Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1799 (29.6.1960)
- Date
- 1960-06-29
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/9616703-9611224-9611718--0597-9611719- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
PUEYRREDON 2190 — 1’ i*q- JÛxJkiMjCiHÀJ&lJGüeli&CL Año XXI. BUENOS AIRES. VIERNES 29 DE JULIO DE 1960 No. 1799 Bemühungen um eine Lösung AUDIENZ BEI Dr. FRONDIZI ABREISE Dr. LEVAVIS Am vergangenen Dienstag um 10 Uhr 20 verliess der israelische Botschafter Dr. Arie Levavi mit einem Flugzeug der Air France Argentinien. In seiner Begleitung befanden sich seine Gattin und seine Töchter. Dr. Levavi begab sich nach Paris, um von dort die Reise nach Israel fortzusetzen. Dem argentinischen Aussenministerium nahestehende Persönlichkeiten äusserten, „mit der Abreise des israelischen Botschafters könne die Episode zwischen Israel und Argentinien über den Fall Eichmann praktisch als beendet betrachtet werden.” Die gleichen Gewährsleute teilten mit, dass der juristische Berater des israelischen Aussenministeriums, Dr. Schabsai Rosenne mit dem juristischen Berater des argentinischen Aussenministeriums, Dr. Pablo Pardo, verhandelt habe und bei dieser Gelegenheit die Grundlagen für eine Rege- Für den gestrigen Spätnachmittag war eine Audienz des zur Zeit in Argentinien weilenden juristischen Beraters des israelischen Aussenministeriums Dr. Schabtai Rosenne beim Präsidenten der Republik vorgesehen. lung dieses Streites fest gelegt worden seien. ERKLAERUNG GOLDA MEIRS Tel Aviv. — „Jetzt ist es an Argentinien, den ersten Schritt zu tun, um die freundschaftlichen Beziehungen mit Israel wieder aufzunehmen”, erklärte Israels Aussenminister Golda Meir in der Tageszeitung „Maariw”, nach Bekanntgabe des Beschlusses der argentinischen Regierung, welche den Botschafter Israels als per- Bei dieser Gelegenheit sollte die Frage der Souveränitäls . Verletzung durch Israel noch einmal zur Sprache kommen. Bei Redaktionsschluss lag noch keine Information über das Ergebnis dieser Besprechung vor. sona non grata erklärte. Die Erklärung Golda Meirs schliesst mit der optimistischen Erwartung, dass „die Zeit die Lösung der gegenwärtigen Schwierigkeiten gestatten werde.” VORWUERFE IN ISRAEL Jerusalem. — Die israelischen Minister warfen dem Aussenministerium einen gewissen „Mangel an Initiative” in den Beziehungen mit Argentinien während des1 Disputs um Eichmann vor. „Jerusalem Post” beruft sich WIE ICH ES SEHE i Nicht immer Böswilligkeit von JEHUDA GOTTHEIMER Im Verlauf der Affäre Eichmann wurde es wieder einmal deutlich, dass Unwissenheit zu den grössten Feinden des menschlichen Fortschritts, aber auch des Friedens gehört. Eigentlich braucht diese These keines langen Beweises. Die Beispiele sind so zahlreich, dass ihre Aufzählung unmöglich ist. Jeder wird einsehen, welche immensen Schäden durch Unwissenheit angerichtet werden. Krankheiten und Unfälle sind zu einem wesentlichen Teil darauf zurückzuführen, dass eine unübersehbare Anzahl von Menschen einfach nicht richtig zu leben oder sich richtig zu verhalten weiss. Die präventive Medizin, um hierbei zu bleiben, beschäftigt sich in der Hauptsache mit der Aufklärung der Be- Reaktion Nassers London. — Der Präsident der VAR Nasser reagierte auf die Anerkennung Israels durch Iran mit der Zuriickrufung seines Botschafters zur Berichterstattung nach Kairo. Vertreter der Arabischen Liga in Kairo berieten über den Abbruch diplomatischer Beziehungen mit Iran, das ein mohammedanisches, doch kein arabisches Land ist. Der Abbruch der Beziehungen ist beschlossen worden. Die kairoer Presse beschuldigt Schah Pachlevl von Persien, Israel voll anerkannt zu haben, um eine grössere Hilfe von den Westmächten zu erhalten. (ITA) völkerung, um deren Nichtwissen um die einfachsten Dinge zu beseitigen und damit dem Fortschritt zu dienen. - Was für die Gebiete der Hygiene und Gesundheit gilt, kann auch für alle anderen ’Lebensfragen behauptet und bewiesen werden, für Irrlehren und Aberglauben, für Wirtschaft und Recht, und auch für alle politischen Meinungen, Erkenntnisse un 1 Schlussfolgerungen. Die Bekämpfung des Aberglaubens in allen seinen Formen, des Vorurteils und der Voreingenommenheit, die wiederum mit einer auf Unwissen beruhenden, unheimlichen Angst verbunden ist, stellt eine der schwersten und wuchtigsten erzieherischen Fragen unserer Zeit dar, die von den fortgeschrittenen Regierungen und den zentralen Körperschaften der Vereinten Nationen in ihrer vollen Tragweite erkannt worden sind. Wir alle haben beobachten können, dass im Zuge der Verhaftung des Kriegsverbrechers Adoli Eichmann die merkwürdigsten Vorstellungen auftauchten, die beinahe ausschliesslich darauf zurückgeführt werden müssen, dass die grosse Mehrheit selbst der gutmeinenden Bürger der verschiedenen Länder das Problem nicht kennen und von den Ereignissen einer doch noch nicht lange versunkenen Vergangenheit so gut wie garnichts wissen. Den meisten war noch nicht einmal der Namen dieses Ungeheuers geläufig, der vor weniger als zwei Jahrzehnten Leiden, Schrecken, Untergang und Tod für Millionen Menschen bedeutet hat. Die grosse Majorität hat einfach nichts davon gewusst, wie sie nicht ahnte, dass hunderte grosse und kleine „Eichmanns” sich versteckt halten, mit Hilfe von gefälschten Dokumenten illegal leben und es verstanden hatten, sich der Justiz zu entziehen. Bis heute haben viele garnicht begriffen, dass der Kampf um einen Massenmörder, dessen Untaten nicht gekannt werden, ein ungewöhnliches Schwäche- Zeichen für die demokratische Welt bedeutet, die in ihrer eigenen Mitte eine Differenz austrägt, die in ihren Konsequenzen durchaus nicht allein zwei Länder als die unmittelbar Beteiligten berührt, sondern einen überflüssigen Misston in der gesamten Familie des Westens geschaffen hat. Niemand wird den Bruch der Souverränität eines Landes verteidigen wollen, besonders dann nicht, wenn er zwischen befreundeten Nationen erfolgt. Aber es gibt wohl im Leben eines Volkes auch Rechte und Werte, die dem der Souveränität überzuordnen sind. Gerechtigkeit ist ein solches Recht, eine solche moralische Kraft, der sich andere, wohl fundierte und allgemeine Berechtigungen zu beugen haben. Nicht immer oarf und kann derjenige, dem ein Recht zusteht, auf diesem Recht blindlings verharren, da mitunter die Gefahr besteht, dass auf diese Weise aus einem Recht Unrecht wird. Der sozusagen klassische Fall ist Shylock, der auf seinem Recht verharrte, obwohl er durch die Ausübung dieses ihm gegebenen Rechauf eine „gute Quelle” und berichtet, während der letzten Sitzung des Ministerrats hätten die Minister gerügt, dass man sich auf rein offizielle Kontakte 'beschränkt und nicht versucht habe, den Teil der argentinischen Bevölkerung zu erreichen, der in diesem Fall auf Israels Seite stand. Dem israelischen Aussenministerium wird der Vor wurf gemacht, nicht schnell und wirksam genug über die Beschlüsse des argentinischen Aussenministeriums informiert zu haben. Daher hätte sich eine gewisse Konfusion ergeben, so sagt die Zeitung, und „unsere diplomatischen Noten hatten ihren Wert verloren, bevor sie in Buenos Aires übergeben worden seien.” Nach Ansicht der „Jerusalem Post” ist ein gewisser Sektor der argentinischen Verwaltung den Nazis güttstig gesinnt und habe bedeutenden Einfluss auf den Fall Eiehmann genommen. Jetzt herrsche in Jerusalem der Eindruck vor, dass sich die Beziehungen mit Argentinien nicht vor Ablauf einiger Monate normalisieren könnten. Das Blatt verweist darauf, dass die dem israelischen Rechtsberater Schabsai Rosenne übertragene Mission, den Weg zur Beilegung des Zwistes „zu entdecken”, von dem Beschluss der Regierung Argentiniens, Botschafter Levavi zur persona non grata zu erklären, überraschend durchkreuzt wurde. Neue Sicherheitsmassnahmen wurden rund um das Gebäude der argentinischen Botschaft in Tel Aviv getroffen. tes zweifellos ein Unrecht begangen haben würde. Der grosse Dichter Shakespeare hat in seinem „Kaufmann von Venedig” einem Juden die unsympathische Rolle des -„Shylock” zugeschoben, des Menschen, der sein Recht rücksichtslos gebraucht, oh. ne vielleicht zu merken oder zu wissen, dass dieser Gebrauch einen Missbrauch darstellt. Wir wissen heute, dass der Stoff zum Drama „Der Kaufmann von Venedig” auf einer wahren Episode beruht, dass aber nicht ein Jude die unrühmliche Rolle gespielt hat, die Shakespeare seinem Shylock angedichtet hat. Offensichtlich glaubte selbst dieser grosse Dramatiker nicht auf den Effekt verzichten zu können, diese Rechtsgier einem Juden zuschieben zu müssen, weil dies in das Bild so recht hineinpasste, das in der damaligen Zeit — aber nicht nur in ihr — von der Masse durch solche geistigen „Führer” wie Shakespeare vom Juden schlechthin gezeichnet worden Ist. Für uns alle ist es eine grosse Enttäuschung, dass gerade das Land Argentinien, in dem Hunderttausende Juden als freie Bürger J^ben unfl, dem sie aus vollem Herzen ergeben sind, mm in einem Fall, der gera¬ EL PRESUPUESTO DE LA AJ. Tel Aviv. _ El actual presupuesto de la Agencia Judía de 200.000,000 dólares no es suficiente para hacer frente a las "necesidades más vitales y otros 200'millo, nes de dólares son requeridos para consolidar las colonias y proveer vivienda para los casi 50.000 habitantes de maabaroth." Tal lo expuesto por el Sr. Eliahu Dobkin, presidente del Keren Hayessod y de las campañas unidas, quien dijo que desde la creación del estado la judeidad de la diaspora ha invertido en Israel 1.240 millones dólares, 700 millones de los cuales fueron recibidos a través del United Jewish Appeal y el resto a través de varios canales, entre ellos los bonos israelíes, Keren Kayemet, Joint DG y otros. Dijo Dokbin que los gastos de inmigración y absorción eran pesados puesto que era necesario pagar "rescato" antes de obtener los permisos de salida y porque los nuevos inmigrantes son colonizados en zonas de desarrollo y no en la zona costera. Para hacer frente a estas necesidades la campaña unida esbozó un plan de cinco punios para incrementar los ingresos. Entre otros medios, se reunirán los dirigentes de las campañas unidas de 54 países en Jerusalem en Diciembre y discutirán el papel del fondo en el movimiento sionista. Se aprobará un plan de cuatro años en el próximo congreso sionista, SCHLOMO S. TANGER Das Budget der Jewish Agency Tel Aviv. — Das jetzige Budget der Jewish Agency von 200 Millionen Dollar reicht nicht aus. „die lebenswichtigsten Bedürfnisse zu befriedigen, und weitere 200 Millionen Dollar werden gebraucht, um die Kolonien zu konsolidieren und Wohnungen für die fast 50.000 Bewohner der Maabarot zu beschaffen.” Dies fühlte- Eliahu Dobkin, der Präsident des Keren Hajessod undder Einheitskampagnen aus, der darauf hinwies, dassdie Judenheit der Diaspora seit Staatsgründung in Israel 1 Milliarde 240 Millionen Dollar investiert hat, von denen 700 Millionen durch die Einheitskampagne eingingen, während der Rest aus verschiedenen Kanälen floss, darunter die Bonds-Aktion, der Keren Kajemet, der Joint u. a. Dobkin betonte, dass die Kosten von Einwanderung und Eingliederung schwer seien, da die Notwen, d-igkeit besteht, vor Erhalt der Ausreisebewilligungen „Lösegeld” zu zahlen, und weil die Neueinwanderer in Entwicklungszonen und nicht in der Küstengegend angesiedelt werden. Um diesen Notwendigkeiten zu begegnen, hat die Einheitskampagne einen Plan von fünf Punkten ausgearbeitet, um die Eingänge zu erhöhen. Unter anderen Massnahmen ist für den Monat Dezember in Jerusalem eine Versammlung der Leiter, der Einheitskampagnen aus 54 Ländern vorgesehen, wo über die Rolle des Fonds in der zionistischen Bewegung beraten werden soll. Bei dem nächsten Zionistenkongress soll ein Vierjahr espían angenommen we. den. SCHLOMO S. TANGER de uns aus zweifachem Grund doppelt angeht, ein verletztes Recht zum Anlass nimmt, um den Bogen zu überspannen und in Wahrung eines unbestrittenen Rechtes ein Unrecht begeht. Wir sind doppelt mit diesem Problem verbunden, weil der Angriff als Verteidigung gegen Israel gerichtet ist, und weil der äussere Anlass für diesen Streit einer der grössten Jüdenmörder aller Zeiten ist. Es muss nicht immer Böswilligkeit sein, die als bewegende Kraft die Behandlung dieses Falles beeinflusst hat; aber das Nichtwissen der wahren Zusammenhänge, der historischen Wirklichkeit stand Pate bei vielen Schritten, die hier unternommen worden sind. Ein Radiosprecher, dessen Qualitäten wir ebenso wenig wie seine Vergangenheit oder politische Auffassungen kennen, meinte, was wohl die vielen, aus Deutschland vor dem Hitlerterror geretteten Juden dazu sagen wür. den, wenn sie damals hier von Deutschen gefangen genommen und nach Deutschland verschleppt worden wären. Der Vergleich ist ausserordentlich unglücklich gewählt und beweist, dass der Sprecher die Sachlage völlig verkennt. Nicht einer dieser Juden ist wegen Mordes aus Deutschland geflüchtet, erst recht nicht wegen Massenmordes, keiner kam hier ins Land, um mit falschen oder gefälschten Papieren zu leben und sich einer internationalen Gerechtigkeit zu entziehen. Gewiss mag es schwer sein, in diesem Fall noch von! Gutgläubigkeit zu sprechen, trotzdem entspricht diese Stellungnahme in erster Linie der allgemeinen Unkenntnis einer geschichtli. chen Situation. Im übrigen hat auch nicht ein einziger Jude bestrittèn, dass objektiv eine Verletzung der argentinischen Souveränität vorliegt, mag diese nun von einem anderen Staat oder von Bürgern eines anderen Landes begangen worden sein. Dass diese Vorgänge von böswilligen Elementen ausgewertet werden, ist sicher. Es rächt sich, dass allzu viele Nazis in Argentinien und anderen lateinamerikanischen Ländern Unterschlupf finden konnten. Damit ist das Gift des Nazismus und (Schluss auf Seite 2) Botschafter in Malagasia Jerusalem. — Das israelische Aussenministerium kündigte offiziell die Ernennung von Dr. Eytan Rupin z.um ersten Botschafter in der Republik Malagasia, der frü. heren französischen Kolonie Madagaskar, an. Dr. Rupin reiste in Begleitung von Wohlfahrtsmini, ster Dr. Josef Burg nach seinem neuen Bestimmungsort, um Isarel bei den Unabhäniggkeitsfeiern der afrikanischen Völker zu repräsentieren. (ITA)