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Jüdische Wochenschau · 1960-08-09 · 1802 (9.8.1960) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1802 (9.8.1960)
Date
1960-08-09
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German, Spanish
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JÜDISCHE UIOünSM) J PUEYRREDON 2190 — 1* Uq. Año XXI. £x Jemand JstuxeUia BUENOS AIRES. MARTES 9 DE AGOSTO DE 1960 T. E. 832613 No 1802 weismaterial aufgefunden Washington. — Der Direktor des westdeutschen Zentralbüros iür die Fahndung nach nazistischen Kriegsverbrechern, Erwin Schüle, weilt in Begleitung eines zweiten bundesdeutschen Beamten, Kurt Hinrichsen, in .Washington, um die Dokumente zu prüfen, die die Nordamerikaner nach dem zweiten Weltkrieg nach den Vereingten Staaten geschafft haben. Diese Dokumentensammlung befindet sich in der Kongressbibliothek und im Kriegsarchiv. Wie Schüle in einer Pressekonferenz enthüllte, ist er mit dem Studium dieser Unterlagen beschäftigt, um Beweise gegen Adolf Eichmann und andere nazistische Kriegsverbrecher zu sammeln. Er habe, so versicherte er, das „komplette Archiv” der SS-Einheit des ehemaligen Obersturmbannführers Adolf Eichmann entdeckt. Bekanntlich sei Eichmanns Abteilung IV B 4 mit der „Endlösung der Judenfrage” in den Gebieten betraut gewesen, die im zweiten Weltkrieg von den Nazis besetzt waren. Diese Abteilung habe schätzungsweise zwischen vier und sechs Millionen Juden in KZ . Lagern wie Auschwitz und Treblinka „liquidiert”. Die israelischen Behörden sind der Ansicht, Eichmann sei für dieses von seiner Einheit begangenen Verbrechens direkt verantwortlich. Schüle versicherte, er habe in den Archiven eine j „grosse Zahl von Dokumenten” gefunden, die für seine Mission von „unschätzbarem Wert” seien, um die Aburteilung von Nazi Verbrechern zu ermöglichen, Unter diesen Dokumenten figurieren die Akten der SS, des Sicherheitsdienstes und der Gestapo. Nicht nur Beweise für die Schuld Eichmanns seien aufgefunden worden, sondern auch Schriftstücke, die die Schuld anderer Nazis aufdecken, die in Westdeutschland vor Gericht gestellt werden sollen. Die Namen und Zahl der Betreffenden wollte er nicht angeben. Dagegen stellte er fest, dass kein neues Beweismaterial gegen bisher nicht verdächtige Personen gefunden wor¬ WIE ICH ES SEHE den sei. Die geprüften Unterlagen enthielten nur Hinweise auf Exnazis, die in der von seinem Büro -aufgestell'en Liste als „verdächtig” aufgeführt werden. Trotzdem sei er von dem Ergebnis „höchst befriedigt”, wie er unterstrich. Auf die Frage eines Journalisten, ob er da, Eichmann belastende Material den israelischen Behörden zu übergeben beabsichtige, entgegnete Schüle lächelnd, „es sei wohl kein Geheimnis, dass sein Büro eng mit den israelischen Behörden zusammnarDeitet.” Schüle und Hinrichsen sind schon seit drei Wochen mit der Prüfung der Dokumente beschäftigt, und wie Schüler bemerkte, werde seine Mission noch weitere acht bis zehn Wochen in Anspruch nehmen. Ein Konflikt wurde gelöst von JEHUDA GOTTHEIMER Der Konflikt zwischen Ar. gentinien und Israel ist durch eine gemeinsame Erklärung der Regierungen der beiden Länder gelöst worden. Die Nachricht wurde nicht nur hierzulande und in Israel mit grosser Genugtuung aufgenommen, sondern von allen Völkern begrüsst, die an der Beseitigung internationaler Streitigkeiten interessiert sind. Damit ist der Weg freigelegt, um die bis dahin ungetrübten Beziehungen wieder in alter Freundschaft herzustellen. Auf den Disput, der glücklich beendet wurde, soll nicht noch einmal eingegangen werden. Die verschiedenen Aspekte der Frage wurden hier mehrfach dargetan und unter verschiedenen Gesichtspunkten analysiert. Man darf nicht verkennen, dass die argentinische Haltung huf manche- Seite nicht richtig verstanden wurde. Die von Argentinien eingenommene Position wurde insbesondere von den faschistischen Kreisen falsch interpretiert. Man gab sich der Hoffnung hin, dass Argentinien mit seiner Aktion einen antijüdischen Feldzug eröffnen wolle, ohne zu begreifen, dass hier nur ein legaler Anspruch eines souveränen Staates verteidigt worden ist, der mit antisemitischen Tendenzen nicht das geringste zu tun hatte. Manche gaben sich sogar der Illusion hin, dass ein Kriegsverbrecher geschüzt werden solle, der nach Südamerika mit gefälschten Dokumenten gelangte und hier unter einem angenommenen Namen lebte. Andere gingen sogar noch weiter, weil sie dachten, Argentinien wolle nicht nur einen Massenmörder schützen, sondern darüber hinaus die von ihm begangenen Untaten nachträglich rechtfertigen. Gewiss entbehrten diese Vermutungen oder Behaup- Eichmann- Prozess im Frühjahr Jerusalem. — Die israelische Regierung kündigte Einzelheiten über die Vorbereitungen zum Eichmann- Prozess an. Zur gleichen Zeit wurde bekanntgegeben, dass der deutsche Anwalt Dr. Robert Servatius als Strafverteidiger Eichmanns für annehmbar befunden wurde, nachdem durch Nachforschungen festgestellt worden ist, dass er niemals der NSDAP angehörte. Der Prozess, der im kommenden Frühjahr beginnen soll, wird in hebräischer Sprache geführt und gleichzeitig ins Deutsche übersetzt werden. Des weiteren ist die automatische Uebersetzung ins Französische und Englische voi'gesehen, um den Journalisten das Verständnis der Gerichtsverhandlung zu ermöglichen. Als letzter Termin für die Anmeldung von Journalisten ist der 30. September festgesetzt worden. Das Pressebüro behält sich jedoch das Recht vor, jeden bis zu diesem Datum nicht angemeldeten Pressevertreter zuzulassen oder abzulehnen. Nach israelischem Gesetz haben Filmoperateure oder Fotografen zu den Gcrichtssälen keinen Zutritt, doch wird ein offizieller Fotograf Aufnahmen machen und die Streifen allen Interessen, tm aushändigen. (ITA) tungen jeder realen Grundlage. Die faschistischen Elemente witterten Morgenluft, weil sie glaubten, ihre eigenen Aktionen hinterrücks einleiten zu können, indem sie sich eine internationale Verstimmung zunutze machen, die durch die Gefangennahme eines Verbrechers ausgelöst worden ist. Dass diese Hypothesen der Unbelehrbaren völlig abwegig gewesen sind, stand von Anfang an fest. Die eindeutigen Erklärungen des Präsidenten der Republik in Madrid sowie führender Persönlichkeiten der Regierung entzogen allen faschistischen Spekulationen jede ernste Grundlage. Dennoch darf man nicht verkennen, dass in der Hitze der geführten Debatten einige Kriegsverbrecher ihre Stunde für gekommen hielten, um auf „ihr Recht” zu pochen. Sie verstummten sehr bald wieder, als sie erkennen mussten, dass sie die argentinische Demokratie unterschätzt haben. Der Fall Eichmann hat viel Staub aufgewirbelt. Zahlreiche Verhaftungen von kleineren und grösseren Missetätern, die mit einiger Verspätung nun doch noch ihrer gerechten Strafe zugefiihrt werden sollen, dürften dazu beitragen, die noch immer von den Nazis verpestete Atmosphäre zu reinigen. Dass diese Entwicklung durch eine Verletzung der argentinischen Souveränität erzwungen wurde, ist bedauerlich. Dass aber diese Folgen erwirkt wurden, dürfte von allen sachlich denkenden und rechtschaffenen Menschen als ein Positivum betrachtet werden. Die demokratischen Nationen, vor allem Lateinamerikas, die die Grausamkeiten und Greueltaten der braunen Machthaber schon vergessen hatten, sind hellhörig geworden und wünschen heute, sich von jenen Elementen zu bc- Appell an den Vatikan Sao Paulo. — Die hiesige Zeitung „Correiro Paulistano” fordert in einem Leitartikel ihres Herausgebers den Vatikan auf, diplomatische Beziehungen mit Israel aufzunehmen. Der Autor des Artikels, Joao Scantimuburgo, ver tritt die Auffassung, dass de? Vatikan als Vermittler zwischen Arabern und Juden dienen könnte. (ITA) freien, die Hass und Vernichtung über unschuldige Menschen brachten und Millionen Söhne anderer Völker vernichteten, um ihr Blutregiment über die ganze Erde zu errichten. Allmählich wird man wieder begreifen, dass das Lied und die Parole „Heute gehört uns Deutschland und morgen die ganze Welt” eine eiskalte Richtschnur für eine imperialistische Politik gewesen ist, die von einer wildgewordenen „Herrenrasse” rücksichtslos betrieben wurde, und dass es sich hierbei keinesfalls nur um leere Prahlereien oder Ueberheblichkeiten handelte. Die grösste Bedeutung kann aber die ausgelöste Tendenz zur Beseitigung der Reste eines noch immer wühlenden Nazifaschismus für die junge westdeutsche Demokratie haben, die sich zwar wirtschaftlich gefestigt fühlen kann, nicht aber die gleiche politische Sicherheit besitzt, weil man allzu grosszügig selbst schweren Verbrechern verzieh. Wenn auch Oberländer kein Eichmann war, so hat er nach dem bisher ni.-'; widerlegten Belastungsmaterial doch eine schwere Schuld auf sich geladen und aktiv an den Vernichtungs- und Eroberungs - Programmen der Nazis mitgewirkt. Allzu lange wurde er von den Spit. zon der deutschen Demokratie gedeckt, bis er endlich kurz vor der Eichmann-Af. Acuerdo con el Keren Kayemet Jerusalem. — Un acuerdo entre el gobierno israelí y el Keren Kayemet Leisrael íué suscripto, estableciendo los derechos de cada una de las partes respecto a la tenencia de tierras. El ministro de Finanzas firmó por el gobierno y el Dr. A, Granolt, presidente del Fondo Nacioraal Judío, en representación de la organización. La firma del acta sigue a la aprobación en la Knesset, recientemente, de la ley de autoridad sobre la tierra, de acuerdo con la cual toda tierra, incluyen, do la del Keren Kayemet, será administrada por el ministerio de Agricultura. Por otra parte todo mejoramiento del suelo y forestación, incluso sobre tierras del gobierno, será realizada por el Keren Kayemet. Hasta ahora esta tarea era efectuada tar-to por el ministerio de Agricultura como por el Fondo Naciona Judío SCHLOMO S. TANGER Abmachung mit dem KKL Jerusalem. — Eine Abmachung zwischen der Regierung Israels und dem Keren Kajemet Leisrael wurde unterschrieben und regelt die Rechte einer jeden Partei auf den Besitz von Böden. Der Finanzminister, Levi Eshkol, leistete die Unterschrift im Namen der Regierung, und Dr. A. Granott, der Präsident des Jüdischen Nationaifonds, unterfertigte das Dokument in Vertretung der Organisation. Die Unterschrift erfolgte, nachdem die Knesset vor kurzem das Gesetz über Bodenbesitz angenommen hat. Dieses Gesetz bestimmt, dass alle Böden, einschiiessiich die dem KKI gehörigen, vom Ackerbau- Ministerium verwaltet werden. Andererseits wird jede Verbesserung des Bodens und jede Aufforstung, auch die auf Regierungsböden vorgenommenen, vom Keren Kajemet durchgeführt werden. Diese Aufgabe ist bisher sowohl vom Ackerbau- Ministerium wie auch vom Jüdischen Nationaifonds verwirklicht worden. SCHLOMO S. TANGER färe unhaltbar war und entlassen wurde. Ein Strafverfahren aber ist bis heute gegen ihn nicht eröffnet worden,. was bedenklich erscheint. Die Affäre Eichmann hat aber auch gezeigt, dass das internationale Recht, insbesondere das in rnationale Strafrecht, noch manche, bedauerliche Lücken aufweist, die zu einer allgemeinen Rechtsunsicherheit beitragen. Die Kodifizierung internationaler Strafbestimmungen für Delikte, die das internationale Leben der Völker berühren, ist eine dringende Notwendigkeit. Nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches waren sich alle Völker, die mit ihrem Blut zur Freiheit der Welt beigetragen hatten, darüber klar geworden, dass man in einer neuen Zeit mit bis dahin unbekannten Delikten auch neue Normen aufstellen müsse, um die Verfolgung der Verbrecher in einem internationalen Massstab zu ermöglichen und um der Wiederholung dieser Schreckenstaten durch eindeutige und kristallklare gesetzliche Bestimmungen entgegenzutreten. Nach anfänglichen Bemühungen um die Formulierung und Anerkennung derartiger internationaler Strafbestimmungen hat man diese Notwendigkeiten in der Härte des politischen Tageskampfes wieder vergessen und sich vermeintlich .wichtigeren’ Aufgaben zugewandt. Immerhin haben die UN einen Anfang mit der Konvention gegen den Völker. mord unternommen. Man muss sich jedoch dessen bewusst bleiben, dass diese für das internationale Leben bedeutungsvolle Initiative unwirksam wird, wenn nichts geschieht, um ihr durch die entsprechenden Ausführungsbestimmungen eine 'Lebensmöglichkeit zu schaffen. Ohne den hohen moralischen Wert eines internationalen Sittenkodex zu verkennen oder zu verkleinern, besteht die Tatsache, dass mit der Postulierung ethischer Prinzipien allein deren Gültigkeit noch nicht durchgesetzt werden kann. Das eherne Gesetz des „Du sollst nicht töten!” bleibt ein gewiss starker Appell an das Gewissen, dem der einzelne folgen kann oder nicht; zu einem staatserhaltenden Grundsatz, zu einem das menschliche Zusammenleben regulierenden und in der Realität des Alltags geltenden Gesetz wird dieses ethische Prinzip des „Du sollst nicht töten!” erst dadurch, dass die Autorität des Staates als des kraftvollen Repräsentanten der Gesellschaft über die Beachtung dieser Forderung durch seine klar formulierten Gesetze wacht. Jeder, der gegeii diese- Prinzip des „Du sollst nicht töten!” verstöss*, muss damit rechnen, dass er von der ganzen Schwere des Gesetzes zur Verantwortung gezogen und entsprechend verfolgt wird. Von einer höheren Warte aus mag man bedauern, dass der kulturelle oder zivilisatorische Fortschritt noch (Schluss auf Seite 2) Für Freiheit der Schiffahrt New York. — Senator John F. Kennedy, der Prä. dentschafts-Kandidat der Demokraten, befürwortet die Offenhaltung des Suezkanals für alle Nationen, einschliesslich Israel. Diese Meinung brachte er in einer kürzlichen Erklärung zum Ausdruck, die er in einer Pressekonferenz für Ausländskorrespondenten, zu der auch jüdische Journalisten eingeladen waren, abgab. Gleichzeitig bekannte sich Kennedy zu dem Pro. gramm, das die Konvention seiner Partei in 'Los Angeles angenommen hat, wozu u. a. auch schnelle Wieder an Siedlung der arabischen Flüchtlinge in Palästina gehört. Hierzu bemerkte der Senator, „Israel könne sie nicht alle aufnehmen“, da das Land schon übervölkert sei. Ferner setzte er sich für Entwicklungsprojekte im Mitlelosten auf regionaler Basis eir. (ITA)

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