Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1815 (27.9.1960)
- Date
- 1960-09-27
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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FRANQJEOPAGADO Conceaióa 90S TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 MANA ISRAELITA Año XXI. BUENOS AIRES. MARTES 27 DE SEPTIEMBRE DE 1960 No. 1815 EL EJEMPLAR« •n toda la República Q “ Buenos Aires PUEYRREDON 2190 19 izq. T. E. 83 . 2613 as österreichische Judentum Als erfreuliches Zeichen der trotz physischer Verfolgung und Zerstreuung doch ungebrochenen Kraft des deutschen Judentums kann die Erscheinung bezeichnet werden, dass es sich nicht nur in vielen Ländern seiner neuen Siedlung kraftvoll organisiert, \Yerke sozialer Selbsthilfe geschaffen und sich i.m „Council oi Jews from Germany“ eine leitende. Institution ins Leben rufen konnte die von drei Arvon Di. MARKUS KRAEMER f dass das österreichische Ju- ' dentum seine in der österreij chischen Tradition gegebene Chance wohl genützt hat, der Verpflichtung gegenüber 1 der Kulturwelt „ampfan- 1 gend, vermittelnd und schliesslich selber schaffend“ gerecht zu werden. Als erste Arbeit bringt das Heft eine bemerkenswerte Studie von Arthur Freud un. .... .... ter der Ueberschrift: „Um beitszentren aus (Jerusalem, Gemeinde und Organisation“ London, New York) sich das! In einer tiefgründigen Be- Ziel gesetzt hat, wissen- J trachtung wird die tragische Schaf tliche Forschung auf dem Gebiet der Geschichte der Juden in Deutschland und in anderen deutschsprachigen Gebieten zu betreiben. Es ist das Leo Baeck. Institut, benannt nach dem Manne, der als die letzte repräsentative Erscheinung des Judentums in Deutschland vor dem zweiten Welt krieg bezeichnet kann. Nach kaum fünfjährigem Bestände kann das Institut, das sich die Mitarbeit von Fachleuten auf allen für seine Arbeit in Frage kommenden Gebieten gesichert hat, auf eine beträchtliche Anzahl von Publikationen hinweisen, die nicht nur bei deutschen Juden, sondern bei jedem, der für die Entwicklung, Gestaltung, Bedeutung und Tragik wie den Fortbestand dieses fruchtbaren Zweiges am grossen Stamme des jüdischen Gesamtvolkes Sinn hat, tiefes Interesse erwecken müssen. Mit besonderer Genugtuung können wir Nr. 10 des Bulletin der Gesellschaft der Freunde des Leo Baeck Instituts (Bitaon Publishing Co. Ltd., Tel Aviv) begrüssen, das dem Judentum Oesterreichs gewidmet ist, das in der alten Habsburger Monarchie, mit dem Judentum Deutschlands besonders durch das Bindeglied der Sprache verbunden, seinen Anteil zur geistigen Kultur Europas beigesteuert hat. In der den wertvollen Beiträgen vorangehenden Einführung hebt H. T. mit Recht hervor, Schuld der Juden in Oesterreich blossgelegt, die, ungewarnt durch die. Vorgänge in Deutschland und zuletzt auch in ihrem eigenen Lande, untätig und völlig unvorbereitet bis zum bitteren Ende warteten, das Ergebnis einer Geisteshaltung, die — im Zeitalter des für ewig gesichert erscheinenden Liwerden 1 beralismus entstanden —, die Wurzeln eigener Kraft unbeachtet liess und es im Grundes niemals dazu gebracht hat, ein selbstbewusstes Volkstum zu fördern. Es war ein Judentum, das besonders den grossen Zentren wie Wien und Prag auf den Gebieten der Kunst und der Geisteskultur ihr geistiges Antlitz entscheidend geprägt hat. Es war keine als Jf’den vollbrachte Leistung, aber sie trat in so augenscheinlicher Form auf, dass sie nicht nur dankbar anerkannt, sondern schliesslich als „Verjudung“ angeprangert wurde. Die Wirksamkeit Smolenskins, Nathan Birnbaums, ja sogar Theodor Herzls berührte nur eine kleine Schicht von Einsichtsvollen, hat aber die im Judentum Oesterreichs führende Schicht der Intelligenz und Wirtschaft fast bis ans Ende unbeeindruckt gelassen. Die Arbeit Arthur Freuds gibt eine lehrreiche und manche« Unbekannte erschliessende Darstellung der organisatorischen, wirtschaftlichen Probleme, sowie der Gruppierungen im österreichischen Judentum, seiner Einwanderung aus dem Westen Amsterdam. — Die Aufforderung, die westliche Einwanderung nach Israel zu steigern, wurde von dem Mapai-Abgeordneten Jizchak Korn ausgesprochen, der als Redner bei der europäischen Zior.istenkonferenz auftrat, welche hier abgehalten wurde. Er. gab zu, dass in der Vergangenheit nicht genug getan worden s'ei, um die europäischen Einwanderer zu absorbieren. Dagen versprach er. dass die Dinge besser gehen würden, sobald eine vereinheitlich!. Organisation der Alija gegründet würde, Korn ¿ries darauf hin, dass man sich in Israel von der Bedeutung der Judenheit in der Diaspora Rechenschaft abzuleger beginnt und die Ueberzeugung gewonnen habe, dass Israel ohne diese Judenheit keine Hoffnung auf eine Entwicklung habe. Konferenz nahmen 70 Delegierte aus 14 . Der Präsident der Knesset-Kommission für auswärtige- Angelegenheiten und tSicherheit, Meir Ai-gow. trat ebe-jalls als Redner auf. (ITA) An der Ländern teil führenden Persönlichkeiten auf allen Lebensgebieten, und enthält wertvolle Hinweise auf österreichische Vorgänger des Nazismus. Die Untersuchung kann auf dem engen zur Verfügung stehenden Raume natürlich nicht voll erschöpft sein, bringt aber wertvolles Quellenmaterial für weitere Forschung, die wohl auch vom Verfasser der Arbeit noch fortgesetzt werden soll. Einen überaus interessanten Beitrag bietet die Niederschrift eines 1932 in Prag gehaltenen Vortrages von ■Bernhard Heilig: „Aufstieg und Verfall des Hauses Ehrenstamm“. Im Glück und Ende einer mährischen Judenfam lie zeichnet sich die Stellung des Judentums im 18. und 19. Jahrhundert ab, im Rahmen Oes sich umbildenden Wirtschaftslebens, im Feudalismus über Merkantilismus und Frühkapitalismus zur Ansammlung grosser Vermögen, die in dritter Generation vertan und verloren werden, bis die Enkel in Schimpf und in Schande enden. Der Aufstieg vom Prossnitzer Ghetto zu beherrschender Macht, 2u Reichtum und unsinnigster Verschwendung und schliesslichem Untergang ist ein lehrreiches Beispiel, das nicht nur für diesen Einzelfall gilt. Leopold von Andrian, dem Enkel des Komponisten Giacomo Meyerbeer und intimen Freund Hugo von Hofmannsthals, gilt eine Monographie von Chanan Benseew. Das Schicksal dieses als hochbegabten Dichter beginnenden, im rastlosen diplomatischen Dienst sich abhetzenden österreichischen Freiherrn, der kn Jahre 1918 letzter öesterreichischer Hoftheater-Intendant gewesen ist und von dem es nicht bekannt ist, wie und wo er die Nazizeit und den Weltkrieg verbracht hat — er ist 1951 gestorben, wird im Rahmen eines Bildes jener Zeit fesselnd dargestellt. Herrscht schon in der Monographie Benseews das Zwielicht einer Ueberschrift „Flucht aus dem Judentum —• Schicksal und Tragödie“, so nennt Hans Tramer seine Arbeit über „Gustav Mahler und seine Zeit” schon deutlich: „Umgenannte und Umgetaufte“, ein Titel, dessen Erfindung er als ehrlicher Forscher Alma Mahler zuerkennt. Zu dieser Monographie hat Tramer in gründlicher Forscherarbeit an Hand reichen Quellenmaterials mit verblüffender Sicherheit das Bild eines der interessantesten Zeitabschnitte an der Wende zweier Jahrhunderte gezeichnet. Die „Land, sebaft'“ und die sie belebenden Gestalten lassen uns einen tiefen Blick ir das Auf und Ab einer Kunst und , Kultur tun, deren Mittel-! Punkt die überragende, aber auch tieftragische Gestalt Mahlers, des Begründers einer neuen Musikepoche bildet, die bis heute nicht zum Abschluss gelangt ist. Als Umrahmung umschweben dieses Bild die bemerkenswertesten Gestalten aus der Musik- und Kunstwelt jener Zeit, von denen die meisten als „Umgenannte und Umgetaufte" der Tragik ihres Judenseins trotz errungenem Erfolg nicht entfliehen konnten. Dieser in ihrer Vollendung besonders wertvollen Arbeit des Heftes folgt eine Bespre- | chung Zwi Altmanns über: „Die mildere Zone Oesterreichs“ (Thomas Mann und Paul Am.ann) über den Briefwechsel zwischen dem deutschen und dem jüdischen Schriftsteller, der wichtige Beiträge aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg enthält. Mit einer Besprechung über Nobert Wedlers: „Jugenderinnerungen an Theodor Herzl und seine Zeit“, in welcher der in der Schweiz lebende Verfasser manches zum Verständnis der Herzl- Epoche beiträgt, schliesst das beachtenswerte Heft. Alle hier veröffentlichten Arbeiten sind nicht nur für den Historiker, sondern für jeden Leser interessant und lehrreich. Wir wollen hoffen, dass die Erforschung der Geschichte des österreichischen Judentums fortges^zt werden wird. Zur deut_ sehen Sprachgemeinschaft gehörten doch ausser den Juden im Reichsland Oesterreich auch die Juden in Böhmen-Mähren und einem Teil Ungarns und Galiziens und besonders in der Bukowina. Sie hatten als sogenannte „Germanisatoren“ zu leiden, bieten aber der Forschung ein reiches Feld. An unsere Leser Mit Rücksicht auf den Zensus und den darauffolgenden Jom Kippur erseneint die nächste Nummer der “Jüdischen Wochenschau” bereits am Donnerstag, den 29. September. Haftbefehl aufgehoben AUFFORDERUNG AN FRUEHERE SKLAVENARBEITER Frühere jüdische Häftlinge in von den Nationalsozialisten unterhaltenen Konzentrationslagern, welche für private deutsche Firmen Sklavenarbeit leisteten, werden von dem Comité früherer jüdischer Sklavenarbeiter in Deutschland, welches im Zusammenwirken mit führenden jüdischen nationalen und Weltorganisationen ins Leben gerufen wurde, aufgefordert, sich zu registrieren. Das Comité sucht für die überlebenden früheren jüdischen Sklavenarbeiter von den deutschen Firmen nach dem Muster der Vereinbarungen mit I.G.-Farben und Friedrich Krupp Entschädigung für die geleistete .Arbeit zu erhalteri. Die Registrierung soll deswegen erfolgen, damit die überlebnden Zwangsarbeiter von zukünftigen Vereinbarungen, die möglicherweise erreicht werden, nicht ausgeschlossen werden Es liegt daher im ureigensten Interesse der Antragsteller, betont das Comité, dieser Aufforderung unverzügliche Aufmerksamkeit zu schenken und bis zum 31. Dezember 1960 spätestens die Registrierung vorzunebmen. Weder ist das Comité, so betont es, ein Rechtsvertreter des individuellen Antragstellers, noch berechnet es irgendwelche Kosten für seine Dienste. Alle Korrespondenz sollte ausschliesslich an die Compensation Treuhand GmbH., Staulenstr. 39, Frankfurt/Main, Westdeutschland, gerichtet werden und diese soll die folgenden Informationen enthalten: Vor- und Zuname, Geburtsdatum und Geburtsort, Name der in Frage kommenden deutschen Firma und die Daten und Orte, an denen Sklavenarbeit geleistet wurde. Alle Zuschriften müssen die gegenwärtige .Adresse deutlich tragen. Die Compensation Treuhand GmbH, ist eine Treuhandgesellschaft, die die Gelder, die unter dem IG-Farben-Abkommen ausgezahlt werden, verwaltet. Frühere Sklavenarbeit er, die bei I.G.-Farben oder Friedrich Krupp beschäftigtwaren und die daher schon mit der Compensation Treuhand GmbH, in Frankfurt am Main oder mit dem New Yorker Comité registriert sind, werden gebeten, nicht nochmals ihre Ansprüche einzureichen. Dasselbe gilt für diejenigen, die schon wegen Ansprüchen gegen andere deutsche Firmen mit dem Comité früherer Zwangsarbeiter in New York in Korrespondenz gestanden haben. Kempten, — Nach vierwöchiger Verhandlung im Kemptner KZ-Prozess hat das Schwurgericht vor kurzem den Haftbefehl gegen die Angeklagten Schoeps und Stumpf aufgehoben, da weder Fluchtnoch Verkunkelungsgefahr bestehe. Die Vernehmung von mehr als 65 Zeugen erbrachte bisher kein wesentliches Belastungsmaterial gegen die uhemal.gen Bewacher, denen die Ermordung von über 600 kricgsgefuDgenen Russen im KZ Mauthauson vorgeworfen wird. (AWZ) Unverdiente Prügel Rom. — Ein Anzahl italienischer Schwarzhemden wur. de im Portico Dottavio- Viertel, dem jüdischen Stadtteil Roms, von einer Gruppe jüdischer Jugendlicher verprügelt. Es handelte sich aber gar nicht um Faschisten, sondern um Statisten bei der Verfilmung des Streifens „Lebensfreude”, für den mehrere Szenen gedreht werden sollten, die die Rassenverfolgungen in diesem Viertel unter dem Regime Mussolinis zeigen. Als die Juden d.e Schwarzhemden durch die Strassen passieren sahen, verbreitete sich diese Nachricht wie ein Lauffeuer. Die jüdische Jugend nahm sich nicht die Zeit festzustellen, was eigentlich vorging, sondern sie erteilte den Statisten an Ort und Stelle eine ordentliche Tracht Prügel. Die Filmaufnahmen mussten unterbrochen werden, und die Polizei nahm in den anliegenden Strassen Aufstellung, um neue Schlägereien zu hüten. (ITA) Ausländische Unterstützung? T : odau. — Die SS-ähnlichen Uniformen, die die 10 kürzlich bei •'einer Sonnenwendfeier in Bergzabern verhafteten jungen Männer trugen, kommen wahrscheinlich aus dem Ausland. Das gilt auch für die Fahnen und Hakenkreuzembleme, die bei den Feßtgenommenen gefunden wurden. Diese Ansicht vertrat der mit den Ermittlungen be. traute Staatsanwalt in Landau. Der Anführer der Gruppe wurde vom Staatsanwalt als „Phantast“ bezeichnet, dem alle anderen blindlings gefolgt seien. Schon jetzt stehe fest, dass die Gruppe mehr als die bisher ermittelten 10 Mann umtasst. Sie sei schon seit längerer Zeit beobachtet worden. (AWZ) Anleihe für Israel Berlin. — Eine Entwicklungs - Anleihe von 145 Millionen Dollar für Israel, die dazu bestimmt ist, dem jungen Staat bei der Lösung der Wohnungsknappheit zu helfen, ist in einer Sitzung des Westdeutschen Verbandes der Stadtverwaltungen beschlossen worden. Nach diesem Plan soll jede westdeutsche Stadt mit einer Bevölkerung von über 200.000 Seelen einen Beitrag von mindestens 50.000 DM an den Fonds leisten. Wie der Vertreter des westberliner Senats bei der Sitzung betonte, wird | die Anleihe erteilt, weil Israel wegen des ständigen Stroms von Einwanderern Schwierigkeiten mit der Erstellung von Wohnungen hat.” (ITA) i Registro do la Propiedad Intelectual No. 650.035