Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1801 (5.8.1960)
- Date
- 1960-08-05
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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2 — Viernes. 5 de Agosto de i9M JODISÇHE WOCHERSCH All Año AZI — Mo. 1801 Gegen Gefahren einschreiten (Schluss von Seite 1) chen zu I;en. Dass Krauss sich zur Mitwirkung am Fi'm ,.-7vid Süss’’ anheuern Hess, bLibt seine Schuld, die durch keine mimische Grösse wegzudiskutierea ist. Krauss wuis'e genau, zu ’Welchen Zwecken dieser Film gedreht wurde. Ihm (blieb nicht verborgen, dajs (hier ein aktiver Beitrag von ihm zur Endlösung der Judenfrage verlangt worden äst, den er bedenkenlos auch (geleistet hat. | Werner Krauss hat sich, robwohl oder gerade weil er ein bedeutender Schauspieler war, shlbst besudelt, indem er den Wünschen eines Goebbels willfährig war ur.d * sich auf das Niveau herabdrücken liess. an einem geschmacklosen Machwerk mitzuwirken, dessen einziger Zweck die Aufhetzung der Massen gewesen ist. Aber das war durchaus nicht seine einzige Schuld. Krauss hat geschwiegen, als rings tun ihn herum die Lehrmeister, die Kollegen und Freunde verfemt und verjagt, ermordet oder in den Tod getrieben worden snid. Andere grosse deutsche Schauspieler haben damals nicht fortgeschaut, Krauss aber blieb stumm. Alles in allem, es war ein wenig erfreuliches, wenig menschliches Schauspiel seines Lebens, das er uns trotz seiner triumphalen Erfolge zu schildern vermag.! Zum Schmierentheater aber Wurde dieses „Schauspiel”, Dr, FREY l: A , J Abogado PUEYRREDOH *180 V* uq nachm. 16— 18 Otar n REAL PEN t Füllhaltet REPARATUREN Spezialgeschäft CORRIENTES 569 T E. 49-5850 1 als Krauss nach dem Welti krieg wieder auf der Bild fläche des öffentlichen Le. bens und auf der Bühne seiner schauspielerischen Erfolge erschien. Nicht dass er wiederkam, sondern dass man ihn wieder mit Ehren aufnahm, stimmte bedenklich. Es ist so leicht zu vergeben, wie Kortner es tat, wie andere es machten, aber sie vergaben und verziehen wo sie kein Recht hatten, es zu tun. Denn jeder darf wohl nur Unrecht verzeihen, das ihm widerfuhr. Als „Geschäftsführer ohne Auftrag” kann ein einzelner aber nicht das Verbrechen vergeben, das Krauss am jüdischen Volk beging. Als unerfreulich mussten wir es empfinden, dass selbst der heutige Altbundespräsident durch eine Ordensverleihung Krauss sozusagen öffentlich verzieh. Peinlich wirkte nur, dass die mit der gleichen Auszeichnung geehrten Juden diesen Orden nicht demonstrativ niederlegten. Das hätte sich wohl so gehört. Aber es unterblieb. Gesinnung und Haltung sind heute auch nicht sonderlich hoch im Kurs. m. Kampflieder Vor einigen Wochen fand ein SS-Treffen in einem klei. nen Ort Mittelfrankens statt, an dem auch Sepp Dietrich, der frühere Kommandeur der „Leibstandarte Adolf Hitler” teilnahm. Es waren etwa 1.300 ehemalige Ange. hörige der 6. Gebirgsdivision der Waffen-SS aus der Bundesrepublik, der Schweiz, Frankreich, Schweden. Finnland. Südtirol (Italien) erschienen. Dig Behörden hatten diese Versammlung genehmigt, weil sie als „Suchdiensttreffen in Zusammenarbeit mit dem Roten Kreuz” angemeldet worden war. Zu später Abendstunde, so hiess es in dem Polizeibericht weiter, sangen die SS- Leute alte Hitlerlieder aus dem Kriege. Hierdurch fühlten sich einige Bürger belästigt. riefen die Polizei, die wohl das Weitersingen untersagte. — Aber das ist schon nicht mehr von Bedeutung. Zwei der gesungenen Lieder wurden namentlich aufgeführt: „Wenn all*; untreu werden, dann bleiben wir doch treu” und „Wir sind die schwarze Garde, die Adolf Hitler liebt”. Ganz offensichtlich handelt es sich um zwei besonders geistreiche Liedertexte. Wenn man diese beiden kombiniert, hat man das Programm dieser singenden Ehemaligen, die sich noch immer als die treuen Paladine und die alte Garde ihres Führer fühlen. Dieses Treffen hat sicherlich auch keine grosse Bedeutung. Wahrscheinlich finden viele solcher Treffen Ehemaliger statt, und in ihrer Vielzahl wären sie doch bereits beachtenswert, nur man weiss nichts von ihnen, weil sie ohne Zwischenfall ablaufen. Die Ehemaligen erblicken ihre grosse Zukunft in der Vergangenheit. Sie träumen von der alten und der schwarzen Garde, sie träumen, wie die Polizei meldete, in vielen europäischen Ländern davon. Und unter ihnen weilte Sepp Dietrich, ein Kriegsverbrecher, jder weiter in seiner Vergangenheit schwelgen und seine ihm geschenkte Freiheit in dieser Weise missbrauchen. kann. IV. Skelett-Sammlung Im Riesengetriebe des nazistischen Reiches und seiner gewaltigen Mordmaschinerie gab es-eine grosse Reihe von kleineren Organisationen, Instituten und Körperschaften, die jede für sich und doch alle gemeinsam an dem grossen Ziel der Vernichtung der „minderwertigen” Rassen und der „Endlösung der Judenfrage” mitgearbeitet haben. Mit vielen dieser Abteilungen stand der Massenmörder Eichmann in Verbindung. Hier ein wichtiges" Dokument, das die Verworfenheit J. Liebling FOURNIERE — SPERRHOELZEH DIAZ VELEZ 5224 al 46 T. E. 43-2349/0340 y 3021 g«.«..— Propiedades Frankenberg berät Sie kostenlos und unverbindlich beim Kauf oder Verkauf von WOHNUNGEN HAEUSER GESCHAEFTEN Manuela Pedraza 2530 pl. b. Dp. B T. E. 70-7244 Marth* ühapaaax HUTSALON , Jetzt in B e 1 g r a n o MOLDES 2 56 1 T. E. 73-9229 73-9155 des Systems und seiner : Knechte zeigt: Es handelt sich um ein Schreiben, das der SS- Standartenführer Sievers dem Reiehsieherheitshauptamt, Amt IV B 4 zu Händen des SS-Obersturmbannfüh. ' rers Eichmann, am 21. Juni 1942 geschickt hat. Die Sache lief unter „Geheime Reichssache”. Das Schreiben hat den folgenden Wortlaut: „Betrifft: Aufbau einer Sammlung von Skeletten „Unter Bezugnahme auf dortiges Schreiben vom 25. September 1942 IV B 4 — 3376/42 g 1488 und die zwischenzeitlich in obiger Angelegenheit geführten persönlichen Besprechungen wird mitgeteilt, dass der mit der Ausführung obigen Sonderauftrages beauftragte Mitarbeiter der hiesigen Dienst stelle, SS-Haupisturmführer Dr. Bruno Beger, die Arbeiten am 15. Juni 1943 im Konzentrationslager Auschwitz wegen der bestehenden Seuchengefahr beendet hat. „Insgesamt wurden 115 Personen, davon 79 Juden, 2 Polen. 4 Innerasiaten und 30 Jüdinnen bearbeitet. Diese Häftlinge sind zur Zeit getrennt nach Männern und Frauen in je einem Krankenbau ... untergebracht ... Zur weiteren Bearbeitung ist nunmehr eine sofortige Ueberweisung an das KZ Natzweiler erforderlich, was mit Rücksicht auf die Seuchengefahr in Auschwitz beschleunigt durchgeführt werden müsste. Ein namentliches Verzeichnis der ausgesuchten Personen ist beigefügt. „Es wird gebeten, die entsprechenden Anweisungen zu erteilen... „Gleichzeihig müsste dafür Sorge getragen werden, für die 30 Frauen kurzfristig im MKL Natzweiler Unterbringungs _ Möglichkeiten zu schaffen”. —• . Abschriften dieses im Original an Eichmann gegangenen Schreibens erhielt der darin genannte Dr. Beger und die beiden SS-Mörder. ärzte Prof. Hirih und Dr. Brandt. — Eichmann hat mit anderen Henkersknechten über den „Aufbau einer Skelettsammlung” gesprochen. Eichmann ieferte das .Material’, über das er in seinem Machtbereich in überaus grossem Masse verfügte. Bevor er die Juden auf allen möglichen Wegen ermordete, liess er sie also für seine oder des Führers Skelettsammlung präparieren. Auch hierfür gaben sich deutsche Aerzte her, bereitwillig, mit wissenschaftlichem Eifer und mit bürokratischer Gründlichkeit. Der besagte Sievers bittet um Unterbringungsmöglichkeiten für die unglücklichen 30 Frauen, die man ausgesucht hatte, vergisst jedoch -licht hinzuzulügen, dass diese Unterbringungsmöglichkeiten nur vorübergehende zu sein brauchten. Feine Leute, diese Nazis, und feine Leute alle diejenigen, die sich für die „Befreiung” Eichmanns heule noch einzusetzen wagen. So, wie es heute Rockwell treibt, hat es em.mal an gefangen. Intellektuelle Mitschuldige wie Werner Krauss hat man inzwischen trotz ihrer Verbrechen wieder zu Ehren kommen lassen, — la Semana Israelita Bisemanano: aparace •os Martes j Viernes Editado por Estrellas Editorial Ltda Verantwortlich: Dr. H. Swarsesaky Pueyrredón 2190 U oq T £ 83 2Ü13 A Dono-Preise Argentinien. 6 60,— pro Quartal und intellektuell« Mitschuld begründet sicherlich e a grösseres Verbrechen als die Mordtaten roher Henkersknechte. Aber die ewig gestrigen „Treuen” singen schon wieder öder noch immer ihre Lieder. Wie es endete, zeigt das Dokument über den „Aufbau einer Skelettsammlung” zu der Rockwell auch seinen Peitrag liefern möchte. Es dürfte an der Zeit sein, auf alle diese Lekadenzerschcinungen mit der nötigen Klarheit und der erfordern, chen Schärfe zu reagieren. Dr. J B.Sehwarcz j ZAHNARZT | ESTOMBA 2283 — 52-8214: RAYOS X * PAR/DENTOSE I TELEF. I VORANMELDUNG f NERVENu. GEMUETS-I KRANKHEITEN 4 Dr. M. J. Kuhn f BULNES 193C, pl. b., 1? | T. E. 80-0248 J Mont., Mittwoch, Freitag | 17—20 Uhr. Tel. Anmel-1 düng erbeten. f ESTUDIO JU RIDIC O Dr. Isidoro Kraut - Dr. Oscar Rabee ABOGADOS Ehescheidungen . Erbschaftssachen - Konkurse und Vergleiche - Verträge - Inkasso . etc. Neue Adresse: TE. 35-0796 MONTEVIDEO 451 35-0901 piso 5, ofic. 53/54 35-0823 Dr. PEDRO HABERFELD PRAKTISCHER ARZT Arzt am Instituto de Investigaciones Médicas der Universität Buenos Aires hat seine Praxis eröffnet. Ordination: Montag bis Freitag von 15 bis 18 Uhr DELGADO 1324, Höhe ElCano 3500, T. 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