Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1812 (13.9.1960)
- Date
- 1960-09-13
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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-a* * ï 2 3 S s U M O < U ■-n FRANQUEOPACADO Concesión 908 TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 Año XXI. BUENOS AIRES, MARTES 13 DE SEPTIEMBRE DE 1960 No. 1812 EL EJEMPLAR» en ioda 1s República Q * Buenos Aires PUEYRREDON 2190 19 ixq. T. E. 83 . 2613 Die Kinder von Kain und Abel Als Kain den Abel erschlug, da wurde der erst« Brudermord begangen, den die folgenden Menschenkinder bis zum heutigen Tage in unzählbarer Folge wied«rholten. Wir alle sind Brüder der Menschenfamilie, und dennoch töten diese Brüder einander. Kain galt immer als „Schlechter” und Abel als „Guter”. Trotzdem wissen wir nicht, ob nur die Kinder des Kain weiter die Kinder des Abel töten oder •b es nicht auch umgekehrt geschieht. Denn es ist der Fluch der bösen Tat, dass sie fortzeugend Böses muss gebären. Mit Unruhe betrachten wir die heutige Weltsituation und sehen mit Besorgnis, dass der Grund der Spannungen in Oesterreich und überall der absolute Mangel eines brüderlichen Gefühles zum anderen Menschen ist, sei er der gleichen Nationalität, Hautfarbe und Religion oder einer anderen. Jeder einzelne Mensch, jede Organisation, jede Partei, jeder Staat will nur herrschen — und sei _ es mit Gewalt. Keiner will den Standpunkt des anderen verstehen und verschliesst seine Augen und seinen Sinn gegen dessen berechtigte Anschauungen. Man hat gewiss aus der Vergangenheit gelernt — aber nur das Schlechte, das Böse. Denn man hat gesehen, dass die Ausrottung von Mitmenschen, die nicht als Brüder sondern als feindliche andere 'Lebewesen angesehen wurden, den „Teilerfolg” hatte, dass die Gemordeten keine physische Kraft mehr bedeuten. Und auf diese physische Kraft, auf diese ¡materielle Potenz kommt es allen Menschen an, die herrschen wollen über ihre Mitbrüder von GEORG KUENSTLINGER, Wien Die sogenannte Idee des Nationalsozialismus fand ihre Verkörperung des Bösen in dem Mann, der Adolf Hitler hiess. Es hat vor dem Nationalsozialismus und vor Hitler Unterdrückungen, Terror und Massenmorde aller Art unter zahlreichen Völkern, Nationen, Rassen und Religionen gegeben. Hit ler hat aber etwas Neues in die Menschheit gebracht, das war die absolute Mechanik und Systematik in der Liquidierung von Menschen, die ihm im Wege zu seiner Alleinherrschaft standen. Er wollte kein glückliches Menschengeschlecht, das differenziert ist, wie eben Gott es geschaffen hat, damit es gerade in seiner Verschiedenheit in reicher Blüte einander befruchtet. Nein, er wollte wie in einer Retorte die deutsche Herrenrasse in einer Erziehung, deren Terror den so Erzogenen manchmal gar nicht innerlich bewusst wurde, erzeugen. Diese „Deutschen” waren für ihn dazu bestimmt, alle anderen Völker, Rassen und Nationen zu dominieren. Dazu wurde auch die „Vorsehung” zitiert, die allerdings er definierte. Die einfache Methode dieses Weges war die physische Liquidierung aller menschlichen Brüder, die anders dachten und fühlten. Aber wirklich aller. Da das nicht ganz gelungen ist, so verzeichnete Hitler und der Nationalsozialismus eben nur einen Teilerfolg, dessen Anerkennung wir in den vielfachen Aussprüchen finden, es wäre alles „gut“ gewesen, wenn Hitler einen vollen Erfolg erzielt hätte. Dieses absolut Böse haben die Menschen gegenüber ihren Mitbrüdern, die anderer Meinung sind, vom National- Der unschuldige Oberländer Bonn. — Der ehemalige Flüchtlingsminister Theodor Oberländer ist von einer parlamentarischen Sonderkommission der Mehrheitspartei der Christlichen Demokraten für unschuldig erklärt und von den Beschuldigungen freigesprochen worden, dass er einer NS-Abteilung angehört habe, welche im Jahre 1941 die Hinrichtung von polnischen Intellektuellen und Juden in dem damals zu Polen gehörenden Lemberg angeordnet hat. Vor einigen Monaten war versucht worden, die Aufhebung der parlamentarischen Immunität Oberländers zu erreichen, um ihn wegen Kriegsverbrechen vor Gericht zu stellen. Nach dem Ergebnis der jetzigen Untersuchung erscheint es jedoch zweifelhaft, dass der betreffende Antrag bei der kommenden Sitzung des Bundestages Erfolg haben dürfte. Oberländer vollzog vor einigen Monaten seinen Rücktritt aus dem Kabinett Adenauers unter dem Druck der gegen ihn erhobenen Anschuldigungen, Mitglied des Bataillons ..Nachtigall” gewesen zu sein, welches für die Massenmorde in Lemberg verantwortlich gemacht wird. Er ist aber immer noch Abgeordneter im Bundestag. Die Uîitersuehungskommission der Christlichen Demokraten hat jetzt herausgefunden, dass die Verbrechen von Lemberg teils von den im Rückzug befindlichen sowjetischen Truppen, und teils von den Ukrainern begangen worden sind, die seinerzeit unter dem Befehl des heut’gen sowjetischen Premierministers NikUa Krutschew '}*andc\ UTA) Sozialismus gelernt. Es gibt gewiss noch Unterschiede in der Methode. Manche unterdrücken gegenwärtig, da sie noch nicht alle Macht haben, „nur” das Recht der freien Meinungsäusserung, andere wieder gehen in der physischen Ausschaltung vom Einsperren bis zum Töten über. Als ob damit der „Friede” einzöge, wenn die als jeweils „Schlechten” angesehenen Mitmenschen ermordet werden, als ob nicht alle Erfahrungen seit Jahrtausenden bewiesen, dass Blut auch Blut gebärt und Galgen wieder Galgen. Die Kinder der Getöteten ermorden die Kinder der Henker und weiter im Wechselmord. Blicken wir einmal auf alle die Punkte, wo weisse Menschen in Konflikt kommen mit ihren farbigen Mitbürgern. Wer nimmt sich überhaupt Mühe, darüber nachzudenken, wo Schuld und Wirkung liegen, wo zumindestens Veranlassung und Reaktion? Wir hören mit Schaudern, dass Kongo, lesen Weisse vergewaltigen und töten. Wir lesen sogar mit Erstaunen die masslosen Tiraden eines Lumumba der alle Weissen aus Afrika vertreiben will und andererseits von diesen Weissen verlangt, sie sollten ihm Flugzeuge’ zur Verfügung stellen, damit er seine schwarzen Mitbrüder besser unterdrücken könne. Wir tun alle diese nationalen Gärungen mit einer Handbewegung ab und sehen sie als Erfolg kommunistischer Hetze an. Niemand zweifelt daran, dass Moskau auch in diesen Fällen die Fernlenkung übernommen hat, doch sind solche grundlegende Differenzen nicht damit zu lösen, dass wieder die Söhne des „Abel” die Kinder des „Kain“ töten. Kuba, Indone. sien, Vietnam und Korea sind weitere Punkte dieser einen Erde, auf der nur eine Völkerfamilie wohnt und wo doch der Bruder den Bruder mordet. Wir sprachen dieser Tage mit einem Mann in einer untergeordneten Stelle. Er schien — wir kennen ihn seit Jahren — harmlos. Mein Gott, so harmlos, wie viele Menschen scheinen, die keine Machtposition haben. Er war im zweiten Weltkrieg Soldat, auch niedrigen Ranges. Nazi? Tja, er war wahrscheinlich ein Nazi wie eben alle Nazis waren, die es heute abstreiten. Aber ein „Goldfasan“ war er gewiss nicht. Die Methode der Nazis („Wir kämpfen nur gegen die Schlechten, gegen die Kains“) ist ihm jedoch in Fleisch und Blut übergegangen. Er sieht die beste Lösung der Probleme der farbigen Völker darin, die Farbigen ganz einfach auszurotten. Dieser Ausdruck stammt von ihm! Dann könne man ruhig in Afrika und Asien kolonisieren und arbeiten So sagte er. Dass die abscheulichen Terrormethoden der Farbigen nicht mit einer „Liquidierung“ dieser Menschen beendet werden können — das kam ihm gar nicht in den Sinn. Er sieht sich als Kind des „Abel“ an, der den „Kain“ bestrafen darf und muss. Er fand wirklich so gute Worte über die Leiden der Naziopfer und besonders der KZler, dass man verleitet war, ihm Glauben zu schenken, er meinte es ernst, wenn er verlange, dass diese Menschen, die soviel für Oesterreich gelitten haben, eine Staatspension erhalten sollten, von der sie ausgiebig leben könnten. Dennoch war er der „ruhigen“ Meinung, in Oesterreich gehe es deshalb nicht besser, weil „KZler an führenden Stellen sitzen, die sie sachlich nicht beherrschen". Allerdings konnte er den Beweis nicht widerlegen, dass ja nur ein kaum nennenswerter Bruchteil der tausenden Menschen in leitender Position (zu denen ja neben den Ministern und Abgeordneten auch alle die grösseren Geschäftsleute Direktoren und Leiter aller Art gehören) ehemalige Naziopfer sind. Das genaue Gegenteil ist der Fall. Man sehe sich einmal die Aemter und grossen Betriebe an, die Schulen und Universitäten: überall sitzen an leitenden Stellen ehemalige Nazis oder nennen wir sie, ehemalige Mitglieder der NSDAP. Ja, wie sollte es anders sein? War doch jeder zweite Oesterreicher auch Mitglied der NS¬ DAP.Das ist nicht zu ändern. Wir können es nicht einmal beklagen, wir können es nur ieststellen. Heute, im Jahre 1960, ist auch wenig dagegen zu sagendwenn wir nicht Illusionisten werden wollten, ¡was wir wirklich nicht sind j— solange diese ehemaligen ¡Mitglieder der NSDAP gellernt haben, sich in einer Demokratie, die das Recht des anderen Menschen, eine andere Meinung zu äussern, anerkennt, auch demokra tisch verhalten. Gerade weil dieses Beispiel uns so berührt, wollen wir auch darauf antworten, was wir täten, wenn die oben skizzierten Menschen sich „undemokratisch“ benehmen. Auch dann sind wir nicht für eine „Liquidierung“, wie sie in der Welt als einziger Ausweg angesehen wird. Wir sina dann dafür, solche Menschen — je nach ihren Taten — den ihnen gebührenden Platz in dieser einzigen menschlichen Gesellschaft, die auf der Erde lebt, zuzuweisen. Der Mörder muss gewiss eingesperrt werden, vielleicht sogar auf Lebenszeit, falls eine Wiederholung zu befürchten ist. Denn diese menschliche Gesellschaft muss sich gegen die Schädlinge schützen. Sonst zerfiele sie. Andere Untäter — auch diejenigen, die nicht geeignet sind, die Jugend zu erziehen — müssen von Stelleivausgeßclqaltet worden, in Spionage zugunsten Aegyptens Tel Aviv. — Jehuda Bacliar, 33 Jahre alt, Besitzer einer Yacht, mit der er im Golf von Akaba in der Nähe von Elat herumfuhr, ist vom Sicherheitsdienst unter dem Verdacht verhaftet worden, ägyptischen Agenten im Ausland geheime Informationen erteilt zu haben. Bachar gehört die Yacht „Kalypso”, die vor einem Jahr von Elat nach Asmara in Eryträa auslief. Er musste sein Schiff in Asmara verlassen, weil ihm die Mannschaft davonlief und die Hafenbehörden die Yacht konfiszierten, da er keine Gebühren bezahlt hatte. Anfang dieses Jahres reiste Bachar wieder nach Asmara, angeblich um seine Yacht wieder zurückzubekommen. Man nimmt an, dass er sich dort mit einem ägyptischen Militärattache getroffen hat, dem er, wie der Sicherheitsdienst mitteilt, Informationen verkaufte. Bachar behauptet, seine Informationen seien falsch gewesen. (ITA) Aus aller Welt Dienststrafe aufgehoben München. — Wie die Polizei bestätigte, ist eine von der Stadt München ausgesprochene Dienststrafe (Verwarnung) für den Chef der münchener Kriminalpolizei, Kriminaldirektor Andreas Grasmüller, aufgehoben worden. Der münchener Oberbürgermeister batte im August 1958 die Dienststrafe verhängt, weil die Polizei im Zusammenhang mit der Flucht des ehemaligen KZ- Arztes Dr. Eisele nach Aegypten nicht sorgfältig und rasch genug ermittelt habe. Grasmüller wird vermutlich in absehbarer Zeit in den Ruhestand treten. (AWZ) Tunnel unter dem Suezkanal London. — Der Staatsminister für militärische Angelegenheiten der Vereinigten Arabischen Republik, Mohamed Ibrahim, gab i kürzlich bekannt, dass die jVAR das Projekt eines Tun- ■neis unter dem Suezkanal ¡ausgearbeitet habe, der Ae- I gypten mit der Halbinsel i Sinai verbinden soll. Das Projekt werde etwa vier bis fünf Millionen Pfund kosten. Der Chef der Suezkanal- Behörde, Mahmoud Yunis, erklärte, dass seine Behörde angesichts dieses Projektes wahrscheinlich den Plan für eine neue Briicke über den Kanal fallen lassen werde. Gegenwärtig besteht nur eine Eisenbahn- und eine Strassenbrücke über den Suezkanal. (AWZ) denen sie diesen oder jenen Schaden anrichten können, der die menschliche Gesellschaft ruiniert. Nur in der Erziehung liegt das Heil für die Menschen. Diese Erziehung muss so gestaltet werden, dass die Kinder des „Abel“ in das Bewusstsein übernehmen, dass auch die Kinder des „Kain“ ihre eigenen Brüder sind! Shinnar bei Adenauer Bonn. — Vor kurzem statteté der Leiter der IsraeL Mission, Botschafter Dr. F. E. Shinnar; Bundeskanzler Dr. Adenauer in seinem Bonner Amtssitz einen Besuch ab. Einzelheiten über das etwa einstüAdige Gespräch wurden nicht bekannt. (AWZ) Kredit der Weltbank London. — Die Republik Sudan hat von der Weltbank einen Kredit in Hohe von 15,5 Millionen Dollar zur Fertigstellung des Bewässerungsprojektes „Managil“ erhalten. Nach vollständiger Verwirklichung dieses Planes Ende 1962 werden ungefähr 330.000 Hektar zwischen dem Blauen und dem Weissen Nil bewässert und 50.000 Landwirte mit ihren Familien dort angesiedelt werden können. Auf I dem Gebiet sollen Baumi wolle, Getreide und andere i Kulturen angepflanzt werden. Man hofft dadurch die gesamte landwirtschaftliche Produktion des Sudans um zehn Prozent heben zu kön. nen. Her zu sechs Prozent einschliesslich der einprozentijen Weltbankkommission verzinsliche Kredit ist in 20 Jahren rückzahlbar. Im Juli 1958 hatte der Sudan einer» ersten Weltbankkredit von 39 Millionen Dollar zur Entwicklung des sudanesischen Eisenbahnnetzes erhalten. (AWZ) Keine Entschädigung Bonn. — Der Dritte Senat des Bundesarbeitsgerichtes hat entschieden, dass ehemalige Angestellte des öffentlichen Dienstes, die nach Kriegsende wegen ihrer politischen Vergangenheit entlassen wurden, keinen Anspruch auf WiedereinsteL lung und Versorgungsbezüge haben, wenn sie während des Dritten Reiches nur wegen ihrer Zugehörigkeit zur- NSDAP angestellt worden sind. (AWZ) Registro de la Propiedad Intelectual No. 656.635 Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Corrientes 3114