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Jüdische Wochenschau · 1960-10-04 · 1817 (4.10.1960) · p. Seite 7

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1817 (4.10.1960)
Date
1960-10-04
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German, Spanish
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Martes. 41 da Octubre de 1960 jüdische Wochenschau Año XXI. — No. Eduard Lasker s. A. ¡ÍOIH ÄülBficail Ißwisl ConilllittßB Es' ist als ein Forisclivitt zu begiüssen, dass die deutsche Geschichtswissenschaft neuerdings auch Parlamentarier zum Gegenstand ihrer Forschung macht, seihst wenn sie niemals Minister geworden sind. Sie werden sogar Themen von Dissertationen, mit dt n:u junge Historiker sich den Doktorgrad erwerben. Eine solche Dissertation iibei Eduard Lasker hat Richard A Dill der Universität Er. langen vorgeL'gt. unter dem Titel: ..Der Parlamentarier Eduard Lasker und die parlamentarische Stilentwicklung der Jahre 1867—1884. Ein Beitrag zur Geistesgesch.efate des politischen Stils in Deutschland-" Mit dem Problem des politischen Stils brauchen wir uns hier nicht zu beschäftigen; es hat den Verfasser zu allerlei Exkursen verleitet, deren Erheblichkeit zu bezweifeln ist. Uns interessiert hier der jüdische Parlamentarier L3Sker. Heute wird es vielen fast unglaublich erscheinen, dass einmal ein Jude nicht nur der führende Sprecher des Deutschen Reichstags, sondern auch sein populärstes und beliebtestes Mitglied war. Den Gipfelpunkt seines Ruhms erklomm er, als er am 7. Februar ‘873 im Preussisefcen Abgeordnetenhaus den Schwindel, der mit der Eisenbahnkonzession getrieben worden war, enthüllte. Was den Publikum so imponierte. war nicht nur der Mut. mit dem Lasker auch hochgeitellten Personen die Maske herunterriss, sondern auch dass er ganz auf sich allein gestellt, durch mühselige Durchforschung der allen zugänglichen aber bisher von niemandem beachteten Handelsregister _ Akten ein Material zusammengestellt hatte, vor dem das Pteussisebe Ministerium einfach zu sammenbrach. Das Haupt der gelehrten Katbedersozialisten, Prof. Gustav Scnmoller, schrieb damals an Lasker: „Ihre Rede, Ihr Mut, Ihr Angriff sind ein Segens- Werte_für die, die nicht begreifen konnte«, dass endlich einmal ein Berufener das erlösende Wort spreche: Hier ist etwas faul”'. Wenn Lasker diese Popularität im Laufe weniger Jahre einbasste,. so lag dies einmal an der persönlichen Abneigung. die Bismarck gegen den ihm in seinem Wesen unverständlichen Mann hegte, und an dem An.' . tisemitismus, der Ende der 'siebziger Jahre auf kam. Die früheste Aeusserung dieser Richtung kam von katholischer Seite, nämlich von niemand geringerem als dem Bischof von Mainz, Ketteier. Er versuchte schon die Identifizierung von Liberalismus mit Judentum, die ein Haupttrvmpf der antisemitischen Agitation geworden ist: „Das deutsche Volk geht jetzt zu den Juden und lässt sich von ihnen belehren, was deutsches Wesen ist“, rief Kettler im Anfang des Kulturkampfes aus. 1 Dieser Angriff ist umso unentschuldbarer, als Lasker im Kulturkampf eine Sachlichkeit tnd Grundsatztreue gezeigt bat, die ihm zuweilen Dank auch aus den Reihen des Zentrums eintrug. Als er sich von seinen nationalliberalen Freunden trennte, um gegen das Jesuitengesetz zu stimmen, weil es ein Ausnahmegesetz sei, dankte ihm der Zentrumsabgeordnete P. R-eichensperger, am 8. Juli 1872. dass er unbeirrt die Sache des Rechts und der .Freiheit gewahrt habe.! Kettelers Bemerkung ist natürlich nur ein schwaches Vorspiel des Geschimpfes, in dem sich im Jahre 1880 die sogenannte Berliner Bewegung anstobte. Lasker hatte mit am schwersten darunter zu leiden. Aber als Berthold Auerbach, der deutsche Patriot und Volksdichter, ihm unter Tränen klagte, dass man ihm „Hepp, Hepp“ nachgerufen hatte, tröstete ihn Lasker mit den Worten: „Wollen Sie einem Kranken einen Vorwulf daraus machen, dass er die Cholera hat Der Antisemitismus ist eine Eoidemie, welche diese Leute befallen hat.“ Schärfer schrieb Ludwig Bamberger im November 1880 an Lasker: ..Ich verschone Sie und mich mit den schönen Sachen, die wir hier in der Stöckerei erleben. Man begreift, warum die Deutschen bei allen anderen Nationen verhasst sind...“ BISMARCKS GEGNERSCHAFT Aber das Verhängnisvollste für Lasker war der Widerwille, den Bismarck gegen ihn empfand. Lasker war ein^r der Führer der nationa-liberalen Partei, die Allen Kunden, Freunden und Bekannten, die unserem teweren Entschlafenen. Herrn Gustav Kahn die letzte Ehre erwiesen haben, und alte.i, die uns 'in so inniger Weise Trost spendeten bei dem überaus schmerzlichen und unersetzlichen Verlust, sprechen wir auf diesem Wege unseren innigsten Dank aus. Leider ist es uns unmöglich, so sehr wir das Bedürfnis haben, jedem einzelnen zu danken. Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen: HERMINE KAHN. HEINZ HAMBURGER und Frau ELLEN, geh. KAHN Juramento 1823, V?, A. den Reichskanzler unterunterstützte: aber dieser Führer rahm sich heraus, jseine Unterstützung zu versagen, wenn sein Gewissen j es ihm gebot. Dann amenjdierte er die Regierungsvorlage und dieses Amendement Laskers hat Bismarck, wie er behauptete, die Suppe regelmässig versalzen. I Besonders ging dem Kanzler das ethische Pathos, in das Lasker leicht verfiel, auf die Nerven. So antwortete er ihm auf politische Opposition mit einer persönlichen Gereiztheit, die, ob gerechtfertigt oder nicht, seinen (zahllosen Anhängern gefiel und ihr Urteil über Lasker ibestimmte. Bei der Debatte I über den Zolltarif von 1879,! der Bismarcks grosse .Schwenkung markierte, erlaubte sich Lasker gegen die Brotverteuerung durch die | Getreidezölle zu polemisieren. Darauf antwortete Bisimarck mit seiner schärfsten Invektive: Lasker sei „einer 'der Herren, von denen die ¡Schrift sagt, sie säen nicht, .sie ernten nicht — und doch 'sind sie gekleidet. Die Her- :ren, die unse e Sonne nicht 'wärmt, die ims-er Regen | nicht nass macht, wenn sie ¡nicht zufällig ohne Regenschirm ausgegangen sind“. jUnd er warf Lasker vor, er treibe „die Finanzpolitik der F ■sitzlose i Wrs heute pin Lob wäre, ¿alt di mals dem grosse" K J. zier und viererseinet t ärger als sch werer Tadel. Selbst Laskers Tod konn- 1 te den Eisernen Kazler nicht besänftigen. Am 5. Januar '1884 starb Lasker, der in. zwischen aus der nationalliberalen Partei ausgetreten ,wer, fern von der Heimat in New York. Das amerikanische Repräsentantenhaus hatte darauf eine Resolution! gefasst, in der es seinen Tod als einen .loss for the lovers of liberty throughout the world" bezeichnete. Den Versuch, diese Resolution dem Deutschen Reichstag zuzustellen, verhinderte Bismarck. Mehr noch, er hielt tarn 13. März, wie Dill I schreibt, „ein furchtbares i Totengericht über Lasker {ab. Endlich einmal kann der •Kanzler, von allen Hemmungen befreit. seinem Groll | über die echte und eingebiijdete Gegnerschaft des verhassten kleinen Juden Luft machen“ (S. 202). IOb es dem Andenken des „kleinen Juden“ auf die Dauer geschadet hat, erscheint auch angesichts dieser nacn Unparteilichkeit strebenden Dissertation sehr zweifelhaft: dass es nicht zu den Ruhmesblättern Bismarcks gehört, werden heute auch seine Bewunderer zugeben. Erich Eyck (Aus AJR-Information) Sprach man in früheren Jahren von „Assimilanten“ in Amerika, so waren damit in erster Reihe die Mitglieder des American Jewish Committee gemeint. Dies hat sich geändert. Das American Jewish Committee geht nach einer eigenen Theorie vor. In erster Linie werden die Assimilationserscheinungen bekämpft, und in zweiter Linie wirkt das Comité gegen die Absonderung der jüdischen Familien von den nichtjiidischen Gemeinden, besonders in den zahlreichen neuen Vororten. Gleichzeitiges Auftreten gegen die Assimilation und gegen die Absonderung ergibt eine neue Form der Integration des amerikanischen Judentums. Genau so wie jeder Amerikaner offen erklärt, er sei ein Protestant oder ein Katholik, so soll auch jeder Jude sagen können, er sei ein amerikanischer Jude. Die Unsicherheit, aus der sich die Haltung des Schweigens darüber, dass man Jude ist, ergibt, habe heute keine Berechtigung mehr. Die jüdische Erziehung, so glauben die massgebenden Ideologen des American Jewish Committee, muss verstärkt werden, um die Unsicherheit selbst als unbegrün. det erscheinen zu lassen. Zu diesem Ergebnis kam aine Forschurgsgruppe auf Grund von Fragen und Antworten. 60 Prozent der befragten Juden haben zum Beispiel (erklärt, sie hätten viel zu w-enige Kenntnisse über das (Judentum, als dass sie öffentlich dafür eintreten könnten. Deshalb zögen sie 'es vor, in jüdischen Quar. [tieren zu wohnen, weil sie 'sich dort am sichersten fühljten. Auf die Frage, wie es jmit dem wünschenswerten (Kontakt zur nichtjüdischen I Bevölkerung stehe, haben von zehn Personen zwei mit (nein und zwei mit ja geantwortet. während sechs Befragte erklärten, sie seien daran nicht interessiert. Dr. John Slawson, der Theoretiker des American Jewish Committee, glaubt, dass für die amerikanischen Juden eine neue psychische 1 Periode anbreche. Bereits seien 85 Prozent der Juden in Amerika geboren und haben eine Erziehung nach amerikanischen Methoden durchgemacht. Sie sind gegenüber der anderen Bevölkerung nicht mehr anders oder minderwertig, sondern sie haben die gleichen Erinnerungen und Ansichten. Die Minderwertigkeits _ Gefühle werden desto rascher verschwinden, je stärker das jüdische Wissen ist. Er gibt dem amerikanischen Juden den Rat Hillels: „Gehe hin und lerne“. Der Standpunkt, „zuerst Amerikaner und dann Jude” sei falsch, er wer. de von den Christen auch nicht angewendet. Im Gegensatz zum American Council of Judaism“ unterstützt das American Jewish Committee Israel ganz offen. Auch andere Amerikaner hielten Verbindungen mit ihren Herkunftsländern aufrecht und seien deswegen doch keine schlechteren Amerikaner; warum sollten Juden schlechtere Amerikaner sein, wenn sie gefiihismässig an Israel gebunden (Sind! D'. Slawson tritt fiir jeine stärkere jüdische Erziehung ein, deren Ausdruck ¡das jüdische Selbstbewusstsein und die jüdische Seiestachtung sind. Aus diesem Grunde lehnt er die jüdischen Tagesschulen nicht ab, die nicht mehr als eine An. gelegenheit minder wichtigen Grades behandelt werden dürfen. Zum Präsidenten des American Jewish Committee wurde für eine zweite Amtsdauer Herbert B. Ehrmann gewählt. Vorsitzender des Präsidentenclubs in Amerika ist nunmehr Label Katz. der Präsident des Bne Brit. Bisher war Philip Kluznik der „Präsident der Präsidenten“ Vorläufig wird der Präsidentenclub nur in Angelegenheiten der amerikafe, sehen Verbindungen mit Israel eingreifen. Die Bestie, bungen auf eine gemeinsame Dachorganisation zur Schaffung eines einheitlichen Sprachrohrs des amerikanischen Judentums gehen weiter; allerdings wird es nicht leicht sein, die 400 nationalen jüdischen Verbände Amerikas unter einer gemeinsamen Formel zu einigen. LU ACH (Kalender) Dienstag, den 4. Oktober 13 Tischri Mittwoch, den 5. Oktober 14 Tischri Krew Sukfeot Donnerstag, den 6. Oktober 15 Tischri 1. Tag Sukkot Freitag, den 7. Oktober jg Tischri ._ 2. Tag Sukkot Sonnabend, den 8, Oktober 17 Tischri Schabbat Chol hamo’ed ,,Aktion Sühnezeichen” geht weiter Berlin. — Präses Dr. Lothar Kreyssig hat in Berlin erneut zur Unterstützung der „Aktion SUhnezeichen“ aufgerafen. Während dieser Aktion haben Arbeitsgruppen von Jugendlichen aus Deutschland bereits im vergangenen Jahr als Manifestation des guten Willens zur Wiedergutmachung freiwillige Aufbauarbeit in Norwegen, Holland und Griechenland geleistet. Präses Kreyssig erklärte, mit dieser Aktion sei „eine Mauer von Hass und Gewalt durchbrochen“ worden — (AWZ) icuriii niDi m isuiel : Ein befriedigendes Gefühl FIER JEDEN JEDEN ZU DEN HOHEN % % id FEIERTAGEN | : seine Beitragspflicht für die $ lEIHHtlTSKiHPHHE erfüllt za haben. G e Annahmestellen: CAMPAÑA UNIDA PRO ISRAEL, i COMITE CENTROEUROPEO § Sarmiento 2376, 3* — T. E. 47-3820 j und sämtliche Sekretariate der angef schlossenen Organisationen und ® Gemeinden <£ ©

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