malen als Spion und politischer Aufwiegler in diesem Lande, wo er im Einvernehmen mit der Henlein- Partei eine ausgedehnte subversive Tätigkeit entfaltete. Der Verdacht, den man schon hinsichtlich seiner Reisen und seines Aufenthaltes in Prag. Asch und Reichenberg schöpfte, fand jetzt seine volle Bestätigung. Er ■war bereits seit 1934 Beam. ter des SD, in welcher Eigenschaft er die gleichen Aufgaben zu erfüllen hatte, die er einige Monate vorher in Oesterreich als treuer Gefolgsmann Hitlers, Himmlers und Gürings gelöst hatte. wo er den Boden für die spätere Besetzung, den sogenannten ..Anschluss“ Oesterreichs an das Deutsche Reich vorbereitete. In allen diesen Fällen nahm er seine frühere Tätigkeit der Vacuum Oil Comp. Vorwand für seine Reisen als Spion und politischer Agent. Unter dieser Maske konnte er ungehindert reisen und die Toleranz, die die Behörden der damaligen Regierung in Prag Naziagenten gegenüber an den Tag legten, für illegale Menschen-, Waffen, und Büchertransporte missbrauchen. Welches Ausmass seine verbrecherische Tätigkeit zur Aufwieglung der deutschen Bevölkerung in der CSR und in Oesterreich und zur skrupellosen Besetzung von FRIEDRICH TRAMER: Befteiung der CSR vom faschistischen Joch zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde. Knapp nach der Besetzung Böhmens und Mährens folg, te Eichmann, wie eine Hyäne einer ausziehenden Karawane, der vorrückenden deutschen Wehrmacht, schlug seinen Wohnsitz in Prag auf und gründete auch dort eine „Zentralstelle für jüdische Auswanderung’!!) ähnlich wie in Wien. Hier, in dieser altehrwürdigen, vom Glanz einer reichen Vergangenheit überschatteten Stadt gefiel es ihm wie vielen anderen nazistischen Bonzen so gut, dass er sich entschloss, hier seinen stän. digen Wohnsitz inmitten seiner blutbefleckten Wirksamkeit aufzuschlagen. Die Beschaffung einer passenden Wohnung bereitete dem Mordbanditen keine Schwierigkeiten. In Orechovice, einem Vorort Prags, nicht weit von seinem Amtssitz entfernt, fand er eine! prächtig ausgestattete Villa. | dessen rechtsmässiger Besiti oei I zer Fischer den Auftrag erals ■ hielt, samt seiner Familie und den übrigen jüdischen Wohnparteien sogleich die Villa zu verlassen und, wie es damals üblich war. in eine andere dicht besetzte Ghettowohnung mit den damit verbundenen unerhörten Schikanen und Einschränkungen zu übersiedeln. Fischer, der ahnte, welches Schicksal ihn und seine Familie erwartete, versuchte dem drohenden Unheil da- und sich in den Bergen der Ostslovakei verborgen halten, seine Familie aber, die den unerhörten physischen und seelischen Qualen, deinen ein Leben in der Illegai lität ausgesetzt war, nicht standhalten konnte, fiel, wie Zehntausende anderer slovakischer und wie Millionen europäischer Juden den Mördern Hitlerdeutschlands, die unter Eichmanns Kommando standen, zum Opfer... Unter der persönlichen Leitung Eichmanns wurde als erster Massentransport der in Mähr. Ostrau ansässigen Juden, die in Galizien oder Polen beheimatet waren, im Spätherbst des Jahres 1939 durchgeführt. Dieser Transport ging nach Nisko, von wo die Deportierten in die verschiedenen Vernichtungslager Polens verschickt wurden, um dort entweder haufenweise niedergeschossen oder in eigens hierfür konstruierten Autos durch tödliche Gase, die während der Fahrt vom Chauffeur durch einen Hebelmechanismus in das Auto eingelassen wurden, ermordet zu werden. Dass Eichmann ebenso wie die fübrigen nazistischen Bonzen, auf ihre persönlichen Vorteile bedacht waren, war selbstverständlich. Davon zeugt nicht nur die Art und Weise, wie er für sich und seine Verwandten eine Luxusvilla ergatterte, sondern auch, wie er zu der für diese Villa passenden Einrichtung an Möbeln, Teppichen, Deckenbeleuchtung und wertvollen Bildern kam rung hatte und es jetzt als Beweis für die Schuld Eichmanns an dem furchtbaren Schicksal von Zehntausenden tschechoslowakischer Bürger, die aus rassischen Gründen von Eichmann verfolgt und in den Tod gejagt wurden, der Oeffentlichkeit vorlegte. Dieses Dokument, datiert vom 28. April 1942 in Prag, trägt die Signatur „Zentralstelle für die Aussiedlung der Juden in Prag“ und ist ein amtlicher Begleitbericht des Leiters dieser Zentralstelle, Hans Günther, adres-! siert an Adolf Eichmann in I Berlin. Im Text lindet sich die kurzgeiasste Bemerkung: „In der Beilage iibersenne ich Ihnen eine statistische Uebersicht über die Abnahme der jüdischen Bevölkerung im Protektorat und bitte, dies zur Kenntnis zu neh_ men.“ Diese Beilage ist eine geheftete Broschüre mit 11 graphischen Farbtafeln, von denen die erste im Einleitungstext folgende Feststellung anführt, auf die der SS-Sturmbannführer Gün_ ther nicht wenig stolz gewesen sein mochte: „Die jüdische Bevölkerung im Protektorat Böhmen und Mähren weist einen ständi- Appell an Südafrikas Juden Johannesburg. — Ministerpräsident Henryk Vorwoerd äusserte in seiner Rede in Pretoria, die er anlässlich des Abschlusses der Kampagne für die Volksabstimmung über eine Südafrikanische Republik hielt, dass „Israel das Land ist, welches g-elernt hat. mit seinen Händen ebenso wie mit seinem Kopf zu arbeiten.” Er führte aus, dass „in einem kleinen Land, das zu einem grossen Teil aus Wüste besteht, ein Staat errichtet werden musste, der nur erstarken konnte, weil er eine grosse Zahl von Menschen aufzunehmen imstande wäre, die bereit waren, seine Zukunft aufzubauen und ihn mit der Waffe in der einen und dem Pflug in der anderen Hand zu verteidigen.” In einer anderen Ansprache in Capetown fügte er seinem Aufruf an die Afrikaner (Holländer) und Engländer einen Appell an die Menschen anderen Ursprungs hinzu — „an die Juden. Libanesen, Deutschen, kurz alle, die Ihr Afrika als neue Heimat gewählt habt, um Euren Kindern eine Zukunft zu sichern” —, für die Schaffung der Republik zu stimmen. Diese freundschaftliche Aufforderung an die Juden folgte auf die Versuche einiger Oppositionsführer, die jüdischen Wähler zu veranlassen, gegen die Republik zu stimmen, indem sie die nationalistische Partei als einstige Anhängerin Hitlers bezeichneten. (ITA) dieser beiden 'Länder erreichte, ist bis jetzt noch i Rettung zu finden glaubte, nicht völlig klargestellt. Eij Die gut organisierte nazistines ist aber sicher: zu der sehe Mordmaschinerie war Partei des Ascher Turnleh- ' aber stärker und so gelang durch zu entgehen, dass er | die ebenfalls aus geraubtem eine günstige Gelegenheit j jüdischem Besitz stammten, benützte und mit ” Kindern nach der Slovakei entkam, wo er in unwegsamen Bergen Schutz und tungsaktion der Juden von seinem Schreibtisch im ' „Amt zur endgültigen Rege- I lung der Judenfrage“ in Ber. Ilin, sondern er erschien I auch nach übereinstimmen- |den Aussagen vieler Zeugen ' persönlich in den vei’scbiei denen Konzentrationslagern, um der technischen Abwicklung seiner Anordnungen beizuwohnen. Wenn die ¡Nachricht von der Ankunft iciieses Ungeheuers die La- Strafgericht in Leitmeritz aussagte, dass Eichmann schon im Jahre 1938 in Wien in der „Zentralstelle für jüdische Auswanderung” sein Vorgesetzter war. Rahm wurde 1944 zum Lagerkommandanten in Theresienstadt ernannt, in welches Amt ihn persönlich! Eichmann im Verein mit ¡dem Vorstand der Prager I Zentralstelle, dem vorhin ¡genannten Hans Günther, gen Rückgang auf. Von den gerinsassen auf irgendeinem _ oinfühirt^. Ferner gab Rahm Frau und | deren Eigentümer zu diesem Zweck in Vernichtungslager abtransportiert worden waren. Dies bezeugt die Aussage eines Prager Augenzeu gen namens Berkovic, der in der Zeit in der Eichmann Juden in die Gaskammern rers Konrad Henlein, recte ¡es Fischer nicht, seine Fami- 'schickte und ihre Wohnun- 118 310 Juden, die am 15. 'Wege erreichte, löste sie März 1939 im Gebiet des 1 Schrecken und Entsetzen Protektorats Böhmen und ¡aus, wusste man doch aus Mähren lebten, verblieben ¡Erfahrung, dass jedem Beam 31. März 1942 61.320 Per- ¡such Eichmanns entweder sonen. Das bedeutet eine j eine Verschärfung der La- Senkung um 48 Prozent. Die j gerdisziplin — wenn dies übrigen Tafeln bringen näj überhaupt noch möglich war here Einzelheiten über den ] — oder Massentransporte in jüdischen BevölkerungsjTodeslager (Majdanek, Osrückgang durch Auswande. wiencim usw) folgten, rung, Deportierung in Ghet. _ , . , , ti, durch Sterbefälle usw.!.Bes°ndere Aufmerksam- Bezeichnend für die damaliwldme4teJlc^a”n dem Theresienstadter Ghetto. Vie- Slepicka, hatte er enge Beziehungen. Auf einer seiner Reisen durch Südböhmen lernte er auch in einer Ort- Schaft bei Bönmisch-Budweis seine spätere Gattin Veronika Liebl kennen, die, aus einer bekannten Nazifamilie stammend, einen Bruder. Franz Liebl, hatte, der seit 1939 Kommissar der Gestapo in Königgrätz war und in dieser Stellung sich zahlreicher Verbrechen an tschechoslowakischen Staatsbürgern zu Schulden kommen liess. wofür er nach der An unsere Leser Wegen der bevorstehenden jüdischen Fenrtage erscheint in der nächsten Woche nur eine Ausgabe der Jüdischen Wochenschau, und zwar am j MITTWOCH, den 12. Oktober. Wir bitten hfl., hiervon Vormerkung nehmen zai wollen.! lie vor den Schergen des Massenmörders zu retten. Ihr Schicksal hat Eichmanns Mordgehilfe in der Slowakei Dieter Wisliceny, der Beauftragte für die „Arisierungsfrage“, ein berüchtigter Massenmörder, in Verbindung mit den slovakischen Faschisten und Hlinkagardisten besiegelt... Denn nach einiger Zeit verwirklichten Eichmann und Wisliceny ihren Plan zur „Liquidierung“ der Juden in der Slovakei, wozu sie noch überdies von i Sano Mach und Tuka, die ¡ sieh iür die lückenlose! Durchführung der Säube. ¡ rung der Slovakei von der ¡jüdischen Bevölkerung ein- | setzten, gedrängt wurden. 1 So wurden Zehntausende slovakiseher Juden in Transporten zusammengefasst und in die verschiedenen Todeslager lOswiencim, Majdanek, Treblinka usw.) verschickt und in den Gaskammern grausam ermordet. Dank der Hilfe slovakischer W iderstandskä mpfer konnte sich Fischer vor den Mordgehilfen Eiehmanns und Wisliceny« zwar retten gen indessen plündern liess, zur Arbeit in ein besonderes Möbellager abkommandiert war, in dem sich die wertvollsten Gegenstände des „konfiszierten“ jüdischen Ei. gentums befand. Von da holte sich Eichmann das, was er zur Ausstattung oder Vervollständigung der Einrichtung seiner Wohnung und zur Deckung seiner persönlichen Bedürfnisse brauchte. Bevor Eichmann zur Uebernahme der persönlichen Leitung des „Zentralamtes für die Regelung der Judenfrage“ Prag im Jahre 1942 verliess, ohne natürlich seine Luxuswohnung aufzugeben — seine Familie blieb ja in Prag zurück —, führte er in sein Amt als seinen Nachfolger den SS-Sturmbannführer Hans Günther ein, der ihm sodann im Range unterstellt war, wie dies aus einem kürzlich ans Tageslicht gekommenen Dokument hervorgebt, das durch c-i• *.-n Zufall in die ge traurige 'Lage der Juden i unter dem Regime Eichj mann-Günther ist die mit Befriedigung von Günther gemachte Feststellung, dass auf 100 Sterbefälle nur 64 Geburten fallen... Die deut. sehe Gründlichkeit und die nazistische Ordnungsbestie haben ganze Arbeit geleistet. Obgleich die weitere Korrespondenz zwischen Eichmann und seinem Prager Gangsterkumpan vorläufig noch nicht an das Tageslicht gekommen ist, wissen wir aus anderen Dokumenten, dass z. B. die Zahl 11.576 verstorbener und deportierter, d. i. in den Gaskammern ermordeter Juden aus der CSR. am Anfang des Jahres 1942 sich in den folgenden Jahren bis zum Ende des Krieges auf 73.526 erhöht hat, davon waren 5258 Kinder. So muss es begreiflich erscheinen. dass der Name Eichmann in der Hitlorzeh ein unvorstellbares Giv.ueP le tschechoslowakische Bürger, die dort inhaftiert waren und die Befreiung vom nazistischen Joche erlebten, können sich noch heute nicht des Gefühls des Ensetzens erwehren, das in ihnen damals jeder Besuch Eichmanns hervorgerufen hat. Denn jeder von ihnen erinnert sich daran, dass alle Häftlinge, ja sogar Kinder wussten, dass Eichmann nur eine Absicht in Theresienstadt verfolgte: Die Transpor. te in die Gaskammern zu beschleunigen und zu vermehren, um Platz für neue Ankömmlinge im Theresienstädter Ghetto frei zu bekommen. Und wirklich, nach jedem seiner Besuhce wurden hunderte jüdischer Familien in Viehwaggons („40 Mann oder 6 Pferde” lautete die Aufschrift dieser Beförderungsmittel für die Juden) verladen und kehr- 1 n niemals wieder... Ueber die Besuche Eiehbei allen jenen hervorrief, me uns in Theresienstadt exi. die bereits in seinen Fang-¡stiert eine Zeugenaussage armen als Lagcrinsassen ei-¡seines ehemaligen Untergenes Konzentrationslagers benen, des Ghettokommandanten Karl Rahm, der bei seinem Verhör vor dem oder gar eines Vernichtungslagers waren, aber auch bei allen denen, die in der Angst lebten, dorthin von seinen SR-Schergen verschleppt zu Hände des oben genannten ¡werden. Denn dieser Massen. 7 agen Berkovic gelangte. ' mörder dirigierte nicht nur der es 18 Jahre in Vcrwahi die systematische Ausroti in seinem Verhör an, dass ’Eichmann persönlich zu ei. ner Inspektion hierher kam, um zu sehen, ob das Ghetto ¡vor einem Besuch der Inter- I nationalen Kommission vom ¡Roten Kreuz im Juni 1944 auch schön hergerichtet, das | heisst für die Augen der j fremden Besucher als Mu, I Ster eines Konzentrationslagers ausgestattet sei, in welchem feiner Schinken, ungarische Salami und andere für die Häftlinge unerreich. bare Genüsse in den Schaufenstern einiger Läden zu sehen waren — Poterrkinsehe Dörfer, Sand in die Augen fremder Besucher — al. les auf Täuschung und Betrug berechnet! Die ausge. stellten Leckerbissen verzehrten die SS-Banditen selber. Zuletzt sah Rahm seinen Vorgesetzten Eichmann anfangs November 1948 in amerikanischer Gefangenschaft in Glasenbach bei Salzburg, wo Eichmann sich unter einem fremden Namen verborgen hielt und von wo er später flüchtete. Am Schlüsse seiner Aussage führte Rahm damals die ihn, Eichmann und alle übrigen nazistischen Bonzen charak. terisierende Bemerkung an: „Bei meiner letzten Aussprache »vor Kriegsende) mit Eichmann unterhielten wir uns auch darüber, wohin wir bei Kriegsende flüchten werden. Eichmann aber sowie die übrigen leitenden Funktionäre der Zen. tralstelle Messen mich und meine ganze Familie im Stich.”' Registro de la Propiedad Intelectual No 656 635 Impreso en la Tmorerta POLIGLOTA - Corrientes 311« n / %

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