Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1795 (15.7.1960)
- Date
- 1960-07-15
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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* 3 ® A ® I 2 ¡j FRANQUEO PAGADO Concesión 908 MAM 3 a a 0<ë TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 Año XXI. BUENOS AIRES, VIERNES 15 DE JULIO DE 1960 Leo : 3 3^'--. I 'r,titut -V O *1 v: V! * ’; j ■ ■ / A v " l - V t f i 4 , \ i k U» î ï! I « * i <j t *J « No. 1795 EL EJEMPLAR en toda la República 3,- Buenos Aires PUEYRREDON 2190 19 i*q. T. E. 83 . 2613 pionage-ATiaren m Seit vielen Wochen berichtet die ägyptische Presse fast täglich über die Zerschlagung von nich: weniger als sechs proisralischen Spionageringen. Erfolgreiche ägyptische Abwehrbeamte waren bei der Aufdeckung der Spionage tätig, der russische Geheimdienst soll ihnen geholfen haben, ein Verwandter des Königs Faruk Ist in die Affäre verwickelt, der natürlich in direkter Ständiger Verbindung mit Ben Gurion und Golda Meir stand. Damit Israel sich in dem ganzen Schauspiel nicht allein und isoliert fühlt.gibt es einen Heiden in der Affäre, der auch für die NATO tätig 'war, und so ist dann die Verbindung zum Imperialismus herge- SteH*. Längst liegen Geständnisse von den Angeschuldigten vor, und ausländische Korrespondenten wurden eingeladen. den Prozessen beizuwohnen, die öffentlich geführt. werden sollen. Vertnutliche Prozessdauer ist 2Wei Monate, und mehrere Angeklagte haben die Todesstrafe zu erwanten. Hier sei die Geschichte von zwei Angeklagten herausgegriffen, die ein deutliches ’Licht auf den Staat Nassers und seine Methoden werfen kann. DIE ERLEBNISSE GOUDSWAARDS Der 67jährige holländische Geschäftsmann Mewis Goudswaard, der sich Ende Oktober nach Aegypten begeben hatte, wurde von seinen Angehörigen vermisst. Nachrichten lagen nicht vor, und schliesslich konnte die niederländische Botschaft in Kairo feststellen, dass Goudswaard unter dem Verdacht der Spionage zugun- , sten Israels verhaftet wor- War. ■ " 1' " Vorher hatte ein ägyptischer Student mit einem „Juden aus Deutschland“, Hans Schmidt, Verbindung auf genommen. Schmidt hat- ” te Iskandarani überreden wollen, er solle ihm für Israel Informationen auf^eine Adresse nach Mailand übermitteln. Doch der brave Iskandarani stellte sich dem ägyptischen Geheimdienst und verriet alles. „Durch Iskandaranis Tätigkeit vurde man auf Goudswaard aufmerksam, und er wurde am 9. November verhaftet“, — berichteten die ägyptischen Zeitungen, ohne sich weiter darüber zu aus. sern, warum Iskandaranis Enthüllungen gerade Goudswaard verdächtig erscheinen Jiessen. Goudswaard legte — laut „Al Ahram " prompt ein Geständnis ab und berichtete, dass er 1957 mit dem israelischen Konsulat in Amsterdam Verbindung aufgenomrnen und sich für 500 Dollar monatlich dem israelischen Spionagedienst, verdungen hatte. Goud.vanrd reiste s?<;iter mit em-m Gramme. phon nach Aegypten ein, in dem ein Sender verborgen war. Dreimal in der Woche hatte er Informationen zu senden, doch nützten seine Sendungen nicht viel, die von einer Wohnung im Zentrum in Kairo ausgingen. Erst als er ins Wohnviertel von Zamalew übersiedelte, sollen seine Sendungen besser „geklappt“ haben. Der israelische Spionagedienst soll jedoch — nach der ägyptischen Darstellung — mit dem Holländer nicht sehr zufrieden gewesen sein. Goudswaard wurde nach Rom beordert, wo er von einem Fachmann namens „George“ zusätzlichen Unterricht bekam, und dann begann er erneut von Alexandria aus, zu arbeiten. Am 9. November 1959 wurde er in Alexandrien verhaftet, aber der ägyptische Geheimdienst ¡machte nicht etwa seiner Tätigkeit ein Ende, sondern liess ihn mit seinen Geräten falsche Informationen an seine israelischen Komplizen weitersenden, und er soll von diesen Anweisungen bekommen haben die die Aegypter sehr interessierten. Goudswaards Tätigkeit für den ägyptischen Geheimdienst hörte im Februar auf, an dem Tage „an dem sein Visum und seine Aufenthaltsbewilligung abliefen“. Das ist die offizielle ägyptische Version, denn „Kairo wollte bei den Israelis keinen Verdacht erwecken" — doch klingt die Begründung recht merkwürdig. Vielmehr besteht der Eindruck, dass die Aegypter die Affäre Goudswaard publik machten, als die holländischen Nachfragen zu unangenehm wurden und sie aus innerpolitischen Gründen die Spionage-Reklame dringend brauchten. Dr. FRITZ KATZ KAM ZURUECK Nicht weniger abenteuerlich ist die Geschichte, die den 61jährigen Chirurgen Dr. Fritz Katz betrifft. Dr. Katz, der nach 1933 HitJer- Deutschland verlassen hatte und emigirert war, war lange Chefchirurg am jüdischen Krankenhaus in Alexandrien. Für die Aegypter ist Dr. Katz, der die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt, ein „alter Spion”. Katz war über die Suez- Aktion hinaus in Aegypten geblieben. Langsam wurde es ihm jedoch ungemütlich, und er verliess im April 1958 Aegypten. Im Besitz eines deutschen Passes hätte er ohne weiteres nach Deutschland fahren können, wo er wie and^^ Rückkehrer sehr baiu 'Entschädigungsgelder erhalten und in Ruhe hätte leben können. Diese Möglichkeit kommt jedoch für .den ägyptischen Geheimdienst, der nach Romantik und Abenteuer strebt, nicht in Betracht.; Nach der Darstellung des Geheimdienstes konnte Katz j (warum eigentlich?) nicht *> allein aus Aegypten abfahren, sondern er brauchte die Hilfe eines gewissen Raschid Rezik, um „nach Genf zu flüenten”. Raschid Rezik wv.rt e inzwisenen auch verhaftet und sieht seiner Aburteilung als Spion entgegen. Kurze Zeit nach Aufnahme der Verbindung zu Re. zik reiste Dr. Katz nach der Schweiz, Raschid Rezik folgte ihm, und in der Schweiz trafen sie sich mit einem Manne namens Fritz Glaser, der zwei Eigenschaften hatte: Er war Jude und griechischer Staatsangehöriger. Er hatte in Aegypten gelebt und sich nach der Suez- Kampagne nach Europa begeben. Glaser wollte Katz Beschäftigung verschaffen und verwies ihn an einen reichen Araber, der in Mailand wohnt. Katz liess alle Vorteile in Deutschland fallen und trat den Flug nach Mailand an, wo ihn der erwähnte Araber Ahmed Halifa empfing. Dieser dirigierte ihn nach Genua weiter, wo sie ein Mann namens Peter erwartete. Peter stellte sich erst als Abgesandter einer internationalen anti-kommunistischen Arbeiter-Organisation und später als Vertreter der NATO vor. Peter und Glaser, der den Beinamen Bishop trug, nahmen sich zuerst Raschid Rezik vor und warben ihn als -Agenten an. Rezik fuhr nach Alexandrien zurück und begann AppeD an Vereinte Nationen New York. — Eine Uebersicht über die antisemitische Welle, die im vergangenen Januar durch 41 Länder ging, ist den UN vom Jüdischen Weltkongress unterbreitet worden, wie Samuel Broniman, der Präsident der nordamerikanischen Exekutive mitteilte. Der Weltkongress ersucht die UN, Schritte zu unternehmen, um den Antisemitismus einzudämmen, und schlägt die Dienste der Interpol vor, um die Zwischenfälle und ihren Ursprung zu untersuchen und gleichzeitig die neofaschistischen Gruppen mit internationalen Verzweigungen aufzuspüren. Dr. Nehemia Robinson, der Direktor des Instituts für jüdische Fragen des Weltkongresses, der die Zusammenstellung der erwähn, ten I ebersicht leitete, führt als Beispiel die Zusammenarbeit von sechs Organisationen an. zu denen sich als siebente der Ku Kux Klan gesellt, der jetzt auch seine Arbeit auf internationales Gebiet ausgedehnt hat und Kontakte mit England, Westdeutschland, Oesterreich und Argentinien herzustellen be. müht ist. In diesen Ländern seien in letzter Zeit neue Gruppen geschaffen worden. Bei Ausbruch des Antisemitismus im Januar 1960 wurden in den USA in 126 Orten Ausschreitungen gemeldet, ferner 82 in Westdeutschland, 35 in England, 32 in Italien, 25 in Oesterreich, 17 in Frankreich, 13 in Schweden, 10 in der Schweiz und ca. 100 in anderen Ländern. Die Anzahl der Orte entspricht nicht notwendigerweise der Zahl von Zwischenfällen, wie Robinson feststellt. Sechs internationale Gruppen stellen die Verbindung in folgenden 15 Ländern her: Oesterreich, Australien, Belgien, England, Dänemark, Finnland, Frankreich, Deutschland, Italien, Norwe. gen, Südafrika, Spanien, Schweden, Schweiz und USA. Es handelt sich um folgende Gruppen: 1. Neue Ordnung in Europa, an deren Spitze , ein gewisser Charles Luea, ein Franzose, stehi. Diese Organisation stützt sich hauptsächlich auf die Französische Volksfront und hält Verbinc.ungen mit Gruppen in Deutschland, Italien, Oestereich und Belgien aufrecht. — 2. Sozial« Europäische Bewegung des Sehweiten Per Engdahl, der 50 Organisationen, in 14 Ländern angeschlossen sind und die wahrscheinlich auch Verbindungen mit arabischen Ländern unterhält. — 3. Nordischer Verband in Schweden. — 4. Liga des Nordens, deren Vorsitzender Roger Pearson aus London ist, der mit antijüdischen Gruppen in, USA und Europa in Verbindung steht. — 5. „Verbände” ehemaliger SS-Leute, hauptsächlich in Europa,, doch mit Zweigstellen in Lettland, Estland, Ukraine, Albanien und Mitgliedern unter den im Exil lebenden Spaniern. — 6. Europäische Legion, die im Oktober 1959 in Wien gegründet wurde und der auch Deutsche, Italiener, Spanier, Franzosen, Belgier und Holländer angehören. Der Weltkongress führt des weiteren Einar Aberg an, der seine Hetzschriften in viele Länder verschickt, und schliesslich die Moslcy-Faschisten in England. Es wird darauf verwiesen, dass in den letzten Monaten in der Welt zumindest 2.000 antisemitische Ueborgriffe vorgefallen sind. Robinson hebt zwar hervor, dass nicht alle Ausschreitungen verzeichnet wurden, weil man oft nicht die Polizei anrufen wollte oder auch die Oeffentlichkeit scheute oder aus ähnlichen Gründen von einer Bekanntmachung Abstand genommen habe. Neue Erfclaenmg Krutschews Wien. — Krutschew erklärte hier, die Sowjetunion werde weiter Waffen an die arabischen Länder, im besonderen an die VAR schicken, weil einige westliche Länder Israel weiter bewaffnen. Er äusserte in einer Pressekonferenz kurz vor Abschluss seiner Staatsvisite in Oester, reich, die arabischen Länder müssten Waffen besitzen* um ihre „positive Neutralität” angesichts der aggressiven Absichten der Westmächte zu schützen. Er habe den Westmächten vorgeschlagen, alle Waffensendungen nach dem Mittelosten einzustellen, su versicherte Krutschew, doch der Westen wolle nur die russischen Lieferungen blockieren, ohne seine eigenen Sendungen nach Israel einzustellen. Daher sei die Sowjetunion gezwungen, für die Aufrechterhaltung des Rüstungsgleiehgewichts im Vorderen Osten zu sorgen. Der sowjetische Diktator lächelte ironisch, als ihn ein Journalist fragte, was Israel tun könne, um seine Beziehungen mit Moskau zu verbessern. Er entgegnete, er könne Ben Gurion keinen Rat erteilen und wisse auch nicht, ob dieser darauf warte, denn ihm selbst würden derartige Ratschläge auch nicht passen. Er erwähnte mit keinem Wort Ben Gurions mehrmalige Angebote, nach Moskau z-u kommen, um sich mit Krutschew dor, zu treffen. Als ein Korrespondent ihn über den Status der Juden innerhalb Russlands befragte, wurde Krutschew böse. Al* dann die Frage gestellt wurde, ob er den russischen Ju. den erlaube, das Land zu verlassen, um sich mit ihren Angehörigen in anderen Ländern zu vereinigen, antworte^ te Krutschew erbost, das sowjetische Aussenministerium habe auch nicht ein einziges Gesuch eines russischen Juden um Erteilung einer Auswanderungserlaubnis erhalten. Andererseits, so unterstrich er, seien viele Anträge aus Israel eingelaufen, in denen um Einreisebewilligung in die Sowjetunion nachgesucht wird. Im übrigen, so setzte er hinzu, sei die „Wiedereinigung der Familien” ein vager Ausdruck, der nichts besagt. (ITA) dort zu arbeiten. Er nahm insbesondere Verbindung mit ägyptischen Soldaten auf, um Informationen zu beschaffen. Rezik wurde jedoch gefasst und verhaftet; auf Weisung des ägyptischen Geheimdienstes schrieb er an Dr. Fritz Katz einen Brief, in dem er ihn bat, zweck „Liquidierung seiner Geschäfte” (welcher?) nach Aegypten zurückzukommen. So unglaubwürdig die Geschichte klingt — nach der Darstellung der Kairoer Behörden soll Katz daraufhin nach Aegypten zurückgefahren sein, wo er prompt verhaftet wurde und dann natürlich auch viele Geständnisse ablegte. Dr. Katz gab zu, ihm sei bekannt gewesen, dass Raschid Rezik Material an Glaser alias Bishop sandte. Dr. Katz wusste auch, dass Glaser-Bishop mit Said Halim, einem Verwandten des ägyptischen Königshauses bekannt war — und dieser Said Halim soll mit Ben Gurion und Golda Meir direkt in Verbindung gestanden haben, die ihm ihre Hilfe beim Sturz des Nasser-Regimes zugesagt hatten. Jetzt sitzt Dr. Katz im Gefängnis, und nach dem ägyptischen Gesetz hat er mit lebenslänglicher Kerkerstrafe zu rechnen. Di« ägyptischen Zeitun. gen frohlocken darüber, dass Nassers Geheimdienst in dreijähriger Arbeit sechs proisraelische Spionagerin. ge aufdecken konnte. Die grosse Welt wird aus dieser Mitteilung nur entnehmen, dass das Regime in Kairo ebenso wie andere Diktatur-Staaten dringend Schauprozesse mit längst vorbe. reiteten Geständnissen nötig hat, um sich Popularität zu sichern. Die „Cleopatra” - Affäre und die Abstimmung im amerikanischen Senat haben die Abhaltung der Prozesse offensichtlich ganz besonders dringlich erscheinen las. sen. Jugoslawien hat Beweismaterial Belgrad. — Jugoslawische Beamte enthüllten, dass Beweise vorhanden sind, die Eichmann direkt für die Deportation und Ermordung der jugoslawischen Juden unter dem Hitlerregime belasten. Dieses Material wurde in Zagreb gefunden, wo sich der Sitz der kroatischen Nazibewegung der Oustachis befand, Drago Diurio, der jugoslawische Botschafter in Israel, der jetzt aus seinem Amt scheidet, gab seiner Befriedigung Ausdruck, dass Jugoslawien der erste Staat war, der die israelische Forderung nach Aburteilung Eichmanns in Israel unterstützt hat. Die jugoslawischen Behörden gaben keine Einzelheiten über di« Art der Beweise bekannt, doch man weiss, dass Eiehmann der Mittelsmann zwischen dem Naziregime und dem Exmufti Amin el Husseini gewesen ist und die Verhandlungen zur Bildung einer mohammedanischen Nazi-Brigade führte, welche gegen die Alliierten eingesetzt werden sollt«. fITA) Registro de la Propiedad Intelectual N? 624 370 impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Corrientes 3114