Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1798 (26.7.1960)
- Date
- 1960-07-26
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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PUEYRREDON 2190 — 1’ i*q. J&JknvCUtJCiD&\4Á&lÍlCL T. E. 83.2613 Año XXI. BUENOS AIRES. MARTES 26 DE JULIO DE 1960 No. 1798 Die letzte argentinische Note Am Freitag, den 22. Juli, wurde des Nachmittags der israelische Botschafter, Dr. Arie Levavi, in das Aussenministerium bestellt, wo ihm der Aussenminister Dr. Taboada in höflicher Form eröffnete, dass ihm innerhalb der nächsten Stunde der Beschluss der argentinischen Regierung wegen der Verletzung der argentinischen Souveränität durch israelische Kommandos mitgeteilt und er zur persona no grata erklärt werden würde. Er wurde von hohen Beamten des Ministeriums zu seinem .Wagen begleitet. Innerhalb des vorgesehenen Zeitraumes wurde dann die Note offiziell zugestellt, in der Argentinien den israelischen Botschafter, Dr. Arie Levavi, zur persona no grata erklärt. Wie der Aussenminister Journalisten mitteilte, sei die Grundlage der neuen Note in den Ausführungen der letzten Mitteilung zu suchen, dass Israel die argentinische Souveränität verletzt habe, und dass die Verantwortung hierfür auf den Repräsentanten Israels, den Botschafter, zurückfalle. — Wie bekannt wird, ist die Abreise des Botschafters, der sich in Begleitung seiner Gattin und seiner beiden Töchter von 12 und 16 Jahren direkt nach Israel begeben wird, für Dienstag vorgesehen. Gleichzeitig wurde mitgeteilt, dass der Rechtsberater des israelischen Aussenministeriums, Shabtai Razenne, im Zusammenhang mit dem Streit zwischen Argentinien und Israel hier eingetroffen ist. Wie wir erfahren, erfolgt dieser Besuch auf Wrunsch hoher Beamter des argentinischen Aussenministeriums. — Diplomatische Kreise in Washington sind über diese Entscheidung der argentinischen Regierung erstaunt. Die USA seien der Meinung gewesen, dass zwei befreundete Staaten zu einer vernünftigen Entscheidung gelangen könnten, nachdem der Fall sogar den Sicherheitsrat beschäftigt hat. Die USA ebenso wie Grossbritannien, Frankreich und Russland gaben ihrer Meinung Ausdruck, dass die UN-Resolution keinesfalls dahin ausgelegt werden dürfe, dass Israel den nazistischen Henker zurückgeben müsse. — Nicht nur die USA waren erstaunt, dass die argentinische Regierung eine solche Entscheidung gefällt hat.War es schon überraschend, dass überhaupt ein Monstruum wie Eichmann, der dazu niemals unter seinem wahren Namen in Argentinien gelebt hat, die Gemüter in dieser "Weise beschäftigen konnte, so muss jetzt der Eindruck entstehen, dass Argentinien den Kriegsverbrecher Eichmann zurückfordert, während es eine Persönlichkeit vom Range Levavis als nicht erwünscht bezeichnet. Für einen demokratischen Staat dürfte unerträglich sein, durch solche Irrtümer in ein völlig falsches Licht zu geraten und sich selbst damit Schwierigkeiten zu bereiten. ) Oder sollte Israel und der Streit über die Verletzung der Souveränität nur eine Ablenkung von anderen Komplikationen sein? Man muss mit grösster Reserve die folgenden Schritte beobachten. Es dürfte nichts wei. ter als eine gesunde Selbstkritik sein, wenn wir erklären, dass Argentinien durch diese unverständliche und bedauerliche Massnahme weder dem Weltfrieden noch der westlichen Front einen Dienst erwiesen hat. — WIE ICH ES SEHE DAS SPIEL MIT DEM FEUER von JEHUDA GOTTHEIMER Wieder wurde die Welt von einer russischen Meldung überrascht und in Unruhe versetzt, dass ein wei-' teres Flugzeug, dao den Auftrag gehabt habe, Spionage zu treiben, über sowjetischem Gebiet abgeschossen worden ist. Auf einer Pressekonferenz in Moskau machte Krutschew die sensationelle Mitteilung, die er mit einer ganzen Kette schwerer Beschuldigungen, Verdächtigungen und Beschimpfungen der führenden westlichen Staatsmänner verband. Vor einigen Tagen, so sagte der russische Regierungschef, habe ein sowjetischer Pilot einen amerikanischen Apparat .hernntergeholt’, dessen Mannschaft aus sechs Personen bestanden habe. Vier seien umgekommen, zwei Amerikaner wurden lebend gefangen; diese hätten, immer nach Krutschew, zugegeben, einen Spionageruftrag gehabt zu haben. Aus diesem Sachverhalt, der nicht bewiesen ist, zog Krutschew sofort die härtesten Folgerungen. Eisenhower, der die Hauptverantwortung tragen würde, wolle durch die Spionageflüge einen schweren militärischen Konflikt herauffoeschwören. Eisenhower sei ein Lügner. Seine früheren Beteuerungen, diese Spionageflüge würden in Zukunft unterbleiben, seien keinen Cent wert. Die Russen werden die schärfsten Repressalien, auch gegen die Stützpunkte ergreifen, von denen aus diese Flieger starten. Jedenfalls würden, wie Krutschew unterstrich, die neuen Spionagefälle die bereits bestehende Spannung auf den Höhepunkt treiben und zum Beginn des Krieges führen. Im übrigen hätten die amerikanischen Gefangenen bereits ein Geständnis darüber abgelegt, dass sie einen ausdrücklichen Spionageauftrag gehabt hätten... Demgegeiiber beschuldigen die USA den russischen Ministerpräsidenten, dass er ein Lügner sei. Er würde darauf ausgehen, einen internationalen Skandal zu entfesseln, indem er behauptet, die Russen hätten einen amerikanischen Apparat über ihrem Gebiet abgeschossen, der einen Spionageauftrag ausführen sollte. Krutschew begnügte sich diesmal nicht damit, Eisenhower zur Zielscheibe seiner Angriffe zu machen, sondern klagte arch McMillan an, ohne allerdings im einzelnen diese Vorwürfe zu detaillieren. Aufnahme der Beziehungen o London. -- Schah Mohammed Riza Pachlevi kündigte in Teheran an, dass sein Land Israel anerkannt habe, wobei er darauf hinwies, dass die de facto-Anerkennung seit mehreren Jahren Gültigkeit gehabt hat. Das iranische Konsulat in Tel Aviv ist vor 9 Jahren unter arabischem Druck geschlossen worden. Rund 30.000 iranische Juden leben in Israel. Anscheinend als Repressalie gegen die persische Erklärung ist eine iranische Handelsfirma auf die arabische schwarze Liste gesetzt worden, well sie mit Israel Handel treibt, wie einer Sendung des kairoer Rundfunks entnommen werden konnte. UTA) Ohne Zweifel ist die seit der gescheiterten Pariser Gipfelkonferenz bestehende internationale Spannung durch die letzten Entwicklungen weiter verschärft worden, sodass alle Beobachter beunruhigt fragen, wohin diese Machenschaften und heftigen persönlichen Attacken eigentlich führen sollen. Welche Absichten hegt der sowjetische Diktator, welche Ziele verfolgt er mit dieser Politik der Aggression und welche Zwecke beabsichtigt er mit seinen Verdächtigungen und Beschuldigungen gegen die anglo-amerikanischen Mächte zu realisieren? Das sind die entscheidenden Fragen ] dieses Augenblicks, an dem Idie Völker wieder einmal an den Abgrund eines alles vernichtenden Krieges getrieben werden. Denn dass die Gefahr einer weiteren und blutigen Komplikation nicht mehr bestritten werden kann, dürfte auch dem grössten Optimisten inzwischen klar geworden sein. Das Spiel mit dem Feuer, die Drohung mit einem bewaffneten Konflikt, der Hinweis auf kriegerische Komplikationen gebieten eine wachsende Aufmerksamkeit und eine schnelle Reaktion. Zunächst mus: man mit tiefem Bef rem rer, aber auch mit höchster Besorgnis feststellen, wie tief wieder einmal die „Diplomatie'’ gesun. ken ist, nachdem wir erneut das traurige Schauspiel wechselseitiger, schwerster Beschimpfungen und Verdächtigungen erleben. Alle diese Begebenheiten, der rüde Ton, das hasserfüllte Schreien, die hysterischen Wutausbrüche erinnern allzu sehr an eine nicht ferne Vergangenheit, die offen, j sichtlich nicht nur von den j Deutschen bisher nicht iiber. , wunden werden konnte. Un- erträglich waren die nicht AUSTAUSCH DER NOTEN Jerusalem. — Der argentinische Geschäftsträger Eduardo Colombo teilte dem israelischen Aussenministerium formell mit, dass seine Regierung Israels Botschafter Arie Levavi zur persona non grata er- (FprtSetzung auf Seite 3) zu qualifizierenden Schimpfkanonaden des „Führers und Reichskanzlers-’, mit denen er seine Gegner oder diejenigen bedachte, die ihm zu einem gewissen Zeitpunkt seines politischen Hasardspiels unbequem erschienen. Es gab keine verbrecherische Eigenschaft, die er den Russen nicht anhängte, um dann mit dem gleichen Stalin zu paktieren, der noch kurz zuvor von ihm als ein .Untermensch’ bezeichnet worden ist. Sollen diese Zeiten der restlosen Verpestung der internationalen Atmosphäre zurückkommen? Man ist auf dem schlechtesten Wege hierzu... Der britische Premier Mc¬ Millan, der sich seit seinem Amtsantritt um eine Beruhigung der allgemeinen Lage bemüht und manche Schritte unternommen hat, um zu einer Annäherung der feindlichen Mächte beizutragen, wandte sich gegen die Behauptung Krutschews, dass der amerikanische Apparat überhaupt sowjetisches Gebiet angeflogen habe. Mc¬ Millan beschuldigte Krutschew in einem Schreiben, die Dinge auf die Spitze zu treiben. Er würde durch sein Vorgehen, bemerkte der Premier, die internationale Lage nur noch weiter kom. plizieren. Vor allem aber wandte sich McMillan gegen die bisher auch durch nichts erwiesene Behauptung, dass die Engländer .Komplizen’ A LOS JUDIOS EN RUSIA Londres. — La radio de Moscú advirtió a los judíos en la URSS que no deben permitirse ser influenciados por la "propaganda sionista" que "difunde falsas ilusiones" acerca de Israel. Dijo el locutor que "los sionistas y los agentes especiales de Isael" intentan presentar entre los judíos de Europa Oriental un cuadro paradisiaco de Israel, "un país donde los judíos se sienten libres completamente y en su patria." — "Esto es una mentira desvergonzada", añadió. El locutor siguió diciendo que "los judíos en la URSS están "libres y felices y no están ansiosos de emigrar a país alguno, incluyendo a Israel. Radio Moscú se complació en las usuales diatribas anti-israeliee, añadiendo que "Israel sirve los intereses del imperialismo occidental en el Medio Oriente y constituye un peligro permanente" para los países árabes. Atacó asimismo a los judíos estadounidenses, diciendo que ayudan a difundir la propaganda pro-israelí y confunden a las masas trabajadores con el fin de "servir la causa de los EE. UU. que encabezan a los países imperialistas." — M. ASHER An die Juden in Russland London. — Radio Moskau warnte die Juden in Sowjetrussland, sie sollten sich von der „zionistischen Propaganda nicht beeinflussen lassen, die „falsche Illusionen über Israel erweckt-’. Der Sprecher äusserte, „die Zionisten und ihre Sonderagenten in Israel seien bemüht, den Juden in Osteuropa ein paradiesisches Bild von Israel vorzuspiegeln und es als ein. Land darzustellen, in dem di« Juden sich vollkommen frei und in ihrem Vaterland fühlen”. — „Dies ist eine unverschämte Lüge-’, fügte er hinzu. Im weiteren versicherte er, dass die Juden in der Sowjetunion „frei und glücklich leben und nicht den Wunsch hegen, in irgendein anderes Land, einschliesslich Israel auszuwandern. Der moskauer Rundfunk erging sich in den üblichen antiisraelischen Brandreden, und bemerkte ferner, „Israel diene den Interessen des westlichen Imperialismus im Mittelosten und bilde eine ständige Gefahr für die arabischen Länder.” Der Sprecher griff auch die nordamerikanischen. Juden an und behauptete, dass sie bei der Verbreitung der proisraelischen Propaganda helfen und die arbeitenden Massen mit dem Zweck verwechseln, „der Sache der USA zu dienen, die an der Spitze der imperialistischen Länder stehen.” _- M. ASHER der Amerikaner bei deren Spionageflügen seien. Inzwischen haben die Russen durch ihren Aussenminister Andrei Gromyko eine dringende Sitzung des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen verlangt, um die „ständigen amerikanischen Provokationen” zu verurteilen und zu erreichen, dass diese Spionageflüge aufhören, die den Weltfrieden bedrohen, weil... die Russen es so sagen. Mit diesem Schritt versuchten sie offensichtlich, die wilde Aktion Krutschews in gesetzliche Bahnen zu lenken, die den internationalen Spielregeln entsprechen. Man darf annehmen, dass die Sowjets in nächster Zeit noch manche Gelegenheit benutzen werden, um neue Angriffe gegen die USA und den Westen zu schleudern. Auf diese Weise soll die Unruhe erhöht und die bereits vorhandene antiwestliche Stimmung gesteigert werden. Auf diesem Umwege soll nach der sowjetischen Spekulation manche kleinere Nation, deren Haltung unsicher geworden ist, und die zwischen den beiden Blöcken schwankt, dem Westen abspenstig gemacht werden. Es wäre jedoch falsch, diese Vorkommnisse isoliert und für sich allein zu betrachten. Seitdem die ehrlichen Erwartungen aller den Frieden liebenden Menschen und Völker durch die Tragikomödie der vor ihrem Zusammentritt gescheiterten Pariser Gipfelkonferenz enttäuscht worden sind, wurden die politischen ’Leidenschaften aufs neue in einem kaum vorauszusehenden Um. fang entfesselt und rücksichtslos geschürt. Das Intermezzo mit dem angeblich über russischem Gebiet abgeschossenen Flugzeug diente dem gleichen Zweck. Gleichzeitig war es ein Ablenkungsmanöver, um die Aufmerksamkeit von anderen Schauplätzen des Zusammenstossens der diver. gierenden Interessen au zerstreuen und die sowjetischen- Anstrengungen zu Unterstufe zen, deren einziges Ziel ein« Spaltung und Schwächung der westlichen Welt und ih«- rer Peripherie ist. Dass die Politik der W*sfe mächte, vor allem der führenden Amerikaner, bei ihren verschiedenen Aktionen oftmals ungeschickt, verfehlt und von Irrtümem diktiert ist, dürfte kaum bestritten werden können. Man kann Völker nicht unter dem ausschliesslichen Gesichtspunkt wirtschaftliche» Interessen behandeln, die niemals für sich allein ein» ausreichende Begründung für politische Aktionen dar. stellen. Mit einer solchen Einstellung wird das Gegenteil dessen bewirkt, was heu. te das Objekt der westlichen Bemühungen sein muss. Der Verdacht eines längst i überholten Kolonialismus wird immer dann enstehen, wenn die ökonomischen Prinzipien in den Vordergrund gerückt werden und (Schluss auf Seite 2) El Al-Flüge normal Tel Aviv. Nach sechstägigem Streik hat das Flugpersonal der El Al den Streik abgebrochen, ohne seine Gehaltsforderungen durchgesetzt zu haben. El Al kündigte sofort die normale Wieder. Aufnahme des Flugdienstes .n. Die Besatzungen der EI Al-Flugzeuge beugten sich dem Spruch des internationalen Pilotenverbandes, der den Streik formell verurteilte. Sie erklärten auch, den An- Weisungen der Histadrut zu gehorchen, die Sicherheiten gegeben hatte, die Streikenden nicht zu bestrafen, wem sie zur Arbeit zurückkehren würden. (ITA)