Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1813 (16.9.1960)
- Date
- 1960-09-16
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
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PUEYRREDON / 2190 — 1? isq. £ï JknuÀnàJsAjaeliia T. E. 8 3 2 6 1 3 Año XXI. BUENOS AIRES, VIERNES 16 DE SEPTIEMBRE DE 1960 No. 1813 Vor dem Forum der Völker von SAUL CARSON Wie jedes Jahr erhebt sieh die Frage, weiche Rolle Israel in der diesjährige)! Generalversammlung der UN zufällt, die am 20. September eröffnet wird. Das Programm enthält 73 Punkte. Nur zwei hiervon betreffen Israel direkt, und nur einer wird wohl zu einer Debatte führen, an der Israel teilnehmen dürfte. Es handelt sich um die weitere Stationierung der UN-Truppen und den Jahresbericht des Direktors des UN-Büros für die arabischen Flüchtlinge. Der erste Punkt ist, soweit es Israel angeht, eine Routinefrage. Die UN-Truppen an der Grenze des Gaza- Streifens und in Scharm-el- Scheik am Golf von Akaba werden vorläufig dort verbleiben, da es, wie der UNi Generalsekretär in seinem I jährlichen Bericht feststellt, „unter den heutigen Umständen schwer vorauszusehen ist, wann diese Truppen ohne das Risiko gefährlicher Folgen zurückgezogen werden können“. Wie aus dem Bericht hervorgeht, stehen dort 3.500 Offiziere und Mannschaften, die in diesem Gebiet die Ruhe aufrechterhalten. Hammarskjöld vermerkt 137 „Zwischenfälle“, sämtlich kleineren Ausmasses. Die Versammlung wird nur zu entscheiden haben, welche Summe für Unterhalt und Ausrüstung dieser Truppe nötig ist. In Hammarskjolds Bericht figuriert — wie alljährlich — ein Kapitel über die „Palästina-Frage“. Auch das ist Routine. Hiesige Beobachter I verweisen darauf, dass diese Frage nicht ein einziges Mal in diesem Jahr vom Sicherheitsrat behandelt wurde. Viele erinnern sich an die Jahre, in denen der arabischisraelische Kpnflikt sozusagen auf der Tagesordnung stand. Es gab zwar auch in diesem Jahr Klagen, doch diese wurden von Israelis und Arabern in Schreiben zur „Information“ an den Sicherheitsrat geleitet. Weder Israel noch ein arabisches Land haben eine Ratssitzung beantragt, was als Zeichen für ein gewisses Mass von Ruhe gewertet wird. Dagegen wird der Bericht der UNWRA-Direktors zu hitzigen Debatten führen, bei denen die Führer der arabischen Delegation wie üblich gegen Israel wettern werden. Doch dabei wird WIE ICH ES SEHE 15. Vollversammlung der UN! von JEHUDA GOTTHEIMER In dev nächsten Woche wird die 15. Vollversammlung der Vereinten Nationen zusammentreten, die wichtige Fragen besprechen und weittragende Entscheidungen treffen soll. Auch die diesmalige Tagesordnung enthält einige Punkte, die auf allen vorangehenden UN. Konferenzen zur Sprache ge. kommen sind. Trotzdem die Grundzüge der Weltpolitik nur eine geringe Aenderung erfahren haben, sind im letzten Jahr einige neue Gesichtspunkte zu berücksichtigen und verschiedene Probleme entstanden, die neue Gefahrenherde schufen und zu schweren Auseinandersetzungen geführt haben. Man kann also sagen, dass die 15. UN-Versammlurig aus verschiedenen Gründen ein ausserordentliches Interesse beanspruchen darf. Ohne Zweifel wird die Weltlage auch heute noch von der Ost-West-Spannung Delegationen aus Südamerika Jerusalem. — Die zentralen jüdischen Organisationen von vier südamerikanischen Ländern haben beschlossen, „brüderliche Delegationen” zum nächsten jüdischen Weltkongress zu entsenden, der hier im Monat Dezember abgehalten wird, wie Jaakow Tsur, Mitglied der Exekutive der Jewish' Agency, mitteilte. Tsur, der gerade von einer Rundreise durch Lateinamerika' zurückkam, berichtete, die argentinische Kollektivität werde 6, Brasilien 5, und Uruguay und Chile je 2 Delegierte schicken. ITA) beherrscht. Es wäre jedoch falsch, die Wandlungen der Situation zu übersehen und durch eine Vergröberung der Streitfragen die neu aufgetretenen Nuancen zu leugnen. Man muss sich vor einer Verallgemeinerung hüten, die allzu leicht dazu verleitet, die Kräfte unrichtig einzuschätzen. Gewiss gilt für unsere wie für kaum eine andere Zeit das Wort des griechischen “Weisen, dass „alles fliesst”, dass es keinen Stillstand gibt, dass Vergleiche mit Vorsicht angewandt werden müssen, weil neue Situationen auch neue Beurteilung, unter Umständen auch neue Stellungnahme und Entscheidung verlangen. Nicht mit Unrecht wix'd manchesmal davon gesprochen, dass antiquierte Auffassungen und überholte Einstellungen zur Umwelt und zu den sich ständig wandelnden Lebensbedingungen der menschlichen Gesellschaft zu einer Erstarrung führen, die gefährlich ist. Man kann besonders in der westlichen Hemisphäre beboachten, dass die verantwortlichen Staatsmänner — in Vorurteile verstrickt — nicht immer rechtzeitig ,umschalten’ und deshalb den beweglicheren Kräften im Osten nicht gewachsen erscheinen. Niemand wird bestreiten können, dass gerade im letzten Jahr neue Machtfaktoren ins internationale Leben eingetreten sind, deren Erscheinen und Wirken sofort eine Berücksichtigung in den Dispositionen der Weltmächte ausgelöst haben. Die Bedeutung der UN ist im letzten Jahr aus mannigfachen Gründen gestiegen. Immer mehr haben sich die Völker daran gewöhnt, in den UN das internationale Tribunal zu erblicken, das berufen ist, ihre Streitfragen zu schlichten oder zu ent scheiden. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen ist zu wiederholten Malen ersucht worden, zu Fragen Stellung zu nehmen, die von den beteiligten Nationen nicht gelöst werden konnten. Hierin darf man ein erfreuliches Zeichen für die Festigung des Grundgedankens des Völkerbundes sehen, der geschaffen worden ist, friedliche Wege zur Schlichtung internatiionaler Konflikte zu suchen. Die Konsolidierung des Prestiges, das die UN geniessen, ist eine solide Basis für den Frieden zwischen den Völkern, die ihre Meinungsverschiedenheiten nicht mehr durch kriegerische Auseinandersetzungen entscheiden sollen, sondern durch Vermittlung einer überstaatlichen Instanz, einer internationalen Körperschaft, die an die Stelle des Schwertes den Richterspruch setzen soll. Ein Beispiel hierfür war der Antrag der argentinischen Regierung in ihrer Differenz mit Israel, der an den Sicherheitsrat gerichtet war, um die Frage der Verletzung der argentinischen Souveränität durch die Aufbringung Eichmanns zu entscheiden. Der zwischen zwei befreundeten, demokratischen Staaten entstandene Konflikt konnte auch nur deshalb schnell und reibungslos erledigt werden, weil die beiden beteiligten Länder bereit waren, die Ho. heit der UN zu respektieren und das erwartete Urteil auszuführen, auch wenn es den Parteien nicht in jeder Hinsicht gefallen haben mag. Beide Staaten haben durch ihr Vorgehen der Vöiker- •bundsidee einen . grossen Dienst erwiesen. Jede Stärkung der Autorität der Vereinten Nationen ist ein Schritt auf dem Wege zum Weltfrieden, der bisher nur deswegen nicht erreicht wer. nichts anderes herauskommen, als dass die UNWRA ihre jährliche Zuwendung erhalten wird und die arabischen Massen weiter im Elend leben werden, während ihre Herrscher den Hass gegen Israel schüren und sie im politischen Spiel als Fussball benutzen. Soll all das nun heissen, dass Israels Delegation ebenso gut zu Haus bleiben könnte? Die Antwort lautet negativ, denn die israelischen Delegierten, an deren (Spitze zuerst Aussenminister Golda Meir und später Israels ständiger UN-Delegierter Michael Comay stehen wird, haben wichtige Aufgaben zu erfüllen. Russland hofft, diese Versammlung könnte eine „Gipfelkonferenz“ werden, denn nicht nur Krutschew sondern auch die Chefs anderer „sozialistischer“ Staaten werden erscheinen. Auch leitende Staatsmänner des Westens werden anwesend sein, und viele afro-asiatische Länder entsenden ihre Oberhäupter so dass man mit der Teilnahme von 40' bis 50 Aussenministern rechnet. Schon deshalb muss Israel zur Stelle sein, um manche Beziehung zu verbessern und andere zu befestigen. Ferner hat der Sicherheitsrat die Aufnahme 15 neuer Mitglieder empfohlen, welche von der Versammlung bestätigt werden dürfte. Die1 Zahl dor Mitgliedstaaten wird sich von 82 auf zumindest 97 erhöhen und bald 100 oder mehr betragen. Israel unterhält schon heute ausgezeichnete Beziehungen mit vielen dieser neuen Mitden konnte, weil die entscheidenden Länder ihre eigenen Interessen bis zum Letzten schützen und nicht gewillt sind, eine Einschränkung ihrer Souveränität durch Anerkennung einer übergeordneten Instanz zu gestatten. Der Völkerbunds-Gedanke beruht aber auf dem juristischen Prinzip der Schaffung einer übernationalen Souveränität, die nur dadurch zustande kommen kann, dass jedes Land ein Bruchstück seiner eigenen Unabhängigkeit und seiner eigenen Hoheitsrechte dieser übergeordneten internationalen Körperschaft abtritt. Weder die Russen noch die Amerikaner sind bisher geneigt gewesen, sich den Beschlüssen der UN unterzuordnen. Das hat zur Folge, dass auch kleinere Länder, deren Macht eine reichlich begrenzte ist, wie z. B. Aegypten, immer wieder den traurigen Mut aufbringen, sich gegen UN-Beschliisse aufzulehnen oder sie einfach zu ignorieren. Sie rechnen damit, dass die eine oder andere Weltmacht ihre Haltung verstehen und rechtfertigen wird, um in dem allgemeinen Ost - West - Konflikt Vorteile zu erzielen. Nur aus diesem Grunde konnte die Entscheidung in der Frage;der freien Durchfahrt durch den Suezkanal immer wieder verletzt werden. Die La Inmigración de Sudamérica Jerusalem. — Millares de judíos sudamericanos están dispuestos a emigrar a Israel si pueden realizarse arreglos convenientes para su absorción aquí, declaró Baruj Duvdevani, director del departamento de inmigración de la Agencia Judía. Su departamento, dijo Duvdevan" en conferencia de prensa, ha redactado “Planes prácticos" para asistir a los inmigrantes de Occidente durante su primer período de residencia en Israel. Los planes, dijo, incluyen el establecimiento de un fondo totalizando “muchos millones de libras" del cual se otorgarán préstamos a largo plazo para adquirir sus hogares. Asimismo podrán obtener préstamos mensuales de "varios cientos de libras mensuales durante 90 días" para ayudarles a "mirar en su derredor" y hallar ocupaciones adecuadas. Del total de unos 750.000 judíos sudamericanos, dijo, unos 10.000 han venido a Israel aesde el establecimiento del Estado en 1948. Dijo que e<n la actualidad la aliá de judíos sudamericanos iba en aumento y calculó que unos 2.500 llegarán a Israel durante el año venidero. SCHLOMO S. TANGER Immigration aus Südamerika Jerusalem. — Tausende südamerikanische Juden, sind bereit, nach Israel auszuwandern, wenn befriedigende Regelungen für ihre Absorption hier im Lande getroffen werden können, so erklärte Baruch Duvdevani, der Direktor der Einwanderungs-Abteilung der Jewish Agency. Seine Abteilung, so äusserte Duvdevani in einer Pressekonferenz, hat „praktische Pläne” ausgearbeitet, u.m den Einwanderern aus dem Westen während der ersten Zeit ihres Aufenthaltes in Israel zu helfen. Die Pläne, so bemerkte er, schliessen die Schaffung eines Fonds ein, der sich insgesamt auf „viele Millio- nen P/”nd” beläuft, und aus dem langfristige Anleihen gewährt werden sollen, um ihnen den Erwerb von Wohnungen zu ermöglichen. Ebenso können sie monatliche Darlehen von „mehreren hundert Pfund monatlich für 90 Tage” erhalten, um ihnen zu gestatten, „sieh umzusehen” und geeignete Beschäftigung zu finden. Von insgesamt rund 750.000 südamerikanischen Juden, so berichtete er, sind ungefähr 10.000 seit der Gründung des Staates im Jahre 1948 nach Israel gekommen. Duvdevani teilte mit, dass die Alija der südamerikanischen Juden jetzt ansteigt, und er berechnete, dass ca. 2.500 im nächsten Jahr in Israel eintreffen werden. SCHLOMO S. TANGER glieder, vor allem in Afrika und Asien, und es wird die Gelegenheit nicht vorübergehen lassen, mit den neuen Delegationen hier den Kontakt aufzunehmen. Die Generalversammlung wird auch einige Themen behandeln, die für die Juden im allgemeinen von Interesse sind. So sind Debatten über die Flüchtlinge ausser den arabischen Flüchtlingen, über Menschenrechte und andere Probleme vorgesehen, die alte Juden angehen. Auch Punkte von internationalem Interesse stehen auf der Tagesordnung, so z. B. die Abrüstung, der Atomkrieg und ähnliche Fragen dieser Art. Israel wird an diesen Diskussionen teilnehmen und bemüht sein, seinen Beitrag zur Entschärfung der Spannung in der Welt zu leisten. Grossmächte begreifen durch, aus, dass die Nichtbeachtung internationaler Beschlüsse zu einer allgemeinen Unsicherheit führen muss, nehmen aber aus Zweckmässig- 1 keitsgründen dieses Risiko in Kauf, zumal sie erwarten, dass ihnen für den Augenblick grössere Vorteile entstehen. Gewiss wird trotz aller Veränderungen der allgemeinen Lage auch heute noch das politische Panorama von *den harten Auseinandersetzungen zwischen dem Osten und dem Westen beherrscht. Das von Krutschew provozierte Scheitern der Gipfelkonferenz hat sogar zu einer erheblichen Verschärfung des permanenten Kampfes zwischen den Blockmächten geführt, die sich im Augenblick einen erbitterten „kalten Krieg” liefern und dabei alle Saiten ihrer Machtinstrumente spielen lassen. Die auf dem Verhandlungs. und Besuchswege angestrebten Verständigungsmöglichkeiten, die zu einer Koexistenz führen sollten, sind heute nicht mehr gegeben, obwohl alle Völker sich von diesen Gesprächen am runden Tisch eine Erleichterung der Lage versprachen. Ki'utschew hat in den letzten Monaten in seiner ununterbrochenen Offensive gegen den Westen die schwerste» Beleidigungen ausgesprochen und furchtbare Drohungen ausgestossen, die vom Westen nicht übermässig ernst genommen worden sind. Immerhin brachte es diese Kampagne des russischen Regierungschefs zustande, dass die Vorbereitungen für einen bereits festgelegten Besuch Eisenho. wers in Japan unterbrochen werden mussten. Diese Brüskierung des Westens brachte jedoch nicht den erhofften psychologiscehn Erfolg, was nicht zuletzt darauf zurückgeführt werden muss, (Schluss auf Seite 2) t Arabischer Plan New Delhi. — Wie der Korrespondent der Zei. iung „Dawn” in Karachi mitteilt, beabsichtigt die VAR, nach dem Vorbild der Jewish Agency eine „Arab Agency” zu gründen, die sich damit befassen soll, die Interessen der Araber in Uebersee zu vertreten und die Ban. de zwischen den Emigranten und ihren Ursprungsländern zu stärken. Die meisten Araber im Ausland sind Libanesen. Der Plan bezweckt, die Sympathien der in den USA ansässigen Libanesen zu gewinnen. — (ITA)