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Jüdische Wochenschau · 1960-07-22 · 1797 (22.7.1960) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1797 (22.7.1960)
Date
1960-07-22
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German, Spanish
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JÜDISCHE UIOHnSQIflll PUEYRREDON / 2190 — 1’ ixq. Año XXI. la Jewvana j&i&elUG, T. E. 83.2613 BUENOS AIRES, VIERNES 22 DE JULIO DE 1960 No. 1797 Vertrauen wurde getäuscht •^¡en> — Bundeskanzler Raab teilte dem Präsidenten des Jüdischen Weltkongresses, Dr. Nachum Goldmann, mit, dass das österreichische Parlament in seiner Frühjahrs-Sitzung nicht in eine Debatte über die Entschädigungs - Gesetze eintreten konnte, wie es die Regierung versprochen hatte. Als Grund gab Raab an, seine Kollegen der Koalition hätten sich gegen die Ansicht der Volkspartei ausgesprochen, dass die Entschädigungs-Gesetze für die Opfer der Naziverfolgungen mit anderen Fragen internen Charakters zugleich behandelt werden sollten. Daher sei es notwendig gewesen, die Parlamentsdebatte bis zum kommenden Herbst zu vertagen. New York. — Die Weigerung des österreichischen Allmählich verschwinden alle Zweifel, dass man mit einem erneuten Ansteigen einer weltweiten antisemitischen Bewegung rechnen muss. Nach einigen Jahren relativer Ruhe, die nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches eingetreten war, wagten sich einige der alten Hetzer wieder mit ihrer vergiftenden Propaganda hervor, ohne allerdings die Resonanz zu finden, die sie wohl selbst erwartet hatten. Schon vor Jahren haben einige Kenner der Materie darauf hingewiesen, dass der Nazismus nicht vernichtet ist, und dass die verschworenen Antisemiten nur auf ihre Stunde warten, um wieder in Erscheinung treten zu können. Man fühlte sich trotz dieser Warnungen in der jüdischen Welt so sicher, dass man glaubte, auf eine Erörterung der mit der antisemitischen Bewegung zusammenhängenden Fragen allgemein verzichten zu können. Das ging so weit, dass das Thema Antisemitismus’ noch nicht einmal (Parlaments, über die Massj nahmen für die Wiedergut. machung an die Opfer der Naziverfolgungen vor den am 15. Juli begonnenen Ferien zu beraten, „hat unser Vertrauen in den guten Willen Oesterreichs erschüttert”, erklärte Dr. Nachum Goldmunn, der Präsident des Comités für österreichische Wiedergutmacl ungen. Goldmann sprach am Vorabend der Tagung von 23 jüdischen Organisationen in den USA und der ganzen Welt, die dem Comité angehören. „Bisher hat die österreichische Regierung sich geweigert, die Massnahmen zu verfügen, die auch nur die Gewährung der allerkleinsten Entschädigung bedeuten würden. Sie hat somit auch nicht die Verpflichtungen erfüllt, die sie aufgrund der Bestimmungen des allge. auf der Tagesordnung der letzten Weltkonferenz des Jüdischen Weltkongresses figurierte, die in der schwedischen Hauptstadt zusammengetreten war und sich mit akademischen Fragen beschäftigte. Wir Juden sollten uns nichts vormachen. Gewiss mag es angenehmer sein, die Augen vor der rauhen Wirk, lichkeit zu verschliessen und in Ruhe zu leben, die man uns aber nicht gönnt. Deswegen sollten wir alle endlich begreifen, dass wir gerüstet für eine Auseinandersetzung sein müssen, die uns bevorsteht, trotz allem, was wir und was . die Welt an schauerlichen Ereignissen in unserer Generation erlebt haben, die zu einem erheblichen Prozentsatz auf die Hassbewegung des Ant semi. tismus zurückzuführen sind. Die Freundschafts. und Sympathiebezeugungen der grossen und führenden Staatsmänner beinahe aller Länder und die positive Einstellung der Mehrheit zu ihren jüdischen Mitbürgern änmeinen Staatsvertrages über, nommen hat, welcher dem Land im Jahre 1955 seine Unabhängigkeit zugestand und es von der Besetzung durch die vier Grossmächte befreite”, stellte Goldmann fest. „In den letzten fünf Jahren haben die Vertreter der österreichischen Regierung den Mitgliedern des Comités bei verschiedenen Gelegenheiten Sicherheiten gegeben, dass die notwendigen Gesetze in kürzester Frist erlassen werden sollten”, fuhr Dr. Goldmann fort. „Die letzten Versprechungen wurden vor weniger als zwei Monaten gemacht, als ich in Wien mit den wichtigsten Repräsentanten der österreichischen Regierung ver- J handelte. Sie gaben mir die j Versicherung ab, dass die I Regierung entschlossen sei, dern nichts daran, dass die Flutwelle des Antisemitismus im Steigen begriffen ist und bald gefährliche Formen annehmen kann, zumal alle — Nichtjuden wie Juden — reichlich unvorbereitet diesem deprimierenden Phänomen eines Hassausbruches gegenüberstehen. Man soll auch nicht glauben, dass die Aufbringung des Kriegsverbrechers Eichmann und die vielen Verhaftungen anderer schwerbelasteter Kriegsverbrecher in Deutschland die Ursache für das erneute Auftreten des Antisemitismus seien. Diese Erklärung wäre allzu billig; mehr noch, sie verhindert, ein klares Urteil über die Lage zu finden. Vielleicht hat der Fall Eichmann nur die Eiterbeule aufgestochen, die am Körper der demokratischen Völker schwärte. Denn in Wahrheit waren die antiseihitischen Hetzer seit langem bereits wieder am Werk, ihre destruktiven und völkervr-rhetzendeu Ideen zu propagieren. In Argentinien hat man dies^ Entwicklung aus nächster Nähe beobachten können. Inzwischen haben sich einige aus dieser Clique in sicherere Gefilde, vor allem nach Kairo, zurückgezogen, weil ihnen hier der Boden zi heiss geworden war. Der Disput zwischen den Regierungen Argentiniens und Israels wegen der Verletzung der argentinischen Souveränität ist eine politisch-diplomatische Auseinandersetzung, die nach den Vorten des Präsidenten der Republik nichts mit den in Argentinien lebenden jüdischen Mitbürgern zu tun hat. Man braucht nur die Erklärung nachzulesen, die Dr. Arturo Frondizi in Madrid vor wenigen Tagen abgegeben hat. Der beste Beweis aber, dass die Eiehrr.ann-Affäre vor dem 15. Juli eine umfassende Entschädigungs - Gesetzgebung im Parlament durchzusetzen.” Dr. Goldmann äusserte, es sei eine tragische Enttäuschung, dass die österreichische Regierung ihr gegebenes Wort nicht gehalten hat. Er betonte, dass die Opfer der Naziverfolgungen in Oesterreich, deren Zahl sich auf Zehnt&usende beläuft, von der österreichischen Regierung für die vor jetzt 20 Jahren erlittenen Verluste und Beleidigungen keine irgendwie geartete Wiedergutmachung erhalten haben. „Die Bitterkei, mit der die Opfer der Nazis in Oesterreich diesen neuen Aufschub zur Kenntnis nehmen werden, ist vollauf zu verstehen”, schloss Goldimann. Manöver in Israel Tel Aviv. — Die regulären Manöver der Israel-Armee nahmen im Süden des Landes ihren Anfang. Die Truppen bereiten sich seit Wochen auf diese Uebungen vor, bei denen sie die während des Jahres erteilte Instruktion in die Praxis Umsetzen. Verschiedene neue Tank-Modelle und Geschütze, darunter Kanonen ohne Rückstoss und französische Sten-Raketen werden bei den Manövern benutzt. (ITA) nicht der Grund für den neuen Ausbruch einer antisemitischen Hetze, sondern nur ein Vorwand ist, wird durch die Tatsach* geliefert, dass eine antisemitische Schmutzwelle erst vor einigen Monaten — ab Weihnachten rJ59 bis etwa Ende Janua. dieses Jahres — sich über viele Länder ergossen hat. Damals wusste man nichts von Eichmann und ahnte auch nicht, dass er eines Tages ergriffen werden würde. Es wurde viel darüber gesprochen und geschrieben, wie dieser plötzliche Hassausbruch, diese Schmierkampagne, eigentlich zu erklären sei. Die Regierung der Bundesrepublik Deutschland hat ein Weissbuch über dieses Thema unter dem Titel „Die antisemitischen und nazistischen Vorfälle” veröffentlicht, mit dem wir uns an dieser Stelle seinerzeit auseinandergese'.zt haben. Es ist interessant, dass die deutsche Regierung ihr Weissbueh nicht auf die antisemitischen Vorfälle begrenzte, sondern selbst von .nazistischen’ Vorfällen sprach, wobei klar verstanden werden muss, dass diese beiden Erscheinungsformen untrennbar miteinander verbunden sind. In einer statistischen Bemerkung im Rahmen einer jetzt veröffentlichten Studie des Referenten für Psychologie in der Bundeszentrale für Heimatdienst, Dr. Walter Jacobsen, finden wir hierzu aufschlussreiche Ein¬ Neuer Bericht aus dem Kongo Brüssel. — Die jüdischen Flüchtlinge aus dem kongolesischen Unruhegebiet kommen weiter hier auf dem Luftwege an. Die meisten sind aus 'Leopoldville und Luluaburg geflohen. Sie berichteten dass alle Juden Luluaburg verlassen haben. Wie Nachrichten aus der Provinz Katanga besagen, haben sich alle dort lebenden Juden nach Rhodesien gerettet, nachdem Plünderungen stattgefunden hatten, doch seien keine Opfer zu beklagen gewesen. Die Juden von Elizabethville flüchten unter Zurücklassung all ihrer Habe. Die Militärbehörden wurden benachrichtigt, dass es vielen Juden aus Elizabethville gelungen ist, den belgischen Militärstützpunkt Kamina zu erreichen, wo sie ungeduldig darauf warten, nach Belgien repatriiert zu werden. Die Lage in Asumbura ist wieder normal. Der Board of Deputies von Rhodesien hat eine Mission von Bulawayo mit einem Flugzeug nach dem Süden geschickt, um den aus dem Kongo eintreffenden Juden jede möglich Hilfe zu leisten. (ITA) WIE ICH ES SEHE Flutwelle des Hasses steigt j .. von JEHUDA GOTTHEIMER EI Primer Reactor Atómico Jerusalem. — El único reactor atómico en el Medio Oriente entre »alia y la India, ha estado en operación desde hace casi un mes en la planta atómica israelí de Nahal Sorek. al Sur de Tel Aviv. El hecho que el reactor, construido por Israel con ayuda estadounidense usando uranio enriquecido suministrado por los Estados Unidos, estuviera de hecho en funcionamiento luego de 21 meses de construcción y preparación, fué comunicado al primer ministro Ben Gurion por el Dr. Ernesto David Bergmann, jefe de la comisión de energía aiómioa de Israel. La plañía será inaugurada oficialmente dentro de varios meses. La planta fué erigida a un costo de 3.335.000 dólares. Los funcionarios dijeron que no había peligro de radiación y que la plañía se había mostrado hasta ahora "segura y precisa". Dijeron que Grecia ha solicitado a Israel ayuda para la construcción de un reactor similar. Israel está estudiando un plan para establecer una escuela especial en Nebi Rubin para adiestrar a técnicos a trabajar en reactores. Serán aceptados alumnos de las naciones amigas de Asia y Africa. SCHLOMO S. TANGER Israels erster Atommeiler Jerusalem. — Der einzige Atommeiler im Mittelosten auf der Strecke zwischen Italien und Indien jst seit fast einem Monat in der israelischen Atomanlage in Nahal Sorek südlich von Tel Aviv in Betrieb. Die Tatsache, dass der Meiler, der von Isarel mit Hille der USA unter Verwendung von durch die Vereinigten Staaten geliefertem bereichertem Uranium konstruiert wurde, tatsächlich nach 21 Monaten des Baues und der Vorbereitungen funktioniert, wurde Premierminister Ben Gurion von Dr. Ernst David Bergmann, dem Chef der Atomenergie-Kommission Israels mitgeheilt. Die Anlage wird in einigen Monaten offiziell eingeweiht werden. Die Installation kostete 3.335.000 Dollar. Die Beamten versicherten, es bestehe keine Strahlungsgefahr und die Einrichtung habe sich bis heute als „sicher und präzise” erwiesen. Sie äusserten, Griechenland habe sich an Israel um Hilfe zum Bau eines ähnlichen Atommeilers gewandt. Israel prüft einen Plan zur Errichtung einer Fachschule in Nebi Rubin, um Techniker zur Arbeit in diesen Meilern auszubilden. Es sollen Schüler aus den befreundeten Ländern in Asien und Afrika zugelassen werden. SCHLOMO S. TANGER zelheiten; „Von je hundert Schmierereien der letzten Zeit in der Bundesrepublik beschränkten sich nur 17 % auf rein antisemitische Parolen, weitere 31 Prozent enthielten gemischt antisemitische und nazistische und der grosse Teil von 52 Prozent wies rein nationalsozialistische Parolen auf.” Der Verfasser kommentiert diese Statistik wie folgt; „Die nationalsozialistische Reaktion liegt der Gemütslage der Schmierfinken also doch weit näher als die Abneigung gegen den Restbestand von deutschen Juden.” — Sicherlich ist diese Statistik interessant, die Bemerkung aber, die der Autor anknüpft, dürfte abwegig sein. Denn es geht den Antisemiten oder den Nazis garnicht darum, nur einen Teil der Juden zu treffen, etwa die in Deutschland noch lebenden Juden, sondern um eine Vergiftung der Atmosphäre in allen Ländern der Erde, ohne jede Ausnahme und ohne Rücksicht darauf, ob es dort überhaupt Juden gibt oder nicht. Der moderne Antisemitismus und erst recht der Nazismus sind deutsche Produkte, sie tragen die Herkunftsmarke ,ma. de in Germany’ ganz deutlich und sind zugleich finden Export bestimmt, wenn auch die ersten antisemitischen Nachkriegserzeugnisse garnicht in Deutschland fabriziert wurden, sondern in Schweden, Argentinien, Chile und anderen Ländern. Aber wo sie immer erschienen, trugen sie die unverkennbare Zeichen des nazistischen Ursprungs. Die Träger dieser Aktionen waren in den uberwiegenden, man kann beinahe sagen, in allen Fällen jugendliche Täter, worauf auch vom deutschen Weissbuch hingewiesen worden ist. Diese unbestreitbare Tat Sache kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass hinter diesen irregeleiteten Jugendlichen erfahrene Nazis standen, die ihre alten Kenntnisse und Praktiken nur aufzufrischen brauchten. Auch die SA und später die SS oder die Wachmannschaften der KZ bestanden überwiegend aus jungen Burschen, die man aus vielen Motiven unschwer für diejenigen Aufgaben und Ziele einsetzen konnte, die der Führerschicht des Dritten Reiches vorschwebten. Hitler selbst hat doch niemanden erschossen, aber in seinem Namen und in seinem Auftrag, auf seinen Befehl hin sind Millionen ermordet worden. Himmler hat niemanden selbst gefoltert, aber auf seine Anweisung wie auf die Befehle und die Instruktio. nen, die Göring, Heydrich und all die anderen, die dazu gehörten, erteilt haben, wurden die entsetzlichen Verbrechen begangen, die alle anständigen Menschen bereits erschaudern lassen, wenn sie nur davon hören. Niemand zweifelt daran, dass hinter der Schmierkam- (Schluss auf Seite 2) Streik bei El Al Tel Aviv. — Am vergangenen Wochenende trat das Flugpersonal der El Al in Streik, um der Forderung nach Zahlung höherer Gehälter Nachdruck zu geben. Am ersten Streiktag fielen drei Flüge von Lud nach New York, Paris und Konstantinopel aus. Die Gesellschaft bemühte sich, Apparate zu chartern, um die Passagiere nach dem nächsten Flughaft. zu befördern, damit sie mit Flugzeugen anderer Gesellschaften ihre Reise fortsetzen könnten. Der Streik war von der Histairut nicht autorisiert worden, (ITA) LEO. BAfiCK INSTITUTE NEW YORK

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