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Jüdische Wochenschau · 1960-07-19 · 1796 (19.7.1960) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1796 (19.7.1960)
Date
1960-07-19
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German, Spanish
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FRANQUEO PAGADO .8® Concesión 908? ü H .9 a a Oh» < o TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 Ano XXI. BUENOS AIRES, MARTES 19 DE JULIO DE 1960 No. 1796 EL EJEMPLARfl en toda la Republies J ~ Buenos Aires PUEYRREDON 2190 19 Uq. T. E. 83 . 2613 Verwirrung in Südafrika Als der südafrikanische Oberrabiner L. I. Rabinowitz an alle Synagogenge. meinden. die seiner Jurisdiktion unterstellt sind, den Aufruf erliess, für „die politischen Gefangenen1' zu beten, wurde er Gegenstand heftiger Kritik aus weiten Kreisen der südafrikanischen Judenheit. Sowohl aus der „Federation of Synagogues“ als auch vom südafrikanischen „Jewish Board of Deputies“ kamen warnende stimmen. Die Mehrheit ■war der Meinung, es müsse •lies vermieden werden, was die Synagoge irgendwie in die gegenwärtige politische Auseinandersetzung hineinziehen könnte. Diese scharfe Reaktion trat vor allem ein, nachdem die südafrikanische Presse-Agentur die Nachricht verbreitet hatte, der Oberrabbiner habe dazu aufgerufen, „für den Frieden und die Sicherheit Südafrikas und für alle politischen Gefangenen“ zu beten. Die erste Reaktion drückte sich darin aus dass eine Reiht von Synagogenvorständen dieses Gebet nicht zuliess, daruntei übrigens auch die Gemeinde des Oberrabbiners selbst. Im Bet Hamidrasch Hagadol, einer der ältesten Synagogen von Johannesburg, erklärte Rabbiner Dr. M. Kossowsky in einer Freitag- Abend-Predigt: „Ich bin energisch dagegen die Synagoge ’und die jüdische Gemeinde in irgendwelche Aktionen zu verwickeln, die politischen Charakter tragen Keinerlei politischer Text darf an unsere heiligen Gebete angeschlossen werden. Die Kanzel muss von jedem politischen Kampf frei bleiben.“ Der Rabbiner fügte hinzu" es gäbe keinerlei gemeinsame politische Stellungnahme der Juden Südafrikas. Jeder südafrikanische Jude möge die politische Ueberzeugung pflegen, die er für richtig halte. Eine Woche vorher hatte aber Rabbiner Rabinowitz in einer Predigt z-u den Schüssen in Sharpeville scharf Stellung genommen und dabei zum Ausdruck gebracht, dass man augenscheinlich den kritischsten Punkt in den Rassenbeziehungen erreicht habe. Während die südafrikanischen innenpolitischen Probleme innerhalb der Debatten der jüdischen Gemeinden „tabu“ waren und möglichst nicht angerührt wurden, brachen die jüdischen Zeitungen der Union diese „Verschwörung des Schweigens“ und kommentierten in ihren Leitartikeln die Vorgänge im Lande. Sowohl der „Zionist Record“ als auch die „Jewish Times“ versuchten, klar Stellung zu nehmen. Im „Zionist Record“ hiess es u. a.: „Das Hauptziel, welches uns ständig vor Augen stehen muss, liegt darin friedliche Beziehungen zwischen allen Rassen in Südafrika zu erreichen. So schwierig es auch scheinen mag, Lösungen zu finden, — diese Möglichkeit besteht, so. lange wir die moralischen Grundprinzipien nicht verlassen, die darauf beruhen, dass beide, Weisse wie Schwarze, das Recht haben, in diesem Lande zu leben, Milde Strafe für Antisemiten Der Dritte Strafsenat des i Bundesgerichtshofes hat den! 38 Jahre alten Verleger und früheren niedersächsischen Kultusminister 'Leonhard Schlüter wegen Staatsbeschimpfung an Stelle einer verwirkten Gefängnisstrafe von zwei Monaten zu einer Geldstrafe von 1.200 Mark verurteilt. Der mitangeklagte 58 Jahre alte Historiker Dr. Herbert Grabert aus Tübingen erhielt wegen Verbreitung einer verfassungsfeindlichen Schrift in Tateinheit mit Staatsbeschimpfung eine Gefängnisstrafe von neun Monaten. Die Strafe wird zur Bewährung ausgesetzt. Das Buch „Volk chne Führung" wird eingezogen. Es war von Grabert unter dem Namen Hugo C. Backhaus herausgebracht und von Schlüter verlegt worden. In der Urteilsbegründung sagte der Vorsitzende des Senats, Bundesrichter Kurt Weber, das Buch „Volk ohne Führung”, von dem rund 3.600 Exemplare verkauft wurden, enthalte eine Fülle von Entstellungen der geschichtlichen Wahrheit. Das Buch sei keine wissenschaftliche, sondern eine politische Tendenz- und Kampfschrift. Die verfassungsmässige Ordnung der Bundesrepublik werde schärfslens abgelehnt zugunsten eines Staatsgebildes im Sinne weilerentwikkelter national sozial ist i scher Ideen. Im Falle Schlüter sagte der Vorsitzende, der Göttinger Verleger habe eine Schrift verbreitet, durch deren Inhalt verfassungsfeindiiche B 'Hebungen herbeigefiihrt worden sollten. Es könne ihm aber nicht bewiesen v ■ i'd-n. d:>«s r*' sieh dieser Zl"l ' t/u: g h v/usst gewesen sei. Er habe das Buch erst gelesen, als es schon in beiden Auflagen ausgeliefert war. Zudem stehe fest, dass das Buch im Schlüter-Verlag herauskam, als Schlüter selbst durch seine Tätigkeit im niedersächsischen Landtag sehr beschäftigt gewesen sei und kaum Zeit für den Verlag gefunden habe. Der Senat sei sich bewusst, erklärte Bundesrichter Weber abschliessend, dass das Urteil vielfach als zu milde bezeichnet werden würde. Er habe durchaus nicht verkannt, dass solche Schriften gefährlich sind. Hier aber sei er der Meinung, dass die Gefährlichkeit des Buches „Volk ohne Führung” nicht zu hoch veranschlagt werden sollte. Der Senat halte das deutsche Volk für weitgehend immun gegen Brunnenvergiftungen dieser Art. Dazu seien die Erfahrungen der jüngsten Vergangenheit zu stark und nachhaltig. Die Gefahr des Kommunismus sei unverhältnismässig grösser als eine Gefahr die von Leuten wie Grabert ausgehe. Der Vertreter dar Bundesanwaltschaft hatte gegen Schlüter eine Gefängnisstrafe von vier Monaten beantragt. Für den Mitangeklagten Dr. Grabert plädierte der Anklagevertreter auf eine Gefängnisstrafe von 12 Monaten. Nach Ansicht der Bundesanwaltschaft hat sich Grabert mit dem Buch „Volk ohne Führung” der Herstellung und Verbreitung staatsgefährdender Schriften schuldig gemacht. Schlüter sollte wegen ihrer Verbreitung bestraft werden. Der Vertreter der Bundesanwaltschaft, Dr. Heinrich Kämmerer, bezeiehnetc Dr. j Grabert. als den Typ eines „Revolutionärs in Schlafrock und Pantoffeln“, weil er sein Buch unter dem Namen Hugo C. Backhaus veröffentlichte. Er habe es nicht gewagt, seine Nazithesen unter seinem richtigen Namen zu vertreten. Wie in allen Prozessen dieser Art vor dem Bundesgerichtshof müsse bei Grabert ein erschütternd enger geistiger Horizont festgestellt werden. Sein Buch „Volk ohne Führung“ sei nichts weiter als eine systematische politische Brunnenvergiftung. Schlüter sei nach Ansicht des Anklagevertreters nicht zu widerlegen, dass er sich bei der Aufnahme des Buches in sein Verlagsprogramm keine Gewissheit über den Inhalt verschaffte. Man könne auch nicht erwarten, dass er jedes einzelne der von ihm verlegten Bücher sofort sorgfältig prüfe, zumal da er damals unter Zeitdruck wegen der Frankfurter Buchmesse gestanden habe. Zudem sei ihm Grabert als Autor bereits bekannt gewesen. Bestraft werden müsse jedoch Schlüter, weil er das Buch weiter auslieferte, als er es endlich gelesen hatte. Schlüter betonte, der Inhalt des Buches sei ihm erst richtig bewusst geworden, als es zu spät gewesen sei und beide Ausgaben schon ausgeliefert waren. Wenn er das Buch heute betrachte, dann komme ihm „vieles unvorstellbar“ vor. Nachdem das Buch jetzt im Gerichtssaal verlesen worden sei, müsse er viele Formulierungen als lückenhaft, wenig wissenschaftlich und undemokratisch bezeichnen. Obgleich Grabert in seinem umstrittenen Buch von und einen Weg finden müssen,, ihren Anteil an der Wirtschaft und am Lande selbst gerecht festzulegen“. Diese Linie widerspricht der Regierungspolitik, die ja bekanntlich darauf beruht, dass die „Schwarzen im weissen Südafrika nur Rechte in ihren eigenen Zonen haben können.“ Die „Jewish Times“ dagegen rief die südafrikanischen Juden auf, Ruhe zu bewahren. Gleich allen anderen Teilen der weissen Bevölkerung, sind auch die Juden Südafrikas verwirrt, besorgt und unsicher geworden. Man hofft, eine 'Linie zu finden, auf die sich alle Juden des Landes werden einigen können. Die jüdischen Führer besonders die Rabbiner machen alle Anstrengungen in dieser Richtung. So kommentierte der Oberrabbiner Kapstadts, Prof. Israel Abrahams die Ereignisse: „Jeder denkende Mensch wird Gewaltmassnahmen verurteilen. Aber das Problem der Unruhen in Südafrika geht tiefer, es hat seine Wurzeln in der Vergangenheit und berührt die Zukunft aller Einwohner dieses Landes. Frieden kann nur durch Gerechtigkeit gefunden werden, und Gerechtigkeit muss man allen Gruppen angedeihen lassen. Gerechtigkeit umfasst Zusammenarbeit, und Zusammenarbeit kann nur durch Uebereinstimmung erreicht werden. Diese Situation ist die grosse Gelegenheit, menschliche Probleme zu lösen und der Welt ein Beispiel zu geben. Dazu braucht man Klugheit und Mut.“ Inzwischen begannen viele Juden Südafrikas, sich für die Alija nach Israel zu interessieren. Der israelische Botschafter in Pretoria, K. P. Salmon, erklärte, er sei von einer Reihe von Juden gefragt worden, „wie man ein neues Heim in Israel aufbauen könne.“ Der Botschafter wies darauf hin, dass trotz der guten Organisation der jüdischen Institutionen Südafrikas kein Rahmen bestehe, der eine effektive Organisierung ei- Die USA und der Mittelosten Los Angeles. Senator John F. Kcnnody aus Masachusetts, der von den Demokraten als Präsidentschaftskandidat aufgestellt wurde, vertritt den Standpunkt, die USA-Regierung müsste „schnellstens dafür Sorge tragen, dass die Araber Israel als ein bestehen, des Staatsgebilde anerkennen.” Diese Meinung vertrat Kennedy im vergangenen Monat bei einer programmatischen Rede über den Mittelosten, die er im Senat hielt. Damals äusserte er, „wir müssen mit Verständnis und Klugheit zu einer neuen Beurteilung des Mittelostens gelangen, ohne einen zu starken Druck auf die Araber auszuüben, damit sie ihre Neutralität und ihren Nationalismus nicht bedroht fühlen, aber wir müssen trachten, die dort vorhandenen Kräfte zu aktivieren und in konstruktive Bahnen zu lenken, um die Anerkennung Israels als bestehendes Staatsgebilde durch die Araber schnellstens zu erreichen.“ Kennedy erklärte, die USA müssten statt den Regierungen den Völkern helfen, indem sie deren Probleme und nicht ihre eigenen berücksichtigen, und eine dauernde Regelung zwischen Arabern und Israelis suchen, die sich nicht auf einer bewaffneten Waffenstillstand sondern auf die gemeinsamen Interessen stützt. Kanonen und antikommunistische Pakte seien nicht ausreichend, und die traditionelle These „Waffe um Waffe“ genüge nicht, sondern die Wiederansiedlung der Flüchtlinge und die Bereitstellung eines Entwicklungsfonds, an dem alle Völker dieses Raumes gleicherweise Anteil haben, seien Teile eines strategischen Plans auf lange Sicht. (ITA) der Bundesrepublik als einem „kolonialistischen, pseudodemokratischen Nachkriegsgebilde für die Zeit einer interimistischen Fremdherrschaft“ spricht, freie Wahlen ablehnt und die Ueberzeugung ausdrückt, dass der Nationalsozialismus jeden Zusammenbruch überdauern werde, verwahrte et" sich vor Gericht heftig dagegen, als Nationalsozialist bezeichnet zu werden. Gcaberts Ausführungen erschienen jedoch so verworren, dass er vom Vorsitzenden aufgefordert wurde, sich endlich konkret zum Vorwurf der Anklage zu äussern. Daraufhin lehnte Grabert weitere Aeusserungen ab, da der Senat offensichtlich kein Verständnis ¡für ihn habe. ner Mittelstandsalija garantiere. Ausserdem sei vorläufig keine Rede davon, die jüdischen Organisationen aufzulösen. Die Juden werden ihre Linie der -.npassung an die bestehenden Bedingungen fortführen müssen. Der Botschafter fügte hinzu, dass es ohne jeden Zweifel eine starke Bewegung für die Alija unter den südafrikanischen Juden gebe, und die jüdischen Organisationen müssten dabei die ihnen zufallende Rolle spielen. Innerhalb der südafrikanischen Judenheit beschäftigt man sich überdies mit dem Fall des früheren Herausgebers der viermal im Jahre erscheinenden libera- Zeitschrift „Afrika South“, Ronald Segal, der aus einer bekannten jüdischen Familie Kapstadts stammt. Sein verstorbener Vater W 31* der Vorsitzende des Board of Deputies in Kapstadt und seine Mutter eine führende Zionistin. Segal wurde im vergangenen Jahre von der Regierung bestraft, indem man ihm seinen Pass entzog und ihm für die nächsten fünf Jahre untersagte, politische Versammlungen zu besuchen. Er begab sich nun nach Britisch-Betschuanaland, und der britische Commonwealth . Minister Alport erklärte im londoner Parlament, man werde Segal nicht mit Gewalt nach. Südafrika zurücktransportieren. Segal erklärte in Betschuanaland, er habe nicht die Absicht, Afrika zu verlassen, werde aber wohl bis auf weiteres nicht nach Südafrika zurückkehren. Das letzte Wort kam vom Vorsitzenden der zionistischen Organisationen Südafrikas, E. J. Hörwitz, welcher die Nachricht dementierte, dass viele Juden das Land zu verlassen planen. ,Die Juden sind der Ansicht, dass die Gesetze streng eingehalten werden müssen, und die Regierung muss die Ruhe und Ordnung aufrechterhalten. Wenn es berechtigte Er. bitterung unter den Farbigen des Landes gibt, muss alles getan werden, um diese Erbitterung zu beseitigen. Inzwischen wartet die südafrikanische Judenheit auf eine autoritative Stellungnahme, die ihren Gesamtinteressen gerecht wer. de. (Nach „Jewish Chronicle“) Der Grabstein für Herzl Jerusalem. — Anlässlich des 100. Geburtstages von Theodor Herzl wurde über Herzls Grab auf dem Herz]- Berg ein Grabstein enthüllt. Während ein Arbeiterchor das Oratorium „Saul” von Haendel sang, enthüllten der stellvertretende Präsident Kadisch Luz, Ministerpräsident Ben Gurion und Zalman Shazar, der Präsident der jerusalemer Exekutive der Jewish Agency, den Stein, der aus einem Felsen aus Galiläa gemeisselt wurde. Delegierte aus über 20 Städte», 25 Stadträte von Jerusalem, 15 Distriktsräte und Vertreter von 150 Kolonien legten Steine rund um das Grab nieder. Der Zeremonie wohnten mehr als 1.000 Menschen bei, darunter zahlreiche Touristen aus USA, Lateinamerika und Australien. Eine Proklamation der israelischen Regierung und der Zionistischen Weltorganisation wurde verlesen, in der Herzls als des Vaters des jüdischen Staates gedacht wird. (ITAt Í Registro de ia Propiedad Intelectual N9 624 07^ impreso en la Imprenta POLIGLOTA - Corrientes

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