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Jüdische Wochenschau · 1960-09-09 · 1811 (9.9.1960) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1811 (9.9.1960)
Date
1960-09-09
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German, Spanish
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JÜDISCHE HITCH) Ja. Jenuuäi jtshcuelitG Noch keine Entspannung Jerusalem. — Obwohl die Lage in Transjordanien seit der Ermordung des Ministerpräsidenten Majali zweifellos kritisch ist, so herrscht doch unter den hiesigen Experten der Eindruck vor, dass es König Hussein auch dieses Mal gelingen dürfte, den Sturm zu meistern. Die Nachrichten über die „sich täglich verschlimmernden Zustände” in Amman sind, •wie. autorisierte Beobachter versichern, nichts als von der VAR in Kairo direkt oder indirekt losgelassene Versuchballons. Der Entschluss Husseins, den Thronerben und die Königinmutter ins Ausland zu schicken, wird hier als reine Versicherung gegen ein mögliches Unterfangen Nassers betrachtet, die ganze königliche Familie zu ermorden. Man beurteilt diesen Schritt Husseins als eine Warnung an Nasser, dass, selbst wenn der König tot sein sollte, das haschemitische Königshaus nicht ausgestorben ist. Die transjordanische Armee ist dem Thronerben ebenso ergeben wie dem König, so wird hier versichert. Gutinformierte israelische Kreise vertreten die Ansicht, Nasser wisse, dass Israel bei einem Versuch der VAR, sich Transjordaniens zu bemächtigen, nicht passiv der für es damit verbundenen Gefahr gegenüber bleiben könne, obzwar Israel diese öffentlich bekannte These nicht erneut ausgesprochen hat. DIE RATGEBER HUSSEINS London. — Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Abdel Kalek Hassouna flog auf dringendes Verlangen der transjordanischen Regierung nach Amman, wo er mit König Hussein, dem neuen Ministerpräsidenten Talhouni und Aussenminister Moussa Nasser konferierte. Die transjordanische Regierung kann nur wenig von dem Besuch des arabischen Delegierten erhoffen, und ebensowenig kann sie grosse Hoffnungen auf die Ankunft des persönlichen Vertreters des UN - Generalsekretärs Hammarskjöld, Pierre Spinelli, setzen, wie in Amman befindliche Ausländskorrespondenten feststellen. Die Mission Spinellis ist nur auf Transjordanien beschränkt, und er ist nicht befugt, sich direkt an die Behörden der Arabischen Liga zu wenden. Hassouna, Spinelli und, wie man glaubt, auch die Regierungen Englands und Nordamerikas raten dem König, Mässigung zu üben. Dagegen drängen ihn lokale Einflüsse in die entgegengesetzte Richtung. Die Sicherheits- WIE ICH ES SEHE Schwere Kämpfe in Afrika von JEHUDA GOTTHEIMER Die schweren Auseinandersetzungen im Kongo, die Kämpfe der afrikanischen Stämme untereinander, di« politischen Kombinationen der Weltmächte und die Bemühungen der Vereinten Nationen, zu einer friedlichen Lösung im schwarzen Kontinent zu gelangen, stehen in diesem Augenblick im Mittelpunkt des Weltinteresses. Selbst die üblichen Streitereien zwischen Ost und West treten in den Hintergrund. Formosa und China, Korea und Orient, Kuba und San Domingo können das Ringen um die Macht im Kongo nicht von den ersten Seiten der grossen Presse verdrängen, die sich darin iiberbietet, sensationelle Artikel und umfangreiche Berichte ihrer Kor- Die Zeit ist gekommen New York. — Der republikanische Kandidat für die Vizepräsidentschaft, Henry Cabot Lodge, erklärte einigen jüdischen Führern, die ihn aufsuch, ten, er sei nicht immer mit dem Standpunkt des State Department über die Aspekte der arabischisraelischen Frage einverstanden gewesen. Seiner Meinung nach sei jetzt die Zeit gekommen, den Versuch zu unternehmen, „eine allgemeine Regelung der palästinensischen Frage herbeizuführen.” Er betonte in diesem Zusammenhang, dass „die USA bereit sein müssen, einen grosszügigen Beitrag zur Befriedung des Mittelostens zu leisten.” respondenten zu veröffentlichen. Der aufmerksame Beobachter wird sich nicht davon. täuschen lassen, dass alle die Begebenheiten in einem Zusammenhang mitein. ander stehen und nicht getrennt voneinander gewertet und beurteilt werden können. Alarmierend dürfte die Verbitterung sein, mit der die afrikanischen Gruppen, die im Kongo um Macht und Einfluss miteinander blutig streiten, in einer Losung einig sind: die Weissen sollen aus dem Lande verschwinden, die belgischen Truppen müssen zurückgezogen werden, die Entscheidung um die Zukunft kann nur von den Afrikanern selbst getroffen werden. Alle Afrika-Kenner stimmen darin überein, dass diese feindselige und unversöhnliche Haltung der Schwarzen gegen die Europäer in der dunklen Vergangenheit eines rücksichtslosen Kolonialismus ihre alleinige Ursache habe. Unzweifelhaft ist diese Reaktion gegen die „Weissen” ungerecht, wie jede generalisierende Hassbewegung die Kräfte und die Gegenspieler durch ihre Verallgemeinerungen missdeutet, um durch eine primitive Simplifizierung alles Unbequeme und Widerspruchsvolle mit dem eigenen Konzept auf einen einzigen Nenner der eigenen Interessen zu bringen. Gewiss haben die Kolonialmächte stets auch das Bestreben gezeigt, den von ihnen beherrschten Völkern die Segnungen ihrer Kultur und Zivilisation zu bringen. Es ist durchaus kein Zufall, dass alle afrikanischen Staatsmänner, die heute an der Spitze ihrer jungen Nationen stehen, durch die europäische oder amerikanische Schule gegangen sind, wo sie mit den Methoden und Gedanken vertraut gemacht wurden, die man gegen sie praktizierte. Auch Ghandi hatte an englischen Universitäten studiert, wie alle, die nach ihm kamen und ihren Völkern Freiheit und Unabhängigkeit bringen wollten oder errungen haben. Bisher ist Europa stets mit den europäischen Waffen bekämpft und eliminiert worden, wo bisher unterjochte Völker sich erhoben haben, um ein Eigenleben zu entwickeln. Wir brauchen nur an das Beispiel zu denken, das Israel der Welt gegeben hat. Als die Juden des damaligen Mandatsgebietes Palästina verstanden hatten, dass ihre idealistischen Forderungen und ihre Hoffnungen auf Gerechtigkeit unerfüllt bleiben werden, wenn sie ihren Kampf gegen die verräterische Mandatsmacht nicht mit denselben Waffen austragen würden, die gegen sie angewandt wurden, änderte sich das Bild, die Welt horchte auf, die britische Regierung stellte sich tim und die UN setzten sich plötzlich in Bewegung, wozu sie vorher nicht zu bewegen gewesen sind Es mag traurig sein, dass die Wucht einer Idee und der Glanz einer gerechten Sache allein nicht ausreichen, um vom internationalen Tribunal der Nationen gehört und verstanden zu werden. In einer Welt, die von der Macht, des Stärkeren beherrscht wird, sinken Völker zu Bittstellern herab, die sich nur auf ihre gerechte Sache verlassen, ohne ihr in der rauhen Wirklichkeit unerfreulicher Tatsachen den notwendigen Nachdruck zu verleihen. massnahmen in Amman wurden verstärkt, und auf den Dächern der Häuser der Stadt sind noch mehr Maschinengewehre aufgestellt worden. RADIO MOSKAU London. — Der Kreml beschuldigte Israel und Iran, auf Veranlassung des „Imperialismus” sich zu einem „einzig gegen die arabischen Staaten gerichteten Militärbündnis zusammenzuschliessen.” Der moskauer Rundfunk behauptet, Iran und Israel seien dabei, Rünstungsgeheimnisse auszutauschen. Binnen kurzem solle eine israelische Militärdelegation nach Teheran geschickt wer. den, während 15 persische Offiziere unter Führung eines Generals nach Israel kommen werden, um zwischen den Armeen der beiden Länder die Verbindung herzustellen. „Einem jeden, der auch nur die elementarsten Kenntnisse der politischen Hage besitzt”, verkündet der Kommentator des moskauer Rundfunks, „ist es klar, dass eine solche Allianz nur gegen die arabischen 'Länder gerichtet sein kann.” Unbekannte Attentäter Montevideo. — Anonyme Attentäter entfernten das Schild mit der Aufschrift „Estado de Israel” in der gleichnamigen Strasse und warfen Teerbomben gegen den Sokkel an dem die Plakette angebracht war. Als die Umwohner von dieser Beleidigung Israels erfuhren, veranstalteten sie spontan einen Sühneakt. (ITA) Wenn aber ein kleines Volk den Beweis dafür erbringt, dass es zu jedem physischen und materiellen Opfer bereit ist, um seine Ideale aus der Sphäre schöner Träume in die Welt der rauhen Realitäten zu transponieren, dann wendet sich alsbald das Blatt. Kleine Völker werden stark und wachsen zu einer heroischen Grösse, die imponierend ist, mächtige Nationen müssen nachgeben, weil sie der durch die Urwüchsigkeit des nationalen Wollens geschaffenen Kraft nur die Bajonette ihrer Legionäre entgegensetzen können. Bisher haben immer noch die Volksarmeen den endlichen Sieg über die grössten Heere davongetragen, weil das Volk woiss, wofür es kämpft und sein Leben zu verteidigen bereit ist. Deswegen siegt David über Goliat, deswegen triumphierte Israel, deswegen wird sich jede Freiheits _ Bewegung durchsetzen, wenn sie nur Willen und Wollen mit der Gerechtigkeit zu einer unlösbaren Einheit zu verbinden versteht. Aus diesen Gründen ist auch der Befreiungskampf Israel y los Pueblos Africanos Jerusalem. — Fenner Bxockway, diputado laborista británico elogió la obra de firmas israelíes y de personas en los nuevos Estados africanos, declarando que "sus actividades constructivas" han salvado a algunos de los Estados africanos de caer en la órbita de la República Arabe Unida. El Sr. Brockway se halla en ésta en una visita de diez días, como huésped de la asociación del Commonwealth británico. Antes visitó Ghana. Nigeria y varios otros países del Africa. Hablando de la obra israelí en aquellas zonas, di. jo: "Si no fuera por esta actividad constructiva, estos estados probablemente apoyarían al presidente de la RAU, Nasser, contra Israel, puesto que Egipto mismo es un Estado africano que combate las potencias colo. niales. El Sr. Brockway es presidente del movimiento pro libertad colonial. SCHLOMO S. TANGER Israel und die Voelker Afrikas Jerusalem. — Der englische Labour-Abgeordnete Fenner Brockway lobte das Werk israelischer Firmen und Personen in den neuen afrikanischen Staaten und erklärte, dass „diese konstruktive Tätigkeit” einige der afrikanischen Staaten davor bewahrt habe, zu Satelliten der Vereinigten Arabischen Republik herabzusinken. Brockway weilt zu einem zehntägigeg Besuch in . Israel als Gast des Verbandes des Britischen Commonwealth. Er hat vorher Ghana, Nigeria und verschiedene andere afrikanische Länder besucht. In seinem Bericht über das Werk Israels in jenen Gebieten äusserte er: „Bestünde nicht dieses konstruktive Werk, so würden diese Staaten wahrscheinlich den VAR-Präsidenten Nasser gegen Israel unterstützen, da Aegypten selbst ein afrikanischer Staat ist, der die Kolonialmächte bekämpft.” Brockway ist Präsident der Bewegung für die koloniale Freiheit. SCHLOMO S. TANGER der afrikanischen Völker trotz aller Zerrissenheit und trotz aller Schwächen, die in den letzten Monaten offenbar wurden, unaufhaltsam.. Es mag noch lange dauern, bis diese reifen oder unreifen Volkstämme und Nationen die Kraft entfalten können, die erforderlich ist, um nicht nur aufgrund von Deklarationen die Freiheit zu erhalten, sondern aus der einmal gewonnenen Freiheit eine schöpferische Kraft werden zu lassen, die Zeugnis für die Berechtigung einer äusserlichen Befreiung durch das Ringen um innere Freiheit abzulegen vermag. Auch hierfür bietet Israel ein glänzendes Beispiel. Vielleicht beruht gerade hierauf die grosse Sympathie, die von den afrikanischen Völkern dem jungen jüdischen Staat entgegengebracht wird, der ihnen auf so vielen Gebieten einer im Aufbau befindlichen Nation Wegweiser und Lehrmeister sein kann. Sicherlich sind die Widerstände sehr gross, die Kongo und andere afrikanische Staaten gegen ihre bisherigen Beherrscher überwinden müssen. Aber die afrikanischen Völker begreifen allmählich, dass es nicht nur darauf ankommen kann, die Herrschaft der Kolonialvölker abzuschütteln, dass vielmehr auch konstruktive Kräfte geweckt werden und vorhanden sein müssen, die das notwendigerweise ent. stehende Vakuum auszufül. len haben, um an die Stelle des alten Kolonialsystems nun eine gut fundierte nationale Ordnung zu stellen. Und hieran fehlt es bisher in Afrika. Kein Land hat sich in die. ser Hinsicht bisher wirklich bewährt. Plötzlich zerfallen alte Einheiten, Konföderationen werden gelöst, ein Partikularismus zerschlägt die jungen und eben erst erfüllten nationalen Hoffnungen, der unerwartet den frühe, ren Imperialismen die Tore zur Rückkehr öffnet. Jetzt erst recht können alte Einflüsse in neuen Formen geltend gemacht werden, und die hohen Diplomatien der Grossmächte wittern neue Möglichkeiten, unter den veränderten Bedingungen ihre alten Interessen zu schützen und mit einer abgewandelten Methode ihre Herr. Schaft wieder geltend zu machen und erneut auszuüben. Bleiben wir beim Beispiel Israel. Die britische Regierung erklärte sich in einem bestimmten Zeitpunkt der Entwicklung der Palästinafrage bereit, das Land zu räumen, getragen von der sicheren Erwartung, dass es die Juden selbst sein würden, die England zurückrufen werden. Die Mandatsmacht schuf hierfür mit den letzten Rafinessen ihrer er. fahrenen Kolonial _ Politik sämtliche Bedingungen, die es dem neuen Staat unmöglich machen sollten, seine soeben erst errungene Souveränität mit Aussicht auf Erfolg zu verteidigen. Die britischen Polizeistationen, wahre militärische Bastionen in Palästina, wurden fast ausnahmslos den.prabischen Aufständischen .n die Hände gespielt, die Verwaltung wurde in ein Chaos verwandelt, alle staatlichen Einrichtungen zerstört, jeder Ansatzpunkt für eine normale Uebergabe der staatlichen Macht beseitigt, sodass die Juden schliesslich vor einem Nichts standen, bedrängt von der arabischen Majorität in den eigenen (Schluss auf Seite 2) Israel-Botschafter in Argentinien Jerusalem. — Brigadier Josef Awidar, ehemaliger Botschafter in Moskau, wird in Buenos Aires erwartet, um das Amt des israelischen Botschafters in Argentinien zu übernehmen. Argentinien hatte die Rückberufung des früheren Botschafters Dr. Arie Levavi infolge des durch die Festnahme des Adolf Eichmann entstandenen Streitfalls gefordert.Awidar ist gegenwärtig Generaldirektor des Arbeitsministeriums und dürfte won seinem Posten zurücktreten, um an die Spitze der Botschaft in Buenos Aires zu treten. (ITA)

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