Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1801 (5.8.1960)
- Date
- 1960-08-05
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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PUEYRREDON y 2190 — I? isq. Año XXI. Ix Jkmj&njtx j&ukjeliía T. E. 832619 BUENOS AIRES. VIERNES 5 DE AGOSTO DE 1960 No. 1801 argentinischen aiaaies begangenen Akt verursacht worden ist.“ Die Abgabe dieser Erklärung wurde am Mittwoch Abend vom stellvertretenden Unter Staatssekretär des Aeussern, Dr. Angel M. Centeno, angekündigt, der die Vertreter der Presse in seinem Büro empfing und ihnen den Text vorlas. Auf Fragen bestätigte Dr. Centeno, dass mit diesem Communiqué ,die Frage endgültig gelöst sei und keine weiteren offiziellen Dokumente hierüber vorliegen. Dr. Centeno verwies im weiteren darauf, dass die angemessene Wiedergutmachung, auf die sich die Resolution des Sicherheitsrats bezog und die Argentinien Genugtuung geben sollte, durch die folgenden drei Elemente geleistet worden sei: Erstens die Rückberufung des argentinischen Botschafters aus Tel Aviv, zweitens die Erklärung des Botschafters von Israel zur persona non grata und drittens die ausdrückliche, in der verlesenen Erklärung enthaltene Anerkennung Israels, es sei sich bewusst, das: die durch seine Bürger begangene Tat „ einen Verstoss gegen die fundamentalen Rechte des argentinischen Staates darstellt“. Er fügte hinzu, es sei kein Besuch einer hochgestellten Persönlichkeit aus Israel mehr vorgesehen. Ueber das Schicksal Eichmanns befragt, äusserte Dr. Centeno, dieses liege im Ermessen les Staates Israel und der internationalen öffentlichen Meinung. KOMMENTARE .Jerusalem. — Die gemeinsame Erklärung Israels und Argentiniens über die erfolgte Beilegung des Kon- WIE ICH ES SEHE M Gegen Gefahren einschreiten von JEHUDA GOTTHEIMER Mit einer Erklärung, die gleichzeitig vom argentinischen und israelischen Aussenministerium bekannt gegeben wurde, haben beide Regierungen festgestellt, dass der durch die auf argentinischem Territorium erfolgte Festnahme des ehemaligen Obersturmbannführers Adolf Eichmann entstandene Konflikt beigelegt worden ist. Die Erklärung hat folgenden Wortlaut: „Die Regierungen von Argentinien und Israel beschliessen in dem Wunsch, der Resolution des Sicherheitsrats vom 23. Juni 1960 nachzukommen, in dem die Hoffnung ausgesprochen wird, die traditionell freundschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern zu verbessern, den Konflikt als beigelegt zu betrachten, der durch den von israelischen Bürgern in Verstoss gegen fundamentale Rechte des I. Fanatischer Nazi George Lincoln Rockwell ist ein fanatischer Nazi. Sein Programm ist einfach wie das aller Faschisten, die für sich alles, für andere nur den Tod übrig haben. Rockwell will: „Amerika für die Weissen, Afrika für die Schwarzen und die Gaskammern für die Juden”. — So jedenfalls stellt sich Rock, well die Verteilung der Welt vor, wobei es natürlich entscheidend sein dürfte, dass er die entsprechenden Dispositionen vornehmen kann. Die Weissen will er gnädigst in Amerika lassen, auch nicht alle, denn die Juden mag er nicht, für diese weiss er keine andere Lösung als den Tod. Fürwahr, es ist eine Ungeheuerlichkeit, dass derartige „Programme” nach der Ermordung von sechs Millionen Juden durch die Nazis noch aufgestellt werden dürfen, r». Rockwell ist der .Führer’ der American Nazi Party, die — wenn man den Berichten Glauben schenken kann, etwa 30 Mitglieder zählen würde. Die Mitglieder der Partei sollen SS- Uniformen tragen. Die wesentliche Tätigkeit der Partei besteht in Propaganda, die nur mit dem „Stürmer” verglichen werden kann. George Lincoln Rockwell behauptet, ein Mitglied seiner Partei sei derjenige, der „ein unwiderrufliches Gelübde abgelegt hat, entweder zu siegen oder zu sterben”. .. Rockwell ist weder der einzige Antisemit noch der einzige Nazi in Nordamerika. Rockwell ist auch ein Parteigänger Eichmanns, dem er nacheifern möchte. Er fühlte sich wie manche Gleichgesinnte durch den argentinischen Protest gegen Israel ermuntert, denn er glaubte, es würde sich um einen Schritt gegen die Juden handeln, weil er den In. halt der argentinischen Note r ieht verstand, di« sich nur gegen die Verletzung der Hoheitsrechte wandte. Er w/e andere meinten, sie könnten aus diesem Disput pr ol hier en. W ahr scheinli ch haben sie die Worte nicht zur Kenntnis genommen, mit denen der argentinische Innenminister vor wenigen Tagen seine tiefen und aufrechten Sympathien für die Juden zum Ausdruck gebracht und gleichzeitig auch ■ die Verbundenheit Argentiniens mit Israel unterstrichen hat. Damit dürften viele Hoffnungen der Nazis und Antisemiten zerschellt sein. Es wäre nur zu wünschen, wenn der Innenminister, der hierfür sogar zuständig ist, sich dieser subversiven, nazistischen Kreise ein wenig annehmen würde, damit sie endgültig verschwinden. An der Rockwell-Geschichte bleibt erstaunlich, dass ein Hetzer dieses Formats ungestraft sein Handwerk treiben kann. Leider ist es eine müssige Frage, ob man solchen 'Leuten wie Rockwell Beachtung schenken solle oder nicht. Manche Amerikaner lächeln über die grösseren und kleineren Rockwells. Manche ergehen sich in Prophezeiungen, wie man jüngst lesen konnte: „dass ihnen (gemeint die Rockwell.Anhänger es hier im Lande nicht gelingen werde zu siegen...” Diese Melodie haben wir schon einmal gehört, die langweilige, aber verlockende Melodie des „Bei uns ist das nicht möglich”. Leider war es möglich, und leider gerade bei uns im Lande..i Die Bedeutung der antisemitischen Hetzer ist doch flikts zwischen beiden Ländern im Fall Eichmann, wird hier als glückliche und befriedigende Beendigung eines - lglücLlichen Zwischenfalls angesehen. Die diplomatischen Beobachter heben hervor, dass das kurze Communiqué, mit dem die Beilegung des Disputs angekündigt wird, sich nicht weiter darüber ausspricht, welche der Parteien im Recht oder Unrecht war. Das fragliche Communiqué, das einen einzigen Satz mit 72 V orten enthält, schafft den Disput endgültig aus der Welt, so stellen'diese Beobachter fest. Eichmann wird nich* einmal namentlich erwähnt, obwohl seinetwegen der Konflikt entstanden ist und der Streit um ihn den Anlass zur vorübergehenden Trübung der diplomatischen Beziehungen gab und dazu führte, dass Argentinien an den Sicherheitsrat appellierte und den israelischen Botschafter in Buenos Aires Dr. Arie LevavT, zur persona non grata erklärte. Die Beobachter sind der Meinung, die Ausweisung dieses Diplomatin sei das wesentliche Element gewesen, das zur Lösung beitrug, weil es nach ihrer Auffassung die „angemessene Wiedergutmachung“ für die Verletzung der argentinischen Hoheitsrechte bedeutete. t s ISRAELISCHE PRESSESTIMMEN Tel Aviv. — Die linksstehende Tageszeitung „Al Hamischmar” schreibt über Argentiniens Bereitwilligkeit, zu einer Lösung des Konflikts wegen Eichmann zu gelangen, dass die Juden in der ganzen Welt die Beilegung des Disputs mit Genugtuung begrüssen werden. Das Blatt bemerkt, der Streit (Fortsetzung auf Seite 3) nicht allein von ihrem lokalen Wirkungsfeld abhängig. Vielleicht sind sie in den USA wirklich unwichtig, aber auch dort haben sie schon deswegen einen gewissen Einfluss, weil sie die Oeffentlichkeit beschäftigen. Wenn die Rockwells lächerlich wären, warum widmet man dieser Nazipartei lange Artikel auf der ersten Seite? Man soll sich nichts vormachen. Diese wie andere antisemitischen Bewegungen und Gruppen mögen jede für sich lächerlich und uninteressant sein, zusammen ist ihnen durch den disharmonischen Lärm, den sie verursachen, Beachtung zu schenken. Im übrigen ermuntern sich dia Gruppen untereinander, sprechen sich Mut zu und wirken durch das ausgelöste Echo, durch das selbst eine schwache Kinderstimme mitunter zum Getöse anschwellen kann. Ein Rockwell bietet keine Gefahr, aber wenn verschiedene Hetzer aus allen möglichen Ländern auftauchen, dann wird hierdurch ihr Ein Diktator wird nervös London. — Bisher sind die Anstrengungen erfolglos geblieben, die der Präsident der VAR, Nasser, unternommen l»t, um die übrigen arabischen Staaten dazu zu überreden, ihre Beziehungen mit Iran abzubrechen, um ihr Missvergnügen mit der kürzlichen Erklärung des Schahs zu bekunden, der Israel ausdrücklch anerkannt hat. Die aus mehreren arabischen Ländern eingetroffenen Nachrichten besagen, dass die verschiedenen Regierungen zögern, irgendetwas gegen Iran zu unternehmen. In dem Wunsch, bei seinem extremen Vorgehen gegen Iran nicht isoliert zu bleiben, hat Nasser seine Botschafter in allen arabischen Ländern nach Kairo berufen, um den Fall mit ihnen zu diskutieren. Zur gleichen Zeit hat der ägyptische Aussenminister dem iranischen Botschafter in Kairo nahegelegt seine Abreise zu beschleunigen. (ITA) Abundancia de Leche en Israel Jerusalem. — El ministerio israelí de agricultura planea —en un esfuerzo de eliminar los excedentes de la leche— de suprimir a iodos los tambos en las zonas urbanas y reducir la producción lechera en las áreas rurales. Moshe Dayan. ministro de agricultura, declaró en la knesset que la producción urbana de leche importa actualmente 13.000.000 litros anualmente. Añadió que el proyecto preve la reducción de la producción rural en 10 millones de litros. Advirtió que el incremento natural del ganado vacuno en Israel aumentaría al doble la cantidad de leche en 5 años, a menos que se tomasen medidas restrictivas. Durante el debate en la kr.eset dijo el ministro que el problema básico era la asignación y distribución de las cuotas entre "las antiguas y las nuevas colonias". Dijo que la agricultura era mucho menos rtndidora que en lo pasado debido a la creciente competencia de las nuevas colonias y por los precios en baja. Indicó que la competencia se volvería cada vez más seria, cuando las colonias jóvenes, que suministran cesi el 50 por ciento de los productos agrícolas del país, alcanzarían su producción plena. SCHLOMO S. TANGER Ueberfluss an Milch in Israel Jerusalem. — Im Bemühen, den Ueberfluss an Milch zu beheben, plant der israelische Ackerbauminister, sämtliche Milchwirtschaften in städtischen Zonen zu schliessen und die Milchproduktion in ländlichen Bezirken zu verringern. Mosche Dajan erklärte in der Knesset, dass die städtische Milchproduktion sich heute auf 13 Millionen Liter im Jahr beläuft. Er fügte hinzu, das Projekt sähe die Herabsetzung der ländlichen Erzeugung um 10 Millionen Liter vor. Er berichtete, die natürliche Zunahme des Rindviehs in Israel würde die Milchmenge in 5 Jahren verdoppeln, falls keine beschränkenden Massnahmen getroffen würden. In der Knesset-Debatte äusserte der Minister, das Grundproblem stelle die Verteilung der Quoten zwischen den „alten und neuen Kolonien” dar. Die Landwirtschaft sei heute weit weniger ertragreich als früher, wegen der zunehmenden Konkurrenz der neuen Kolonien und der sinkenden Preise. Er sagte voraus, dass die Konkurrenz immer stärker werden würde, wenn die jungen Kolonien, die fast 50 Prozent der landwirtschaftlichen Produkte des 'Landes stellen, ihre volle Produktion erreicht haben werden. SCHLOMO S. TANGER Propagandawert und ihre Wirkung erhöht. Erstaunlich bleibt ferner, dass die amerikanischen Behörden nicht eingreifen. Di« Demokratie ist sehr grosszii. gig, allerdings nur mit ihren Todfeinden. Wie lange wollen die Nordamerikaner noch Zusehen, dass die Rockwells die demokratischen Institutionen verhöhnen und in den Augen der Oeffentlichkeit herabwürdigen, dass sie amerikanische Bürger angreifen, die sie herp.uswerfen oder gar ermorden wollen? Warum wird gegen solche Elemente nicht eingeschritten? Wir Juden sollten uns nicht damit abfinden, dass es noch wenige sind, die derartige Parolen ausgeben. Morgen können es mehr sein. Es handelt sich durchaus nicht nur um eine „inneramerikanische” Frage, in die niemand von aussen hineinreden könnte oder dürfte. Ein einflussreicher Rockwell in den USA wäre sehr wohl eine Bedrohung für alle Juden in der Welt, nicht nur für die nordamerikanischen, die offensichtlich auch heute noch auf dem Standpunkt stehen, „so etwas kann bei uns nicht passieren!” Und wenn man ihnen entgegenhält, aus welchen Gründen eine derartige Hetzpropaganda heute selbst und doch auch bei ihnen vorkommt, dann zucken sie die Achseln und gehen zum nächsten Punkt über. So ungefähr haben auch einmal die deutschen Juden auf warnende Stimmen reagiert. „Innerjüdische” Situationen, die nur für eine bestimmte Judenheit existieren, gibt es nicht. Die jüdische Frage ist nicht deswegen eine interna, tionale, weil die Juden es so wollen oder weil sie international sind, sondern weil es Antisemiten überall gibt, die aus der sogen. Judenfrage ein Weltproblem machen. Wenn auch George Lincoln Rockwell heute nicht V sonderlich emsigen ommen zu werden braucht, muss man doch auch dieser Splittergruppe volle Aufmerksamkeit schenken. II. Ein peinliches Nachspiel Kurz vor seinem Tod hat der bekannte Schauspieler Werner Krauss seine Memoiren geschrieben. Krauss nennt sein Buch „Das Schauspiel meines Lebens”, er hätte wohl besser daran getan, entweder ganz zu schweigen oder aber seinem Buch den Titel „Das Trauerspiel eines schändlichen Verrats” zu geben. Dass Krauss ein grosser Schauspieler gewesen ist, hat wohl niemand bestritten. Dies aber ist auch alles, was über ihn gesagt werden kann. Als die Stunde der Bewährung an ihn herantrat, versagte er schmählich. Seine Haltung wirkte peinlich. Krauss hatte es nicht no. tig, sich zum Handlanger der Hitlerschen Verbrechen ma- (Schluss auf Seite 21 \ I Ludwig Zind festgenommen Bonn. — Die deutschen Behörden beantragten die Auslieferung des Nazi- Studienrats Ludwig Zind, der der Verhaftung entging, nachdem er 1958 in Offenbach wegen Antisemitismus verurteilt worden war. Seither hat Zind erfolgreich mit der Bundespolizei „Katze und Maus” gespielt. Jetzt wurde er in Neapel festgenommen, als er ein Schiff nach Tripoli besteigen wollte. Die Festnahme durch die italienische Polizei geschah auf Ersuchen der deutschen Polizeibehörden. (ITA)