Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1799 (29.6.1960)
- Date
- 1960-06-29
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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fïeiMt, 29 de Julio de 1960 LA S E M A H A ISRAELITA Año XXI. — No. 1799 Max Wiener zum Gedenken Vor etwas über zehn Jahren starb zu New York, 66 Jahre alt, einer der wenigen Religionsphilosophen von wirklich bedeutendem Formal in jener Rabbinergeneration. der einstige Rabbiner der Gemeinde Stettin und Berlin, Dr. Max Wiener. Seine geistige Bedeutung ist zu Lebzeiten in ihrem vollen Umfange nur einer relativ kleinen Kreise bekannt gewesen. Diesen ausserordentlichen Lehrer und Forscher anlässlich seiner 10. Jahrjteit zu ehren, sollte eine Verpflichtung der jüdischen Gesamtheit, insbesondere der zentraleuropäischen Juden sein. Max Wiener stammt aus Oppeln und studierte in Berlin an der Universität und der „Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums“. Einer seiner Lehrer und nachmaligen Kollegen als Dozent, Prof. Ismar Elbagen, wies einmal in späteren Jahren darauf hin, wie der Student Wiener zu den fleissigsten und interessiertesten Hörern gezählt habe. Kurze Zeit ist er 2. Rabbiner in Düsseldorf gewesen, dann vierzehn Jahre lang Gemeinderabbiner in Stettin, bis ihn im Jahre 1926 die Berliner Gemeinde berief. Gleichzeitig übernahm ec einen Lehrstuhl an der erwähnten liberalen Rabbinerhoch schule. Nunmehr stand er als Dozent neben Männern wie Julius Cutmann und Leo Baeck. mit denen ihn Freundschaft Literatur-Preis Rio de Janeiro. — Die brasilianische Akademie fäir Literatur verlieh ihren jährlichen Preis für das be- Sffce Reisebuch an Prof. Dante Costa für sein Werk JIsrael - - ein Land voller Leben”. Prof. Costa schrieb »einen Bericht im vergange. nen Jahr nach einem Besuch m Israel. UTA) fürs Leben verband. Anfang 11939 siedelte er nach USA über, ohne jedoch festen Fass fassen zu können. Er leitete vorübergehend eine konservative Mittelgemeinde im Staate Virginia, lehre einige Jahre am „Hebrew Union College“ in Cincinnati und verbrachte die letzten Jahre in New York, wo er in der Gemeinde „Habonim“ Vorträge hielt und sich als Vorsitzender der „Theodor Herzl Society“, der Gruppe deutscher Zionisten, erfolgreich betätigte. Leider lebte er, trotz vielseitiger wissenschaftlicher Betätigung, nicht ganz sorgenfrei, und es bleibt daher umso tiefer zu bedauern, dass er das Erscheinen seiner Schriften über „Abraham Geiger“ und „Jehuda Hafcvy” nicht mehr sehen durfte. Die besondere Liebe Max Wieners galt seinen intensiven Studien über den jüdischen Prophetismus; er hatte das Verdienst, im Gegensatz zu dem früher oftmals allzusehr überbetonten Universalismus der Propheten, immer darauf faingewiesen zu haben, dass die israelitisch-jüdischen Propheten weder die Bedeutung des jüdischen Volkes für die Weltgeschichte noch die des jüdischen Ritual- oder Zeremonialgesetzes jemals verkannt haben. Es lag kn Wesen Max Wieners ein tiefer Zug zium Konservativismus und Traditionellen hin begründet, eine, für einen liberalen Rabbiner, ausserordentlich starke Hinneigung zu religiösem Brauchtum und den Formen des überlieferten Judentums. So beachtete er die Sabbatvorschriften fast ganz wie ein Rabbiner konservativer Richtung und besuchte, wenn er frei von Amtspflichten war, an Sabbaten und Festen mit Vorliebe orthodoxe Gottesdienste. So stark er als Prediger zu wirken vermochte, so sah er in dieser Funktion nicht den letzten Sinn seiner Tä¬ Restaurant »Paso ' ntprs Paso 452 (al fomlo) — T. E. 87-925$; Unter Aufsicht des Vaad Harabonim der Kehilla MITTAGS, und ABENDTISCH Anrichten von kleinen Festlichkeiten und Banketten i DAUNENDECKEN -Gardinen! IMPORT. CHINTZ and VOILE i BENNO DE LEVIE S R.L. J T £. 79-41 SS I NUflt ECHEVERRIA 224¿l ¡ELEGANTE PELZE TEITELBAUM Hnos. > »Détailu. Engrosverkauf — Modelle — Mass- \ »anfertigung - Modernisierung - Aufbewahrung! |J. A. Cabrera 3090 82-7540 — 84-02451 Sonnabend geschlossen unrirj»»« mwww w« E ROSENZWEIG! BAILOR HENRY Tucumón 563. piso 1 j Neues Telefon: 32.0913 i t » k Grösste Auswahl in Lmp, und hiesigen Stoffe« J r*““ —-— -....- tigkeit, obgleich er versuchte, die Zuhörer auf sein hohes geistiges Niveau zu erheben. Viel Wertvolleres gab er als D <zent den Studierenden, so im „Jüdischen Lehrhaus', .denen, die mehr als die Erbauung durch eine Predigt, eine Bereicherung ihres Wissens anstrebten. So ist Max Wiener nie „populär“ gewesen im landläufigen Sinne des Wortes, nie vermochte er in Kasualien aufzugehen; immer war es der grosse Gedanke im Judentum, das forschen und Ringen mit den rel glösen Problemen, die ihn in Anspruch nahmen, und dies war auch der Grund dafür, ■dass ei sich in der Riescngemeinde Berlin nur langsam durchsetzen konnte. Sein bedeutsamstes Werk erschienen im Jahre 1933, ist „Jüdische Religion im Zeitalter der Emanzipation“ Hier wird der grossartige Versuch unternommen, die für jene Epoche charakteristischen Persönlichkeiten und geistigen Geschehnisse, die sich seit Moses Mendelssohn wandelnde Haltung des westeuropäischen Judentums zur überkommenen Lehre und gleichzeitig den , inneren Wandlungsprozess j der Religion selbst ausführ- | lieh darzustellen. Hier ist i auf sehr hohem Niveau versucht worden, einen neuen Zugang zum 19. Jahrhundert des westlichen Judentums und den Einflüssen von aussen zu finden. Ein anderes wichtiges Buch Wieners ist das über „Die Anschauungen der Propheten von der Sittlichkeit“- Auch seine vielen Aufsätze in wissenschaftlichen Zeitschriften müssen erwähnt werden, ebenso wie sein Anteil an der neuen Bibelübersetzung von Prof. Torcyner, in der er mit den Propheienbüchern Jeschajahu und Jecheskel vertreten ist. Max Wiener war ein kritischer Geist; das volle Ausmass seiner Grösse als Religionsphilosoph dürften nur wenige seiner Berufskollegen gekannt haben. Nicht sehr konziliant in seinem Wesen, kamen die Menschen nur selten ganz an ihn heran. Er pflegte sich oft zu verschliessen, und es ist begreiflich, dass ihm das jüdische Leben in Amerika in seinen äusseren Formen nicht zusagte und er ihm fremd blieb. Ein ihm nahestehender Mensch nannte ihn einen „Geistestitanen“. Sicher ist, dass sein literarisches Werk sehr grosse Anforderungen an seine Leser stellt. Vielleicht wird eine spätere Zeit ihm volle Gerechtigkeit widerfahren lassen; möglicherweise betrachtet das ,Leo Baeck.Institut“ dies als eine seiner Aufgaben, nachdem — Unbegreiflicherweise — das hervorragende Buch von Hermann Levin Goldschmidt „Das Vermächtnis des deutschen Judentums“ diesen grossen Rabbiner und Forscher nicht erwähnt. Sein 16. Todestag möge dazu beitragen, die Erinnerung an Max Wiener zu erneuern. _Curt Wilk SUCHE Ehepartner in sehr guten finanziellen Verhältnissen für attraktive Witwe mit drei Kindern, 39 Jahre alt, nicht unbemittelt, kultiviert, intelligent, jüdischliberal, Wohnsitz Santiago. Anschriften an Francisco Contreras 6496 Santiago de Chile. Der wilde Süden Zum ersten Mal in meinem Leben sland ich um halb vier Uhr morgens auf. Im Grunde war es ganz einfach, denn wir lagen alle auf hartem Felsen am Fuss des Massada und hatten den grösster. Teil der Nacht damit verbracht, Hitze, Moskitos und jenen Durst, unter dem mr am Toten Meer leidet, zu bekämpfen. Ich erhob mich wie ein wackerer Soldat, rasierte mich halb erfojgreic.u und labte mich an einer Tasse heissem Kaffee, den ich aus einer gestern geleerten Gurkenbüchse trank. Ueber uns war undeutlich der Berg zu sehen, den wir erklettern wollten, und unter uns glänzte das Meer. ~ Der Weg war anfänglich leicht gangbar, dann schlängelte er sich zur Spitze in engen Windungen und endete an einer vertikalen Treppe, deren Stufen aus den Felsen ausgehauen waren. Noch eine kräftige Anstrengung, und der flache Gipfel war erreich'. DER PALAST VON HERODES Als die Sonne aufstieg, dehnte sich ein breites Licht über das Meer unten aus. Die Strahlen verweilten über -der bröckeligen römischen Mauer, die sich an dem Berge entlang zog. breiteten sich dann über die Abhänge aus und überfluteten den Gipfel mit Licht und Hitze. Wir schaut„n auf diese natürliche Festung, wo vor 2.000 Jahren Wasser aufgespeichert, der Boden gepflügt wurde und wo Hunderte von Menschen gelebt hatten. Ueber dem nördlichen Teil erblickte man die Ueberreste vom Palast des Herodes, geheimnisvoll über dem glatten Felsen hängend, der als Zufluchtsstätte gedacht, aber niemals benutzt worden von E. CHIGIER Wir kletterten eine grosse Anzahl Stufen hinunter, bi.-: wir in eine grosse Höhle kamen, die einst zur Aufspeicherung von Wasser diente, doch wir konnten keine Antwort auf die Frage finden, wie das Wasser geschöpft wurde. Rur.d tcrum war es so öde und trocken, es herrschte solch ein Vegetationsmangel, dass wir Lieder anstimmiren „von dem Lande, in dem Milch und Honig fliesst“, um uns daran zu erinnern, dass es grüne Flächen und fruchtbaren Boden in dem kleinen Land gab. Denn dies war der letzte Vorposten, der als Koloss in den stolzen Himmel ragte. Die Sonne stand jetzt hoch am Himmel und brannte unbarmherzig auf uns herab. Wir gingen vorsichtig den Pfad herunter und wanderten 4 km rund um die Schrecken einflössende Felsspitze, bis wir die ersehnten Wassertonnen beim Gasthaus am Fuss des Berges erreichten. Ich ging in den Schatten, leerte drei Flaschen Limonade, schrieb eine Postkarte — und dann war es Zeit, wieder auf die W'agen zu klettern. EIN GEDI Wir fuhren durch Staub-; wölken und grosse Hitze i über einen rauhen steinigen Weg. Die Strasse zog si.h an den Ufern des Toten Meeres entlang, das von einem überfüllten Lastwagen aus gesehen verräterisch anzie-! hend aussah. Dann setzten j wir den Weg fort durch die! rauhe, unebene Landschaft, 1 bis wir ganz in grauen | Staub gehüllt waren. Plötz- | lieh wechselte die Landj Schaft ihre Farbe, und unser Auge erblickte saftiges Grün. Das waren die Felder j von Ein Gedi, Tomaten reif- . ten in der Sonne, Maisstauden neigten stolz ihre blül henden Köpfe, Wasser floss über die Felder. Noch eini. ge Minuten, und der Wagen hielt einem Tal gegenüber. Wir'zogen Schwimmanzüge an, erkletterten einige Felsen une; sahen Wasser von der Klipp, herunter;n einen nat röchen Bach iliessen. Kühles klares Was. ser, um Staub und Schmutz abzuwaschen, Trinkwasser, Wasser für die Felder, Wasser zur Erfrischung und Belebung. Hier gab es ständig Wasser, es .¿am aus den Felsblöcken nd lief über in einen Strom, der sich durch ein Tal von Schilfrohr und grünen Büscher ergoss. Nachts lag ich auf meinem Schlafsack, löffelte Grapefruitsaft, beobachtete die Lagerfeuer, die ihre riesigen Schatten auf die turmhohen roten Felsen warfen. Vom Teich kamen die Klänge einer Gitarre, und die Stimmen der Kibbuzmitglieder ertönten in weichem Gesang. Amerika hat seinen wilden Westen, Israel den wilden Süden. Wie Amerika besitzt es Wüste, Staub und einsame Schönheit. Auch hier sind Wasserflasche und Gewehr stänoige Begleiter, denn Durst und Feind sind niemals weit voneinander entfernt. Die Sonne brennt j am Tage, die Moskitos ste- , chen in der Nacht. Auch hier in den rauhen Hügeln ist Heroismus vorhanden. Aber nirgends in Wildwest, nicht in den Geschichten von Zane Grey und nicht in den Kinos von Hollywood führt ein steiniger Pfad in den Kibbuz Ein Gedi. IHR INSERAT in der JUEDISCHEN WOCHENSCHAU bringt immer Erfolg Auskunft T. E. 83-2613 KEREN KAYEMETh DIE BRUECKE ZWISCHEN UNS UND ISRAEL' IST DIE BLAUE BUECHSE DES KKL