Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1796 (19.7.1960)
- Date
- 1960-07-19
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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jüdische mm PUEYRREDOK 2190 — l9 »*q* ia Jenvcutu jkfuaelUa T. E. 83.2813 Año XXI. BUENOS AIRES. MARTES 19 DE JULIO DE 1960 No. 1796 GEGEN DEN RASSENHASS Vereinte Nationen. — Die UN haben eindeutig ihre Position erklärt und ihre Ein- Stellung zum jüdischen Volk definiert. Was auch noch im Jahre 1960 geschehen mag, dieses Jahr wird in der Geschichte der internationalen Völkergemeinschaft und den Annalen des jüdischen Volkes mit Stolz die Tatsache verzeichnen, dass über Antisemitismus und Rassenhass von allen den UN angehörenden Nationen das Urteil gesprochen wurde. Drei Mal habei die UN in diesem Jahr ihre Stimme erhoben. Das erste Mal im Januar nach Ausbruch des Antisemitismus, als die Subkommission für Verhütung von Diskriminierungen und Schutt der Minderheiten eine energische Resolution gegen den Antisemitismus annahm, die zum zweiten Mal von der Kommission für Menschenrechte in Genf bestätigt wurde. von SAUL CARSON Jetzt hat sich die höchste Stelle der UN, der Sicherheitsrat, zu dieser Frage geäussert. Bei dieser Gelegenheit wurde der sechs Millionen jüdischer Opfer der Naziverfolgungen mit einer leidenschaftlichen Erschütterung gedacht, wie sie noch niemals in dieser Versammlung zu spüren war. Dies ereignete sich während der zweitägigen Debatte über die argentinische Beschwerde gegen Israel im Zusammenhang mit dem Fall Eichmann. Israels Aussenminister Gold Meir appellierte mit ergreifenden Worten an die Delegierten, die sichtlich tief bewegt waren. Als Frau Meir den sonst so kaltblütigen Diplomaten mit vor Erregung fast erstickter Stimme auf hebräisch zurief: ..Ich glaube mit meiner ganzen Macht an die Ankunft des Messias”, und diesen Satz sofort selbst übersetzte, da war nicht ein einziger, der nicht den Kopf gesenkt und die Tränen heruntergeschluckt oder sein Taschentuch hervorgezogen hätte. Diese Worte, so rief sie aus, lebten in den Herzen der sechs Millionen, während sie ihren Weg in die Krematorien schritten, von dem es keine Rückkehr gab. Von diesem Augenblick an, da Frau Meir „unser Glaubensbekenntnis”, wie sie es nannte, aussprach, galt die ganze Sympathie der Welt Israel und dem ehrenden Gedenken an die Märtyrer Hitlers. Der junge Bogdan Lewandowski, Polens neuer Botschafter vor den UN, war vielleicht der beredteste aller Mitglieder des Sicherheitsrates. Sogar die Araber senkten ihren Blick, als Lewandowski erklärte: „Wir WIE ICH ES SEHE Beitrag zur grossen Debatte von JEHUDA GOTTHEIMER Trotz aller gegenteiligen Prognosen hält die grosse Debatte zum Fall Eichmann immer noch an. Die Aufbringung und Verschleppung dieses Kriegsverbrechers, dessen Schuldkonto unfassbar gross ist, hat nicht nur eine Kette juristischer ur.d demzufolge auch politischer Fragen aufgeworfen, sie hat auch die traurige Erscheinung der Kriegsverbrecher noch einmal in den Mittelpunkt der Diskussion gerückt. Eine Fülle von Problemen sind aufgetaucht, denen man bis dahin kaum über den Kreis der unmittelbar Interessierten irgendeine Bedeutung beigemessen hatte. Schnell wurde klar, dass eine der grössten Schwierigkeiten bei der Mei. nungsbildung und Urteilsfindung die ungeheure Unkenntnis der breitesten Oeffentlichkeit über den gesam. ten Fragenkomplex der Kriegsverbrecher ist. Selbst die gutwilligsten Menschen in der Welt haben kaum noch eine Vorstellung von den Verbrechen, die vom Dritten Reich und seinen Dienern begangen worden sind, deren Opfer nicht nur, aber in erster Linie die Juden gewesen sind. Judenverfolgungen hat es zu allen Zeiten gegeben. Die katholischen Könige haben die Judenvertreibung in einem totalen Umfang vorgenommen, als b.'s zu einem bestimmten Tage alle dort lebenden Juden Spanien verlassen mussten. Es gab auch Massenmorde an Juden in den ukrainischen und anderen Pogromen in Deutschland zur Zeit der Kreuzzüge, in weiteren europäischen Staaten und zu anderen Zeiten. Aber die systematische Ausrottung von Völkern und Gemeinschaften, die unter der Lenkung einer zusammengetallten, staatlichen Macht organisiert wurde, blieb dem braunen Hitler- Reich Vorbehalten, das „Juden und Zigeuner’ als die ersten Opfer ihres Umsiedlungsprogramms für den europäischen Osten auserse- Sie wollen Frieden mit Israel Jerusalem. — Hunderte Transjordanier erklärten offen den Mitgliedern des christlich-amerikanischen Palästina-Comites ihren Wunsch nach Frieden mit Israel, wie Mitglieder dieser Organisation frommer nordamerikanischer Christen jetzt enthüllten. Nach ihren Aussagen haben sich die Transjordanier dahingehend geäussert, dass der arabisch-israelische Frieden die Lül sung der meisten Mittelostprobleme darstellen würde. Die Aegypter, mit denen die Nordamerikaner bei ihrem Aufenthalt in Aegypten sprachen, erklärten ein. stimmig, sie seien überzeugt, dass ihr Präsident Nasser eines Tages Israel angreifen und vernichten werde. Die Reisenden waren auch im Libanon und Syrien. Eine Woche verbrachten sie in Israel, wo sie die heiligen Stätten der Christenheit aufsuchten und die Entwicklungsgebiete besichtigten. Ihr besonderes Interesse galt den Beziehungen zwischen der arabischen Minorität und der jüdischen Mehrheit. (ITA) hen hatte. Es kann auch heute kein Zweifel mehr daran bestehen, dass weitere Bevölke-ungsgruppen in diesem angeblich deutschen .Siedlungsraum das gleiche Schicksal erlitten haben würden, wenn die Macht der Nazis nicht durch die vereinigten Anstrengungen der freien Welt, zu der damals auch die Sowjetunion gehörte, niedergestampft und zerbrochen worden wäre. Die Mehrheit der Bürger der freien Länder Amerikas hat von diesen Schreckenstaten auch nach dem Kriege kaum Kenntnis genommen. Sie hat sich nur sehr am Rande für die Nürnberger und andere Prozesse interessiert, in denen ein umfassendes Material über die Greuel und Verbrechen vorgetragen und dokumentiert worden ist. Soweit Bildstreifen gezeigt wurden, wollten und konnten die Zuschauer nicht glauben, dass hier nur ein Bruchteil der Wahrheit geboten wurde. Diese Schlechtigke.i und die Grausamkeit, die menschliche Not. und dieses Leiden überstieg die Fassungskraft und die Aufnahmefähigkeit der gutgläubigen Massen, die sich einfach nicht vorstellen konnten, dass unter deutscher Herrschaft der Terror in nie geahnter und nie gekannter Weise gewütet hat. Kannte man doch die Deutschen als das „Volk der Dichter und Denker”, kannte man doch die Deutschen im Ausland als flcissige und tüchtige Menschon, denen derartige Verbrechen nicht zuzumuten waren . . Und doch blieben die Darstellungen und Berichte, die veröffentlicht oder gezeigt wurden, noch weit hinter der grausamen Wirk, lichkeit zurück. Das Rad der Polen haben viele furchtbare Jahre hindurch am eigenen Leibe unter den unmenschlichen Verbrechen der Nazis gelitten. Unsere Erde ist mit dem Blut der sechs Millionen Opfer der Grausamkeit dieser Schergen getränkt. Auf unserem Boden errichteten Elf hmann und seine Handiangei ihre Todesfabriken, unter denen Auschwitz u.id Majoanek die fürct terlichster wai en.” Arkady Sobolew, der sonst so unverbindliche Botschaf ter der Sowjetunion, erhob im Namen seiner Regierung energisch Anklage gegen Eichmann und Genossen. Der aristokratische Cabot Lodge gab mit ausführlicher > Eindringlichkeit eine Beschreibung der in den Konzentrationslagern verübten Greuel, und der wortkarge Sir Pierson Dixon hielt eine flammende Reue. Nach ihm spracn der Vertreter Frankreich.?, Armand Berard, zu einem Auditorium das durch die Beschreibungen seiner Vorredner schon tief beeindruckt war. „Im Jahre 1945”, führte Berarc aus, „standen die von den Nazis im besonderen in Europa begangenen Verbrochen allen Menschen noch deutlich vor Augen. Damals hätten bei der blossen Erwähnung Eichmanns gewiss alle Mitglieder der UN einstimmig für seine Verurteilung gestimmt. Zum Teufel Geschichte rollte weiter, und ein neues, anderes Deutschland trat wieder mit der Welt in Verbindung. Das Interesse an der jüngsten Vergangenheit ebbte ab, soweit es überhaupt einmal ernsthaft vorhanden gewesen ist. Das Leben geht eben weiter. Die Regierung in Bonn rückte energisch von den Grausamkeiten des Dritten Reiches ab, die sie übrigens niemals geleugnet hat oder zu verkleinern bestrebt war. Unzählige Prozesse gegen die Schinder der Konzentrationslager wurden nun schon von alliierten Gerichten durchgeführt, in denen immer von nev em die Schrekken der Vergangenheit gezeigt und bewiesen worden sind. Die Serie dieser Verfahren ist auch heute noch nicht abgebrochen. Die schauerlichen Verbrechen werden dort in ihren Einzelheiten erörtert und abgeurteilt. Von all diesen vielen Prozessen, die im Laufe der letzten Jahre in Deutschland durchgeführt worden sind, ist aber nur selten eine Nachricht ins ferne Amerika, jedenfalls in die lateinamerikanischen Staaten gedrungen. Weder die grossen noch die kleineren Zeitungen erhielten das erforderliche Material, um ihre Leser zu informieren. Erst der Fall Eichmann hat die Oeffentlichkeit wieder aufgewühlt und gab Veranlassung, dem erstaunten Leser manche Details zu ¡berichten, die entweder mV Muestra de Arte en Israel Jerusalem. — En el Museo de Bezalel se inauguró una exposición de piniura argentina. La misma exposición se habia realizado anteriormente en Tel Aviv con gran éxito, por lo cual se resolvió realizar la misma nuevamente. .... , , La inaguración dió lugar a un brillante acto al q asistieron el Encargado de Negocios de la República Argentina, Sr. Colombo, el Director General de la Cancillería israelí. Sr. Yagil, y una numerosa y selecta concurrencia. . La Muestra de Pintura Argentina abarca trabajos de 22 pintores de ese país, que tuvieron marcado éxito de la crítica de la prensa local. En los medios diplomáticos de Israel se señala el hecho de que la realización de esta muestra de arle argentino ha venido a atenuar la tirantez de relaciones entre Tel Aviv y Buenos Aires, oausada por el asunto Eichmann. Kunstausstellung in Israel Jerusalem. — Im Bezalel-Museum wurde eine Ausstellung argentinischer Malerei eröffnet. Diese Ausstellung wurde vorher in Tel Aviv mit grossem Erfolg gezeigt, weshalb man beschloss, die gleichen Bilder nochmals auszustellen. Die Eröffnung der Ausstellung gab zu einer glänzenden Veranstaltung Anlass, der der Geschäftsträger der Republik Argentinien, Herr Colombo, der Generaldirektor des israelischen Aussenministeriums. Herr Jagil, und ein zahlreiches und ausgewähltes Publikum; beiwohnten. Die Ausstellung argentinischer Malerei umfasst Arbeiten von 22 Künstlern aus diesem Land, die bei der Kritik in der hiesigen Presse ausgesprochenen Beifall fanden. In diplomatischen Kreisen Israels wird darauf verwiesen, dass die Verwirklichung dieser Ausstellung argentinischer Kunst dazu beigetragen hat, die Spannung in den Beziehungen zwischen Tel Aviv und Buenos Aires, die durch den Fall Eichmann verursacht wurde, zu mildern. SCHLOMO S. TANGER mit den Spitzfindigkeiten trockener Gesetzesbuchstaben, sage ich, denn hier ist ein himmelschreiendes Verbrechen verübt worden, dessen Opfer nicht nur die Juden sondern die ganze Menschheit gewesen ist.” Dieser Ausruf „zum Teufel mit den Spitzfindigkeiten trockener Gesetzesbuchstaben” verhallte nicht ungehört, und wie es ein indischer Delegierter ausdrückte, „bekam Argentinien seine Resolution und Israel be. hielt Eichmann.” Diesen Sieg errang nicht allein Israel, sondern es wa‘i ein Sieg der Menschheit. Und dem Sicherheitsrat gfebührt der Ruhm, sich mit unmissverständlicher Klarheit über die Verbrechen: der Nazis ausgesprochen 2fl haben. Wie es der USA-Dfelegierte Cabot Lodge atrs. drückte, hat Argentinieh durch seine Beschwerde vör dem Sicherheitsrat, ohne fcä zu wollen, der Gerechtigkeit einen grossen Dienst erwiesen, enn der Fall Argentiniens sei „geschlossen” und das Buch des Gesetzes „aufgeschlagen” worden. mals bekannt oder geglaubt worden sind. Wie wesentlich es gewesen wäre und auch jetzt noch ist, diese Begebenheiten durch Artikel oder Berichte der Gerichtsreporter zu verbreiten und auch in den südamerikanisehen Ländern zu publizieren, hat sich nunmehr erneut erwiesen. Zu manchen Fragen, die im Zusammenhang mit der Aufbringung Eichmanns aufgeworfen worden sind, wurde hier bereits ausführlich Stellung genommen, sodass wir uns Wiederholungen ersparen können. Die Verbrechen dieses Monstruums haben wir im einzelnen in mehreren Artikeln geschildert, wobei wir uns nur auf amtliches Material stützten, sodass wir auch insoweit darauf verzichten wollen, in weitere Einzelheiten einzutreten. In den letzten Wochen haben zahlreiche argentinische Zeitungen allgemein-wichtiges Material hierzu veröffentlicht. Wir sind der Ueberzeugung, dass es nicht auf das Schuldkonto der argentinisehen Presse zu schreiben ist, wenn bis zu diesem Zeitpunkt nur selten Publikationen zu diesem Thema erfolgten, das unter dem neugeschaffenen Begriff der „unbewältigten Vergangenheit" einen Gegenstand täglicher Auseinandersetzungen und Debatten inner, halb der deutschen Presse und Bevölkerung bildet. Die Begebenheiten um den Fall Eichmann haben mit Deutlichkeit gezeigt. dass diese schauerliche Vergangenheit keinesfalls nur vom deutschei Volk unbewältigt blieb. Wie der Na. zismus eine Seuche war, die ihre verheerenden Auswirkungen weit über die altert Reichsgrenzen hinaus gehabt hat, so blieben die negati. ven Folgen dieses schrecklichen Rückfalls in die Barbarei auch von anderen Ländern unbewältigt, die nicht einmal die gleichen! Möglichkeiten einer Oriert. tierung hatten, wie sie derti deutschen Volk gegeben waren. Von allen Seife# wurde dem Problem nicht die Aufmerksamkeit geschenkt, die es unbedingt erforderte und die im In. teresse einer ausgleichenden Gerechtigkeit notwendig (Schluss auf Seite 2) Ben Zwi auf Reisen Jerusalem. — Staatspräsident Ben Zwi und seine Gattin machen eine neuntägige Mittelmeerreise an Bord der „Jerusalem”. In ihrer Begleitung befinden sich ihre Schwiegertochter und zwei Enkelkinder. Der Präsident wird einen kurzen Aufenthalt in Neapel und Marseille nehmen. Als Stellvertreter Ben Zwis fungiert der Kncssetpräsident Kadiseh Lu?-. (ITA)