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Jüdische Wochenschau · 1960-09-06 · 1810 (6.9.1960) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1810 (6.9.1960)
Date
1960-09-06
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German, Spanish
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FRANQUEO PAGADO O 8“ Concesión 908 2 ■£ 'S H 5 u „X Oí c O H 4> TARIFA REDUCIDA O Concesión 1629 Año XXI. BUENOS AIRES. MARTES, 6 DE SEPTIEMBRE DE 1960 No. 1810 EL EJEMPLAR« en Joda la República y Buenos Aires PUEYRREDON 2190 19 «q. T. E. 83 . 2613 Ohne religiöse Autorität Die Bedeutung Israels liegt auf zwei Ebenen, auf der Ebene des irdischen und auf der Ebene des himmlischen Jerusalem. Materialisten mögen die Bedeutung des letzteren bestreiten; wer aber nicht nur die Sammlung des verstreuten, fast zwei Jahrtausende lang heimatlosen Volkes in seiner Heimat im Auge hat, sondern neben dem nationalen und politischen Zentrum der Judenheit auch eine Renaissance des Judentums in geistiger Sphäre erhofft hat und erstrebt, für den sind die religiösen Belange von grosser Bedeutung. Wer gehofft hat, dass im Judenstaat eine geistig-religiöse Autorität als Leuchte für cfas Volk, auch in der Diaspora, erstehen wird, kann nur mit einem bitteren Gefühl schwerer Enttäuschung die Entwicklung der Auseinandersetzungen im Lager der Religiösen im Staate Israel verfolgen. PROF ANISIERUNG UND POLITISIERUNG In den Kreisen der Religiösen des Landes vollzog sich seit über einem Jahrzehnt eine Profanisierung und Politisierung. Als nach dem Ableben bedeutender Persönlichkeiten, die allgemeine Achtung genossen, Männer von weniger überragenden Qualitäten in die Schlüsselpositionen des religiösen Lebens aufrückten, ging die zentrale Autorität verloren, und heute geniesst weder der OberrabbineF'^noch der Religionsmir.ister unumstrittene Anerkennung. Konflikte, Verweigerung der Gefolgschaft, Intrigen, gegenseitige öffentliche Angriffe und Verunglimpfungen sind ein tagtägliches Schauspiel und untergraben die Würde der religiösen Funktionäre und die Allgemeingültigkeit der religiösen Institutionen und ihrer Entscheidungen Konnten sich die religiösen Parteien zur Zeit der Wahlen in die erste Knesset noch auf eine gemeinsaven ME IR FAERBER, Tel Aviv me Liste, die religiöse Front - ersten Mal die Autorität dieeinigen, so sind wir heute wieder Zeugen einer weitgehenden Zersplitterung: Aus Misrachi und Hapoel Hamisrachi hat sich zwar die gemeinsame Religiös- Nationale Partei gebildet, aber die Agudisten, die noch vor den Wahlen zur vierten Knesset eine gemeinsame Liste hatten, haben ihre Parlamentsfraktion nun in zwei Teile aufgespalten, die Agudat Jisrael, die mit drei Abgeordneten in der Opposition blieben, und die Poalej Agudat Jisrael, die mit ihren drei Abgeordneten in "die Koalition eintraten, als ihr Führer Benjamin Minz das Postministerium bekam. Ausserdem gibt es zwei noch schärfere Oppositionsgruppen, eine Trennungsorthodoxie, die den Staat Israel überhaupt ablehnt, nämlich die Neturej Kartha und ihre Splittergruppe der Poalej Agudat Jisrael, die zum Unterschied von der obigen PAJ als PAGI bezeichnet wird. Je schärfer oppositionell eine Gruppe ist, umso mehr wirft sie der ihr benachbarten weniger oppositionellen Partei Verrat der reliser rabbinischen Körperschaft bestritten. DER RELIGIONS¬ MINISTER Eine andere Ignorierung eines Verbotes eines repräsentativen Rabbiner - Rates war dieser vorangegangen. Als zur Zeit der dritten Knesset die religiös-nationale Partei wegen der Auseinandersetzung um die Definition, wer offiziell als Jude zu betrachten sei, aus der Koalition ausschied, was eine Regierungskrise auslöste, beschloss eine Versammlung der amtierenden Rabbiner des lindes, dass vor Lösung des Problems die Rückkehr in die Regierung nicht in Betracht komme. Ministerpräsident Ben Gurion löste die Krise, in origineller Weise, indem er dem sefardischen Oberrabbiner von Tel Aviv-Jaffa, Raw J. M. Toledano, das Religionsministerium anbot. Toledano stand seit vielen Jahren mit den Religiös-Nationalen (damals Misrachi) und ihrem Führer Raw J. L. Maimon auf dem Kriegsfuss und und nahm die Berufung ungiösen Interessen vor. An- Ignorierung der Prote lässlich des Eintritts der ** PAJ in die Regierungskoalition waren wir in der Knesset wiederum Zeugen solcher Vorwürfe, die der Führer der AJ, Rav I. M. Lewin gegen Benjamin Minz gerichtet hat. Dagegen verteidigten sich die PAJ, dass sie dessen überdrüssig seien, mit der AJ zusammenzugehen, die sie ständig benachteiligen und zurückdrängen, dass sie endlich aus der sterilen Opposition in die schöpferische Koalition hinüberwechseln wolltem, Minz hatte sich von einem Beschluss der Moezet Gdolej Hathora, des Rates der Thora-Grössen, der der PAJ den Eintritt in die Koalition verbot, nicht abhalten lassen und so wurde innerhalb des agudistischen 'Lagers zum 9te aller religiösen Parteien und Organisationen an, was grosse Erbitterung 'auslöste. In der kürzlich stattgefundenen Debatte über das Budget des Religions-Ministeriums warf der Sprecher der Religiös-Nationalen J. Grünberg dem Religionsminister vor, dass er die Anhänger der Religiös-Nationalen Partei benachteilige. DAS MINISTERIUM den Rabbinatsgerichten insgesamt 20.146 Fälle eingereicht, und die Gerichte erledigten 19.592 Fälle, doch blieben immer noch — da sich viele Prozesse seit vorher hingezogen haben 16.476 Fälle ungeklärt. An Scheidungsklagen wurden 6579 eingebracht, 7508 wurden behandelt und abgeschlossen und noch 5521 blieben in Schwebe und unerledigt. An sonstigen Streitigkeiten zwischen Eheleuten wurden 1313 neue Akten eröffnet, 12.755 Fälle wurden erledigt und noch 1533 blieben unerledigt. Eine Abteilung hält die Kontakte mit den Kultusgemeinden des Auslandes aufrecht, eine sorgt für Jeschiwo (es gibt 8405 Bachurim in den Jeschiwot, die vom Religionsministerium kontrolliert werden) und andere religiöse Lehrinstitute, eine für die Verwaltung der heiligen Stätten, eine für Kontrolle der Herstellung von Devotionalien und des Exportes religiöser Gegenstände, je eine für Angelegenheiten der christlichen Gemeinschaften, der Bahaim, Mohammedaner und der Drusen. Auch die Angelegenheiten der Karaiten und der Samaritaner werden gesondert behandelt. IST EHE NUR PRIVATSACHE? Kaum hatten sich die Wogen der Auseinandersetzung in der Knesset gelegt, da zog ein neuer Sturm um den Religionsminister herauf, oder richtiger gesagt, man befand sich plötzlich mitten in einem Gewitter. Die Nachricht, dass Raw Toledano, dem erst vor drei Monaten seine Frau gestorben Israels Wunsch: Frieden Tel Aviv. — Aussenminister Golda Meir streckte erneut den arabischen Ländern die Hand des Friedens entgegen und erklärte, die Frage der arabischen Flüchtlinge „hätte schon längst gelöst sein können, wenn sie die arabischen Staatsmänner nicht als politische Waffe in der Hoffnung benutzt hätten, der Geschichte des Staates Israel ein Ende zu setzten“. Frau Meir sprach auf einer Veranstaltung der Mapai. Sie beschuldigte den Präsidenten der VAR in letzter Zeit seine Angriffe auf Israel verstärkt zu haben und berief sich auf Nassers Hetzreden als Beweis für die Absichten oer arabischen Regierungen. Sie sagte: „Israel hat wiederholt seinem Wunsch Ausdruck verliehen, sich mit seinen arabischen Nachbern an einen runden Tisch zu setzen und über den Frieden zu verhandeln“. Sie betonte, dass Israel auch heute entschlossen ist, Frieden zu schliessen. Uober die Beziehungen Israels mit den neuen Staaten in Asien und Afrika äusserte Frau Meir, dass „400 Studenten aus diesen Zonen heute in Israel von der israelischen Erfahrung auf den verschiedensten Gebieten lernen“. ITA) war, mit der er 64 Jahre Der Bericht über die Lei- Seiest hatte, fünf Wochen stungen des Religions-Ministeriums, wo ja die Administration das Budget vornehmlich nach routinemässigen Richtlinien verwaltet und normale Arbeitserfolge ausgewiesen werden konnten, beruhigte die Gemüter der an den Interessenkonflikten unbeteiligten Leute. Die zu geringen Gehälter der Dorfrabbiner, die nur Teilbeschäftigung haben, werden erhöht. Dass nur 600.000 IL für Gebäude budgetiert wurde, beschränkt objektiv die Zahl der Bethäuser, die gebaut werden können. Im letzten Jahr unterzogen sich fast tausend Erwachsene der traditionellen Prozedur der Aufnahme ins Judentum. Sie waren fast ausschliesslich Einwanderer aus Osteuropa. Im Jahre 1959 wurden 14.560 Ehen geschlossen und 2015 geschieden. Ferner wurden im vorigen Jahre 339 Bethäuser neu eröffnet, davon 147 in festen liwMÖlr den, 114 in Holzhütten fflld 78 in früher bewohnten Räumen. 21 neue traditionelle Tauchbäder wurden eingerichtet und 97 Mikwaot renoviert. Ijn Jahre 1959 wurde« b» vor seinem 80. Geburtstag, der auf den 18. August fällt, in engstem Kreise und ohne seine Familie oder Freunde zu verständigen, eine etwa 20-jährige Frau geheiratet hat, also eine Frau, die jünger ist, als seine Enkelkinder, — wurde von der Bevölkerung, der religiösen wie der irreligiösen, der aschkenasisehen wie der sefardischen, fast einmütig zumindest mit Befremden, im Inder pflanzen Bäume Jerusalem. — 27 Mitglieder der Bhoodan-Bewegung Indiens, die sich als Gäste der Histadrut in Israel be. fanden, haben die ersten Bäume im „Bhoodan-Hain” im Jerusalem . Wald gepflanzt. Der Führer der Gruppe, Sedurnikar, beton, te, dass mit dem Setzen der ■Bäume auch Freundschaft _U»d Liebe zwischen Indien fand Israel gepflanzt werefe, und gab der Hoffnung Ausdruck, dass bald auch diplomatische Beziehunzen zwischen den beiden Ländern aufgenommen werden. (AWZ) Aufgabe des USA-Präsidenten Washington. — Zwei USA-Senatoren, die im vergangenen Jahr sowohl Israel als auch Transjordanien besuchten, erklärten im Senat, dass die Probleme Israels vom kommenden Präsidenten der Vereinigten Staaten nicht dem Vizepräsidenten übertragen werden dürften. Senator Albert Gore, Demokrat für Tennessee Präsident der Kommission für auswärtige Angelegenheiten in der Subkommission für den Mittelosten, verwehrte sich dagegen, dass diese Fragen dem von den Republikanern für die Vizepräsidentschaft aufgestellten Henry Cabot Lodge übergeben werden sollen. In der vergangenen Woche hatte Vizepräsident Richard Nixon erklärt, er würde, falls er zum Präsidenten gewählt werden sollte, Lodge mit der „Verantwortung” für die arabisch-israelischen Verhandlungen betrauen. Senator Gale W. MeGree, Republikaner für Tennessee, nahm die gleiche Haltung ein und verwies darauf, dass diese Methode „in den letzten 8 Jahren keine positive und wirksame Politik für den Mittel, osten darstellte.'' Der republikanische Senator Jacob Jevits für New York entgegnete auf die Einwände, Lodge sei ein geschickter und versierter Diplomat und seiner Meinung nach habe Nixon den richtigen Weg gezeigt. Nach der Rückkehr von ihrer Reise im vergangenen Jahr hatten sich die Senatoren Gore und MeGree höchst lobend über Israel geäussert und die „Korruption” in den arabischen Staaten angeprangert. (ITA) allgemeinen aber mit Verärgerung aufgenommen. Ein religiöser Würdenträger, Oberrabinner der grössten Stadt des Landes und Religionsminister des Staates Israel müsste verstehen, sich gewisse Versagungen aufzuerlegen. DIE OBERRABBINER. WAHL keine dieser hervorragenden Stellungen, weder für das Religionsministerium, wenn Toledano doch zurücktreten sollte, noch für das aschkenasische und das sefardische Oberrabbinat Kandidaten gibt, die als unumstrittene Persönlichkeiten von Rang und Namen, als „Leuchte des Judentums" bekannt wären. Ein weiteres Kampffeld entwickelt sich bezüglich der Oberrabbinerwahl. Ein volles Jahr ist seit dem Ableben des allseits geachteten aschkenasisehen Oberrabbiners Jizchak Halevy Herzog verstrichen, und die nicht wenigen Gegner des sefardischen Oberrabbiners Nissim weisen darauf hin, dass nicht unbedingt eine automatische Wiederwahl erfolgen müsse, sondern dass | durchaus auch andere Kandidaten in Betracht gezogen werden sollten. Viele Monate ging das Ringen um die Nominierung des 8köpfigen Wahlmänner-Ausschusses, bis man sich schliesslich auf vier vom Oberrabbinat und vier vom Religionsministerium ernannte Wahlmänner einigte. Vorsitzender ist der greise Raw Maimon, der früher Religionsminister war. Plötzlich schloss sich einer der vom Oberrabbinat nominiertten Rabbiner der vom Religionsministerium nominierten Gruppe an, so dass nun der Einfluss des Ministers Toledano überwiegt und Oberrabbiner Nissim befürchten muss, nicht wiedergewählt zu werden, obwohl Toledano ebenso wie er Sefiu’de ist. Aber Oberrabbiner Nissim hat eben unter den Sefarden nicht nur Anhänger, sondern auch Gegner, und er wurde seinerzeit dank aschkenasischer Förderer gewählt. Doppelt peinlich Wird diese Lage durch den Umstand, dass es vorläufig für Persönlichkeiten wie Raw Kook in der religiösen und Raw Meir Berlin in der politischen Sphäre gibt es heute nicht mehr, oder egoistische Interessen der 'Wortführer haben ihre Entwicklung der Oeffentlichkeit vorenthalten. Raw J. L. Maimon, den Ben Gurion für die rabbinische Spitzenpersönlichkeit unserer Zeit hält ist altersschwach und kränklich, und der ebenfalls allgemein geachtete aschkenasische Oberrabbiner von. Tel Aviv-Jaffa, Isser Unter, mann, wird wegen seines Alters nicht als Kandidat betrachtet.!■ Den neuen Oberrabbiner, des Staates Israel erwartet jedenfalls eine ebenso schwere wie bedeutende Aufgabe, die des fähigsten und besten Mannes würdig ist. i Diplomat aus Chile Jerusalem. — Der Chef der chilenischen UN-Delegation, José Ramo Gutiérrez, traf als Gast der Regierung zu einem lOtägigen Aufenthalt in Israel ein. Gutiérrez, der früher chilenischer Aussenminister war, wurde im Flughafen vom Direktor für lateinamerikanische Fragen des Aussenministeriums, Abraham Darom, empfangen. (ITA) Registro de la Propiedad Intelectual No. 656.63® Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Corrientes 3I& ü&feSPJ

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