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Jüdische Wochenschau · 1960-09-21 · 1814 (21.9.1960) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1814 (21.9.1960)
Date
1960-09-21
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German, Spanish
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David Ben Gurion PUEYRREDON 2190 — 1? i*q. ¿X JemxxHA T. E. 87.2613 Año XXI. BUENOS AIRES, MIERCOLES 21 DE SEPTIEMBRE DE 1960 No. 1814 Gestalter des eigenen Schicksals Das Judentum hat das Prinzip der menschlichen .Willensfreiheit verkündet. von JEHUDA GOTTHEIMER -- - | Abgewandt jedem traum- Der Mensch ist nicht nur verlorenen Fatalismus wird Geschöpf, er ist auch Schöpfer, denn er ist im „Ebenbild Gottes geschaffen“. Gewiss gehorchen wir als Lebewesen den Gevon jedem Juden die Tat verlangt. Niemand kann sich auf Gesetze verlassen, die in den ökonomischen Bedingungen liegen sollen, WJl OJO " —— liJCUUlgUlifcVU — setzen der Natur, denen alle jwie es ¿|er doktrinäre Mar- Kreaturen unterworfen , xjsnnus gelehrt hat. Niesind. Das ist menschliches wandern ist vorausgesagt Schicksal. Aber hierin erj oder vorbestimmt, welchen schöpft sich nicht unser . Weg Leben er einschla- .Wesen. Nicht metaphysigen wjrd oder beschreiten sehe, ausserirdische Kräf- ,müsse. Bei jedem Menschen ie bestimmen unsere Exij liegt die Verantwortung, „es stenz und formen die Ordzu tun”. Jeder soll nicht nung der menschlichen Genur Geschöpf, sondern auch Seilschaft, wenn wir auch < Schöpfer sein, jeder Mensch an bestimmte, objektive Gei jede Gemeinschaft und jegebenheiten gebunden sind.; ¿|es y0ik. In dieser Form der Unsere Aufgabe besteht da- ’ Betrachtung der menschlirin, die äusseren Bedingun--jchen Existenz ist zugleich gen zu meistern und eigene, die Verantwortlichkeit des schöpferische Kräfte zu ejnzeinen für sein Tun miteinbegriffen. Denn jedem ist entfalten. In der alten Auseinandersetzung zwischen Idealismus und Materialismus hat das Judentum eine klare Position bezogen. In der grossen Diskussion über dié Freiheit oder die Unfreiheit des menschlichen Willens behauptet das Judentum unbeirrt seinen Standpunkt: die Möglichkeit gegeben, Recht vom Unrecht zu unterscheiden, das Gute vom Bösen zu trennen, das Richtige zu tun und das Falsche zu unterlassen. Durch diese Auffassung wächst der Mensch erst zur Persönlichkeit, durch diese grandiose Idee von der schöpferischen Denn das Gebot, das Ich Kraft des einzelnen wie des dir heute gebiete, ist nicht verborgen und ist nicht lern... Sondern sehr nah ist Volkes wird das Leben erst lebenswert. Auf dieser Grundlage erlir die Sache, in deinem wächst der erhabene Ge Wunde und in deinem Her- 'danke der Freiheit, die als zen, es zu tun". ein köstliches und unveräus¬ Sobre los Judíos en Rusia Nueva York. — “La creciente campaña contra el Individualismo judío" que es llevada por los diarios soviéticos, fué deplorada fen la sesión de apertura de la 16? convención nacional de Hadassa, por la Sra. Freund, presidenta de la organización. Ante 2.500 delegadas, la Sra. Freund, que acaba de retornar de la URSS, donde participó en el 25? congreso internacional de orientalistas en Moscú, dijo que "durante el último año solamente, los principales diarios en las dis. tintas repúblicas soviéticas han publicado unos 100 ar. iículos que son claramente antijudíos en contenido e intención. "Debo manifestar con toda la gravedad que puedo expresar, que estos artículos en los idiomas ruso, ucranio, lituano y oíros, están cargados de un gravísimo peligro para los judíos en la URSS." — En la sesión de apertura habló asimismo el Sr. Abraham Harman, embajador israelí en los EE.UU.— La meta financiera de Hadassa durante el año fiscal transcurrido fué de 9.335.000 dólares, — I HERBERT WINTER Ueber die Juden in Russland New York. — „Die wachsende Kampagne gegen den jüdischen Individualismus”, die von den sowjetischen Zeitungen geführt wird, wurde bei der Eröff. nungssitzung der 16. Nationalkonvention der Hadassa von Frau Freund, der Präsidentin der Organisation, bedauert. Vor 2.500 Delegierten berichtete Frau Freund, die gerade aus Russland zurückkehrte, wo sie am 25. Internationalen Orientalisten-Kongress in Moskau teilgenommen hat, dass „allein im letzten Jahr die wichtigsten Zeitungen in den -verschiedenen Sowjetrepubliken rund 100 Artikel veröffentlichten, die in Inhalt und Absicht offen antijüdisch sind.” „Ich muss mit allem mir zur Verfügung stehen, den Ernst darauf verweisen,,’ stellte Frau Freund fest, dass diese Artikel in russischer, ukrainischer, litauischer und anderen Sprachen eine äusserst ernste Gefahr für die Juden in der Sowjetunion in sich tragen.” Auf der Eröffnungssitzung sprach auch Abraham Harman, der israelische Botschafter in den Vereinigten Staaleh. Die im abgelaufenen Fiskaljahr von der Hadassa aufgebrachten Fonds beliefen sich uf 9.335.000 Dollar. HERBERT WINTER serliches Gut dem Menschen als Individuum wie als Träger einer Gemeinschaft gegeben ist. Aus dieser Quelle schöpften die Juden in den langen Jahrhunderten ihrer Verfolgung und Unterdrükkung den Mut. den Kampf um ihre Ideen und ihre Ideale weiterzutragen und nicht zu verzweifeln. So triumphierten sie zu allen Zeiten über ihre Peiniger, die nicht verstanden, dass man ein Volk physisch versklaven, niemals aber geistig unterjochen kann. Das Wunder des Fortbestandes unseres Volkes in den langen und finsteren Jahrhunderten der Not und des Elends, der Verfolgung und Vernichtung beruht nur auf diesem ungebeugten “Willen zur Freiheit und dem festen Glauben, dass jeder Mensch, „im Ebenbild Gottes geschaffen“, das Recht zum Leben und zur Entfaltung seiner eigenen Kräfte besitzt. Das jüdische Volk war ein Volk in Ketten, aber es blieb ein Volk, eine geschlossene Gemeinschaft, die auch dann nicht zertrümmert werden konnte, als einige Teile dieses Volkes resignierten. Dabei waren die Zweifler in den eigenen Reihen immer gefährlicher als die äusseren Feinde. Es gab Zeitabschnitte in unserer Geschichte, wo der innere Auflösungsprozess bereits weit vorgeschritten war. Das waren Epochen des äusseren Glanzes, wie beispielsweise diejenige, welche durch die grosse Judenemanzipation des vergangenen Jahrhunderts eingeleitet wurde. Die damals den Juden geschenkte Freiheit galt nur der Gleichstellung des Individuums, nicht aber der vollen Entwicklung der jüdischen Gemeinschaft, wie sie von den damaligen Machthabern gewollt war: „Den Juden als Individuen alles, „den Juden als Volk aber nichts“. Wahrscheinlich wussten diese Männer, die eine neue Zeit eingeleitet haben, dass sie mit dieser Parole einen Assimilationsprozess bis zur Selbstauflösung und zum > Selbstverzicht des Juden auf sein Judentum fördern werden. Nur die Juden begriffen nicht, dass sie mit dieser Marschroute den Weg aus dem Judentum eingesehlagen hatten. Der Freiheit der Juden war mit diesem Geschenk, der Freiheit scharfe Grenzen gesetzt worden. Das mag paradox klingen und als Widerspruch in sich selbst betrachtet werden. Dennoch dürfen wir heute bereits auf unsere geschichtliche Erfah. rung zurückblicken, um allein hierdurch — sozusagen experimentell — die Richtigkeit dieser These zu begrün, den. Wir können daraus lernen, dass die Freiheit niemals eingeschränkt werden kann. Der Begriff der Freiheit schliesst ihre Unbedingtheit ein. Die Schranken der Freiheit müssen immer in der sittlichen Kenntnis liegen, sie beruhen auf der Verantwortlichkeit und auf dem freien Entschluss jedes Menschen und Volkes, das versteht, dass Freiheit nicht Zügellosigkeit bedeuten kann. Diese — echt jüdische — Sehnsucht nach Freiheit führte m unseren Tagen zur Staatwerdung Israels, zur Renaissance unseres Volkes und zu einer völligen Neuorientierung für unser Schicksal. Man soll nicht annehmen, dass die äusseren politischen oder wirtschaftlichen Gegebenheiten in unserer Zeit die Wiedergeburt Israels bedingten. Es dürfte im Laufe einer langen Geschichte andere, vielleicht günstigere Möglichkeiten gegeben haben, den jüdischen Staat wiederzuerrichten. Aber es fehlte der aufbauendessen Besprechungen mit den führenden Staatsmännern jm Laufe des Jahres grosses Aufsehen erregten. de Willen, der sich die äusseren Faktoren unterordnete und die sich bietenden Chancen zum Erfolg gestaltete. Das jüdische Volk hat einen tiefgehenden Wandlungsprozess durchgemacht, seit es sich entschlossen hatte, sein Schicksal wieder selbst in die Hand zu nehmen und aus der passiven Rolle zur eigenen Tat schritt. Der schlummernde Freiheitswillen wurde zu neuem Leben geweckt. Das Volk fand zu sich selbst zurück. Auf seinem Boden erwuchsen ihm neue Kräfte, die bisher nicht in die Erscheinung getreten waren. Deswegen ist die Reaktion aller Fremden, die nach Israel kommen, zunächst immer ein Erstaunen: das sind J«- den? Die Welt hat eine völlig irrtümliche Vorstellung vom „Juden“. Auch der Galut-Jude wird von sein*« Mitbürgern meist anders gesehen, als er wirklich ist. Vorurteil und tendenziös*' Erziehung haben ein Zerrbild vom Juden geschaffen* wobei nicht immer schlechter Willen der anderen mit wirkt. Die Möglichkeit, wieder ein freies Leben zu führe«, wieder selbst Herr seine» Schicksals zu sein, macht* aus einem innerlich unfreie« (Schluss auf Seite Z) Sie sind die schwarze Garde Der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. H. G. van Dam, hat im Zusammenhang mit dem Absingen von NS- 'Liedern durch die Teilnehmer am Waffen-SS-Treffen in Windsheim beim bayerischen Staatsminister des Innern, Alfonso Goppel, eine Dienstaufsichts . Beschwerde gegen die Landespolizeidirektion Ansbach eingereicht. Der Leiter der 'Landpolizeidirektion hatte erklärt, dass die Lieder „Wenn alle untreu werden, so bleiben wir doch treu“ und „Wir sind die schwarze Garde, die Adolf Hitler liebt“ — die in Windsheim gesungen worden waren — nicht auf der Liste der in Bayern verbotenen NS-Lieder stehen und das bayerische Gesetz „Gegen die Verwendung von Kennzeichen verbotener Organisationen“ daher nicht anwendbar sei. Dr. van Dam schrieb dazu: „Ich dai-f meiner Verwunderung über die passive Haltung gegenüber einer nationalsozialistischen Demonstration, die durch die besondere Bezugnahme auf den ehemaligen sogenannten Führer und Verführer des deutschen Volkes Niederschlag findet. Ausdruck ge. ben. Ueber den Schaden, der durch derartige Geschehnisse, die nicht geheim bleiben, in der Weltöffent-' lichkeit angerichtet wird, brauche ich wohl keine näheren Ausführungen zu machen. Aus diesem Grunde erhebe ich formelle Dienstaufsichts-Beschwerde gegen die Landespolizeidirektion Ansbach und bitte ergebenst um ihre Stellungnahme“. Dr. van Dam hat ferner beim Generalstaatsanwalt in München über den Oberstaatsanwalt beim Landgericht München eine Beschwerde geführt, weil die Einleitung eines Strafverfahrens auf Einziehung des Ludendoi’ffschen Buches „Vernichtung der Freimaurerei” abgelehnt worden ist. In diesem Buch wird den Juden nach Mitteilung von Dr. van Dam List, Betrug, Ausplünderung, Mord und Kriegshetze vorgeworfen. In der Beschwerdeschrift weist Dr. van Dam darauf hin, dass die Staatsanwaltschaft München die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs und die Erfahrungen des Falles Nieland unbeachtet lasse. Der Bundesgerichtshof habe festgestellt, die Aufstellung hetzerischer Behauptungen hätte zu den Massenverbrechen der Vergangenheit geführt und brächte eine Unterhöhlung der verfassungsmässigen Ordnung in Gegenwart und! Zukunft mit sich. ' Der Herausgeber des Buches ist Freiherr von Bebenburg, ein Schwiegersohn von Frau Mathilde 'Ludendorff, KORREKT VERHALTEN? Die Windsheimer Polizeibeamten hätten sich seiner Meinung nach einwandfrei und ihren Dienstvorschriften, entsprechend verhalten. Das sagte der Chef der Landespolizeidirektion Ansbach, Dr. Wolf, zu der vom Zentralrat der Juden gegen seine Dienststelle eingereichten Dienstaufsichtsbeschwerde. Der Ansbacher Polizeichef verwies darauf, dass die SS- Lieder nicht bei der Hauptversammlung der Waffen-SS sondern in einem Nebenlokal gesungen worden seien. Die Entscheidung darüber, ob sich seine Beamten korrekt verhalten hätten, habe das bayerische Innenministerium zu fällen. Nach dem geltenden bayerischen Gesetz „gegen die Verwendung von Kennzeichen verbotener Organisationen“ vom 27. März 1952 sind in Bayern die folgenden sechs Lieder verboten: „Die Fahne hoch“, „Volk ans Gewehr“, „Deutschland erwache“, „Durch Grossberlin marschieren wir“, „Es zittern die morschen Knochen“, „Es steht an der Ostsee die eiserne Schar“. Rösch Hasctianah-Ausgabe 5721

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