Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1805 (19.8.1960)
- Date
- 1960-08-19
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
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PUEYHREDON 2190 — l9 i*q- Año XXI. Lx JernxiHj&JsSiGielUG, T. E. 8 3 2 6 1 3 BUENOS AIRES, VIERNES 19 DE AGOSTO DE 1960 No. 1805 Die Konferenz in Rechowot Rechowot. — „Die Befreiung der Völker und die Schliessung der zwischen ihnen bestehenden wirtschaftlichen und geistigen Abgründe durch die Wissenschaft und die technischen ¡Erkenntnisse wird den Welt, tfrieden sichern und die Vül- Ikerfamilie auf den Gipfel des materiellen Wohlstandes und des geistigen Fortschritts führen”, verkündete ¡Ben Gurion in der Eröffnungssitzung der Internationalen Konferenz über die ¡Rolle der Wissenschaft in den jungen Staaten. Staatsmänner und Wissenschaftler aus 29 Ländern und Hunderte von Gästen aus Israel und dem Ausland ■wohnen der Konferenz bei, die in dem Chaim Weizmann zu Ehren erbauten Amphitheater im Wissenschaftlichen Weizmann.Institut in Rechowot stattfindet. Unter den Gästen befindet sich der Premierminister von Nepal, B. P. Keirala, der Stellvertrende Ministerpräsident von Chad, Gabriel Lisette, und Minister und Regierungsbeamte zahlreicher asiatischer und afrikanischer Nationen. Der Premierminister Israels nannte die Versammlung „ein historisches Ereignis von unschätzbarer Bedeutung” und verwies darauf, dass die Konferenz sich mit den entscheidendsten, sowohl politischen wie intellektuellen Umwälzungen der menschlichen Rapse befasst.” Er fügte hinzu, „die Erlangung der Unabhängigkeit sei kein Abschluss sondern der Beginn der Wiedergeburt.” „Die materielle und kulturelle Kluft zwischen den Völkern muss geschlossen werden”, führte Ben Gurion aus. „Die Völker der Welt sollen nicht nur befreit werden, sondern sie müssen mehr oder weniger zum gleichen Niveau aufsteigen, was ihren Status und ihre materielle und geistige Kapazität angeht. Es ist die Pflicht der reichen und hochentwickelten Nationen, jede materielle und geistige Hilfe zu leisten, um die bedauerlichen und gefährlichen Unterschiede zwischen den ökonomischen und kulturellen Ebenen auszugleichen.” Ueber die Integrität der Menschheit in unseren Tagen, in denen die Völker durch die Entwicklung der Transportmittel so eng miteinander verbunden sind, äusserte Ben Gurion, alle hoch entwickelten Völker müssten denjenigen Nationen ihre Hilfe leisten, deren Status, Rechte und Möglichkeiten durch Jahrzehnte und WIE ICH ES SEHE ♦ Kreuzzug für Gerechtigkeit! <> n _ von JEHUDA GOTTHEIMER Zu den grossen Umwälzungen unserer Zeit gehört das Erwachen Asiens. Wenn man diese Feststellung heute niederschreibt, muss man sich wohl mit Fug entgegenhalten lassen, dass die politische Welt „eigentlich” bereits einen Schritt weiter gegangen ist denn in diesem Augenblick dürfte es noch eingebrachter sein, von einem Erwachen Afrikas zu sprechen. Diese beiden historischen Phänomene gehören zusammen. Sie sind die Folgen einer Entwicklung, die mit der Emanzipation der asiatischen und afrikanischen Völker abschliessen wird, deren letzte Auswirkungen wir heute beobachten können. Das Recht auf die Freiheit des Individuums wurde in der Französischen Revolution verkündet, nachdem grosse englische Philosophen sowie die französischen Enzyklopädisten den geistigen Hintergrund für eine politische Bewegung geschaffen hatten, deren beide Höhepunkte der amerikanische Befreiungskrieg und die Französische Revolution gewesen waren, von der zweifellos die stärksten Impulse zur Umgestaltung des gesamten Lebens aller Menschen ausgegangen sind. Gewiss ging dieser revolutionäre Prozess nicht überall vehement vor sich, denn inzwischen sind rund 170 Jahre seit dem Sturm auf die Bastille vergangen, doch die Sonne der Freiheit strahlt immer noch nicht über allen Menschen und Völkern. Die Geburtswehen neuer Nationen werfen ihre Schatten auf die heutige Weltlage; der Befreiungsprozess verschiedener, noch bevormundeter Völker hat vielleicht noch nicht einmal richtig begonnen. Aber er wird sich mit der Präzision historischer Gesetzmässigkeit vollziehen. Seine Intensität wird davon abhängig sein, ob und welche Widerstände diejenigen leisten, die sich hiergegen sträuben und eines Tages nur umso sicherer vom Strom der Freiheitsbewegung mitgerissen werden, der sich nicht aufhalten lässt. (Man braucht nur an die düsteren Perspektiven zu denken, die sich für die Weissen in Südafrika eröffnen und die immer finsterer werden, je stärker die regierende Schicht versucht, durch neue Unterdrückungsmasnahmen die entrechteten Massen im Zaum zu behalten). — Dass jeder einzelne Mensch das Recht auf Freiheit besitzt, dass es in dieser Hinsicht keine Privilegien und Sonderrechte geben kann, ist heute zur allgemeinen Erkenntnis geworden. Selbst vor wenigen Jahrzehnten war dies garnicht so selbstverständlich, wie es der jetzigen Generation erscheint. Dass kein Mensch der Sklave eines anderen sein solle, ist eine Forderung, die man nicht mehr zu erheben braucht, weil dies nicht mehr bestritten wird. Dennoch hielten es die UN noch vor wenigen Jahren für richtig, einen Beschluss gegen Sklävenhandlung zu fassen und eine Kommission einzusetzen, die sich damit beschäftigt, den heutigen Sklavenhandel zu bekämpfen. Dies mag unglaubwürdig klingen, entspricht aber den Tatsachen. Im britischen Oberhaus berichtete kürzlich Lord Maugham, er habe im vergangenen Jahr einen Sklaven namens Ibrahim in der Sahara für etwa 9.000.— argentinische Pesos gekauft, den er sofort frei liess, da es ihm nur daran gelegen war, selbst den Beweis dafür zii haben, dass die Sklaverei auch’heute noch in Westafrika existiere. Darauf erhob sich ein anderer Lord, der von der britischen Regierung Sofort-Massnahmen gegen die Sklaverei in „Afrika und Arabien” verlangte. Wie dieser Lord ausführte, würden auch heute noch viele Afrikaner nach Arabien in die Sklaverei verkauft werden. Der Sklavenhandel habe sogar in der letzten Zeit erheblich zugenommen. Wohlhabende Moslems würden auf ihren Pilgerfahrten mehrere Sklaven als „lebende Reiseschecks” mitnehmen, die sie dann unterwegs nach Bedarf verkau- Massenmörder im Gefängnis Kassel. — Zwei frühere Polizeioffiziere haben gestanden, an den in Slutz an Juden verübten Massen, morden beteiligt gewesen zu sein. Exkommandant Franz Lechthaler und Oberkommissar Willy Patenkort wurden schon im Frühjahr ver. haftet. Die Mord« wurden von zwei Kompagnien des Polizeibataillons und einer Einheit litauischer Freiwil- | liger begangen. Das Gericht gibt die Zahl der Opfer mit 500 bis 700 Männer, Frauen und Kindern an, die , in einem Aussenbezik des polnischen Ortes Slutz liqui- '1 diert wurden. Beide Angeklagte versichern, sie hätten auf Befehl! gehandelt. Jahrhunderte der Geschichte Beschränkungen unterworfen waren. „Sie müssen ihnen diese nicht als ein Almosen anbieten, sondern sie als eine Pflicht betrachten, die ein Mitglied der gleichen menschlichen Familie dem anderen schuldet, um die historischen Ungerechtigkjiten wiedergutzumachen. Diese Hilfe muss ihnen landwirtschaftliche und industrielle Entwicklung, eine bessere Erziehung, verbesserte Wohnungen und ärztliche Dienste bringen. Der materielle und geistige Prozess, den diese Länder brauchen, muss auf gegenseitigem Vertrauen und der Achtung voreinander basieren und die Benutzung aller Fortschritte der Menschheit und ihrer wissenschaftlichen und technologischen Errungenschaften zur Grundlage haben. In seiner Begrüssungsrede an die Teilnehmer der Konferenz, welche 14 asiatische und afrikanische Staaten repräsentieren, sowie an die Gäste aus Europa, Australien, den Philippinen und Nord, und Südamerika gab Ben Gurion der aufrichtigen Hoffnung Ausdruck, dass die Beratungen dazu beitragen mögen, zur Einigkeit aller Bewohner der Erde zu führen und den Fortschritt zu beschleunigen, so dass hiervon alle Männer, Frauen und Kinder in der ganzen Welt, ohne Unterschied der Rasse, Farbe oder des Glaubens begünstigt werden und die von der Konferenz erstrebten Ziele verwirklicht würden. Unter den Delegierten sind 5 iranische Wissenschaftler unter Führung von Dr. A. Azad von der Universität Teheran, der in seiner Ansprache erwähnte, dass zwischen seiner Unifen. Uebrigens sollen auch Beweise für Sklaverei in China und einigen südamerikanischen Ländern vorhanden sein, wobei während dieser Oberhausdebatte vor allem auf Peru hingewiesen worden ist. Trotzdem dürfte es sich bei diesen Vorgängen nur um die letzten Ausläufer der Sklaverei handeln, gegen die von den zuständigen nationalen und internationalen Gremien mit der notwendigen Schärfe eingegriffen werden sollte. Leider muss man bei einigen führenden Mächten immer wieder ihre Bereitwilligkeit be- 1 dauern, mit Sklavenhaltern Verträge zu schliessen, wenn nur das flüssige Gold, Arabiens grosse Petroleumvorräte, zufriedenstellende Profite für amerikanische Magnaten versprechen. Die westliche Welt ist sich wohl bis heute nicht darüber klar geworden, was die Befreiung der bisher unterjochten Völker, vor allem Asiens, für die Zukunft der Menschheit bedeuten wird. Weder in den Programmen der Schulen noch der Universitäten hat man bisher berücksichtigt, dass mit der Gleichberechtigung der asia- ESCUELA PARA SHELIJIM Jerusalem. — Los enviados israelíes en ei exterior —desde embajadores y cónsules a representantes comerciales, educadores y animadores de campañas de fondos— fueron acusados por altos funcionarios de no ser los suficientemente familiarizados con la vida judía contemporánea en los países donde han sidi asignados. Las acusaciones fueron formuladas en una conferencia de prensa en la universidad hebrea, donde la obra del instituto de la judeidad contemporánea fué calificada como ayuda para remediar esta situación. El instituto, dijo el ministro de finanzas Levi Eshkol, "ayudará a los representantes israelíes en el exterior, brindándoles conocimientos y comprensión de la judeidad fuera de Israel." Zalman Shazar, miembro del ejecutivo de la Agencia Judía dijo, que el instituto ha inaugurado un curso de 1 mes de instrucción especial para emisarios en el extranjero. Beniamin Mazar, presidente de la universidad, anunció que el Dr. Moshe Davis saldrá en breve para los EE. UU., México y Argentina. Gran Bretaña y otros países, para estudiar a las comu. nidades en esos países y establecer contactos oon los científicos sociales y otras autoridades sobre el judaismo contemporáneo. SCHLOMO S. TANGER Eine Schule für Schlichim Jerusalem. — Die israelischen Abgesandten im Ausland, beginnend mit Botschaftern und Konsuln bis zu kommerziellen Repräsentanten, Erziehern und Werbern für Kampagnefonds, wurden von hohen Funktionären beschuldigt, nicht genügend mit dem zeitgenössischen jüdischen Leben in den Ländern bekannt zu sein, in die sie geschickt werden. Die Vorwürfe wurden in einer Pressekonferenz in der Hebräischen Universität ausgesprochen, wo das Werk des Instituts für zeitgenössisches Judentum als Hilfe zur Besserung dieser Situation bezéíchnet wurde. Das Institut, so äusserte Finanzminister Levi Eshkol, „wird den israelischen Vertretern im Ausland helfen und ihnen Kenntnisse und Verständnis der Judenheit ausserhalb Israels vermitteln.” Zalman Schazar, Mitglied der Exekutive der Jewish Agency kündigte an, das Institut habe einen einmonatigen Kursus für die besondere Schulung von Emissären für das Ausland eröffnet. Benjamin Mazar, der Präsident der Universität, teilte mit, Dr. Mosche Davis werde in Kürze in die USA, nach Mexiko und Argentinien, Grossbritannien und anderen Ländern reisen, um die jüdischen Kollektivitäten dort zu studieren und Kontakte mit den wissenschaftlichen, sozialen und weiteren Behörden über das zeitgenössische Judentum aufzunehmen. SCHLOMO S. TANGER versität und der israelischen Kommission für Atomener. gie Verhandlungen über den Austausch von Kernforschern im Gange seien. Dr. Azad betonte, seine Regierung sei an der Entsendung mehrerer israelischer Wissenschaftler interessiert, um der Inbetriebnahme des jetzt in Bau befindlichen persischen Atomreaktors beizuwohnen. Argentinien wird von Dr. Orlando Garcia, dem Dekan der Fakultät für exakte Wissenschaften der Universität Buenos Aires vertreten. tischen Nationen ganz neue Kräfte gelöst worden sind, die keineswegs nur neue Absatzmärkte für die nationalen Industrien des Westens eröffnen oder als Ziel der Touristik „modern” geworden sind, — was bedeutet heute schon eine Reise nach Europa, in Fernostasien muss ’.man’ gewesen sein (!) —, sondern als geistige Kräfte in dem internationalen Konzert der Völker mitwirken werden. Die einseitige Ausrichtung des europäischamerikanischen Kulturkreises auf die Schätze dieser Kulturen, die auch nur berücksichtigt werden, so weit sie der christlichen Epoche angehören, bedingt eine totale Unwissenheit und verursacht damit eine Fremdheit, deren schädliche Folgen sehr bald einfach dadurch in Erscheinung treten werden, weil der Osten sich durchaus bemüht, diese Kulturen in seinen Bannkreis zu ziehen und sie in seinen neuen Konzepten aufzunehmen. Hierbei handelt es sich nicht nur um die Fragen, die einigen Experten Vorbehalten bleiben, sondern um eine völlig neue Orientierung, die bei der Aufstellung eines neuen westlichen Bildungsideals von Bedeutung werden sollte. Viele werden die Anschau, ung vertreten, dass die Fra. ge eines Bildungsideals für die westliche Welt einige Schulmeister oder .Kulturmenschen’ interessieren mag. Die meisten, so wird argumentiert, hätten heutzutage andere Sorgen. Aber der Mensch lebt nicht von Brot allein, und das Brot, das wir essen, wird durch tausende Faktoren der Wirtschaft, der Wissenschaft, der Technik und der Politik bedingt. Wie auf so vielen Gebieten unseres Lebens bleiben die wirklich gestaltenden Kräfte der Masse verborgen, deren Unwissenheit der erste und. wichtigste Schlüssel der Regierenden ist, die Masse zu beherrschen. Dennoch hat sich die Erkenntnis bereits langsam — auch im Westen — durchgesetzt, dass die Ue. berlegenheit der europäi. sehen Kultur und — als deren Appendix — der amerikanischen Kultur (wobei die meisten. Europäer bezweifeln, dass es überhaupt eine amerikanische Kultur gäbe) heute schon nicht mehr unbestritten ist. Da die Tendenz nicht geleugnet werden kann, dass die Völker zu einer Zusammenarbeit auf verschiedenen Gebieten des internationalen Lebens drängen, wofür die UN einen Beweis bieten, muss es auch zu einem Austausch und damit zu einer Annäherung der Kulturen kommen. Die Isolierung von Kulturen war vielleicht frü. her möglich, seit langem schwierig, heute ist sie aus. ^geschlossen. Nur nebenbei sei darauf hingewiesen, dass bedeutende Wissenschaftler die Auffassung von der Gemeinsamkeit der Kulturen in aller Zeit vertrteen, (Schluss auf Seite 2)