Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1807 (26.8.1960)
- Date
- 1960-08-26
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
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JÜDISCHE neun J PUEYRREDON 2190 — 1? izq. Año XXI. JkJentfut&JsA/ieiUa BUENOS AIRES, VIERNES 26 DE AGOSTO DE 1960 T. E. 83-2613 No. 1807 Israel muss gerüstet sein Expertos Israelíes a Nepal Jerusalem. — Israel enviará en breve expertos a Nepal a fin de preparar pianes para la ce-operación técnica como asimismo "empresas conjuntas en los campos de la agricultura, industria y edificación", se. i gún reza un comunicado oficial conjunto nepalo-israelí expedido e-n ésta por los premiers Ben Gurion y Koirala, en vísperas de la salida de éste, luego de una estada de 10 días. El comunicado de 700 palabras expresa los sentimientos de amistad y alta estima que prevalecen entre ambos países. Asimismo expresa que Israel acordó proveer becas para el adiestramiento general y especial de los estudiantes nepaleños en Israel. Se entiende que una forma importante de cooperación serán las compañías conjuntas nepalo.israelíes, ‘ similares a las existentes en varios otros países afro.asiáticos. Koirala asistió a la conferencia de Rejovot, hizo una extensa gira por el país, elogiando los progresos que pudo observar, luego de comparar con su primera visita aquí de hace 3 años. SCHLOMO S. TANGER Israelische Experten für Nepal Jerusalem. — Israel wird binnen kurzem Sachverständige nach Nepal schicken, um Pläne für die technische Zusammenarbeit sowie gleichzeitig für „gemeinsame Unternehmungen auf den Gebieten der Landwirtschaft, Industrie und des Bautenwesens’’ vorzubereiten, wie ein offizielles gemeinsames nepalesisch-israelisches Communiqué besagt, das hier von den Ministerpräsidenten Ben Gurion und Koirala am Vorabend der Abreise des Letzteren nach einem zehntägigen Aufenthalt veröffentlicht wurde. Das Communiqué von 700 Worten gibt den Gefühlen der Freundschaft und Hochachtung Ausdruck, die zwischen beiden Ländern herrschen. Des weiteren kündigt es an, dass Israel sich bereit erklärt hat, Stipendien für die allgemeine und besondere Ausbildung von nepalesischen Studenten in Israel bereitzustellen. Es versteht sich, dass eine wichtige Form der Kooperation die gemeinsamen nepalesisch-israelischen Geséllschaften sein werden, die denen ähnlich sein dürften, die in verschiedenen anderen afro-asiatischen Ländern bestehen. Koirala wohnte der Konferenz in Rechowot bei, machte eine ausgedehnte Rundreise durch das Land und lobte die Fortschritte, die er beobachten konnte, nachdem er einen Vergleich mit seinem ersten Besuch vor drei Jahren anstellte. SCHLOMO S. TANGER Jerusalem. — Ministerprä- 'sident David Ben Gurion enthüllte in einer Sondersitzung der Knesset, dass Israel kürzlich nach „grossen Bemühungen” gewisse Typen militärischer Ausrüstungen erworben habe, die nur in einem einzigen Land Sn der ganzen Welt erhältlich sind. Der Kauf dieser .Waffen sei unbedingt notwendig gewesen, um die feindlichen Rüstungen gegen Israel zu kompensieren. Hierauf kündigte Ben Gurion an, er übernehme die ¿Verantwortung für die von der Regierung verlangte Erweiterung des Budgets vom vergangenen Winter, als man noch über das gewöhnliche •Budget diskutiert habe. Finanzminister Levi Eshkol musste die energische Kritik der Opposition wegen seiner Dieses Thema wird in allen Variationen ständig in der deutschen Presse behandelt. Bekannte Publizisten beschäftigen sieh mit der nicht überwundenen Vergangenheit, der in den grossen Zeitschriften ausführliche Abhandlungen gewidmet werden. Die Quintessenz, der wir stets begegnen, ist immer wieder die Feststellung, dass die schwere Vergangenheit weder geistig noch faktisch bewältigt werden konnte. Hierfür werden zahlreiche Gründe angeführt. Die ernsten soziologischen Studien werfen manches Licht auf sonst weniger bekannte Zusammenhänge, historische Forschungen liefern neue Einzelheiten zum Verständnis der trüben Entwicklung, die Deutschland’ Forderungen nach neuen Summen über sich ergehen lassen. Ben Gurion ergriff das Wort in seiner Eigenschaft als Verteidigungs-Minister, um die gegen den Finanzminister erhobenen Vorwürfe mit diesem zu teilen. Er erklärte, er erachte es als seine moralische Pflicht, darauf zu verweisen, dass dringende Bedürfnisse der Sicherheit auf dem Spiele stünden, wenn über den ursprünglichen Voranschlag hinaus neue Gelder verlangt worden seien. Er unterstrich, dass Israel gegenwärtig dringlichst auf zwei Gebieten seiner Verteidigung die vorhandenen Ausrüstungen verstärken müsse und damals hätte er eine Sondersitzung des Kabinetts einberufen und nach Befragen und damit neues Unheil zu vermeiden. Auch als aussenstehende Beobachter müssen wir zu einem Fragenkreis Stellung beziehen, der uns unmittelbar betrifft, weil die Rückwirkungen des Nazifaschismus auf die demokratische Welt selbst heute noch anhalten, und weil die direkten Folgen nazistisch-faschistischer Propaganda auch hier noch spürbar werden, wenn antisemitische Ausschreitungen in Deutschland die nicht überwundene Vergangenheit zu einer bedauerlichen Gegenwart werden lassen. Wir dürfen jedoch nicht in den gleichen Irrtum verfallen, dem die meisten unterworfen sind, die sich mit diesem Problem auseinander Regierung, ob sie in ihrer Gesamtheit die Verantwortung übernehmen wolle, neue zusätzliche Einnahmequellen gesucht. Die Knesset ist auf Verlangen der Oppositions-Parteien einberufen worden, um die Annulllierung der Erhebung von neuen Steuern durchzusetzen, die vom Finanzministerium einen Tag, bevor die Knesset in Ferien ging, angekündigt wurden. Die Vertreter der Cherut, der Allgemeinen Zionisten und der Agudat Israel griffen die neuen Finanzmassnahmen an, die Artikel wie Kaffee, Gas, Kühlschränke mit Aufschlägen belasten. Nach dreistündiger Debatte über diesen Fall verwies die Knesset die Angelegenheit an die betreffende Kommission und hob neuerlich die teil zu kommen. Haben wir Juden doch selbst immer wieder im Laufe unserer langen Geschichte unter solchen Verallgemeinerungen und Vorurteilen gelitten, mit deren Hilfe man zu billigen Argumenten und verhängnisvollen Schlagwörtern gelangt, sich aber von der Wahrheit allzuweit entfernt. Man muss von einigen Grunderkenntnissen ausgeen, die auf dem miterlebten geschichtlichen Ablauf der so viel zitierten „unüberwundenen Vergangenheit” beruhen. Die braune Welle ist über Deutschland hinweggefegt, ohne dass sich hiergegen die überwiegende Masse der Bevölkerung gewehrt hätte. Der Widerstand war klein. Wie gering er gewesen ist, beweisen die Vorgänge des 20. Juli 1944, die eine Zeit lang nach dem nationalsozialistischen Zusammenbruch in der Bundesrepublik heroisiert worden sind, heute aber schon gegen gewisse Anschauungen und Kräfte .verteidigt’ werden müssen. Der Widerstand sieht sich plötzlich vor der. Notwendigkeit, Debatten über Hoch- und Landesverrat zu führen, um die schwachen Bemühungen der Generäle zu rechtfertigen, die sich spät, allzu spät, gegen Hitler und seine Führung ins Chaos wehrten. Der nationalsozialistische Staat ist das Musterbeispiel für einen Unrechtsstaat, indem nicht die Rechtsordnung der gestaltende Faktor des bürgerlichen Lebens ist, sondern die Gewalt. Dieses satanische Prinzip, „Recht ist, was dem deutschen Volke dient”, bot die billige Handhabe •für jede Willkür, beseitigte die festen Grundlagen aller .gesetzlichen und aller sittlichen Normen, und ersetzte damit die Verfassung und das gesamte Rechtswesen durch einen Sitzungen bi» nach den Hohen Feiertagen auf. ISRAEL PROTESTIERT Jerusalem. — Die israelische Delegation vor den UN erhielt den Auftrag, gegen die Zulassung der VAR- Truppen als Teil der UN- Streitkräfte im Kongo zu protestieren. Diese Enthüllung machte Chaim Jachil, der Generaldirektor des Aussenministeriums, der der Knesset-Kommission für auswärtige Angelegenheiten und Sicherheit mitteilte, dass Michael Comay, Israels ständiger Repräsentant vor den UN, angewiesen worden sei, gegen die Annahme von Einheiten der VAR Protest einzulegen. Generalsekretär Dag Ham. marskjold hatte vor einigen Tagen angekündigt, er habe die VAR „ersucht”, 500 Soldaten zur Verstärkung der UN-Truppen. im Kongo beizusteuern. Hier ist jedoch bekannt, dass Nasser, als Präsident der VAR auf die Vereinten Nationen einen Druck ausiibte, damit er „aufgefordert” werde, diesen militärischen Beitrag zu leisten. Die Knesset - Kommission nahm in der gleichen Sitzung einen Bericht über die Lage im Kongo zur Kenntnis, den Echud Avriel, der israelische Botschafter in Leopoldsville erstattete. Avriel weilt zu Besprechungen mit seiner Vorgesetzten Behörde in Jerusalem. (ITA) materialistischen Utilitarismus, der selbst durch den Bolschewismus in seiner schärfsten Form nicht überboten wird. Wenn also die bisher nicht überwundene Vergangenheit tatsächlich bewältigt werden soll, dann muss bedingungslos der Rechtsstaat an die Stelle des nazistischen Unrechtsstaates treten. Um dieses Ziel zu erreichen, muss man entschlossen sein, die sich aus dieser Erkenntnis und der damit verbundenen Neuorientierung ergebenden Konsequenzen zu tragen. Auf diesem Wege können sich keine ideologischen Schwierigkeiten einstellen. Jeder Versuch, durch geistreiche Deduktionen diese Problematik zu belasten, stört den Gesundungprozess, der* sich in zwei Bahnen entwickeln müsste: in der Durchsetzung der Prinzipien des Rechtsstaates und in der Beseitigung aller Elemente, die noch aus der Unrechtszeit in die Gegenwart hinüberreichen. Nachdem bereits mehr als ein Jahrzehnt verstrichen ist, seit das braune Reich in Trümmer sank, hätte man damit rechnen dürfen, dass dieser Gesundungsiprozess erhebliche Fortschritte gemacht hast, wenn er nicht gor schon zum Abschluss gebracht werden musste. Dies ist nicht der Fall, was allein schon dadurch bewiesen wird, dass die Deutschen selbst noch von ihrer nicht überwundenen Vergangenheit zu sprechen pflegen. Sicherlich genügt es nicht, um zu einem gründlichen und grundlegenden Wandel der Verhältnisse zu gelangen, dass man von einem zum nächsten Tage erklärt, jetzt haben wir wieder einen Rechtsstaat, die alten Gesetze und Bestimmungen des Unrechtsstaates sind aufgehoben, der Parteiapparat mit seinen zahllosen Gliederungen und Untergliederungen ist beseitigt,, nicht mehr Willkür soll die bürgerliche Gesellschaft beherrschen, an die Stelle der Gewalt als die regulierende Norm der Staat, liehen Macht wird das Gesetz treten, vor dem alle Bürger gleich sind. Das genügt, wie gesagt, nicht. Erforderlich ist es, dass die Menschen, die den Unrechtsstaat formten, bestimmten und beherrschten, verschwinden, um durch demokratische Menschen oder Menschen guten Willens ersetzt zu werden. Denn der Unrechtsstaat ist keine abstrakte Idee, er wütete, befahl, regierte, verfolgte und unterdrückte, nicht durch seine Dekrete oder durch die Macht, sondern durch seine Menschen, die von diesen Unrechts-Ideen besessen waren und rücksichtslos von der ihnen anvertrauten Macht Gebrauch machten. Es kommt also nicht auf eine proklamierte geistige Umschaltung allein an. Diese ist wichtig und muss als Voraussetzung für die Ue. berwindung der Vergangenheit angesehen werden. Ebenso, wenn nicht noch entscheidender ist die Sicherung des Rechtsstaates durch jene Bürger, die von der unüberwundenen Vergangenheit nicht belastet sind. Ohne diesen Prozess der Ausschaltung der alten Elemente, die den Unrechtsstaat schufen, ihm dienten ond sein Wirken erst ermöglichten, kann es keinen Rechtsstaat geben. Bei dem Wechsel vom Nazireich zur Bundesrepublik handelt es sich nicht darum, dass nun ein neuer Herrscher den Thron bestieg, und dass die alten Beamten nun auf den neuen König zu schwören haben. Dieser Wechsel ist entweder ein revolutionärer Umbruch oder eine Farce. Gelingt es nicht, den neuen Staat durch neue Menschen zu sichern, wird die bonner Republik genau so kläglich zugrundegehen wie Weimar. Sicherlich hört das niemand gern, aber es gibt eben Wahrheiten im Leben der Menschen und der Völker, die nicht angenehm sind. Wenn man die Entwicklung in der Bundesrepublik seit dieser revolutionären Neuorientierung betrachtet, dürften Zweifel berechtigt sein, ob eine solche Umstellung überhaupt möglich ist. Gerade das war das Verschluss auf Seite 2) Familienzwist Jerusalem. — Der Konflikt zwischen den arabischen Staaten und Israel ist nichts als ein „Streit unter Vettern”, der durch die Vermittlung anderer Mitglieder der engeren oder weiteren Familie gelöst werden kann, so äusserte Gabriel Liseth-, der Stellvertretende Ministerpräsident von Chad, in einer Pressekonferenz. Der Vorteil guter Beziehungen mit Israel, so führte er aus, könne den jungen afrikanischen Völkern unschwer klargemacht werden, und schon jetzt halten verschiedene afrikanische Nationen mit mohammedanischer Bevölkerung Freundschaft mit dem jüdischen Staat. (ITA) unter dem nazistischen Gewaltregime genommen hatte, und eine lebhafte Diskussion unter der gutwilligen Jugend dient dem einen Zweck, durch Erkennen der Sünden und Fehler der Vergangenheit neue Irrtümer dersetzen, indem sie einfache Tatbestände komplizieren und sich damit selbst den klaren Blick trüben. Wir wollen dabei durchaus nicht simplifizieren, um durch diese Methodik zu einem verallgemeinernden Ur- I Aussenminister konferieren London. — Die arabischen Aussenminister versammelten sich hier, um über eine Lösung des „Palästina- Problems” zu beraten. Sie werden die Mittel und Wege zur Einigkei unter den arabischen Staaten zu iinden versuchen, doch es besteht wenig Aussicht auf ein Uebereinkommen. Die Hauptpunkte des Programms sind die palästinensische Frage und die Konflikte in der arabischen Welt, so z. B. die Zwistigkeiten zwischen der VAR und Transjordanien. Die Frage des „Status für die palästinensischen Araber” gab den Anlass zum Scheitern der beiden letzten Konferenzen der Arabischen Liga, da die VAR, Irak.und Transjordanien hier verschiedene Standpunk, te vertreten. Eine weitere Schwierigkeit bereitet der Versuch der VAR, die Solidarität der Araber gegen Iran, herbeizuführen, nachdem die;-:': Land Israel diplomatisch anerkannt hat. Ein anderer Disput wird wahrscheinlich wegen dos Wunsches von Irak -entbrennen, eine „Unsterbliche Republik Palästina” durch die Schaffung einer palästinensischen Befreiung v -mee gründen. (ITA) WIE ICH ES SEHE von JEHUDA GOTTHEIMER LEO BAECK INSTITUTE NEW YORK