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Jüdische Wochenschau · 1960-08-30 · 1808 (30.8.1960) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1808 (30.8.1960)
Date
1960-08-30
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German, Spanish
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JÜDISCHE UJOCH ) pz~: jûî Jêifuatà J&Ajoeliia T. E. 8 3-2 6 1 3 Año XXI. BUENOS AIRES, MARTES 30 DE AGOSTO DE 1960 No 1808 Zentrum der Wissenschaft Rechowot. — Das erste ständige Büro für wissenschaftliche Hilfe, die jungen, zumeist in Asien und Afrika gelegenen Staaten zugute kommen und die wissenschaftlichen und technologischen Errungenschaften befestigen, erweitern und vertiefen soll, ist nunmehr errichtet worden. Diese Gründung würde auf der ersten Internationalen Konferenz iiber die Rolle der Wissenschaft in der Entwicklung junger Nationen beschlossen, die jetzt ihre Arbeiten nach zwei Wochen abgeschlossen hat. Ueber 100 Wissenschaftler und viele Staatsmänner, darunter eine beträchtliche Anzahl von Ministern, wohnten der im Wissenschaftlichen Weizmann-Institut abgehaltenen Konfei’enz bei, welche unter dem Vorsitz des Präsidenten dieser Institution, Erziehungsminister Abba Eban, stattfand. Die Schaffung des Büros war eine der zahlreichen Resolutionen, die in der Schlussitzung angenommen worden sind. Die Konferenz fasste verschiedene Beschlüsse, die die Anwendung der Wissenschaft und Technik auf die Probleme sich entwickelnder Gesellschaften bezwecken. Einige dieser Resolutionen sind folgende: „Die Regierungen der sich in Entwicklung befindlichen Staaten sollten in Zukunft den Fortschritt der Wissenschaft und Technik als das wichtigste Ziel ihrer Staatspolitik betrachten und zu diesem Zweck die geeigneten Vorkehrungen treffen. „Ein jeder der neuen Staaten sollte in kürzester Zeit eine Aufstellung seiner natürlichen und menschlichen Reserven anfertigen, die als Grundlage für einen Entwicklungs-Plan dienen und klare Angaben der Prioritäten enthalten müssten. „Bis zu der Zeit, da die jungen Staaten genügend eigene Experten besitzen, sollten sie wissenschaftliche Berater und Sachverständige aus befreundeten Ländern einladen, damit diese ihnen bei ihrer Entwicklung helfen. Die Staaten, die wissenschaftliche Fortschritte gemacht haben, sollten bereit WIE ICH ES SEHE H Das schwer gebeugte Recht!!»♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦< Die Menschheit ist an eine Stelle gelangt, wo mit den schönen Redensarten endlich Schluss gemacht werden sollte. Der Worte sind genug getan, jetzt lasst uns Taten sehen! Aber wo bleiben diese Taten? Wir konnten beobachten, dass in vielen Kreisen gutwilliger Menschen immer noch lebhaft iiber das Problem der nicht überwundenen Vergangenheit debattiert wird. Auch dort verschanzt man sich hinter abwegige Theorien, um das mühsam Erreichte nicht zu gefährden und einen Burgfrieden aufrecht zu erhalten, der mit aller Wahrscheinlichkeit zu neuem Un. tergang führen muss. Da wir Juden von dieser Entwicklung stark betroffen werden, und da es sich hierbei um ein historisch interessantes Phänomen handelt, wollen wir uns mit diesem erregenden Fragenkreis auseinandersr.zen. In einem irritieren Artikel wurde gegen eine Theorie der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) Stellung genommen, der in der Behauptung gipfelte, dass zum Begriff der Rechtsbeugung durch einen Richter die rechtsbeugende Absicht „in ihrer höchsten denkbaren Form als dolus directus“ gehören solle. Wir naben darvon JEHUDA GOTTHEIMER auf hingewiesen, dass mit dieser „Entschuldigung“ des von den Nazis begangenen Unrechts letzten Endes jede Verantwortlichkeit geleugnet werden kann. Der ein. zelne wird auf diesem Umwege zu einem Werkzeug degradiert. Er ist nicht mehr im Sinne eines die Gesellschaft beherrschenden Prinzips ein Gestalter seines Schicksals, sondern bleibt zur Ausübung einer Funktion verurteilt. Eine solche Vorstellung über die Rolle, die das Individuum in der Gesellschaft spielt, hat nur in einem kommunistisch - materialistischen System Raum, niemals aber in einer freien Demokratie, für die von der FAZ mit einer erfreulichen Selbstverständlichkeit gekämpft wird. Aber die FAZ bemerkt nicht, dass sie sich in diesem Kampf solcher Methoden bedient, die Todeswaffen für die Demokratie werden müssen. Die Demokraten in der ganzen Welt sollten sich endlich entschliessen, einen unzweideutigen Weg zu beschreiten, wenn sie darauf hoffen, aus dem Chaos unserer Zeit zu neuen und besseren Lebensformen zu gelangen, die den Kommunismus als eine Zeiterscheinung überwinden können. Bisher haben aber die De- Nixon macht Versprechungen New York. — Vizepräsident Richard Nixon erklärte vor der ZOA, wenn er zum Präsidenten gewählt werden würde, werde er es „als vordringliche Aufgabe betrachten, seinem Mitkandidaten, dem ehemaligen UN- Botschafter Henry Cabot Lodge, die Verhandlungen im arabisch-israelischen Konflikt zu übertragen.“ Nixon äusserte in seiner Ansprache, die auf Spruchband aufgenommen worden war und auf diese Weise übertragen wurde, der Mittelosten werde ein Spannungsherd bleiben, „solange der arabisch Boykott und die Blockade fortgesetzt würden, solange USA-Bürgern wegen ihrer Religion der Eintritt in gewiesse Länder verwehrt sei und solange man die arabischen Flüchtlinge in Lagern festgchalten und dazu verurteilt, im Unglück zu leben“. HTA) mokraten den Faschister immer noch das Material ge. liefert, mit dessen Hilfe dann die schwachen Ansatzpunkte eines demokratischen Lebens im XX. Jahrhundert zerstört werden sind. Man spricht gern von der „schwächlichen“ Weimarer Republik und ihren Fehlern, vergisst aber, dass die heutigen Irrtümer aus vielen Gründen schwerwiegender als die früheren sind, weil man trotz gemachter Erfahrungen in den alten Rhythmus der Gleichgültigkeit verfällt und bewusst die alten ausgefahrenen Geleise befährt, die bereits einmal ins Nichts führten. Auch die Weimarer Republik hat geglaubt, sie würde die Grundsätze eines demokratischen Gemeinwesens dadurch stärken, dass sie ihren Gegnern die Freiheit gewährte, die Grundsätze der Demokratie zu erschüttern und Zu vernichten. Man darf aber bei diesem Vergleich zwischen Weimar und Bonn, der häufig gezogen wird, einen wichti gen, man darf sagen, den entscheidenden Faktor nichl übersehen: Weimar trat die Nachfolge des gestürzter Kaiserreiches an, was sicher, lieh eine schwere Belastung war. Aber Bonn folgte einem Regime der Gewalt unc der Verbrechen, die alles ir den Schatten stellten, wa: seit den Jahren der Hun nen und sonstiger Barbarer geschehen war. Bei Weimai kam es darauf an, die Wurzeln des in der Welt verhassten preussischen Milita rismus, des kaiserlicher Wahns und der überhebli chen Reaktion zu beseitigen was nicht gelang. Jetzt abei ging es um viel mehr! E: war der Versuch einer völli gen Abkehr vom Verbrecher zu unternehmen. Das Kaiser reich war das Ergebnis eine: langen geschichtlichen Ent Wicklung, das braune Reicl aber war eine schändlich Konzentration verbrechen scher Elemente, die es vei sein, den weniger entwickelten Völkern mit Rat und Tat beizustehen. „Es ist von eminenter Wichtigkeit, dass die auf dieser Konferenz hergestellten Kontakte zwischen den Staatsmännern der neuen Staaten und den führenden Vertretern der Wissenschaft intensiviert, erweitert und vertieft werden.” Um diese letzte Resolution zu erfüllen, wurde das ständige Büro eingerichtet. Es wird unter der Leitung einer Kommission stehen, welche sich aus den Repräsentanten der Staaten zusammensetzt, die an der Konferenz in Rechowot teilgenommen haben. Durch Abstimmung wurde ferner beschlossen, das Protokoll zu veröffentlichen und die Resolutionen dem UN-Generalsekretär und allen Spezialbüros der UN, sowie den an wissenschaftlicher Forschung und dem Fortschritt der Entwicklungszonen interessierten’Regierungen, Institutionen und Fundationen zuzustellen. Die Schluss-Sitzung wurde nach Augenblicken grosser Besorgnis ruhig beendet. Die Polizei hatte nämlich eine anonyme telefonische Warnung erhalten, dass im Sitzungssaal eine Bombe gelegt worden sei, was sich glücklicherweise als geschmackstenden hatten, die niedrigen Leidenschaften der Massen zu entfesseln und ihre Herrschaft, auf Terror und Gewalt aufzubauen. Hieran konnte niemand im deutschen Volke Zweifel hegen. Das Dritte Reich hat bereits vor seiner Installierung genügend Proben ge. geben, wes Geistes Kinder seine Herren sind. Als dann das Hakenkreuz seine Blutherrschaft errichtete, waren alle Zweifel geschwunden. Wer solchen Kräften Vorschub leistete oder ihnen diente, hat sich schuldig gemacht. Alles andere sind leere Phrasen, ausweichende Redensarten oder gefährliche Theorien. Der Versuch, die Blutrichter des Dritten Reiches in die Bonner Republik hinüberzuretten, ist töricht: wir wählen diesen neutralen Ausdruck, um Schärfen zu vermeiden, die angebracht wären. Hier der Beweis: So argumentiert die FAZ vom 25. Februar 1960: „Doch gab es diese ungerechten Urteile. Damit meinen wir nicht drakonische Strafen, auch Todesstrafen, die im Kriege zuzunehmen pflegen, ohne dass man schon ohne weiteres sagen könnte, das Recht wäre durch sie verkehrt worden. Es gab vielmehr Unrechte Todesurteile, die kaum auf Grund der damals geltenden Gesetze vorgeschrieben waren: Todesurteile wegen des verletzten Hundes eines Zöllners in Polen; für das IBrot, das eine polnische Fa. milic einem aus dem Ghetto entlaufenen Kind gegeben La Industria Aeronáutica Londres. — La revista de la Real Fuerza Aerea “Flying Review" informa que las industrias aeronáu. ticas israelíes planean demostrar un avión Magister construido en Israel, en varios países durante la pri mera mitad de 1961. La fuerza aérea israelí espera poseer suficientes Magister para comenzar un adiestramiento totalmente basado en aviones a retropropulsión el año próximo. La revista dice que la fuerza aérea israelí espera le sean entregados a principio de 1961 una primera cantidad de Mirage-3 de intercepción. Aunque los detalles del reciente contrato franco, israelí no han sido revelados, fuentes industriales francesas han indicado que la caniitiad inicial de Mirage-3 pedidos por Israel es de 26 máquinas y existe una opción por otros 14 aviones. El precio de cada maquina se eleva a 890.000 libras esterlinas. M. ASHER Israels Flugzeug-Industrie London. — Die Zeitschrift der Kgl. Luftwaffe (RAF), „Flying Review”, berichtet, dass die israelischen Flugzeug-Industrien beabsichtigen, während der ersten Hälfte des Jahres 1961 in verschiedenen Ländern ein in Israel konstruiertes Magister-Flugzeug auszustellen. Die israelische Luftwaffe erwartet, im kommenden Jahr über genügend Magister-Apparate zu verfügen, um mit einer Ausbildung zu beginnen, die l sich völlig auf Maschinen mit Rückantrieb stützt. Die Zeitschrift äussert, die israelische Luftwaffe hoffe, man werde ihr zu Beginn des Jahres 1961 eine erste Anzahl von Jagdflugzeugen vom Modell Mirage-3 übergeben. Obwohl die Einzelheiten des kürzlichen französisch-israelischen Vertrages noch nicht enthüllt worden sind, so verlautete doch aus französischen industriellen Quellen, dass die anfängliche Zahl der von Israel bestellten Mirage-3-Apparate 26 Maschinen beträgt und eine Option für weitere 14 Flugzeuge besteht. Der Preis einer jeden Maschine beläuft sich auf 890 000 Pfund Sterling. M. ASHER loser Scherz herausstellte. So wurde die letzte Sitzupg durch Polizeibeamte unterbrochen, die den Saal nach der angekündigten Bombe genau durchsuchten. Hiernach konnte die Abstimmung über die Enderklärung beendet werden, die die bedeutende Rolle der Wissenschaft und der progressiven Anwendung der Technik für den Fortschritt junger Länder in ihrem Aufstreben aus dem Stand der ökonomischen Unterentwicklung hervorhebt. Der Antrag wurde auf Veranlassung von Israels Erziehungsmifiister Abba Eban gestellt. Gleichzeitig wurde beschlossen, eine ständige Kommission zu schaffen, die den Austausch von Informationen und technischen Enrtdeckungen zwischen den Ländern gestattet, die der Konferenz beigewohnt haben. Diese Kommission, deren Mitglieder noch nicht endgültig bestimmt wurden, soll eine zweite internationale Konferenz vorbereiten. — (ITA) hatte; für die Nahrung, die eine Tschechin ihrem flüchtigen Bruder zugesteckt hatte; für einen halbjüdischen Berliner Arbeiter wegen „Verbrechens“ gegen die „Reinheit des deutschen Blutes“, weil er mit drei Frauen höchst zweifelhaften Rufes verkehrt hatte; ein kriegsgerichtlicnes Todesurteil für den mit Hungerödemen ins Lazarett eingelieferten Soldaten, der einen Rückfall erlitt, weil er nachts in der Küche seine Gier befriedigt hatte, statt Diät zu halten. Doch wo ist hier die böse Absicht des Richters nachweisbar? Ist es nicht die Sorge, höheren Orts im Unterstaat kein Missfallen zu erregen? Richter, die wie Freisler absichtlich politischen Terror ausüben wollten, waren höchst selten." Wie ungeheuerlich diese Darstellung einer demokratischen Zeitung ist, wird erst klar werden, wenn man diese Sätze zum zweiten Mal gelesen hat. Gewiss, so wird argumentiert, gab es auch einige Beispiele. Hierbei handelt es sich um normale Strafverfahren, vohlgemerkt es ist nicht von Standgerichten oder fliegenden Kommandos die Rede! Aber diese Urteile, die in ihrer Schauerlichkeit kaum überboten werden können, ja, was wollen Sie eigentlich, so denkt der Leitartikler der F. \Z, was wollen Sie eigentlich von diesen anständigen Leuten? Können Sie ihnen denn eine böse Absicht nachweisen? Die Verdrehung der Tatsachen und der Begriffe kann schon nicht mehr überboten werden. Einem Richter, der ein Todesurteil fällt, weil gegen die „Reinheit des deutschen Blutes“ verstossen wurde oder gaf weil man einem Kind aus dem Ghetto etwas zu essen gab, einem solchen Richter soll man noch die böse Absicht beweisen müssen! Da(9 verlangen Demokraten? Es ist wirklich nicht zu glauben. Es ist eine Schande, in welcher Weise das Rechtsempfinden wieder erschüft tert, zerlöchert, zertreten und pervertiert wird. Mit dieser „Begründung“ wird alles, was im Dritten (Schluss auf Seite 2) Technische Hilfe Jerusalem. — Wie Erziehungs - Minister Abba Eban in einer Pressekonferenz mitteilte, haben 15 afro-asiatische Delegationen, die der Internationalen Konferenz in Rechowot beiwohnten, von Israel wissenschaftliche und technische Hilfe erbeten. Eban äusserte, die Gesuche bezögen sich in der Hauptsache auf die Entsendung von Sachverständigen in diese Länder und die Erteilung von Stipendien zum Studium in Israel auf den Gebieten des Gesundheitswesens, der Industrie, Landwirtschaft, allgemeinen Entwicklung und Erziehung. (ITA)

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